run42195.at
berichte => berichte => Thema gestartet von: Berichte am 26.04.2026, 22:08:39
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Datum: 2026-04-26
Event: TCS London Marathon
Distanz: 42,195 km
Ersteller: cbendl
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Ich habe wieder einen Marathon geschafft! Aber es war ein hartes Stück Arbeit.
Die Vorbereitung war recht durchwachsen. Schon Ende Dezember / Anfang Jänner inkl. Silvesterlauf kränkelte ich. Ende Jänner ging die spezifische Vorbereitung los. Ich wollte beim 2. Lauf der VCM Winterlaufserie den 10 km Bewerb absolvieren. Zwei Tage davor zog ich mir irgendein Problem an der Lendenwirbelsäle zu, dass mich nur mit Schmerzen bewegen ließ. Am Sonntag war es zum Glück schon besser und ich konnte starten. Aber: Mit sehr schwachem Gefühl mühte ich mich in 40:19 ins Ziel – und am Abend hatte ich dann ordentlich Fieber. Mühsam ging es durch den Februar. Ein Start beim 2. Eisbärlauf stand an, 14 Kilometer waren am Plan. Diesmal kam wieder das Rückenproblem auf, aber am Samstag, noch knapper vor dem auf als im Jänner. Sonntag Früh fühlte ich mich noch ganz gut, aber beim Aufwärmen hatte ich einen brutalen Stich im Rücken. Da ich schon vor Ort war, wollte ich einen Start versuchen. Es funktionierte auch, aber mit großer Vorsicht. Kurven musste ich sehr sorgsam nehmen und den Kopf zur Uhr drehen war auch nicht drin, ich musste das Handgelenk mit der Uhr direkt vor die Augen heben. 14 Kilometer in 1:15:58 waren nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ende Februar / Anfang März ging sich aber knappe Woche Urlaub auf Mallorca aus. Kein Trainingslager, sondern mehr ausruhen von der übermäßigen Arbeitsbelastung der letzten vier Monate, aber natürlich auch Training. Das tat gut und es waren auch gute Läufe dabei.
Eine Woche später stand auch schon der 3. VCM Winterlauf an. Die ruhigen Tage im Urlaub davor zeigten ihre Wirkung, auf einmal ging es gut. Ich war lange auf Schnitt 4:00 unterwegs, bis ich nach 15,5 plötzliche starkes Seitenstechen bekam. Nicht wirklich verwunderlich, die Einheiten, die mich an den Halbmarathon heranführen hätten sollen, fielen ja durch diverse Pannen mehr oder weniger aus. Nach dem Seitenstechen kamen noch Periodenbeschwerden, aber der Halbmarathon war in 1:26:05 doch ein Lichtblick.
Die langen Läufe funktionierten auch einigermaßen. Einer fiel noch recht früh in der Saison nach Krankheit deutlich kürzer aus, einer wurde durch riesige Schneemengen eher zum Schneestapfen, aber ein paar weitere Läufe klappten. Nicht sensationell und ohne Großtaten, aber sie fanden immerhin statt.
Das Highlight in der Vorbereitung war der Feuerwehrlauf Ende März. Nach 13km in lockerem tempo ging es auf die 15 km Strecke, die ich in 1:00:14 in persönlicher Bestleistung gewann. An dem Tag klappte für mich alles wie am Schnürchen. Obwohl der Waldboden nach Regelfällen sehr rutschig war und heftiger Wind wehte, konnte ich wie auf Schienen laufen. Dieser Lauf stimmte mich zuversichtlich für London.
Auch zu Ostern am darauffolgenden Wochenende klappten sowohl schnelles wie auch langes Training gut, aber dann ging es bergab.
Der Plan für den Linz Marathon am Sonntag nach Ostern war, die erste Hälfte des Halbmarathons im Marathontempo, die zweite im Marathontempo zu laufen. Das scheiterte zunächst schon daran, dass der Halbmarathon ausgebucht war und ich nur mehr einen Startplatz für den Viertelmarathon bekam. Aber das geplante Training würde sich ja auch im Rahmen des Viertelmarathons simulieren lassen. Also vor dem Viertelmarathonstart den „Marathon-Teil“ und am Viertelmarathon Halbmarathonpace. Das wurden dann 10,56 km in 4:12 und 10,5 km in 4:11. In Linz ging an dem Tag gefühlt „nichts“. Ich war einfach müde, schlapp, erledigt. Am Abend endlich in Wien zurück (am Nachmittag stand noch die Siegerehrung der Wiener Marathon Landesmeisterschaften an, die ich vornahm), fühlte ich mich, als wäre ich schon den Marathon gelaufen.
