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2008-08-10 Kainach Bergmarathon - Ulrich

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Berichte:
Datum: 2008-08-10
Event: Kainach Bergmarathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: Ulrich

Ulrich:
Wanderertag

Um 3:50 läutet der Wecker. Habe ich geschlafen? Nun, wahrscheinlich ja, ich bin ja dauernd aufgewacht, also muß ich auch geschlafen haben.
Wir frühstücken, gepackt haben wir schon und hupfen bestmöglich aufs Motorrad. Treffpunkt 5:00 bei Tschitschi. Larissa ist mit von der Partie, Sie strahlt eine Freude aus, eine Unbekümmertheit, die sagenhaft ist.
Wir düsen nach Kainach in den Tag. Wetter scheint absolut prächtig zu werden, vorerst noch ein wenig frisch, aber laut offensichtlicher Prognose ein Traumtag sondergleichen.

In Kainach angekommen, eine sehr sehr nette, familiäre Veranstaltung, wir holen Startunterlagen, ein tolles Leiberl, und bereiten uns langsam auf den Lauf vor.

Am Hauptplatz werden die Sponsoren gewürdigt, die aktuellen News zum Marathon verkündet und die zukünftigen Neuerungen, alles wirkt sehr familiär, langsam sticht die Sone runter. Vor dem Startschuss segnet ein Priester das Feld, nette Geste.
Die Vorhut des Feldes übernimmt eine Gruppe Harley Davidson Fahrer mit den Fahnen der unterschiedlichsten Teilnehmerländer.
Startschuss. Tschitschi und Larissa ziehen uns stetig davon, Heidi und ich halten uns hinten, eigentlich ganz hinten auf, unterhalten uns mit ein paar anderen respektvollen Läufern, respektvoll der Strecke gegenüber. Hinter uns der Wagen der Veranstalter.
Beim ersten Anstieg plaudern wir mit einem Kollegen, der, wie sich herausstellt, zum 11. mal in Kainach startet, auch die Veitsch kennt er wie seine Westentasche. Er scheint auf den Bergen zuhause zu sein, doch kennt auch er unsere Nurmis. Es gibt massenhaft Gesprächsstoff.
Langsam laufen, schnell wandern wir den Berg hinauf. Der erste Anstieg zieht sich immerhin über 16 km und ca 1300 HM hin. Wir kennen die Strecke nicht, daher halten Heidi und ich uns gerne bei einem dermaßen erfahrenen Mitläufer auf.
Nach einer Stunde verabschiede ich mich und versuche mein Tempo zu finden, Heidi bleibt bei Karl, unserem Bergführer. Da ich in der ersten Stunde genügend Energie gespart zu haben glaube, kann ich nun ein wenig überholen.
Ich schlucke einen nach dem anderen, genieße die wundervolle Landschaft. Wir laufen über Almen, über Stock und Stein, durchs dichte Gras, bis wir am höchsten Punkt angelangt zu sein scheinen.
Scheinen, es geht immer noch höher. Ein Anstieg, der entfernt in seiner Steilheit an den Teufelssteig erinnert, tut sich vor uns auf. Ich bitte ein paar jausnende Zuschauer um eine Stärkung, bekomme ein Bier. Ein kleines Schluckerl, ein ganz kleines, der Hetz halber.
Nun scheinen wir wirklich am Hochplateau angekommen zu sein. Tiefe Wiesenabschnitte, durchmischt mit Felsbrocken und Kuhfladen, ja wir sind auf der Alm. Schad dass Heidi jetzt nicht da ist.
Ich laufe, genieße, scheine heute einen recht guten Tag zu haben. Aber eigentlich ist es nicht so wichtig, denn heute zählt das Erlebnis. Kainach ist einer der schönsten Marathons, die ich je gelaufen bin.
