Autor Thema: R ~~~ >((0) ~~~ R  (Gelesen 204 mal)

Offline Scholle

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« am: 07.05.2019, 08:23:05 »
 Da ja so einige das "Gesichtsbuch" verweigern, hier auch nochmal der Bericht vom Innsbruck Alpine Trailrun. Mit dem Wetter hatten wir wider erwarten Glück. Nur zweimal ein wenig Regen - angesagt war schlimmeres.

----------------------------------------  K85 – Heart of the Alps Ultra----------------------------------------
Um Viertel vor Drei klingelte der Wecker. Glücklicherweise konnte ich relativ gut und schlafen, eingeschlafen bin ich vermutlich gegen 21:00. Die Laufsachen waren vorbereitet, der Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes: strömender Regen!
Nur nicht darüber nachdenken, Toilette, waschen, Kontaklinsen, anziehen. Brauche ich die Regenjacke? Oh, es regnet nicht mehr. Bei der Tür raus und schon ist man um halb Vier in der Früh auf dem Weg in den Startbereich. Dort warteten bereits Alexandra und Jürgen, der Plan war wieder mit Alex gemeinsam zu laufen.
Der Start um 04:00 wurde begleitet von AC/DC und Rauchschwaden. Auf dem Weg raus aus Innsbruck wurden wir von diversen Begleitern angefeuert, auch von drei kleinen Kindern und ihrer Mutter, die Kids hatten anscheinend den Spaß ihres Lebens im mitgeführten Leiterwagerl. Rauf ging es beim Schein der Stirnlampen zur Umbrüggler Alm. Da ich irgendwo im Wald in meinem Rucksack nach meinem Handy kramte, konnte sich Alex absetzen. Beim Weiterlaufen wollte ich bereits den ganzen Lichtern folgen, als mich ein Mitläufer darauf hinwies: „Es geht rechts rein! Da habe ich mich letztes Jahr verlaufen.“
Ich hatte mir unnötige Meter gespart, nur ist Alex jetzt mit der Gruppe mitgelaufen?  Ist sie vor oder hinter mir? Bei der Station Umbrüggler Alm (~ km 5) ließ ich mir Zeit, aber Alex kam nicht. Vermutlich ist sie somit vor mir? Weiter ging es, über Wurzeln und durch Morast. Inzwischen war es auch schon hell und die Stirnlampe nicht mehr notwendig.
Die nächste Verpflegestelle war Kranebitten (~ km 14). Riegel essen, genug trinken und die Trinkflaschen nachfüllen. Als ich die Stirnlampe wegpacken wollte, kommt gerade Alex bei der Station an! Also war sie doch hinter mir, nun ging es gemeinsam weiter. Den Inn querend ging es nach Völs und am Fluß entlang. Danach den Axamer Bach entlang nach Birgitz (~ km 22), da waren wir schon mehr als vier Stunden unterwegs! Der Kurs war technisch anspruchsvoller als erwartet, daher brauchten wir ganze vier Stunden für einen Halbmarathon.
Aufgrund der massiven Schneelage in höheren Regionen wurde die Strecke teilweise angepasst und so ging es parallel zur Muttereralm daran entlang zur Verpflegesstelle Mutters (~ km 30). Danach kam der Haupanstieg zur Kraither Alm. Anstrengend, aber wieder sehr schön mit Nebel und weiter oben mit Schnee. Glücklicherweise weniger Schneefelder als erwartet, aber es wurde schnell klar, warum die Strecke vom Veranstalter angepasst wurde. Runter ging es nach Telfes im Stubaital (~ km 41). Auf etwa 900m der Ruetz folgend ging es auf Singletrails zur ÖAMTC Labestelle (~ km 51). Ich war schon etwas fertig und kämpfte gegen negative Gedanken. Das wichtigste bei so einem Rennen: es ist alles Kopfsache! Einfach genug essen und trinken und es wird schon werden! Schritt für Schritt, einfach weiterlaufen.
Kurz darauf in der Sillschlucht liefen wir auf die K42-LäuferInnen auf. Einerseits war es durchaus anstrengend, wenn wieder wer vorbei wollte, andererseits auch wieder motivierend, da man auf Tempo bleiben konnte und von sich selbst abgelenkt war. Am Bergisel vorbei ging es runter zum Bierstindl (~ km 56). Dort stieß Jürgen zu uns. Ebenfalls in Bierstindl waren die Dropbags und endlich konnte ich einige der mitgeschleppten Sachen – z.B. verschwitzte Kleidung - loswerden, beziehungsweise durch frische Kleidung ersetzen.
