Autor Thema: 2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76  (Gelesen 270 mal)

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« am: 09.07.2011, 00:00:00 »
Datum: 2011-07-09
Event: 24-Stundenlauf
Distanz: 159.361 km

Ersteller: MT76

Offline MT76

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #1 am: 09.07.2011, 00:00:00 »
… whatever you do, keep moving …

Nach meiner doch einigermaßen schlecht vorbereiteten 24-Stundenlauf-Premiere 2010, dem entsprechenden Resultat mit „nur“ 127,91655km und dennoch ziemlicher Nachwehen infolge einer Beinhautreizung standen für 2011 einige Dinge bereits seit Juli 2010 fest, denn mich hatte das 24-Stundenlauf-Fieber erwischt, das aber nicht schädlich ist (denke ich zumindestens ;)):

- ich mache 2011 wieder den 24-Stundenlauf in Irdning (Fieberwahn)
- ich werde besser vorbereitet sein und praktisch die ganze Frühjahrssaison 2011 darauf ausrichten (die hellen Momente)
- ich werde erst aufgeben, wenn ich mich nicht mehr bewegen kann (hier möge jeder selbst urteilen)

Mit diesen Vorsätzen brachte ich noch die Herbstsaison 2010 hinter mich mit einem – trotz kaum erfolgtem Training   erfreulichen Ausklang beim Frankfurt Marathon Ende Oktober. Knapp zwei Wochen danach ging es am 13.11.2010 mit der Vorbereitung für Irdning 2011 los. Wer nichts über meine Trainingsvorbereitungen erfahren möchte, sondern gleich direkt zum Bericht des 24-Stundenlaufs 2011 möchte, der überspringe bitte den nächsten Block.

--- Das Training ---

Nachdem es in diesem Bereich des Ultralaufs keine gesicherten trainingswissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, ist persönliches Probieren angesagt. Immerhin scheinen sich zwei Trainingsphilosophien etabliert zu haben. Die einen schwören auf langsame, lange (und lang heißt wirklich lang mit 60-80km aufwärts) Läufe, andere auf „Doppeldecker“ („back-to-back“)-Einheiten, d.h. zwei längere Einheiten an zwei aufeinander folgenden Tagen. Ich beschloss, für mich die „Doppeldecker“-Variante auszuprobieren, da mir diese vom Zeitbudget, logistisch (Wasserversorgung im Winter!) und auch von der körperlichen Belastung (Stützapparat, Sehnen) her leichter umsetzbar erschien. Als Periodisierung wählte ich klassisch je drei Belastungswochen gefolgt von einer Regenerationswoche. Der Wochenkilometerumfang sollte dabei kontinuierlich von 110 bis 130km im ersten Block auf 140 bis 170km gesteigert werden, wobei der Urlaub (hm, naja, ich nenne es so ;)) auf Fuerte Ventura anfang Februar Spitzenbelastungen von 170 bis 190 Wochenkilometer bringen sollte. Die „Doppeldecker“-Einheiten begannen mit 30/25km und wurden dann über 35/25, 40/30, usw. bis auf 55/45km ausgebaut. Um ein wenig Abwechslung zu erhalten, versuchte ich auch, je einen Tempolauf und eine Intervalleinheit pro Woche ins Training einzubauen. Bei schlechtem Körpergefühl oder Müdigkeit hatte jedoch die Erfüllung des Kilometerumfangs für mich stets Vorrang vor der Tempovorgabe. Diese Planung funktionierte natürlich nur dank des Verständnisses der besten Ehefrau von Welt, welche akzeptierte, dass das gemeinsame „Mittag“-Essen an den Wochenenden bereits Wochen im voraus geplant erst um 14h oder 15h stattfinden würde, weil der Ehemann solange mit seinen langen Läufen durch die verschneite Landschaft hirschen würde.

Leider war dieser Winter auch in Wien doch ziemlich schneereich und kalt, sodass Schnee und Eis meine ständigen Begleiter waren. Wie schon im Blog (http://martin24h.blogspot.com) berichtet machte ich dabei einige interessante Erfahrungen, möchte aber ein paar Highlights auch hier im Bericht nochmals erwähnen:

- bei -8°C friert der Trinkrucksack ein, was auf einer langen Runde dann ohne Wasser gar nicht so lustig ist
- ebenso friert das Flüssiggel ein und man schießt sich beim Versuch, dennoch an die Flüssigkeit im Packerl zu kommen mit dem gefrorenen Propfen des Schraubverschlusses k.o. – wird allerdings durch die nachfolgende Dusche mit „warmer“ Flüssigkeit wiederbelebt. Dabei werden übrigens die Handschuhe nass, welche in weiterer Folge ebenfalls einfrieren, sodass man zu einer sehr unnatürlichen Handhaltung gezwungen wird, da die Fingerteile des Handschuhs nicht mehr beweglich sind
- Eis auf Holzbrettern ist gar nicht gut, dies kann zum Verlust des Gleichgewichts und entsprechend unsanftem Kontakt von Kopf und eben diesen Holzbrettern führen. Für Nachahmungstäter: der Holzsteg bei der alten Donau unter der Wagramer Straße ist ein ideales Trainingsgelände.

