Autor Thema: R ~~~ >((0) ~~~ R  (Gelesen 546 mal)

Offline Scholle

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R ~~~ >((0) ~~~ R
« am: 07.05.2019, 08:23:05 »
 Da ja so einige das "Gesichtsbuch" verweigern, hier auch nochmal der Bericht vom Innsbruck Alpine Trailrun. Mit dem Wetter hatten wir wider erwarten Glück. Nur zweimal ein wenig Regen - angesagt war schlimmeres.

----------------------------------------  K85 – Heart of the Alps Ultra----------------------------------------
Um Viertel vor Drei klingelte der Wecker. Glücklicherweise konnte ich relativ gut und schlafen, eingeschlafen bin ich vermutlich gegen 21:00. Die Laufsachen waren vorbereitet, der Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes: strömender Regen!
Nur nicht darüber nachdenken, Toilette, waschen, Kontaklinsen, anziehen. Brauche ich die Regenjacke? Oh, es regnet nicht mehr. Bei der Tür raus und schon ist man um halb Vier in der Früh auf dem Weg in den Startbereich. Dort warteten bereits Alexandra und Jürgen, der Plan war wieder mit Alex gemeinsam zu laufen.
Der Start um 04:00 wurde begleitet von AC/DC und Rauchschwaden. Auf dem Weg raus aus Innsbruck wurden wir von diversen Begleitern angefeuert, auch von drei kleinen Kindern und ihrer Mutter, die Kids hatten anscheinend den Spaß ihres Lebens im mitgeführten Leiterwagerl. Rauf ging es beim Schein der Stirnlampen zur Umbrüggler Alm. Da ich irgendwo im Wald in meinem Rucksack nach meinem Handy kramte, konnte sich Alex absetzen. Beim Weiterlaufen wollte ich bereits den ganzen Lichtern folgen, als mich ein Mitläufer darauf hinwies: „Es geht rechts rein! Da habe ich mich letztes Jahr verlaufen.“
Ich hatte mir unnötige Meter gespart, nur ist Alex jetzt mit der Gruppe mitgelaufen?  Ist sie vor oder hinter mir? Bei der Station Umbrüggler Alm (~ km 5) ließ ich mir Zeit, aber Alex kam nicht. Vermutlich ist sie somit vor mir? Weiter ging es, über Wurzeln und durch Morast. Inzwischen war es auch schon hell und die Stirnlampe nicht mehr notwendig.
Die nächste Verpflegestelle war Kranebitten (~ km 14). Riegel essen, genug trinken und die Trinkflaschen nachfüllen. Als ich die Stirnlampe wegpacken wollte, kommt gerade Alex bei der Station an! Also war sie doch hinter mir, nun ging es gemeinsam weiter. Den Inn querend ging es nach Völs und am Fluß entlang. Danach den Axamer Bach entlang nach Birgitz (~ km 22), da waren wir schon mehr als vier Stunden unterwegs! Der Kurs war technisch anspruchsvoller als erwartet, daher brauchten wir ganze vier Stunden für einen Halbmarathon.
Aufgrund der massiven Schneelage in höheren Regionen wurde die Strecke teilweise angepasst und so ging es parallel zur Muttereralm daran entlang zur Verpflegesstelle Mutters (~ km 30). Danach kam der Haupanstieg zur Kraither Alm. Anstrengend, aber wieder sehr schön mit Nebel und weiter oben mit Schnee. Glücklicherweise weniger Schneefelder als erwartet, aber es wurde schnell klar, warum die Strecke vom Veranstalter angepasst wurde. Runter ging es nach Telfes im Stubaital (~ km 41). Auf etwa 900m der Ruetz folgend ging es auf Singletrails zur ÖAMTC Labestelle (~ km 51). Ich war schon etwas fertig und kämpfte gegen negative Gedanken. Das wichtigste bei so einem Rennen: es ist alles Kopfsache! Einfach genug essen und trinken und es wird schon werden! Schritt für Schritt, einfach weiterlaufen.