Das loslaufen nach der etwas längeren Pause viel mir dann sehr schwer und ich konnte kaum mithalten. Ich hatte meinen Tiefpunkt erreicht. Es ging über die Sill, wo wir gefragt wurden wann wir gestartet sind, über Tantegert Richtung Herzsee (~ km 63). Ich lief immer wieder ein wenig vor wenn sich die Gelegenheit bot, denn mental war ich nicht mehr frisch. Viel zu häufig wollte ich einfach gehen und bekam meine negativen Gedanken zu wenig in den Griff. Vom Weg Richtung Hall in Tirol blieb mir wenig in Erinnerung. Ich war wieder vorgelaufen und nutzte in Hall (~ km 69) die Chance auf die Toilette zu gehen. Leider kann ich meinem Gedärm bis heute nicht beibringen, dass gefälligst mit Weckerläuten der Toilettengang angesagt ist.
Jedenfalls wußte ich, ab jetzt laufe ich alleine. Alex hat Jürgen als Begleitung und ist sicher bereits weg. Umso größer die Überraschung, als ich sie doch noch vor Ort sah. Von einer Betreuerin wurde mitgegeben, dass wir entweder jetzt noch loslaufen könnten oder nach dem Start der K15-LäuferInnen um 16:30. Dann besser jetzt, drei Minuten Zeit hatten wir bis zum Start!
Auf dem Weg raus wurden wir vom Moderator erwähnt und der Applaus der K15-LäuferInnen tat mir richtig gut. Dann ging es ein paar enge Stiegen rauf, bin ich froh, dass uns dort nicht die K15-Läufer erwischt haben. Die ersten Läufer überholten uns dann auf einem Platz und so ging es dann mit dem überholt werden weiter. Manche zollten uns Respekt, die Ansprache war Balsam für die Seele. Irgendwann waren wir dann etwa gleich schnell wie der hintere Bereich der K15-LäuferInnen. Die Respektbekundungen und nach über 70km gleichauf mit frisch gestarteten Läufern zu sein, der Frieden im Gedärm und endlich kam die Energie der Riegel auch wieder in der Muskulatur an, es lief einfach wieder besser!
Nach dem Romediwirt (~ km 75) ging es weiter bergauf zur Verpflegestelle 7-Wege (~ km 80). Hier durften wir die verbleibenden K15-Läufer verlassen und es begann nochmals ein richtig knackiger Anstieg, gefolgt von einem Abstieg und einem nochmaligen kräftezerrenden Anstieg. Eigentlich wären beide nicht so schlimm gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt taten sie ihr Übriges.
Irgendwie hatte ich mich wieder nach vorne abgesetzt und dann ging es fast nur noch bergab. Ich begann zu überlegen, sollte ich warten oder weiterlaufen? Ich lief einfach weiter und als ich nach dem Abstieg bei der Mühlauer Klamm plötzlich einen Läufer vor mir hatte und ihn überholen konnte, lief ich weiter. Innsbruck kam immer näher und das beflügelte. Dann ging es endlich runter zum Inn, ich konnte zwei weitere Läufer überholen. Beim Straßenübergang mussten wir bei Rot warten, daher holten mich beide wieder ein. Irgendwie hat mich das so frustriert, dass ich tatsächlich nochmal richtig ins Laufen kam, sofern man 7:00 bis 7:20 auf dem Kilometer als Laufen gelten lässt.
Am Inn entlang, einfach nur noch laufen. Endlich war das Ziel in Sicht. Mit 15:43:59,8 bin ich sehr zufrieden! Alex kam dann etwa 5 Minuten später ins Ziel, wir haben es wieder geschafft (fast) das ganze Rennen gemeinsam zu bestreiten.
 
« Letzte Änderung: 07.05.2019, 09:01:56 von Scholle »

Offline Pizzipeter

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« Antwort #1 am: 07.05.2019, 10:42:52 »
Gratuliere auch hier - cooler Bericht zu einem tollen Lauf  :good:
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Offline KITTY

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« Antwort #2 am: 07.05.2019, 12:26:15 »
Diese Distanzen sind einfach unvorstellbar für mich, Gratuliere zum super Bericht und Lauf.
lg
peter

Offline Ulrich

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« Antwort #3 am: 07.05.2019, 18:39:11 »
ach, Ultralaufen ist doch was herrliches! Danke Roland!!
Weil 42 die Antwort ist

Offline Barbara

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« Antwort #4 am: 07.05.2019, 20:08:00 »
Wow, großartig! Gratuliere dir!
Danke für den Bericht, ich konnte durchaus   etwas mitleiden  ;) .