Autor Thema: Mozart100 (Bericht)  (Gelesen 472 mal)

Offline Scholle

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Mozart100 (Bericht)
« am: 05.07.2018, 12:36:39 »
Mozart100 (Ein Nachtrag an alle Facebook-Verweigerer)


Aufgrund meines arbeitsbedingten wenigem Training habe ich mich sehr spät für den Mozart100 angemeldet. Unterm Strich blieb mir meist nur der Samstag für einen tatsächlich langen Lauf, unter der Woche war das Training schwierig einzuhalten, immerhin gibt es genug andere Verpflichtungen. Zum Glück habe ich mich doch noch angemeldet und ähnlich spontan habe ich am Vortag noch einen neuen Laufrucksack bei WEMOVE gekauft. Der Laufrucksack hatte nämlich seinen Auftritt nach Abholung der Startnummer. Die leichte Anspannung die man vor so einen Lauf empfindet, kann man gut mit „tänzelnden Rennpferde“ vergleichen, die nervös vor und in der Startbox herumtänzeln, ähnlich führte ich mich dann etwa zwei Stunden mit dem Laufrucksack auf: „Soll ich den neuen nehmen oder doch den alten?“. Der Rucksack wurde anprobiert, damit ein paar Schritte im Zimmer gelaufen, dann wieder der altgediente Rucksack. Das Spielchen wiederholte sich mehrmals. Der neue Rucksack drückt hier ein bisschen, der alte Rucksack reibt dort ein bisschen. Ich weiß nicht wie oft ich den Rucksack umgepackt habe, irgendwie steht man da neben sich und sieht sich verwundert bei der Aufregung zu. Trotzdem brauche ich dieses Abarbeiten der Anspannung, den ich konnte sogar schon um etwa halb Neun einschlafen! Das ist nicht ganz unwichtig, wenn man bereits um 3:15 aufstehen darf. Aufwachen, Kontaktlinsen, Abkleben, Einschmieren, Anziehen, Schuhe, Startnummer, Wasser und los geht es.

Punkt 5 Uhr erfolgt der Start und es geht raus aus Salzburg die Salzach entlang. Man blödelt herum und hört den Teilnehmern bei ihren Geschichten zu. Etwa bei Kilometer 6 beginnt dann der Anstieg zur Glasenbachklamm und weiter zur Pechauer Scharte bei Kilometer 14, als ersten Berg zum Eingewöhnen. Bis Hof bei Salzburg plätschert der Lauf mit ein wenig rauf und runter wohltuend dahin, bevor etwa bei Kilometer 24 der Fuschlsee in Sicht kommt. Eine Bundesstraße ist zu queren und ich bin jedes Jahr begeistert von den Mädels die dort anfeuern. Jeder wird von ihnen mit einem Enthusiasmus empfangen und angefeuert, überhaupt wieder ein ganz dickes Lob an alle Helfer die sich sehr um einen Bemühen!

Die Strecke am südlichen Ufer des Fuschlsee liebe ich und hier muss gelaufen werden, denn die  „cut-off-time“-Uhr  tickt erbarmungslos. Ich habe mir eine einfache Milchmädchenrechnung mit auf dem Weg gegeben um im Groben meine Zeit unter Kontrolle zu halten. Pro Kilometer durfte ich hochgerechnet etwa 10 Minuten brauchen, da gegen Ende die Zeit wohl knapp werden könnte. Außerdem wollte ich genug Zeit für die tatsächlichen Anstiege und Abstiege einplanen. Das bedeutet auch auf jeder Ebene und bergab zu laufen. In Fuschl an See, nach der dritten Labestation, geht es zum ersten echten Anstieg, hinauf zum Eibensee mit einem schönen Lillienfeld am südlichen Ende. Weiter geht es bis nach Winkl bei Kilometer 46 mit dem Blick auf den Anstieg auf den ich mich mental vorbereitet habe. Noch habe ich Kraft, ich liege etwa eine Stunde vor meiner berechneten Zeit, daher bin ich optimistisch.