Kurz darauf in der Sillschlucht liefen wir auf die K42-LäuferInnen auf. Einerseits war es durchaus anstrengend, wenn wieder wer vorbei wollte, andererseits auch wieder motivierend, da man auf Tempo bleiben konnte und von sich selbst abgelenkt war. Am Bergisel vorbei ging es runter zum Bierstindl (~ km 56). Dort stieß Jürgen zu uns. Ebenfalls in Bierstindl waren die Dropbags und endlich konnte ich einige der mitgeschleppten Sachen – z.B. verschwitzte Kleidung - loswerden, beziehungsweise durch frische Kleidung ersetzen.
Das loslaufen nach der etwas längeren Pause viel mir dann sehr schwer und ich konnte kaum mithalten. Ich hatte meinen Tiefpunkt erreicht. Es ging über die Sill, wo wir gefragt wurden wann wir gestartet sind, über Tantegert Richtung Herzsee (~ km 63). Ich lief immer wieder ein wenig vor wenn sich die Gelegenheit bot, denn mental war ich nicht mehr frisch. Viel zu häufig wollte ich einfach gehen und bekam meine negativen Gedanken zu wenig in den Griff. Vom Weg Richtung Hall in Tirol blieb mir wenig in Erinnerung. Ich war wieder vorgelaufen und nutzte in Hall (~ km 69) die Chance auf die Toilette zu gehen. Leider kann ich meinem Gedärm bis heute nicht beibringen, dass gefälligst mit Weckerläuten der Toilettengang angesagt ist.
Jedenfalls wußte ich, ab jetzt laufe ich alleine. Alex hat Jürgen als Begleitung und ist sicher bereits weg. Umso größer die Überraschung, als ich sie doch noch vor Ort sah. Von einer Betreuerin wurde mitgegeben, dass wir entweder jetzt noch loslaufen könnten oder nach dem Start der K15-LäuferInnen um 16:30. Dann besser jetzt, drei Minuten Zeit hatten wir bis zum Start!
Auf dem Weg raus wurden wir vom Moderator erwähnt und der Applaus der K15-LäuferInnen tat mir richtig gut. Dann ging es ein paar enge Stiegen rauf, bin ich froh, dass uns dort nicht die K15-Läufer erwischt haben. Die ersten Läufer überholten uns dann auf einem Platz und so ging es dann mit dem überholt werden weiter. Manche zollten uns Respekt, die Ansprache war Balsam für die Seele. Irgendwann waren wir dann etwa gleich schnell wie der hintere Bereich der K15-LäuferInnen. Die Respektbekundungen und nach über 70km gleichauf mit frisch gestarteten Läufern zu sein, der Frieden im Gedärm und endlich kam die Energie der Riegel auch wieder in der Muskulatur an, es lief einfach wieder besser!
Nach dem Romediwirt (~ km 75) ging es weiter bergauf zur Verpflegestelle 7-Wege (~ km 80). Hier durften wir die verbleibenden K15-Läufer verlassen und es begann nochmals ein richtig knackiger Anstieg, gefolgt von einem Abstieg und einem nochmaligen kräftezerrenden Anstieg. Eigentlich wären beide nicht so schlimm gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt taten sie ihr Übriges.
Irgendwie hatte ich mich wieder nach vorne abgesetzt und dann ging es fast nur noch bergab. Ich begann zu überlegen, sollte ich warten oder weiterlaufen? Ich lief einfach weiter und als ich nach dem Abstieg bei der Mühlauer Klamm plötzlich einen Läufer vor mir hatte und ihn überholen konnte, lief ich weiter. Innsbruck kam immer näher und das beflügelte. Dann ging es endlich runter zum Inn, ich konnte zwei weitere Läufer überholen. Beim Straßenübergang mussten wir bei Rot warten, daher holten mich beide wieder ein. Irgendwie hat mich das so frustriert, dass ich tatsächlich nochmal richtig ins Laufen kam, sofern man 7:00 bis 7:20 auf dem Kilometer als Laufen gelten lässt.
Am Inn entlang, einfach nur noch laufen. Endlich war das Ziel in Sicht. Mit 15:43:59,8 bin ich sehr zufrieden! Alex kam dann etwa 5 Minuten später ins Ziel, wir haben es wieder geschafft (fast) das ganze Rennen gemeinsam zu bestreiten.
 
