Autor Thema: 2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh  (Gelesen 108 mal)

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« am: 11.07.2009, 00:00:00 »
Datum: 2009-07-11
Event: 24h Wörschach Benefizlauf
Distanz: 150.000 km

Ersteller: shiloh

Offline shiloh

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« Antwort #1 am: 11.07.2009, 00:00:00 »
Homo Woerschachiensis

Wie das Überstandene berichten? Ein Ding der Unmöglichkeit, all die Emotionen, Schmerzen, Kämpfe niederzuschreiben, das muß sich alles erst mal setzen – vielleicht mal Zitate bemühen:
„Was hat dich bloß so ruiniert?“ sangen vor Jahren die Hamburger „Die Sterne“. Ja, warum quält man sich 24 Stunden, braucht in der Nacht danach die Arme und viel Zeit, um unter enormen Schmerzen die Position zu ändern, von Rückenlage mit gestreckten Beinen in Seitenlage mit angezogenen Knien?
Einen Auszug aus der Trauerrede des Perikles sinngemäß bemühen? (Die Altphilologen im Forum mögen mich ggf korrigieren): Nur der kann das Geschehene wirklich einschätzen, ermessen, der wirklich dabei war.
Oder grandioser Pathos von Ernest Shackleton nach dramatischer Antarktis-Expedition:
„Wir waren reich an Erinnerungen. Wir hatten die Außenseite der Dinge durchstoßen. Wir hatten gelitten, gehungert und triumphiert, waren auf allen Vieren gekrochen und hatten doch nach den Sternen gegriffen, wir waren an der Größe der Dinge selbst gewachsen...“
Haben etwa doch die Saufköpfe vom Zeltfest recht: Lauter Trotteln, Prost!
Steckt doch mehr Wahrheit im T-Shirt-Spruch des kleinen Dicken im 26A: „Hart, härter, Landschaftsgärtner“?
Wieso diese Quälerei, Selbstmißhandlung?
Keine Ahnung. Ein elendslanger Bericht, für den man 24min zum Lesen braucht und in den alles hineinverpackt ist, was da so passiert, ist zu mühsam, deshalb in aller Kürze:
Ali (2007 151km) will`s noch mal probieren, Roman und ich schließen uns an und so ist das tri-team.at erstmals bei einem 24h-Lauf am Start.
Die ersten 3h geht`s recht gut. Ich habe e. Zettel mit den Nummern der Einzelstarter im Forum dabei, plaudere kurz mit Luxemburger, dann wird mir das Umdrehen nach den Nummern zu mühsam, der Zettel wird verstaut und ist bald verloren. Früher als erwartet, in der 4. Stunde, geht`s mir schon schlecht (Oberschenkel, Fußgewölbe li.innen) und mir wird alles egal. Die mentale Stärke muß die physische Schwäche kompensieren. Mischa und Katzie habe ich zwar noch gesehen, war aber zu apathisch zu Small Talk.
Trainiert habe ich eigentlich wenig für eine derartige Herausforderung, nach der VCM-Vorbereitung 4 Läufe zwi. 30 und 42 km bis ca. 5h. Minimalziel waren 150km, wobei mir aber auch 160 bis 170km möglich erschienen. Konzept hatte ich keines (außer Red Bull und Kaffeedosen), und das war vielleicht eh nicht so schlecht.
Beim 12h-Lauf in Mank 2001 (106km) hatte ich noch ein System und das habe ich durchziehen können.
Keine Schlafpausen, kurze Stops beim Auto, 2mal Massage, wobei ich einmal aus dem VIP-Bereich verscheucht werde (da waren wohl Wichtigere vor Ort), immer längere Gehpassagen, dann wieder kurze Phasen, wo`s besser geht, kurze Kleidungswechsel, tolle und unermüdliche Zuschauer (waren die alle echt? Einige sind 24h im Liegestuhl entlang der Strecke gelegen wie Duracell-Männchen).
In der Nacht laufen gefällt mir, tolle Stimmung im Staffel-Bereich, trotzdem geht`s mir nicht gut, mir ist egal was ich erreichen werde – sieht nicht gut aus für mein Ziel und nach Sonnenaufgang sind noch keine 2 Drittel absolviert.
Die obligaten Alko-Heads verschwinden endlich, Haube und Long Tights machen Kappe und Sonnenbrille Platz.
Sechs ewige Runden noch und die 150km sind erreicht und dann ist immer noch soviel Zeit: In 2h kann ich noch 4 Runden laufen, oder besser run&move, dann sind 160km überschritten, eine einmalige Chance.
Ich schleppe mich noch bis zur 1000m-Marke, lasse mich dort registrieren und kurz danach ertönt die Schlußsirene. Oh Gott, wie lang doch 24h sein können, ich bin leer, emotionslos, Gürtel abwärts eine einzige Schmerzzone. Wie gerne hätte ich so vielen der Anfeuerer persönlich gedankt, allein, es geht nicht mehr.
Einige Zuschauer meinten einen Wolf und/oder Blasen bei mir diagnostizieren zu können – ja, ja, wenn sich Ahnungslose eine Meinung bilden...Ich hatte weder noch, nach 20h Laufen kann man schon wie ein Zombie aus einem Oscar Romero – Film daherwanken. :)
Dennoch, die Stimmung war so toll – Zuschauer, Betreuer, Mitstreiter, die hübschen Rundenzählerinnen, Masseure – und trotzdem alles ehrlich und unaufgeregt, nichts von der lauten und narzißtischen Selbstvermarktung aus dem Triathlonbereich, obwohl ich auch dieses Flair sehr mag.
Hoffentlich meint keiner der Ultra-Freaks hier im Forum, daß einmal keinmal sei. „Niemals werde ich das Banner einholen. Nie sagen, es war das letzte Mal.“ Noch ein pathetisches Zitat von Shackleton aus dem Buch „Die Endurance“ (wär` auch ein guter Staffelname), ich kann mich damit identifizieren, nur für das eben Geleistete möchte ich es nicht anwenden.
Ich bin an eine Grenze gegangen, vielleicht darüber hinaus, ich hab`s mir vorher zugetraut, aber es ist ganz einfach ungesund. Gelenksschmerzen, die sonst nie auftreten bei einem Laufstil, der etwas harmloser als der von Andrea Mayr ist, sagen mir halt, daß das zuviel ist. Der Shiloh-Bub ist eben kein Tarahumara-Indianer.
Und wenn in der 2. Hälfte die Geh- die Laufpassagen übersteigen, stellt sich irgendwie doch die Sinnfrage.
2004 war ich in der siegreichen 4er-Staffel und hörte danach immer wieder, daß dies ärger als der Einzelbewerb ist. War nachvollziehbar für mich, alle 35min Vollgas geben zu müssen war extrem hart, auch psychisch. Nur, das letzte Wochenende war um einiges brutaler, härter, abnützender.
163km, Platz 49, dabei werde ich es wahrscheinlich belassen.
Roman, vorher noch nie über die Marathondistanz hinausgegangen, erreicht trotz 4stündiger Schlafpause hervorragende 153km, während bei Ali nach der 3. Massage leider eine Infusion nötig wird. Seine Entscheidung,  Vernunft und Verantwortung dem Wunsch einer neuen Bestleistung vorzuziehen und es bei 135km bewenden zu lassen ist ebenfalls bewundernswert – er wird es aber wieder versuchen.
Freue mich auf den Wellness-Ironman in Klagenfurt 2010 ;) und wäre echt schön, zB 2011 am Schwarzlsee (?) bei Graz in einer 4er- oder Megastaffel am Start zu sein.
Bis dahin habe ich den 24h-Lauf sicher schon verarbeitet, bewältigt, aufgearbeitet :))
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Offline JM