Wie beschreibe ich den Anstieg rauf auf die Schafbergalm? Er ist atemberaubend, dass ist eher wörtlich zu nehmen. Es geht nach oben und es geht nach oben und das etwa 700 Höhenmeter lang. Oben angekommen heißt es Luft holen, zu Atem kommen, sich über Kilometer 50 freuen und dann wieder ab ins Tal. Ich bin kein großartiger Bergabläufer, insbesonders bei großen Steinen und Wurzeln habe ich meine Schwierigkeit, aber auch diese 5 Kilometer bergab liefen dieses Mal gar nicht so schlecht.

Dann geht es zum Falkenstein, der glücklicherweise dieses Mal eher frontal genommen wird, anstatt über zig Wander- und Schleichwege. Letztes Jahr hat mir diese kleine Erhebung tatsächlich einiges an Nerven gekostet, dieses Mal ging es nicht über Stock und Stein. Den Falkenstein runter „rollen“ lassen, Geschwindigkeit mitnehmen und einfach runter laufen bis zur Labestation in Fürberg/St.Gilgen bei Kilometer 59. Ein Läufer ist auf der Suche nach einer Toilette, was ich ebenfalls schon früher beobachten musste. Wenn die Natur ruft, hat man bei diesem Lauf leider nur begrenzte Möglichkeiten.
Weiterlaufen nach St.Gilgen, nur keine Müdigkeit aufkommen lassen. Es ist flach. Flache Strecken muss ich laufen. Eine Frau im Kanu paddelnd fragt welcher Lauf das ist, ich bin mir nicht sicher ob sie die Antwort verstanden hat. Egal, es geht weiter am See entlang. Etwa bei Kilometer 62 geht es durch eine Unterführung und eine etwa zehnjährige Helferin rennt mir extra nach um mir den Weg zu weisen. Habe ich schon erwähnt wie sehr ich das Engagement der Helferinnen und Helfer schätze?

Dann geht es in den zweiten massiven Anstieg, hinauf auf das Zwölferhorn, beginnend mit Stufen hinauf zu einer Felswand. Weiter hinauf in Serpentinen immer höher und die Zunge hängt bis auf den Boden. Ich wusste noch, wenn man denkt man ist oben, kommt nochmal eine weitere Steigung bis man endlich bei etwa Kilometer 65 bei der Labestation anlangt. Der Blick runter auf den See ist wirklich schön, nur dafür ist wenig Zeit. Ich brauche Flüssigkeit und fülle wieder mein Trinksystem nach. Dabei reiße ich aus Versehen gleich den Verschluss des Behälters ab. Ich muss einen Helfer bitten es aufzuheben, bücken ist schon schwierig geworden. Ich esse den vermutlich fünfzehnten Energieriegel, denn ohne Nahrungsaufnahme würden meine Muskeln verweigern.

Nach meiner Berechnung bin ich weiterhin gut in der Zeit und habe sicherlich eine Stunde auf die cut-off-time heraus gelaufen. Mit ein wenig auf und ab geht es vom Zwölferhorn runter Richtung Fuschl. Bei Kilometer 72,5 gehe ich mit etwa 11,5 Stunden Laufzeit durch. Jetzt nur nicht müde werden, obwohl das leichter ist als getan. Am Nordufer des Fuschlsees gehe ich dann doch ein paar Mal ein paar Schritte obwohl es flach ist.

Am Westufer angekommen beginnt das Gelände nach dem Golfplatz zu steigen. Wieder geht es über die Bundesstraße, die beiden Helferinnen sind immer noch so motiviert wie in der Früh, keine Ahnung wie die Beiden das schaffen. Jetzt geht es auf denselben Weg wie in der Früh zurück Richtung Hof, nur jetzt tun selbst die kleinen Anstiege schon weh. Mein Tempo lässt nach und mein Zeitguthaben verringert sich. Kein Grund zur Sorge, genau dafür habe ich es mir aufgebaut.