« Letzte Änderung: 07.05.2019, 09:01:56 von Scholle »

Offline Pizzipeter

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« Antwort #1 am: 07.05.2019, 10:42:52 »
Gratuliere auch hier - cooler Bericht zu einem tollen Lauf  :good:
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Offline KITTY

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« Antwort #2 am: 07.05.2019, 12:26:15 »
Diese Distanzen sind einfach unvorstellbar für mich, Gratuliere zum super Bericht und Lauf.
lg
peter

Offline Ulrich

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« Antwort #3 am: 07.05.2019, 18:39:11 »
ach, Ultralaufen ist doch was herrliches! Danke Roland!!
Weil 42 die Antwort ist

Offline Barbara

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« Antwort #4 am: 07.05.2019, 20:08:00 »
Wow, großartig! Gratuliere dir!
Danke für den Bericht, ich konnte durchaus   etwas mitleiden  ;) .

Offline Scholle

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« Antwort #5 am: 19.06.2019, 07:38:17 »
BERICHT MOZART100 , 2019
 
EINLEITUNG:
 
Endlich ging es los! Die ganze Woche saß ich schon wie auf Nadeln und war absichtlich körperlich faul, alles nur um genug Kraft für Samstag aufzubauen. Klassischerweise trainiert man auch in der letzten Woche ein bisschen, nur war das noch nie so mein Ding, viel zu groß die Sorge es zu übertreiben oder eine Verletzung einzufangen. Nun saß ich also endlich im Zug nach Salzburg wo morgen mein vierter „Mozart 100“ gelaufen werden sollte.
Nach etwa dreistündiger Fahrt in Salzburg angekommen, wurde zuerst im Zimmer eingecheckt. Ich war wieder im „Gästehaus Priesterseminiar“ untergebracht. Warum? Es ist relativ nahe zum Start und die Preise sind für Salzburger Verhältnisse günstig.
Danach ging es gleich zum Kapitelmarkt um die Startnummer abzuholen. In einem großen Zelt waren bereits einige Läuferinnen und Läufer anwesend, leider niemanden den ich kannte. Die Startnummer und das Drop-Bag waren schnell abgeholt. Danach etwas Essen um später dem „race-briefing“ beizuwohnen.
Das race-briefing startete um 18:00 und es wurden die Top-Athleten vorgestellt. Das Zelt für die Läuferinnen und Läufer war nun gefüllt. Um einen besseren Blick auf die Bühne zu haben stand ich in der ersten Reihe. Die Top-Athletinnen und Athleten wurden vorgestellt und die spätere Siegerin Sally McRae erklärte, dass es ihr vor allem um den Moment geht, sich bewußt zu sein, dass es jeder Zeit „aus“ sein kann und dankbar zu sein auf einen Berg rauflaufen zu können. Nach Österreich kam Sally aufgrund des Films „Sound of Music“ und sie musste dann auch einen Song Karaoke singen. Mit dem späteren Sieger Pau Capell war die aktuelle Nummer 4 der ITRA-Weltrangliste am Start. Nur so nebenbei, ich stehe derzeit auf Platz 279.617, somit hat diese Rangliste aufgrund der Athletenanzahl durchaus eine Aussagekraft.
Im Briefing wurde erwähnt, dass der morgige Tag kühler werden sollte, die aktuellen Temperaturen von etwa 35 Grad sollten daher morgen nicht erreicht werden. Heiß sollte es zwar trotzdem bleiben, aber nicht mehr ganz so extrem. Dafür würden wir mit Gewittern und Regen rechnen dürfen.
Gleich nach dem race-briefing ging es zurück ins Zimmer und die Laufsachen wurden vorbereitet. Die Wasserflaschen wurden gefüllt, ebenso die Trinkblase. Der Rucksack wurde mit der Pflichtausrüstung bestückt und zur Probe getragen. Danach wurde noch die Laufkleidung zurecht gelegt und das Drop-Back mit Reserveschuhe, Socken, Wechselkleidung und Essen bestückt. Mit der Hoffnung schlafen zu können legte ich mich kurz vor 21:00 ins Bett.
Etwas nach 03:00 war ich dann wach. Glücklicherweise konnte ich problemlos schlafen. Das Fenster wurde nun geöffnet und nun kam von draußen der Lärm von Besoffenen herein. Gut, dass einerseits die Fenster dicht genug waren und ich andererseits nichts davon mitbekommen hatte. Der Toilettengang klappte wieder einmal nicht, daher einfach in die Kleidung, bei der Türe raus und hinein in die Nacht. Auf dem Weg zum Startbereich war ich nicht der einzige, grundsätzlich liebe ich diesen Gang in den Startbereich. Da sich ab hier nichts mehr ändern lässt, werde ich meist sehr ruhig und gelassen. Vor diesem Zeitpunkt bin ich schon einmal aufgeregt, ab hier jedoch nicht mehr. Am Kapitelplatz wurde nun das Drop-Bag abgegeben und Aufstellung im Startbereich genommen. Dann wurden die Sekunden runter gezählt und um 5 Uhr erfolgte der Start, es ging endlich los!
 
BIS ZUR ERSTEN CUT-OFF-TIME IN FUSCHL:
 