Im Wesentlichen konnte ich aber trotz dieser Rahmenbedingungen meine geplanten Trainingskilometer erfüllen, auch wenn sich hin und wieder die Sinnfrage stellte, warum ich denn dies alles auf mich nehme, die Wochenenden zum Großteil mit Training verbringe und unter der Woche abends die Prater Hauptallee unsicher mache. Aber dann war da immer der Gedanke: 127,91km können nicht alles gewesen sein, mehr Spaß macht ein 24-Stundenlauf gut vorbereitet und letztlich wird damit auch für den eigentlichen Sinn des 24-Stundenlaufs – dem Spendensammeln für den guten Zweck – mehr Geld zusammen kommen. Und so schnürte ich fast täglich meine Laufschuhe und die Tage und Wochen vergingen.
Mitte April dann ein herber Rückschlag. Der Linzmarathon, in welchem ich eine gute Zeit „im Vorbeigehen“ mitnehmen wollte, kam und enttäuschte mich ziemlich. Nur sieben Marathontrainingswochen mit höherem Tempo waren zu wenig, um eine wirklich gute Zeit zu erreichen. Wie schon berichtet zog ich mir dabei leider auch eine Überlastung der linken Schienbein- und Wadenmuskulatur zu und damit war an Lauftraining für einige Wochen mal nicht zu denken. Sehr ärgerlich, denn eigentlich sollte in diesen Wochen nochmals massiv an der Form für Irdning gefeilt werden. Aber bloß keine Panik aufkommen lassen, das Wichtigste war, die Schmerzen wieder wegzubekommen, weil ich wollte ja fit am 9.7. am Start stehen. Rein kilometermäßig hatte ich ohnehin soviel trainiert wie noch nie, die paar Wochen sollten also auch kompensierbar sein. Außerdem war Alternativtraining auf Rad und Ergometer möglich, der Körper konnte also in Bewegung gehalten werden. Mitte Mai konnte ich das Lauftraining dann wieder aufnehmen, allerdings stets mit einem wachsamen Auge auf den Körper und in dieser Phase ließ ich dann auch mal die eine oder andere Trainingseinheit aus oder verkürzte sie, um den Körper nur ja nicht zu überfordern, denn: „if you undertrain you might not finish, if you overtrain you might not start!“

Neben dem Training startete ich Anfang Juni auch wieder meinen Spendenaufruf, damit meine Laufkilometer während der 24 Stunden anschließend in Bares für den guten Zweck umgewandelt werden würden. Und nicht nur meine Kilometerleistung im Vorfeld des 24-Stundenlaufs war deutlich höher als letztes Jahr, auch die Anzahl der Spender erhöhte sich von 23 im Jahr 2010 auf 32 im Jahr 2011 – vielen Dank schon an dieser Stelle für die tolle Unterstützung, Motivation und Spendenbereitschaft!

--- Die letzten Tage ---

Der 9.7. rückte unaufhaltsam näher und die letzten Vorbereitungen standen am Programm. Eine genaue Marschtabelle wurde festgelegt, damit ich keinesfalls zu schnell starte. Zusatznahrung wurde bestellt (siehe http://martin24h.blogspot.com/2011/07/kulinarrisches.html) und die letzten Trainingsläufe im Rahmen von Wettkämpfen (6h-Lauf Grieskirchen, Ötscher Mountain-Marathon, Veitsch Grenzstaffellauf) bestritten.

