Autor Thema: 2006-10-08 münchen marathon - R.Roland  (Gelesen 112 mal)

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2006-10-08 münchen marathon - R.Roland
« am: 08.10.2006, 00:00:00 »
Datum: 2006-10-08
Event: münchen marathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: R.Roland

Offline R.Roland

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2006-10-08 münchen marathon - R.Roland
« Antwort #1 am: 08.10.2006, 00:00:00 »
erster "Auslandsmarathon"

Am Freitag um 09:00 in der Früh trafen wir uns bei der Aida am Stephansplatz. Nachdem alle Forianer eingetroffen waren ging es zum gemeinsamen Frühstück ins "Le Bol". Leider war unsere Gruppe bereits im Vorfeld krankheitsbedingt stark dezimiert worden. Neben den bisherigen Absagen hatte es nun auch Bani und Elisabeth erwischt. Manfred dachte noch über einen Start nach und zog sich einen Tee, mit nicht näher definierbaren wurmähnlichen Pflanzenteilen rein, welcher die Gesundheit wieder herstellen sollte. Die erste Lagebesprechung fand bei einem sehr gemütlichen Frühstück statt, danach machten wir uns auf den Weg nach München. Nach einer langen Fahrt und einem kurzweiligen Zwischenstopp in der Raststation Irschberg - wo Mischa, Bani und Stefan zu uns stiessen - erreichten wir unser Hotel. Die Überraschung war groß als uns die Empfangsdame in den Keller lockte und uns ein Zimmer neben der Waschküche und mit traumvollen - davon gibt es bekanntlich zwei Versionen - Blick über einen kleinen Rasen auf den angrenzenten Bürgersteig zuwies. Aber wir sind ja Läufer, oder? Da wird uns das Zimmer nicht weiter stören.

Die Abendveranstaltung - bestehend aus einem Bier und dem nachfolgenden Abendessen - fanden im angrenzenden Restaurant statt. Nach einer nicht ganz so ruhigen Nacht - diverse Baumfällgeräusche und auch der Vollmond störten den Schlaf - ging es am nächsten Tag in die Stadt. Der größte Teil unserer Laufgruppe genoß die Ruhe vor dem Sturm mittels einer dreistündigen(!) Kaffeepause, während Jean-Marie, Christian und ich die nähere Umgebung erkundeten - wodurch wir München etwas besser kennenlernten. Gegen 14:00 machten wir uns auf den Weg zu Marathonmesse, um die Startnummern in Empfang zu nehmen. Der Weg von der U-Bahn zum Olympiastadion war sehr beeindruckend. Die Olympianlage war perfekt in das Gelände eingebettet worden und ergänzte sich sehr schön mit der Parkanlage. Auch das Stadion selbst weckte die Vorfreude hier einlaufen zu dürfen.
Die Startnummernabholung an sich ging dann schnell vonstatten, danach folgte ein Bummeln durch die Messe. Auch österreichische Marathons waren vertreten, der Linz-Marathon hatte ein großes Aufgebot, der Salzburgmarathon hatte zwei Vertreterinnen entsandt, nur der Wien-Stand war verwaist. Zumindestens während unserer Anwesenheit war das Interesse des Zielpublikums dann merklich höher. Wenn so viel Leute um einen kleinen Tisch stehen, muss dort ja was besonderes sein, oder? Abends waren wir dann wieder im nahe gelegenem italienischen Restaurant, bevor es – dank der von Christian zur Verfügung gestellten Ohrstöpseln – zu einem erholsameren Schlaf ging.

Am Marathontag war ich bereits vor dem Wecker wach und nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Stadion. Das heute Marathon sein sollte merkten wir in der U-Bahn nicht wirklich, erst in der U3 wurde das Gedränge größer. Die Stimmung blieb jedoch weit hinter der in Wien zurück.
Nach dem bereits bekannten Weg zum Stadion erfolgte die Wäschesackabgabe problemlos und rasch, die Münchner haben durch die Infrastruktur des Olympiastadion einfach Vorteile was die Organisation betrifft. Nach einer letzten Pinkelpause – nach welcher auf mich vergessen wurde – ging ich in den Startbereich und mußte gleich einmal Rudi und Michi suchen, wollte ich nicht alleine starten. Nach einigem hin und her entdeckte ich Rudis gelbes Kopftuch und nach dem gegenseitigen Glück wünschen erfolgte auch bald der Start.