Der erste Kilometer ging durch die Stadt, danach etwa zwei Kilometer auf einer baumbestanden Straße bevor es nach Osten ging und der Fluß bei Kilometer 4 gequert wurde. Ich war viel zu schnell! Es war durchaus beabsichtigt den ersten Teil schneller zu starten, denn hier war alles flach und somit durfte auch keine Zeit liegen gelassen werden. Jedoch war jeder Kilometer bis jetzt unter einem 6er-Schnitt! Ich fühlte mich zwar gut und es war nicht anstrengend, aber den Schnitt sollte ich bald auf etwas über einen 6er-Schnitt drücken.
Nach der Salzachquerung wurde ich von einem Pärchen überholt. „Wir überholen Dich mal“, meinte der Läufer. Auch wenn es keine Frage war, streckte ich ihm den „like“-Finger entgegen und meinte nur, „Mach! – viel Spaß euch beiden“. Worauf er nur meinte: „Ja, jetzt lachen wir noch!“. Bei Kilometer 6 ging es den Glasenbach entlang durch die gleichnamige Klamm an die erste moderate Steigung von etwa 240 Höhenmeter. Aufgrund des leicht ansteigenden Geländes, einer Schotterstraße und der noch vorhanden Kraft lief ich hier fast den ganzen Weg. Nur an manchen Stellen ging ich, um Energie zu sparen. Etwa bei Kilometer 11 war dann die erste Verpflegstelle erreicht. Diese war derart überlaufen, dass ich nur schnell Wasser auftankte und möglichst schnell das Weite suchte.
Nun ging es kurz eine Straße runter, bevor es nach kurzer Zeit zum nächsten Anstieg ging. Die nächsten 110 Höhenmeter gingen über eine Forststraße zur Peschauer Scharte. Danach durch den Wald runter bis man etwa bei Kilometer 15 wieder ein kurzes Straßenstück zu laufen hat. Bereits seit dem Start war es heiß, ich empfand es sogar als schwüle Hitze. Gut, es war tatsächlich nicht so heiß wie gestern, jedoch hatte ich bereits jetzt sicherlich etwa 1,5 Liter getrunken und der Schweiß ran in Strömen. Bei einem Brunnen machte ich meine Haare nass um eine bessere Kühlung zu erzielen.
Bei Kilometer 17,5 war der Plötz Wasserfall erreicht, es gab wieder einmal das obligatorische Foto. Dann ging es weiter mit dem Anstieg nun auf reinen Single-Trails. Auch hier waren vom unteren Punkt des Anstiegs nur 130 Höhenmeter zu überwinden, bevor es nach der Querung einer Straße auf single-trails nochmalig 100 Meter rauf ging. Danach ging es wieder runter bis zur Labestation Hof bei Kilometer 21,5. Der erste Halbmarathon wurde somit etwa mit 2,5 Stunden absolviert.
Nach Hof ging das Rauf und Runter weiter. Zwei weitere Spitzen wurden überwunden bevor es nun langsam zum Fuschlsee ging. Meine Schleimhäute waren inzwischen gereizt, ein Problem welches ich normalerweise nie hatte, vermutlich war dies der Hitze geschuldet. Teilweise klebte die Wangenhaut richtig an den Zähnen an und ich musste diese mit der Zunge lösen. In regelmäßigen Abständen trank ich. Bei solchen Bedingungen ist es besser eher zu viel zu trinken als zu wenig. Außerdem war ich noch nicht auf der Toilette, also konnte es gar nicht zu viel Wasser sein.
Etwa bei Kilometer 25 wurde die B158 gequert, hier standen wieder die „Mädls“ und feuerten alle Läuferinnen und Läufer an. Die Helferinnen und Helfer sind einfach die Besten, Danke für die Motivation!
Nun ging es am Südufer des Fuschlsees entlang. Schön zu laufen und einfach um Kilometer zu machen. Das Örtchen Fuschl am See wurde nach etwa 3 Stunden und 38 Minuten erreich. Somit hatte ich etwa 1 Stunde und 20 Minuten Guthaben auf die Cut-Off-Time.
 
BIS ZUR ZWEITEN CUT-OFF-TIME IN WINKL:
   
Nach Fuschl ging es nun an den ersten Berg mit etwa 440 zu überwindenden Höhenmetern. Es ging den Eibenseeweg hoch, hier wurde hauptsächlich auf Forststrasse gelaufen, bis bei Km37,3 der idyllische Eibensee erreicht war. Es ging am Ufer entlang, von der anderen Seite bellte andauernd ein Hund, durch das Lilienfeld am Südufer in die erste etwa 500 Meter lange echte Steigung. Hatte man die Eibenseealm dann erreicht, ging es zwar kurz runter, nur um gleich wieder um etwa 70 Höhenmeter anzusteigen. Weiter ging es in diesem Auf und Ab Rhythmus, nicht umsonst wird dieser Streckenteil gerne unterschätzt. Auf der Karte sieht er nicht gerade aufregend aus, trotzdem hat er es in sich.
Irgendwo bei etwa Kilometer 41 liefen zwei Deutsche auf mich auf. Ein wenig lauschte ich der Unterhaltung und einer der beiden dachte ans Aufgeben. Ich wollte diesen Gedanken sogleich aus meinem Kopf verbannen. Mein Kopf fragte leise an, ob Aufgeben nicht eine Option sei und wurde prompt mental in die Schranken gewiesen. Gut, es war also noch alles im grünen Bereich!
Kurz vor dem Plombergsteig war der Kilometer 42,195 erreicht. Die beiden Deutschen gratulierten sich, immerhin war bereits ein Marathon geschafft! Meine Marathondurchgangszeit ist mit 5 Stunden und 20 Minuten gar nicht mal so schlecht für dieses Gelände. Nun waren die Stufen zum Plombergstein zu bewältigen. Fuß heben, Fuß aufsetzen, Atmen, Fuß heben, Fuß aufsetzen, Atmen. Einfach solange wiederholen bis man oben ist. Danach auf der anderen Seite wieder runter und nochmal auf Single-Trails über jeweils etwa 50 Höhenmeter über zwei weitere Anstiege.
Danach rollen lassen, die restlichen erlaufenen Höhenmeter wurden nun nach unten abgespult. Bei Kilometer 46 ging es nun wieder auf die Straße um die B154 querend auf der anderen Seite die Verpflegstelle Winkl zu erreichen. Die beiden Deutschen sind nun wieder knapp vor mir und wir erreichen etwa zeitgleich bei Kilometer 46,5 die Labestation. Nun musste der eine Deutsche tatsächlich aufgeben – mir tat es sehr leid um ihn – der Kreislauf spielte einfach nicht mehr mit.
Auch bei dieser Verpflegstelle gab es kein Salz. Bei dieser Hitze und bei den inzwischen konsumierten Flüssigkeitsmengen ein Problem. Zum Glück hatte ich Salztabletten dabei. Erst ein paar Wochen zuvor konnte ich in einer Apotheke welche erstehen. Wer verdutzte Gesichter sehen will, gehe einfach in eine Apotheke und frage nach Salztabletten. Man bekommt eher verschreibungspflichtige Schlafmittel als in Form gepresstes Salz.
Da nun der erste Härtetest anstehen sollte – bis jetzt war alles eigentlich nur warmlaufen – wurde möglichst viel gegessen und versucht wie ein Kamel auf Vorrat zu trinken. Die Wasserflaschen wurden nachgefüllt und mit einem Guthaben von etwa 1 Stunde 40 Minuten auf die Cut-Off-Time ging es in den Anstieg zur Schafbergalm.
 
