Autor Thema: 2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu  (Gelesen 248 mal)

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« am: 05.02.2011, 00:00:00 »
Datum: 2011-02-05
Event: Death Valley Borax Marathon
Distanz: 10.000 km

Ersteller: susu

Offline susu

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #1 am: 05.02.2011, 00:00:00 »
Jubel im Tal des Todes

USA, Death Valley, der große Tag, für den ich elf endlose kalte Wochen lang trainiert habe. Im Rahmen des Death Valley Borax Marathon werden Michael und ich den 10km-Bewerb laufen. Denn als wir im Oktober zufällig die Ergebnisliste durchforsten merken wir, da ist eventuell ein AK-Platz drin. Meine persönliche Motivation: Anstelle eines Pokals gibt es ein Award Ribbon, das ist diese seltsame Stoffschleife, die man sonst Siegerpferden umhängt. So was will ich zu Hause hängen haben, also nichts wie rein ins Training. Der Knackpunkt an der Sache: Mitte November ist meine Grundlage am Boden, meine Motivation am Sand und das Wort Wintertraining kam bisher in meinem Sprachschatz nicht vor. Die Lösung: Ich bitte Tina um professionellen Beistand. Das Training ist, was meinen Zustand und die Jahreszeit betrifft, wirklich ein Hammer, aber ich stelle mir immer wieder die Siegerehrung vor und plane geistig schon eine Oscar-ähnliche Ansprache, in der ich mich zum Beispiel für die außerordentlichen Laufgene bei meiner Mutter bedanke, um mich dann in Tränen aufzulösen. Michael findet meine abstruse Idee tatsächlich abstrus und kommentiert sie lakonisch: "Du weißt eh, die filmen das mit und dann stellen die das sicher auf YouTube unter dem Titel: "Das sind die depperten Österreicher"".

Nun denn, Anfang Februar verlasse ich Wien guter Dinge, sagen wir mal mit einem Zustand am aufsteigenden Ast. Zwei Tage vor dem Lauf verspüre ich plötzlich ziehende Schmerzen bei bestimmten Bewegungen in den Oberschenkeln, die abends stärker und morgens leichter sind. Mögliche Erklärungen: die fehlende Bewegung, das lange Sitzen im Flieger, die ungewohnt langen Autofahrten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt laufen kann. Dieser Zustand verbessert bzw. verschlechtert sich nicht und so beschließe ich: Wenn es auf den ersten zwei Meilen Probleme gibt, dann steige ich aus, denn längere Wanderungen stehen noch auf unserem Reiseprogramm. Der nächste Dämpfer kommt kurz nach unserer Ankunft in Furnace Creek, wo der Start für alle Distanzen erfolgen soll. Das Streckenprofil sieht real so gar nicht aus wie im pdf auf der Homepage. Wir haben uns in Sachen "Höhenangabe in Fuß" mächtig verschätzt. Der Lauf, den ich Tina als "es ist eher flach" verkauft habe, wird also nicht ganz einfach werden. Wir diskutieren und korrigieren die geplanten Zielzeiten und die Tatsache, dass es hier hügeliger zugeht als gedacht, macht auch meine Strategie zunichte. Von wegen "die ersten zwei Meilen auf max. 175 HF, diese dann halten und auf den letzten zwei Meilen, wenn es gut geht, Gas geben". Das wird hier nicht funktionieren.

Die Wettkampf-Besprechung kurz vor dem Start lässt aber dieses Ungemach vergessen. Der Lauf ist zwar einfach organisiert (keine Nettozeit, kein Startsackerl, da keine Sponsoren), aber familiär und vor allem korrekt vermessen, weil er als Boston-Qualifikation zählt. Der Veranstalter Dave Horning (enviro-sports) ist ein kautziger Typ. Der ehemalige Marathonläufer (02:46:00), mittlerweile ausgestattet mit einem imposanten Budweiser-Bauch, macht die Wettkampfbesprechung zur Show, die Stimmung ist typisch amerikanisch und wir singen feierlich vor dem Start die amerikanische Hymne.