Bei Kilometer 83 bin ich schnell auf die Toilette verschwunden. Ich wusste in Hof gibt es eine Toilette oberhalb der Labestation und ich bin unglaublich glücklich über das stille Örtchen und das Klopapier und das Waschbecken. Man kann nun mal nicht seine Verdauung über Stunden planen.
Endlich kommt der Kilometer 85 in Sicht. Warum werden die Kilometer gefühlt nun immer länger? Egal, ich habe gemäß meiner Berechnung immer noch 30 Minuten Guthaben und immer noch genug Zeit die letzte cut-off-time zu erreichen. Sofern nichts Grobes passiert, sollte es auf jeden Fall machbar sein. Bei Kilometer 87 die Abzweigung und weiter geht es mit kleinem nervenaufreibenden rauf und runter, stetig Richtung Kilometer 90. Das Laufen fällt nun schon schwer und trotzdem laufe ich immer weiter und lasse mich noch selten zum Gehen hinreißen. Kurz vor dem Koppler Moor bekomme ich Wasser von einer Helferin nachgefüllt und werde zum Weiterlaufen motiviert. Der Weg durch das Koppler Moor ist schön und geradlinig bevor es wieder mal auf einen Berg hinauf geht. Auf der Karte sieht es nicht mal aus wie ein Berg, aber langsam tut wirklich jeder Anstieg weh.

Bei Kilometer 94 endlich die Labestation mit der letzten cut-off-time, jetzt wird alles gut, ich liege immer noch sehr gut in der Zeit. Es ist gerade einmal 20:30, ich habe also für die verbleibenden 10 Kilometer genug Zeit um jedenfalls zu finishen.
Rauf auf den Nockstein, ich hasse diesen Berg! Er tut nur noch weh, dabei ist der nicht einmal besonders hoch. Oben angekommen gibt es noch genug Licht, dass ich noch ein Foto bekomme. Dort sitzt jedes Jahr ein Fotograf und macht Bilder von den Läuferinnen und Läufern mit dem Nockstein im Hintergrund. Beim hinunterlaufen über die Holzstufen setzt es mich auf den Allerwertesten, langsam leidet auch die Koordination, die Muskeln reagieren langsamer auf den unregelmässigen Untergrund. Also die „besten“ Voraussetzungen für den langen Abstieg über 500 Höhenmeter über Laub, Wurzeln, Stock und Stein. Eine Zeitlang laufe ich in einer kleinen Gruppe vorne weg, bis ich irgendwann einfach nicht mehr die Konzentration für den Untergrund aufbringen kann. Ich falle ab und lasse die Gruppe ziehen. Es wird richtig still. Bin ich der letzte Teilnehmer? Das ist natürlich Unsinn, es geht weiter bis ich endlich bei den Stiegen ankomme, welche runter führen nach Salzburg.

Unten angekommen werde ich angefeuert und laufe wieder weiter. Nun ist der Untergrund Asphalt und es gibt keine Ausrede. Ich werde von zwei weiteren Läufern überholt, ich habe aber keine Kraft mehr mich anzuhängen. Der Kilometer 100 ist erreicht, jetzt ist es nicht mehr weit. Einfach noch über den Kapuzinerberg plagen. Die letzte Labestation lasse ich aus und nehme nur noch die Stufen in Angriff. Inzwischen ist es dunkel und ich habe die Stirnlampe eingeschaltet. Es gibt Glühwürmchen die im Schein der Lampe aufblinken. Schritt für Schritt, einfach nur Schritt für Schritt. Noch die Stiegen hinauf zum Schlössl und dann weiter zum Kapuzinerkloster. Ich laufe nicht mehr und gehe nur noch. Im Moment habe ich einfach keine Energie mehr. Kurz vorm Kloster werde ich überholt und angefeuert, ich will jedoch immer noch nicht laufen. Zwanzig Meter später komme ich doch wieder ins Laufen. Es ist jetzt eh nicht mehr weit.
Nur noch runter die Stiegen, über die Straße, durch die Unterführung, hinein in die Altstadt. Ich werde angefeuert, das tut gut. Den Kranzlmarkt entlang zum Residenzplatz und dann nur noch den Domplatz queren zum Kapitelmarkt. Jetzt noch über den roten Teppich laufend ins Ziel. Ich werde namentlich angefeuert und erreiche mit 17:44:41,5 das Ziel.