Immer wieder Verpflegungsstellen, die mit einer frenetischen Begeisterung betrieben werden, fast tut es leid, wieder weiterzulaufen. Teilweise ist an Laufen ohnedies nicht zu denken. Vorerst jedoch nicht wegen der nachlassenden Kräfte, sondern wegen der extrem steilen Wege. Hohe Felsbrocken, teils rutschige Wiesen, es ist halt ein Abenteuerlauf nur für Berggemsen. Als Wanderer versuche ich mich dem Gelände ein wenig anzupassen und hupfe von Stein zu Stein. Es macht Spaß. Ich finde meinen Rhythmus und komme so sogar auf ein anständiges Tempo. Was mir ein wenig fehlt, sind die KM Markierungen, so stehe ich dann aber doch plötzlich und sehr verwundert vor dem 20er Schild. Annähernd 3 Stunden sind vergangen. Pascal mein Mitläuder zu diesem Moment lächelt und meint, er hätte wohl eine neue PW, eine Personal Worst aufgestellt. Am HM 3 Stunden, nette Sache.Und weiter gehts.
Ich laufe, genieße, staune über die tolle Aussicht, erlebe die Gegend, das Leben ist schön. Zu meiner großen Verwunderung glaube ich Larissa und Tschitschi vor mir zu erkennen und siehe da, wirklich habe ich sie bald vor mir. Bei einer Labestation hole ich sie fast ein, bei einem Fluss, den wir durchqueren ist es dann soweit.
Doch kann ich ihr Tempo nicht halten und begnüge mich mit dem Erfolg, Bergfex und Gams wenigstens kurzfristig eingeholt zu haben. Seltsam, nun scheint meine Kraft rapide zu schwinden. Mir fallen die Abschnitte immer schwerer. Noch sind es ca 15 KM. Die Strecke bleibt wunderschön, ich kämpfe. werde wiederum von jenen überholt, die ich zuvor geschluckt habe. Macht nichts, heute steht das Erlebnis im Vordergrund. Aber dass es langsam so zäh wird,ist doch ein wenig unerfreulich. Ich schleppe mich über die Strecke. Pascal überholt mich wieder, wir plaudern, er hängt mich ab.
Die Erinnerung verschwimmt ein wenig, außerdem möchte ich schon auch versuchen, primär die rein positiven Zeiten meines Laufes zu memorieren. in den letzten 12 km der Laufes muß ich sehr beißen, eigentlich habe ich massive Probleme. Wurscht, ich will durch.
An den Labestellen hinterlasse ich Nachrichten für Heidi, doch rechne ich eigentlich fix damit, dass sie mich jeden Moment einholt. Es folgt ein sehr steiles, ewig langes Straßenstück, bergab. Leicht widersprüchliche Angaben an den Labestationen über die Streckenlänge tun mir auch nicht mehr weh, ein jeder Meter bis zum Ziel wirkt wie eine Ewigkeit.
Irgendwann führt die Strecke in Zielnähe, es beginnt die "Sadisten-" oder auch "Friedhofsschleife" ca 2 km wird die Strecke nocheinmal weg vom Ziel geführt, auf einen Hügel mit Aussicht auf den Friedhof. Dann endlich Strasse, Strasse Richtung Ziel. Seltsam, Auf der Strasse fühle ich mich läuferisch wieder frisch, kann einmal noch genießen. An der Kirche vorbei, am Gehsteig, über eine kleine Brücke, ins Ziel.

Nummer 29 ist geschafft

Es war einer der schönsten Marathons meines Lauflebens.

u.

heitzko:
für die vorbereitung hast du dich - wage ich zu behaupten - sehr gut geschlagen und was viel wichtiger ist, wir haben einen wunderschönen tag verbracht!!!

dogrun:
Danke für den schönen Bericht, er macht def. Lust auf diesen Lauf!

boenald:
hat er recht, der dogrun - schon allein aufgrund der fotos (und jetzt auch noch aufgrund dieses berichts) hats der kainachmarathon auf meine persönliche wunschliste geschafft. dass das ein erlebnis der besonderen art sein muss, geht klar hervor, find ich übrigens bemerkenswert, wie du einräumst, dir die schlussphase dieses marathons direkt ein wenig schöngeschrieben zu haben :). hoffe nur, dass sich die "massiven probleme", von denen du schreibst, bald wieder vertschüssen.

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