Hatte ich mich schon in der Vorwoche immer wieder kränklich gefühlt (mal der Bauch, mal der Kopf) wurde es in der Folgewoche nicht besser. Am Freitag Nachmittag fühlte ich mich richtig schlecht und die Vorstellung, mit meiner Mutter am Sonntag Marathon zu laufen, bereitete mir große Kopfzerbrechen. Ich hatte ihr nämlich versprochen, sie wieder beim VCM zu begleiten – Marathon oder Halbmarathon, ihre Entscheidung. Ich wollte nicht diejenige sein, die dem Marathon im Weg stehen würde. Sie hatte auch für dieses Jahr besser trainieren können und die Bedingungen versprachen besser zu werden als 2025 (das dachte ich mir zumindest noch am Freitag). Aber gleichzeitig konnte ich mir absolut nicht vorstellen, am Sonntag um die oder über fünf Stunden unterwegs zu sein. Am Samstag erübrigte sich die Frage: Ich hatte leichtes Fieber und konnte mich am Vormittag erstmal nur von Bett zu Couch und umgekehrt bewegen. Mit einer Blitzheilung (was bei mir zum Glück sehr oft der Fall ist) wäre eine Halbmarathonbegleitung eventuell vorstellbar – aber Marathon, egal in welcher Pace, einfach nur unvernünftig. Das klärte ich mit meiner Mutter, wir legten uns also auf den Halbmarathon fest. Entweder sie allein – beim Halbmarathon würde das schon gut funktionieren – oder, sollte ich am Sonntag wieder fit sein, zusammen. Die Nacht war nach einigen unruhigen, herumgewälzten Nächten endlich wieder normal ruhig und so fühlte ich mich zumindest fit genug zu starten.
Unterwegs zeigt sich: Es wäre kein Tag für Marathon gewesen. Es war sooo warm! Wir waren langsam unterwegs, aber es war schön. Ich wurde nicht wieder krank, aber müde war ich von dem Halbmarathon in 2:59:06 schon. Zum Vergleich: Unsere Marathonzeit im Vorjahr war 5:37:55 gewesen – ich werde nie mehr über das Wetter von 2025 jammern!
Nach einer stressigen, kurzen Woche, in der ich mich aber zu Glück weiter erholte, ging es am Freitag nach London. Die Wetterprognose war gut: Wolkig, maximal 19°C, nur leichter Wind und zwar von Osten, was bei der Strecke von Greenwich zu The Mall günstig war.
Ich war ohne Wehwehchen nach London gekommen, was schon ein Erfolg war. Aber müde! Ich schlief so viel wie schon lange nicht, trotzdem war mein lockerer Lauf am Samstag etwas matt. Vor Energie zu platzen schien ich nicht gerade.
Organisatorisch klappte alles ohne jegliche Probleme. Anreise, Startnummernabholung, Messe durchspazieren. Am Sonntag gab es früh genug Frühstück. Die Fahrtverbindung nach Blackheath klappte, in fand einen Platz zum Entspannen, Trinken und Essen und auf WC konnte ich auch oft genug. Da schienen sie gegenüber 2024 aufgestockt zu haben.
Nach dem Start begann es aber sehr bald, mühsam zu werden. Zwar war die Pace sehr gut, aber die ersten Kilometer ging es auch ständig – mal mehr, mal weniger – bergab. Nach dem langen Bergabstück war der erste kleine Anstieg schon sehr mühsam. Außerdem hatte ich großen Durst, obwohl ich vor dem Rennen viel getrunken hatte.