BIS ZUR DRITTEN CUT-OFF-TIME IN ST. GILGEN:


Stoisch ging es nun über etwa 3,5 Kilometer rund 725 zu überwindende Höhenmeter nach oben. Bei Steigungen von teilweise bis zu 30 Prozent hieß auch hier die Devise. Fuß heben, Fuß weiter vorne absetzen, Atmen und dann den Vorgang wiederholen. Auch weiterhin trockneten meine Schleimhäute aufgrund der „Hechelatmung“ aus und das Befeuchten durch Trinken half nur begrenzt.
Eigentlich ist der Anstieg auf die Schafbergalm sehr schön, nur ist mein Blick hier meist auf den Boden gerichtet. Ich will mich einfach nicht mit dem Blick nach unten belohnend und dann den Blick nach oben frustrierend vom Ziel abbringen lassen. Daher wurde hier die Aufgabe auf das banalste reduziert. Einfach nach oben steigen!
Bei Kilometer 51 war dann die nächste Vepflegstelle erreicht. Einer der Helfer meinte: „Wie geht es Dir?“. Dabei hatte er einen derart fragenden und besorgten Blick, dass ich erwidern musst: „Ein bisschen fertig! Schau ich so schlimm aus, weil Du mich so sorgenvoll ansiehst?“. Dann plauderten wir noch ein wenig über das Wetter, das Panorama, den Lauf an sich und schon ging es weiter. Alles was nun mühsam nach oben erkämpft wurde, durfte nicht minder mühsam runter gelaufen werden.
Ab hier ging es nun bis etwa Kilometer 53,5 über Stock und Stein hinunter. Aufgrund der müden Beine ging es langsamer als erhofft, man will sich ja nicht an einer Wurzel oder bei einem Sprung von einem Stein verletzen. Ab der Dorneralm konnte man es großteils wieder laufen lassen, hier betrug meine Geschwindigkeit immerhin wieder zwischen 06:30 und 08:30 pro Kilometer.
Jetzt war ich bei Ried unten in der Nähe des Wolfgangsees angelangt und über Trails ging es Richtung Falkenstein. Immer wieder konnte ich nun Läufer überholen und wurde von ihnen überholt. Vor mir blieb ein Läufer stehen und musste sich übergeben. Ich wollte ihn schon fragen ob eh alles in Ordnung ist, nur was sollte die sinnvolle Antwort darauf sein? Er wirkte jedenfalls stabil, nur der Magen spielte bei ihm nicht mehr mit.
Dann ging es rauf auf den Falkenstein. Grundsätzlich nur eine kleine Erhebung, die nach etwa 56 Kilometer jedoch durchaus wehtun kann. Bei Kilometer 58 war die kleine Kapelle erreicht und bei Glockengeläute ging es nun an den etwa 180 Meter Abstieg um unten dann den See zu erreichen. Ab hier gab es keine Ausreden. Es ist flach und daher musste ich laufen. Meine Kilometerzeiten bewegten sich nun zwischen 06:30 und 07:30 und in St. Gilgen lief ich über eine weitere Zeitmessmatte. Nur wo war die angekündigte Verpflegstelle?
Ich lief schon wieder fast aus dem Ort hinaus – rief einen falsch laufenden Mitstreiter noch eine Warnung nach, der daraufhin umkehrte – bis ich dann auf der Höhe der Talstation der Seilbahn Zwölferhorn merkte das ich die Station verpasst haben muss. Wo war die gewesen? Gut, die Zeitmatte hatte ich überlaufen, aber aufgrund der warmen Temperaturen brauchte ich definitiv Wasser. Also blieb mir nichts anderes übrig als zurück zu laufen. Vor der Zeitmatte war die Station hinter dem Bad versteckt. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, mich davon nicht aus der Bahn werfen zu lassen, war ich sauer! Einfach ein Schild aufstellen und gut wäre alles gewesen! Egal, Getränke nachtanken und sich gedanklich auf das Zwölferhorn einstellen, lautete die Devise. Trotz der nun zusätzlich gelaufenen 1,5km, welche nun von allen weiteren Kilometer in meinem Bericht abzuziehen wären, hatte ich hier fast zwei Stunden Guthaben auf die Cut-Off-Time!
 