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #1 am: 05.07.2018, 13:13:48 »
Mozart100 (Ein Nachtrag an alle Facebook-Verweigerer)

Also eh der von FB?  ;)

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Offline Scholle

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #2 am: 05.07.2018, 13:24:43 »
Mozart100 (Ein Nachtrag an alle Facebook-Verweigerer)

Also eh der von FB?  ;)

 :good: :good: :good:
Genau, es ist copy+paste! Es gibt halt auch Leute die schauen auf keine sozialen Medien, E-Mails ist teilweise schon Teufelszeug und gegebenenfalls ist gerade noch ein Brief mit Siegel akzeptabel.

Offline Ulrich

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #3 am: 05.07.2018, 14:03:15 »
Mozart100 (Ein Nachtrag an alle Facebook-Verweigerer)

Also eh der von FB?  ;)

 :good: :good: :good:
Genau, es ist copy+paste! Es gibt halt auch Leute die schauen auf keine sozialen Medien, E-Mails ist teilweise schon Teufelszeug und gegebenenfalls ist gerade noch ein Brief mit Siegel akzeptabel.
:winke:
Weil 42 die Antwort ist

Offline shiloh

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #4 am: 05.07.2018, 16:18:20 »
Schön, dass auf FB-Verweigerer wie ich einer bin, noch Rücksicht genommen wird :-) und danke auch für den kurzweiligen Bericht.
It`s good to have an end to journey toward, but it`s the journey that matters, in the end. (Ernest Hemingway)

Offline heitzko

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #5 am: 05.07.2018, 17:45:04 »

Genau, es ist copy+paste! Es gibt halt auch Leute die schauen auf keine sozialen Medien,



das liegt daran, dass die nichts mit "sozial" zu tun haben  :P
gratuliere Roland, Wahnsinnsleistung!!!

Offline uschi61

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #6 am: 05.07.2018, 19:32:47 »
ich bedanke mich auch für den tollen Bericht und gratuliere zum Lauf! Bin auch eine Facebook-Verweigerin und kam so doch noch zum Lesegenuss  :)
Lebe deine Träume!

Offline nasmorn

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #7 am: 05.07.2018, 23:45:13 »
Toller Bericht da will ich mich auch gleich über Berge und bergartige Hügel quälen.


Ad Facebook gebe ich zu bedenken, dass diese Seite gut indexiert ist, ein Interessierter kann die Berichte hier daher auch in 10 Jahren noch über eine Suchmaschine finden. Das kann man von Facebook so nicht behaupten.

Offline KITTY

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #8 am: 09.07.2018, 20:37:36 »
 :applaus_klatsch: Wirklich ein kurzer knackiger Bericht der mich nur noch mehr staunen lässt. 100 KM zu laufen in einem Stück ist ja schon Wahsinn, aber dann auch noch einiges an HM dazu .... ich pack das einfach nicht.  :welle1:
lg
peter

Offline Diana11

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Antw:Mozart100 (Bericht)
« Antwort #9 am: 10.07.2018, 08:13:34 »
Da ich kürzlich die Ehre und das Vergnügen hatte einen Freund auf der zweiten Hälfte des Traunsee Bergmarathons zu begleiten, kann ich nun ansatzweise nachvollziehen, was es bedeuten kann, solch einen Bewerb zu laufen und zu finishen. 72,5km in 11,5h mit all den Höhenmetern ... unglaublich stark ... und es ist ja danach nicht vorbei, sondern geht noch stundenlang über Berg & Tal.
Höchster Respekt und herzliche Gratulation!!!  :applaus_klatsch:
WETTKAMPFSCHWAMMERL
Shit happens! Mal bist du Taube, mal bist du Denkmal. (Dr. Eckhart von Hirschhausen)