Die erste Meile geht kontinuierlich bergab, ich lasse es nicht laufen, denn ich weiß, was ich jetzt schneller bin, quäle ich mich am Schluss wieder hinauf. Ich laufe die erste Hälfte der Wendestrecke sehr konservativ und zwar nur nach Gefühl, denn mit der HF kann ich hier nichts anfangen, zwei Meilen-Marker übersehe ich glatt, da es Bodenmarkierungen sind. Ich laufe etwas langsamer als mein e-pace-Tempo. Das ist für "hinunter" zwar zu langsam, aber dafür kann ich beim (schmerzhaften) "hinauf" das Tempo gut halten. Als ich beim Turn Around ankomme, zeigt die Uhr unfassbare 28:03. Ich werfe meine mathematischen Ganglienzellen an: 28x2 plus noch ein bisserl dazu ist 56 eher mehr als weniger. Das löst nicht gerade einen Glückshormonschub aus. Die Läufer und -innen (es gibt mehr Frauen als Männer), die mir entgegenkommen, sind mir eine große Hilfe. Das gibt es in Österreich so nicht. Immer wieder höre ich "you do a great job", eine schreit mir zu: "Come on, you're the first in your catagory", das zeigt Wirkung und ich laufe - das spüre ich - immer schneller. Die Schmerzen sind wie weggeblasen. Bei der letzten Meile zeigt sich des Trainings Lohn, es läuft sich wie geschmiert. Ich erreiche das Ziel mit 54:58. Abgesehen vom ersten AK-Platz bin ich vierte Frau und das freut mich fast mehr, denn die drei Damen vor mir sind AK-30. Michael wartet bereits im Ziel auf mich, der insgesamt Achter wird und in seiner AK ebenfalls den ersten Platz ergattert.

Die Siegerehrung verläuft etwas anders als üblich. Die Namen werden nur genannt, denn das Ribbon erhält man erst in einigen Wochen, da es noch personalisiert werden muss. Meine Oscar-ähnliche Ansprache ist somit endgültig ins Wasser gefallen, aber einen Teil daraus muss ich schon loswerden: "...and thanks a lot to my fabulous coach Tina. Without her great support, I would given up my training in these cold f...g winterdays."


Offline chribi

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #2 am: 07.02.2011, 18:03:18 »
danke für den netten und launigen bericht, das muß ja wirklich ein erlebnis gewesen sein, nochmals congratulations!!!!!! the oscar goes to...........susanne and michael!

Offline JM

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #3 am: 07.02.2011, 19:55:18 »
Großartige show !
Da darf ich ja stolz sein, mit euch den Triathlon zusammen machen zu dürfen. Viel Spaß noch in den Schluchten der canyons.
When your life flashes before your eyes, make sure you’ve got plenty to watch

Offline helga

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #4 am: 07.02.2011, 21:04:55 »
Gratuliere zu dem Ribbon, ich weiss es wenn man etwas ganz stark will kann man es auch erreichen, super gemacht. Schönen Urlaub noch euch beiden, den habt ihr euch auch jetzt redlich verdient. Danke für deinen schönen Bericht, nur diese komischen Buchstaben haben mich ganz schön genervt.
Der Weg, auf dem Sie Ihre Ziele erreichen, ist genauso individuell, wie Sie selbst. (Klaus Weiland)

Offline pinguin

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #5 am: 08.02.2011, 07:25:20 »
CONGRATULATIONS!!! Freue mich für Euch über das tolle Ergebnis und das schöne Erlebnis, enjoy your stay!

Offline elisabeth

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #6 am: 08.02.2011, 11:25:01 »
Danke Susanne! Ich liebe deine Berichte!!
Gratuliere euch nochmals recht herzlich!!
Super gemacht!!

Offline Wolfgangrun

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #7 am: 08.02.2011, 13:48:58 »
Herzliche Gratulationen! Das Ribbon kommt in ca. 6 Wochen (so lange hat es voriges Jahr gedauert)! Schönen Urlaub noch im schönen Südwesten!

Offline Tina

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #8 am: 08.02.2011, 14:01:49 »
susanne, you did a great job! congratulations!!!!
run just for fun :-)

Offline heitzko

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #9 am: 08.02.2011, 16:02:10 »
wie immer sein super bericht von dir susanne und den lauf hast du großartig absolviert, hast ein gutes gespür für richtige einteilung! ich gratuliere zum ribbon :)!

Offline Richy

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2011-02-05 Death Valley Borax Marathon - susu
« Antwort #10 am: 08.02.2011, 21:45:07 »
Bericht köstlich - hoffentlich feilst schon wieder am nächsten Wettkampf.
Gratulation an Euch zwei.
AK-Platzierung in der USA - das hat schon was.
Schönen Aufenthalt noch.