Offline Scholle

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« Antwort #6 am: 19.06.2019, 07:38:34 »
BIS ZUR VIERTEN CUT-OFF-TIME IN FUSCHL:
   
Etwa bei Kilometer 65 ging es an einer lederhosenbesetzten, besoffenen und machomäßigen Junggesellenpartie in den Einstieg zum Zwölferhorn. Ich wollte mich von dem Berg nicht beeindrucken lassen, daher unterteilte ich ihn für mein Hirn in „bis zur Hütte“. Gut es gab drei Hütten, aber nach 65 Kilometer kann das Hirn eh nicht mehr zählen.
Der erste Teil war sehr schön zu laufen beziehungsweise zu steigen. Am Fels entlang mit Blick auf St. Gilgen rauf zur ersten Hütte. Die Hütte war nach etwa 700 Meter erreicht. Mir kam eine Familie entgegen mit zwei kleinen Kindern. Das kleine etwa sechsjährige schwarzhaarige Mädchen schaute mich selbstsicher an und verkündete lautstark: „Hallo!“, gefolgt von einer kleinen Schaffenspause, „…Läufer“. Ich grüßte artig zurück.
Nun ging es also weiter, nur noch bis zur Hütte. Der Anstieg tat so richtig weh, bis nach etwa zwei Kilometer die Hütte auf der Sausteigalm erreicht war. Bei Kilometer 67,4 dem Hirn zu vermitteln, dass hier keine Hütte steht, sondern die dort oben gemeint war, war schon etwas schwierig. Also möglichst schnell der Hütte den Rücken kehren und nur noch auf die nächste Hütte konzentrieren.
Also wieder einmal: „Nur noch bis zur Hütte!“. Der Pfad auf das Zwölferhorn wollte irgendwie kein Ende nehmen. Es kamen Leute entgegen die anscheinend die Seilbahn nicht mehr nutzen durften. Inzwischen war Wind aufgekommen und die Seilbahn stand still. Als man sich schon oben wähnte, sah man den weiteren Anstieg und die verbleibende Strecke. Der Wind pfiff inzwischen über den Berghang. Durchaus eine willkommende Abwechslung zur Hitze. Ich quälte mich weiter den Hang hinauf und erreichte etwa nach 11 Stunden 30 Minuten – somit um 16:30 – den Gipfel des Zwölferhorns. Der letzte Anstieg von „Hütte“ zu „Hütte“ war nochmalig 2,2 Kilometer lang und etwa bei Kilometer 69,6 war der höchste Punkt der Strecke mit einem Gesamtanstieg von 940 Meter erreicht.
Nun ging es wieder bergab. Meine Beine wollten auf den steinigen Weg nicht mehr so richtig, wodurch die Geschwindigkeit massiv litt. Etwa bei Kilometer 70,9 ging es auf eine Forstrasse und eine Meile später nutzte ich ein paar Bäume um endlich einen „restroom“ aufzusuchen. Kurz darauf war bei Kilometer 72,6 die Lärchenhütte erreicht – hier kamen wir auf die letztjährige Strecke zurück. Die Erweiterung um den Gipfel des Zwölferhorns hatte es massiv in sich und machte den ganzen Lauf dadurch um einiges härter.
Auf single-trails weiter nach unten überholte ich einen Läufer der am Telefonieren war und ich rätselte wer bei so einem Lauf telefoniert. Etwa bei Kilometer 74,4 war ein Bauernhof erreicht. Hier ging es an einer Kuh mit Kalb und einem Mistabladeplatz wieder in den Wald zu einem Zwischenanstieg um eine Erhebung von Süden nach Norden zu überqueren. Etwa bei Kilometer 75,1 ging es dann wieder nach unten und bei Kilometer 76,6 ging es aus dem Wald hinaus auf ein kurzes Asphaltstück. Nach etwa einen Kilometer auf der Straße stand in der Wiese ein Privathubschrauber und über mit war ein permanentes Donnern zu hören. Es gab keine Blitze, einfach nur ein ununterbrochenes Donnern.
Es ging nun wieder auf eine Schotterstraße und etwa bei Kilometer 78 ließ das Donnern nach, dafür hagelte es plötzlich in großer Murmelgröße! Ich versuchte mich unter ein paar Bäume unterzustellen, trotzdem knallten mir ein paar Hagelkörner auf den Kopf. Die Regenjacke wurde ausgepackt und angezogen. Kurz darauf hagelte es nicht mehr, dafür regnete es in Strömen. Daher ging es weiter und nun lief ich durch den Regen, durch Minimundus-Flusslandschaften die sich auf der Schotterstraße gebildet hatten und meine Socken waren in kürzester Zeit klatschnass.
Bei Kilometer 80 war Fuschl erreicht und ich konnte nun die Socken wechseln und ein neues Laufshirt anziehen. Inzwischen hatte es auch wieder zu regnen aufgehört. Nachdem die Regenjacke wieder verstaut war ging es mit einer Gesamtlaufzeit von 13 Stunden und 25 Minuten wieder auf die Strecke. Somit hatte ich zwar einiges von meinem Zeitguthaben eingebüßt, hatte jedoch mit 1 Stunde und 35 Minuten noch einen guten Polster auf die Cut-Off-Time.
 