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« Antwort #2 am: 16.07.2009, 20:43:06 »
hihi, aus dem "Vip-Bereich" bin ich von einem Polizisten hinauseskortiert worden. Das war schon sehr dämlich die Aussage, du hast hier nichts verloren. Dabei waren einige von den Vip´s sogenannte Saufköpfe :D
Aber nun ja, Hauptsache sie haben genug Geld dagelassen für den guten Zweck....
Witzig daß du Shakelton erwähnst. Habe ein Buch über ihn gelesen, scheint so, dass wenn man solche Bücher liest, das doch einen Einfluss auf sein Leben zu haben scheint .
Der Wunsch nach 4er Staffeln wurde nun schon öfter geäußert, von Megastaffelläufern , und eben auch von Einzelläufern. Scheint die goldene Mitte zu sein :D Mal schauen wie´s weiter geht.
Schön auch mal einen Bericht von dir zu lesen. Sehr erfrischend. Hast einen ganz eigenen Stil. Im Schreiben  wie auch im Laufen. Gratuliere dir zu beidem !
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Offline Tschitschi

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« Antwort #3 am: 16.07.2009, 22:51:49 »
Brutale Leistung.
"...Der Shiloh-Bub ist eben kein Tarahumara-Indianer..."
die laufen aber einem Ball hinterher??????
ich kenn das, bin wie ein kleiner hund, zunge raus und laufen bis zum Ball kriegen oder umfallen.
Aber ohne Ball einfach nur so herum? WOW ihr habts Härte.
schöner Bericht
Danke Christian
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Offline Richy

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« Antwort #4 am: 16.07.2009, 23:17:02 »
Starke Leistung und Bericht.
163km ist irgendwie - weit. ;)
Gute Regeneration - und mal sehen - ob Du es dabei belässt ;)

Offline boenald

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« Antwort #5 am: 17.07.2009, 09:38:30 »
liest sich wirklich ganz anders, dein bericht, und 163km sind wirklich ziemlich weit. eins verstehe ich nur nicht so recht: seid ihr läufer in wörschach etwa sowas wie das rahmenprogramm für die veranstaltung "saufen für den weltfrieden" gewesen :D? würde euren leistungen nämlich gar nicht gerecht werden. alles gute für die weiteren lageveränderungen (von seitlich angewinkelt zurück auf den bauch?) plus ein zweckentfremdetes dean martin-zitat: wirklich fertig ist man erst, wenn man nicht mehr ohne fremde hilfe auf dem boden liegen kann...
so gesehen habts ihr euch extrem wacker gehalten, gratuliere und wünsche bestmögliche regeneration!
Paragraph eins: jedem sein´s.

Offline shiloh

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2009-07-11 24h Wörschach Benefizlauf - shiloh
« Antwort #6 am: 19.07.2009, 14:15:14 »
Erratum: George A. Romero, nicht Oscar...
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