Auf dem ersten Kilometer stieß Manfred zu uns und begleitete uns ein kleines Stück. Nach 5:22, 5:19, 5:24 und nochmals 5:24 hatten wir irgendwo zwischen Kilometer 3 und 4 Michi verloren – auch Rudi wirkte etwas angespannt und nicht ganz locker. Weiter ging es mit 5:11 und 5:13, wir hatten unmerklich beschleunigt es lief einfach – so gut, dass wir die Anfeuerung unserer Lazarettgrupper gar nicht mitbekamen. Wir kamen beim Siegestor vorbei, dort waren Trommler postiert. Der anpeitschende Trommelwirbel geht bei mir immer in die Beine und deshalb verabschiedete ich mich von Rudi mit der Gewissheit ihn in etwa 1km wiederzusehen. Der Kilometer verflog mit 5:09, ich drehte mich um, sah aber nirgends ein gelbes Kopftuch. "Schade, jetzt schon alleine laufen?", das war nicht in meinem Sinne. Bei den nächsten Kilometer wurde das Tempo ein wenig rausgenommen, nach 5:18 und 5:33 wurde eine Kilometertafel übesehen, somit waren die nächsten beiden bei 10:33.
Bei Kilometer 12 ging es über den Odeonsplatz, links sah ich eine Gruppe mit einer österreichischen Fahne – die ich im Laufe des Rennens noch häufiger antreffen würde – welche aus der hier doch beachtlichen Zuschauerzahl hervorstach. Der Kilometer verflog mit 5:17 und schon bogen wir auf den Marienplatz ein. Wenig überraschend das hier viele Zuschauer standen und auch nicht das ich die nächste Tafel übersah. Ein weiteres kleines Gefälle mit einem sofort nachfolgenden Anstieg – wie bereits davor einige und weitere sollten noch folgen – liess mich auf der Runde zurück zum Marienplatz das erste Mal merken das dieser Marathon sicherlich alles andere als einfach werden würde. Etwa beim Isartor und einer weiteren kleinen Steigung drückte ich das nächste Mal auf die Stoptaste (10:48). Der Blick nach vorne verriet nach Überqueren der Isar bereits die nächste Steigung – die würde weh tun! Plötzlich sehe ich rechts von mir Rudi – ihm scheint es blendend zu gehen! "Ah, da ist er wieder!", entschlüpft es mir überrascht - der Kilometer wird mit 5:28 abgehakt. Vorbei geht es nun am Ostbahnhof mit 5:34, danach gibt es wieder einer dieser kleinen Steigungen – zuerst bergab dann wieder rauf – trotzdem gute 5:21. Über die Kilometer 18, 19, 20 und 21 gibt es wenig zu berichten, Rudi und ich liefen mit konstanten Schnitt (5:23, 5:24, 5:20, 5:20), beim Halbmarathon lag ich noch unter dem Plan von 03:50. Bei Kilometer 22 freuten wir uns über die Anfeuerungen der Forianer – die Stopuhren wurden gleichzeitig gedrückt – 5:19 auf diesem Kilometer. Jetzt wurde es immer ländlicher, mit 5:20 näherten wir uns der Salzbrücke, welche mit einer weiteren Steigung – ich verfluchte diese – mit 5:25 überschritten wurde. Bei der Verpflegungsstelle bei Kilometer 25, welche wir mit 5:41 erreichten war plötzlich Rudi weg. "Wo war er abgeblieben?" – es ging alleine weiter. Ich versuchte so halbwegs auf dem Tempo zu bleiben, der Kilometer 26 in 5:37 – ganz, ok. Der nächste Kilometer führte mit 5:24 – endlich wieder ein Plankilometer – über die Max-Joseph-Brücke. Ach ja, Brücken haben meistens Steigungen...