BIS ZUR FÜNFTEN CUT-OFF-TIME IN HOF:
 
Nun ging es am Nordufer des Fuschlsees entlang. Mir ging es soweit noch gut, ich war ausreichend hydriert und konnte immer wieder essen. Wobei ich mich hier zu den Belohnungskeksen aus meinem Drop-Bag zwingen musste. Somit konnte ich diese flache Strecke großteils laufend zurücklegen. An einer Stelle diskutierte ich mit meinen Mitläfuern über die Streckenführung. Anscheinend hatten wieder einmal Kinder – oder Erwachsene die sich wie Kinder verhalten – die Markierungen entfernt. Ich glaubte mich an den richtigen Weg zu erinnern, war jedoch unschlüssig. Nach etwa 100 Meter fanden wir wieder eine Markierung vor.
Am Rückweg nach Salzburg ist der westlichste Teil des Sees zu umrunden und kurzfristig läuft man sogar am Südufer wieder in Richtung Fuschl zurück, bevor man bei Kilometer 86,4 bei einem Golfplatz in einen 500 Meter langen Anstieg laufen darf. Durch den Regen war der auf den Anstieg folgende Abstieg eine Schlammrutschpartie und man musste seine Schritte bewußt setzen um nicht am Po zu landen. Kurz darauf wurde die B158 wieder gequert und es ging nun langsam zurück Richtung Hof.
Wenn man bereits über 80 Kilometer in den Beinen hat, beginnen die An- und Abstiege – welche auf dem Hinweg noch recht harmlos waren – durchaus weh zu tun. Ich hantelte mich von Punkt zu Punkt und versuchte mich zu erinnern welches Gebäude oder Landmarke als nächstes kommt.
Immer wieder begann es zu regnen und es begann das Spielchen: Regenjacke an, Regenjacke aus. Einmal hatte ich die Regenjacke gerade angezogen, da war der Regen auch schon wieder aus. Der Schlamm wurde ebenfalls ein Begleiter in diversen single-downhill-trails.
Kurz vor 20:00 musste ich an die Läuferinnen und Läufer denken die nun gerade noch innerhalb der Cut-Off-Time Fuschl verlassen. Ich war kurz vor Hof und die mussten noch am See entlang laufen und bangen ob sie weiter im Rennen bleiben können.
Ich glaubte mich zu erinnern, dass nun der letzte Hügel vor der nächsten Verpflegstelle folgte. So war es dann auch. Es ging raus aus dem Wald und ein paar Meter die Straße runter, dann war Hof nach 90,7 Kilometer das zweite Mal erreicht. Ich hätte bei der Verpflegstelle etwas essen sollen, nahm mir jedoch nur einen Energieriegel. Der Magen wollte nicht mehr so wirklich etwas aufnehmen. Die Trinkflaschen wurden aufgefüllt und dann ging es weiter mit einem Guthaben von etwa 1 Stunde und 45 Minuten auf die Cut-Off-Time.
 

BIS ZUR SECHSTEN CUT-OFF-TIME IN KOPPL:
 
Kurz darauf ging es zur Abwechslung wieder rauf und auf der anderen Seite wieder in einer Schlammpartie nach unten. Bei Kilometer 92,2 war die L107 erreicht und wurde überquert. Es wurde nun schon dunkel und etwa bei Kilometer 93,8 kramte ich meine Stirnlampe aus dem Rucksack und verpflichtete einen Helfer sie kurz zu halten. Ein Läufer holte mich ein und wir kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er in Dänemark lebt und dort trainiert. Es war sein erster 100km Lauf und das Training bestand unter anderem indem ein Hügel etwa 50 Mal rauf und runter gelaufen wurde. Dagegen habe ich es mit dem Wienerwald richtig gut!
Die nächste Strecke liefen wir nun gemeinsam und bei Kilometer 94,5 kam kurz vor den Plötz Wasserfällen die Abzweigung. Es standen Helfer dort und feuerten uns an, wofür ich immer sehr dankbar bin. Ich konnte mir ein Herumblödeln nicht verkneifen und meinte: „Sind wir schon da? Ist es noch weit? Ich muss Pipi!“.
Meinen Laufkollegen – den Namen habe ich leider nicht behalten – teilte ich mit, dass uns noch ein paar Anstiege erwarten würden. Eigentlich alle nicht besonders schlimm, jedoch nach über 95 Kilometern in den Beinen, bei Schlamm und in der Nacht, kann dies durchaus herausfordernd sein.
Nach einer weiteren Rutschpartie ging es etwa bei Kilometer 96,8 in einen Anstieg auf Etappen. Hier geht es von 695 Höhenmetern über den Meeresspiegel auf 1.035 Höhenmeter hinauf. Gleich auf dem ersten Anstieg verliere ich meinen Begleiter. Auf ihn warten wollte ich jedoch auch nicht, hinter mit blinken diverse Lichtkegel in der Dunkelheit. Vor der Stirnlampe ist die Luft nebelig.
Etwa bei Kilometer 99 wurde eine Wiese erreicht, mit einer alten Mühle in der Ferne, welche man sehen würde, sofern es noch hell wäre. Hier gibt es eine weitere Zeitmatte und der zweite Etappenanstieg beginnt. Jedes Jahr glaube ich es wäre schon der Nockstein, aber es ist nur ein weiterer Anstieg.
Es ging wieder raus aus dem Wald, vorbei an einem Stück wo ich letztes oder vorletztes Jahr Rehe gesehen habe, über eine Wiese bevor es nochmalig in den Wald geht. Ich erinnerte mich, dass nun die vorletzte Labestation bald erreicht ist.
Bei Kilometer 101 war Koppl erreicht und ich lag weiterhin gut in der Zeit bevor es auf meinen „Hassberg“ ging. Mit einem Guthaben von etwa 1 Stunde und 45 Minuten verließ ich die Verpflegstelle.
 
