Autor Thema: 2004-12-12 Honolulumarathon - Ulrich  (Gelesen 282 mal)

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2004-12-12 Honolulumarathon - Ulrich
« am: 12.12.2004, 00:00:00 »
Datum: 2004-12-12
Event: Honolulumarathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: Ulrich

Offline Ulrich

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2004-12-12 Honolulumarathon - Ulrich
« Antwort #1 am: 12.12.2004, 00:00:00 »
Honolulu 2004


Ja, das war wirklich eine spannende Sache.
Welcher normale Marathonläufer ( die Diskussion ob unser Sport „normal“ ist sei ausgeklammert..) steht um 3 in der Früh auf, und das noch dazu hier auf Hawaii..
Aber wir wollten es ja nicht anders.
Mit „Simply the Best“ starteten wir in das Abenteuer Honolulumarathon.
Taxi zum Start, nachdem uns im Hotel keine kompetente Auskunft gegeben werden konnte, ob wir nun einen Shuttlebus zum Start bekommen würden oder nicht.
Was waren da für Menschenmassen unterwegs, überall das Gekicher japanischer Touristinnen, die ja zumeist in Gruppen von nicht unter 50 auftreten.
Na auch egal.
Langsam bewegte sich der Tross mit uns in Richtung Start. So richtig unüberschaubar war die Menge, eigentlich faszinierend.
Insgesamt waren angeblich an die 25.000 Marathonis auf den Beinen, macht also 50.000 Beine, oder wie man das auch immer noch rechnen will.
Wir schlugen die verbleibenden 45 min bis zum Start noch irgendwie tot ( wahrsch. fährt nun deshalb permanent die Polizei hier vorbei….. Zeittotschlag) und freuten uns dann um punkt 5.00 über das Feuerwerk.
Die ersten Meter liefen Michi und ich noch gemeinsam, dann aber trennten sich uns unsere Wege und ich lief mein eigenes Tempo. Ich hatte mir ja eigentlich so rein GAR NICHTS vorgenommen, wie auch. Wien, zermatt, Wachau, Kärnten.. ich hatte eigentlich keine Lust mehr auf Training, so hatte ich halt bis auf die wenigen Läufe auf Kauaii, Maui oder Hawaii und ein paar traumhafte Wanderungen kein Training in den Beinen. Ich hatte keinen Druck, ich wollt nur einfach irgendwie durchkommen. 4 Stunden, 5 Stunden, völlig egal.
Aber siehe da, es machte dann plötzlich Spaß. Ich hatte plötzlich mein Wohlfühltempo gefunden, und das lag keineswegs bei einem 6er Schnitt. Ich war gespannt, ob ein Einbruch zu erwarten wäre, gab es doch zu meinem Entsetzen nur Wasser ( teilweise mit EIS) und ein durchaus seltsames Amino-Getränk, aber bis auf eine freiwillige Spende von Orangen, KEINE Bananen, Riegel oder sonst was.
Und weiter..
Ich suchte die Statue von Kamehameha, doch, leider entging mir diese im Trubel des Marathons scheinbar. Dann irgendwann eine leichte Steigung, einige Bäume mit Vögeln, die kaum wach, schon ein Konzert abspulten, dass es eine Freude war. Dann endlich raus aus der Stadt, immer noch im Dunkeln. Ich versuchte, mich anhand der Karte, die ich ja doch einige Male im Rahmen der Vorbereitung angeschaut hatte, zu orientieren. Alles vergebens. Irgendwann dann die Steigung zum Diamond Head, da überholte ich einen Japaner, der scheinbar im Kimono lief, das allerdings mit HOLZpantoffeln. Das war ja überhaupt der Hammer schlechthin. Dass dieser Kollege dann auch noch recht viele Läufer hinter sich ließ, war bemerkenswert. Er war nicht der einzige, vielmehr liefen Darth Vader, Yoda, Spiderman und andere illustre Personen auch noch mit.
Überhaupt überholte ich permanent. Ich selber wurde kaum abgehängt, ich konnte brav mein Tempo laufen, meinen Stil, es floß wunderbar.
Der Diamond Head bot für uns dann die Chance, ein wenig Tageslicht zu erleben, wunderschöne Landschaft, ein erloschener Vulkankrater, teilweise durch Witterung abgetragen und eingestürzt.
Immer wieder kleine Steigungen, die recht lästig wurden.
Aber, mir gings einfach gut. Ich begann meinen Powerbar, den ich zur Sicherheit eingesteckt hatte, zu futtern, immer einen Biss bei jeder „Aid-Station“, ein Schluckerl, und einen Biss. So ging das von ca km 25 bis 35 alle 3 km.
Selten kamen mir diese Kilometer so einfach vor, ich hatte keinen Stress, hätte jederzeit auch gehen können, aber ich wollt einfach nicht.
Dann hörte ich irgendwo beiläufig, dass bei Meile 17 der Wendepunkt war, auch den erreichte ich bald. Zuerst liefen wir noch durch eine Art Villengegend, mit Seen und Appartementhäusern, die in den Berg hineingebaut wurden.
Dann bald die Wende, langsam überlegte ich mir, ob ich nun schneller laufen sollte, aber eine zeit um die 4 Stunden schien möglich.
Nur keinen Stress aufkommen lassen.
Weiter.
Ich blieb immer beim Trinken stehen, versuchte, mich zu konzentrieren. Genieße den Lauf, freu dich, wo du bist, danke denen, denen du es verdankst. Bald war ich bei Km 35, da war schon klar, ich würd eine 3er Zeit laufen, wenn ich nur irgendwie durchkäme.
Eine lästige Steigung noch und dann, dann wollt ich es doch noch wissen.
Jetzt Tempo, jetzt ließ ich es doch noch laufen.
Genieß einfach, dass es hier so schön ist, zurückhalten kann ich mich auch an anderen Tagen.
Bald gings nur noch gerade oder runter.
Jetzt Tempo machen, ich flog teilweise an den Japanern vorbei.
Km 40, und das bei ca 3.36..
Und ich war noch so frisch, ich war einfach so gut drauf.
Jetzt hoppa, schau dass du das jetzt noch genießt.
Fließen, locker fließen, noch ein km, ich sehe schon das Ziel.
Der Weg war noch lang, ich forcierte, aber sprintete noch nicht.
Ca 300 m vor der linie begann einer neben mir seinen sprint, das war mein Signal. Ich konnt auch nicht anders und zog davon. Ich liebe diesen Sprint am Schluss.
3.47
Tolle zeit
Ich ging zu den Duschen, genoss das kühle Wasser. Ging dann zu den Wasserbechern, als ich merkte, ich hatte meinen Pulsmesser vergessen.
Noch ein Sprint zur Dusche, da lag er noch..

Dann wartete ich auf Michi. Bald war er auch da, und wir konnten unsere gemeinsamen Zielfotos machen.
Es war ein besonderer Lauf, einer, der der Leichtigkeit nach dem Paradies würdig war.

Dass ich im Endeffekt unter den besten 6% des Honolulumarathons war, klingt ja nett, wir sollten auch so ca 12000 Japaner in Wien laufen lassen, dann geht das in Wien auch so einfach…


U.
Weil 42 die Antwort ist und 130 der Sinn