Noch war ich wunderbar auf Kurs für eine gute Zeit, aber die zweite Hälfte hatte ich härter, nämlich wellig, in Erinnerung, und es wurde immer wärmer. Wolken gab es außerdem auch nicht wirklich oder vernachlässigbar. Also einfach weiter. Spaß machte es nicht, das muss ich zugeben. Aber ich hatte einige Ziele, zumindest ein D- oder E-Ziel wollte ich doch erreichen:
Die Ziele waren:
· < 2:52 – würde einen Startblock weiter vorne beim Valencia Halbmarahon bedeuten
· Irgendwas um 2:55 herum
· < 2:58:32 – Österreichischer Rekord W-50
· < 3:00
· Ca. 3:05 – was ich für ungefähr erforderlich schätze, um mich für die nächstjährige Abbott Majors Masters WM zu qualifizieren
· Irgendwie ohne grobe Pannen finishen, und schneller als 2024 3:36:16
Beim Halbmarathon war ich in 1:26:07, davor gab es noch einen kleinen Crash auf der Tower Bridge. Ich setzte gerade an, einen Läufer links zu überholen, als der sich vor einem Fotografen in Pose war und die Arme ausbreitete. Sein linker Arm landete … in meinem Gesicht. Als ich seinen Arm wegstieß und ihn überholte, schimpfte er mir aufgebracht hinterher. Leute, die nur an ihre coolen Fotos denken und ihr Drumherum ignorieren, finde ich ähem -verzichtbar. Dort war es eng, es gab kaum Platz auszuweichen – was denkt der sich, sich urplötzlich so breit zu machen?
Beim Halbmarathon war mir schon klar, dass die zweite Hälfte nicht auch in 1:26:07 klappen würde, aber den Rekord hielt ich noch für machbar. Ich müsste ja „nur mehr“ die zweite Hälfte in 1:30 laufen.
Es wurde aber immer zäher. Ich trank viel, ich leerte mir viel Wasser über den Kopf, ich nahm mir oft zwei Wasserflaschen, ich nahm vier Gels. Wo es Schatten gab oder leicht bergab ging, wurde es besser, aber jedes Sonnenstück und jede Steigung waren einfach hart.
Da begann ich zu rechnen: Für „alle weiteren Kilometer in 5:00, und trotzdem noch sub-3“ ging es sich nicht aus, aber „alle weiteren Kilometer in 4:30“ war drin und klang machbar. Diese Rechnungen waren aber ziemlich schwierig, mein Hirn funktionierte nur mehr eingeschränkt. Außerdem standen entweder einige Meilenschilder ziemlich falsch – oder ich halluzinierte schon. Eine Meile in 3:49, die nächste dafür aber in 9:57 klang nicht so realistisch. Es gab auch Kilometertafeln bei jedem Kilometer. Da im Participant Guide aber stand, die Kilometerschilder würden nur alle fünf Kilometer stehen, hatte ich mich schon im Vorfeld entschieden, den Meilentafeln zu folgen und blieb dann auch dabei.
Irgendwann waren die Kringel und Schnörkel von Canary Wharf geschafft und es ging auf die lange mehr oder weniger Gerade in Richtung Ziel. The Highway, E Smitfield – mit Gegenverkehrsbereich derer, die gerade von der Tower Bridge kamen – dann weiter Tower Hill, Byward St., Lower Thames St. 37 Kilometer waren schon absolviert, aber die noch folgende Strecke erschien immer noch endlos weit. Ich erinnerte mich daran, wie gut mir der London Marathon vor zwei Jahren gefallen hatte. Verletzt und mit langen Gehstücken, aber doch viel besser als gedacht. Und vor allem in der zweiten Hälfte. Aber ich freute mich auf die tollen Fotos, die es hoffentlich geben würde. Die Pace war jetzt zwischen 4:21 und 4:30. Also noch im Bereich, der gut für 2.59:xx reichen würde, aber Einbruch dürfte es keinen mehr geben. Ich wollte schon nicht mehr – nur mehr gehen, oder noch besser, mich an den Streckenrand setzen.
Endlich kam die Abzweigung bei Houses of Parliament und dann Birdcage Walk am St. James Park entlang. Dort war es endlich schattig und durch den Park kühl und gefühlt ging es auch leicht bergab. Nur mehr 900, nur 700 Meter oder so. Markierungen, wie weit es noch war, sah ich nicht mehr, obwohl es diese bestimmt gab. Ein Mal rechts in die Spur Road, der Kreisverkehr vor dem Buckingham Palace. Noch sah ich das Ziel aber nicht. Wie weit war das nochmal? Nur mehr 100 oder eher 400 Meter? Ein zweites Mal rechts aus dem Kreisverkehr hinaus – und da sah ich ihn, den Zielbogen auf The Mall. Er war nicht mehr weit. Nochmal die Zähne zusammenbeißen, nochmal mit den Armen mitarbeiten.
2:59:17 und ich war im Ziel. Schwach, schwindlig, taumelnd.
Nicht ganz mein Wunschergebnis aber: Ein weiterer Majors Marathon unter drei Stunden geschafft. Eine harte Saison positiv abgeschlossen. Ich freute mich über mein Ergebnis, aber noch mehr freute ich mich, im Ziel zu sein.