BIS ZUR ZIELSCHLUSSZEIT AM KAPITELPLATZ:
 
Ich schwor mir, dieses Mal killt mich der Nockstein nicht! Dieses Mal würde ich konsequent den Berg überqueren und mich nicht in meinem Tempo einschränken lassen. Stur ging es somit bergauf, einfach immer weiter, bloß nicht denken.
Bei Kilometer 102,5 erreichte ich den Nocksteinfelsen und zeigte dem Berg den Stinkefinger. Zu oft hatte ich mit diesem Berg in der Vergangenheit meine Probleme – dieses Mal war jedoch ich siegreich.
Was kam wohl nach dem Nockstein? Ein rutschiger Abstieg durch die Nacht. Neben Steine und Wurzeln schlitterte man immer wieder mal über einen schönen Schlammflecken oder rutschte auf einer nassen Wurzel weg. Dazu gibt es hier auch noch unzählige Treppen für welche die Beine langsam einfach zu müde wurden.
Endlich ist dieser Teil bei Kilometer 107,1 erledigt und ich war wieder in Salzburg. Ich zwang mich bis zum Kapuzinerberg zu laufen, was großteils gelang, wenn auch mit geringer Geschwindigkeit. Nach einer Straßenkreuzung wo dankenderweise noch ein Helfer stand, wurde der Einstieg zum Kapuzinerberg etwa bei Kilometer 108,4 erreicht.
Jetzt ging es nur noch nach oben. Wieder einen Fuß vor den anderen setzen und sich auf den Atem konzentrieren um nicht stehen zu bleiben oder mental abzureißen. Bei Kilometer 109,5 bin ich oben und erstmals hat mich der Kapuzinerberg nicht mental zerstört!
Der Weg über den Berg war dieses Jahr zum Glück wirklich gut markiert und nach etwa 800 Meter war der Stiegenabgang erreicht. Jetzt nur noch bei Kilometer 110,3 die Stiegen runter. Ebenfalls erstmalig kann ich die Stiegen noch runter laufen. An der Salzach bei einer auf rot geschalteten Ampel musste ich mit einem Mitläufer warten. Eigenartigerweise ging es ihm scheinbar um ein paar Sekunden, da er seinen Frust lautstark artikulierte.
Nach der Ampel ging es noch über die Brücke, durch die Unterführung, etwa bei Kilometer 111 ließ ich den Mitstreiter ziehen. Soll er einfach vor mir im Ziel sein, wenn es ihm soviel bedeutet. Jetzt ging es nur noch am Dom vorbei und in den Zielbereich. Die Startnummer hatte ich bereits zurecht gerückt, die Stirnlampe war ausgeschaltet und es ging nach 111,43 gelaufenen Kilometer mit einer offiziellen Zeit von 19 Stunden 40 Minuten und 16 Sekunden über die Ziellinie.
 
GESCHAFFT!
 
Der Lauf war härter als letztes Jahr, auch die Wetterbedingungen setzten mir zu. Trotzdem bin ich mit meiner Leistung sehr zufrieden. Ich hatte keinen Einbruch und keine (echten) gesundheitlichen Probleme. Zwar konnte ich dann nur etwa 1,5 Stunden schlecht schlafen und die Beine waren so richtig leer, aber bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag konnte ich wieder gut schlafen, auch den Beinen ging es schnell etwa besser.
Mit meiner Zeit von 19:40:16 für 109 Kilometer belegte ich den 183 Platz von 248 Finishern, wobei zusätzlich 99 Männer aufgeben mussten. Bei den Frauen gab es 33 Finisher und 11 mussten aufgeben.
 

Offline Ulrich

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« Antwort #7 am: 19.06.2019, 13:37:41 »
Wow, Roland Du bist ein wahrer Ultra! im Lauf wie im Bericht! Danke, dass Du ihn auch hier reinstellst!
Weil 42 die Antwort ist

Offline uschi61

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« Antwort #8 am: 19.06.2019, 15:23:08 »
Vielen Dank für den ausführlichen und spannenden Bericht! Gratulation zu einem tollen Lauf!
Lebe deine Träume!

Offline run4fun

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« Antwort #9 am: 19.06.2019, 18:50:37 »
Gratulation! Eine schöne Geschichte :good:
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Offline Tschitschi

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« Antwort #10 am: 28.06.2019, 09:23:53 »
Gratuliere Roland, hartes Stück!
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Offline Josefstädter

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« Antwort #11 am: 03.07.2019, 12:39:10 »
Danke für den ergreifenden Bericht. Lange dauerte es bis ich den Mut aufbrachte, ihn zu lesen. Und tatsächlich stiegen wieder böse Erinnerungen auf. Jetzt weiß ich wenigstens, wie es nach St. Gilgen weiter geht.
Gratuliere herzlich! Das hast du toll gemeistert!  :welle1:
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