Bei Kilometer 28 (5:25) ging es in den englischen Garten. Ich versuchte nur noch auf Geschwindigkeit zu bleiben und mir kleine Ziele zu setzen. Seit ein paar Kilometer schwierten nur noch ein paar Zahlen durch meinen Kopf, 02:41:55 – Durchgangszeit für Kilometer 30. Diese wollte ich erreichen! Mit einer Durchgangszeit von 02:42:18 verfehlte ich dieses Ziel zwar, war aber mit der Leistung zufrieden. Schockiert hingegen war ich von der Kilometerzeit von 06:29, hätte ich einen Kilometer vorher die Zeit von 05:06 gesehen, hätte ich gewusst das der 29er eindeutig falsch stand. So jedoch versuchte ich mich wieder anzutreiben um zumindestens unter 06:00 zu bleiben. Die Kilometer 31 und 32 wurden mit 5:34 und 5:36 abgespult. Für den schönen englischen Garten hatte ich wenig Blicke übrig, ich visierte mein nächstes kleines Ziel an – km 34. Nach 05:58 – immerhin unter der gefürchteten 06:00 – erreichte ich mit 05:52 den Kilometer 34. "Nur noch eine knappe Viertelstunde, dann bin ich bei Kilometer 36!", ein weiteres Zielchen auf den englischen Pfaden.
Nach 06:03 auf Kilometer 35, musste ich das erste Mal bei einer Verpflegstelle kurz innehalten, was sich in der Zeit auf Kilometer 36 mit 06:26 auswirkte. Ein neues Ziel musste also her, somit wurde – oh wunder – der Kilometer 38 anvisiert. Das Band mit meinen Zeitvorgaben riss ich nun auch ab, hatte schon seit Ewigkeiten keinen Blick mehr darauf verschwendet. Gewarnt durch die 36er-Zeit versuchte ich nochmals Gas zu geben, was mit 06:08 und 05:24 sogar gelang.
Schön langsam wurde ich selbst der kleinen Ziele überdrüssig, der Körper lässt sich nur begrenzt belügen. Also wurde jetzt nur noch das Stadion visualisiert, der Einlauf in die letzte Runde und das Durchlaufen des Ziels. Aber noch war es nicht soweit und ich quälte mich über km39 mit 07:11 – ein absoluter Minusrekord. Ich versuchte nochmals Gas zu geben und erreichte dann endlich mit 06:25 die 40km-Marke.
Jetzt wurden 2 bis 3 Becher Wasser getrunken, dieses Päuschen hatte ich mir verdient. Neben mir erschien ein gelbes Kopftuch, ich warf den Becher weg und rannte hinter Rudi her. Er war mindestens so überrascht wie ich mich wieder im Laufe des Rennens zu sehen und ich versuchte nur noch an ihm dran zu bleiben. Vor der nächsten Kurve hiess es: "Nur noch 1570m!", ich hätte gelacht hätte ich gekonnt – ich war fertig und wollte nur noch ins Ziel.
Die Runde um das Stadion zog sich ewig dahin, irgendwo wurde der Kilometer 41 mit 06:18 überschritten. Dann ging es weiter um das Stadion herum, endlich hinein in den Tunnel, eine Computerstimme nennt uns im Nebel- und Scheinwerfergewirr Helden und informiert uns es wären nur noch etwa 350 Meter.
Dann liefen wir raus ins Stadion, die Stimmung wurde aufgefangen, das gab tatsächlich nocheinmal soetwas wie Kraft – jedoch nicht genug um an Rudi dran zu bleiben. In der Südkurve hörte ich das unsere Namen gerufen wurden und fand auf der Tribüne oberhalb der Gruppe mit der österreichischen Fahne das Forum-Team. Ich habe zurück gewunken und lief weiter, Rudi drehte sich um und streckte die Hand aus. Komisch das ich das noch kapiert habe – ich versuchte die Strecke möglichst schnell zu überwinden – gemeinsam liefen wir auf das Ziel zu. Er rieß meinen Arm nach oben, die Armmuskulatur protestierte als wäre ich nicht auf den Beinen gelaufen und irgendwie sind wir mit 06:41 durchs Ziel. Die Medaille wurde mir umgehängt, ich freute mich so - endlich steh ich still!

Wir suchten uns schnell ein bisschen was zum Essen und Trinken und liessen uns auf den Rasen sinken. Rudi ging es nicht besonders, mir dagegen schon. Verwunderlich was so ein paar Minuten Ruhe bewirken können. Nach einiger Zeit machten wir uns auf den Weg aus dem Stadion, der Wäschesack wurde abgeholt und wir begaben uns zur Event-Arena. Rudi ging es jetzt richtig gut, so richtig euphorisch, dafür ging es mir als hätte ich einen Hitzschlag. Wir erreichten die anderen Forianer, ich kühlte meinen Nacken mit dem dargebotenen Bier – natürlich noch verschlossen. Erst nachdem sich mein Kreislauf beruhigt hatte, konnte ich es der wahren Bestimmung zuführen.

Verbleibt mir noch mich zu bedanken! Bei Rudi für die tolle Begleitung, bei Elisabeth für die tolle Organisation, bei Christian für die Ohrstöpseln und bei allen anderen Forianern für das tolle Wochenende!

(Quelle: www.scholle.biz)
 
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