Neben einer guten Vorbereitung ist während des 24-Stundenlaufs auch die Betreuung ganz entscheidend für Erfolg oder Misserfolg. Wie schon im letztjährigen Bericht erwähnt, schätze ich den Einfluss der Betreuung auf zumindest 50%. Für meine Psyche enorm beruhigend war, dass ich heuer in Irdning über gleich zwei Betreuer mit Ultralauferfahrung verfügen würde, denn neben Carola startete auch Wi(e)nfried in der Megastaffel des LC Erdpress – das erfolgreiche Gespann vom Rennsteiglauf (Winfried begleitete Carola zu ihrem Einzelsieg über die 72,7km und steht selbst im Nationalkader für die 100km-WM in Winschoten im September) steht voll hinter mir, da kann ja nix mehr schief gehen. Im Gegensatz zu Carolas vorjähriger Damenmegastaffel mit nur 14 Teilnehmerinnen konnte der LC Erdpress mit 23 LäuferInnen fast das Maximalkontingent von 24 Staffelmitgliedern an den Start bringen – es sollte also für Carola und Winfried nicht zu stressig werden, mich neben ihrem Staffeleinsatz auch noch zu betreuen.

Den gesamten Donnerstagnachmittag verbrachte ich mit sortieren, auswählen, wieder verwerfen meiner Laufsachen, die ich nach Irdning mitnehmen würde. Der Freitagvormittag stand dann im Zeichen, all die vorbereiteten Sachen in unser Wohnmobil einzuladen – für unsere sechsmonatige Wohnmobilreise hatte ich, glaube ich, nicht wesentlich mehr mit als für den 24-Stundenlauf in Irdning ;). Aber irgendwann war dann doch das Wohnmobil voll und die Wohnung leer und es ging auf nach Irdning.

--- In Irdning ---

In Irdning war dann leider mal nichts so, wie es sein sollte. Unmittelbar nach unserer Ankunft ging ein herrliches Gewitter mit starkem Regen nieder, gleichzeitig kühlte es auch empfindlich ab und wir wurden ordentlich nass. Entgegen dem offiziellen Streckenplan war die Strecke nun doch nicht 2.245 Meter lang sondern „nur“ 2.236 – klingt nach wenig Abweichung, macht aber bei 90 Runden doch immerhin 810 Meter aus. Und alle vorbereiteten ausgedruckten Marschtabellen waren somit falsch. Allerdings ist die Auswirkung in Zeit ausgedrückt über 24 Stunden gerade mal 5 Minuten, also eigentlich nicht so schlimm. Aber das soll mal jemand einem hochnervösen, durchnässten und etwas frierenden 24-Stunden-Starter klar machen. Ich war also leicht von der Rolle und sehr glücklich, schon hier eine Betreuerin mitzuhaben, welche für mich die wichtigsten Dinge checkte – Startnummer, Pasta-Party-Gutschein, Erinnerungs-T-Shirt, VIP-Karte. Ja, die VIP-Karte: von dieser würde ich selbst nichts haben, denn die war für die Ehrung jener Läufer, welche 2010 die meisten Sponsorgelder auftreiben konnten. In dieser Kategorie wurde ich dank der zahlreichen Unterstützer (http://martin24h.blogspot.com/2011/04/groartiger-erfolg-meiner-sponsoren.html) zweiter bei den Einzelläufern. Bei der Ehrung selbst würde mich allerdings Carola vertreten, da ich ja hoffentlich um 20h30 noch fleißig meine Runden drehen würde.

So ging es dann – (hatte ich schon erwähnt?) durchnässt zur Pastaparty: diese fand heuer in einem kleineren Zelt als letztes Jahr statt, dadurch entstand auch ein etwas eingeengtes Gefühl und auch aufgrund des schlechten Wetters war allgemein die Stimmung eher gedämpft.
Während die Nudeln am Teller weniger wurden, hörte auch der Regen langsam auf und es wurde wieder etwas freundlicher und wärmer, was meiner Stimmung gut tat. Daher schauten wir nach der Pastaparty zu unserem Basislager bzw. dem Lagerplatz des LC Erdpress, welcher mir großzügigerweise auch Einzelläuferasyl gewähren würde. Aus Erdpress war schon eine kleine Abordnung angereist, die bereits das Zelt sowie   noch viel wichtiger für die Motivation der Staffel – den Kühlschrank mit Fleisch, Wurst, Käse und Bier aufgestellt hatte. Carola und ich halfen noch beim Ausladen und Aufstellen des restlichen Materials mit. Der Lagerplatz selbst war derselbe, welchen Carolas Damenstaffel letztes Jahr hatte, und damit ideal für mich, um mir meinen Rundenrhythmus (Laufen, Gehpausen an welchen Stellen der Strecke) überlegen zu können.

Aufgrund der schlechten Erfahrung letztes Jahr mit der Partylautstärke auf der Showbühne übernachteten wir heuer nicht am großen Parkplatz in der Nähe des Festgeländes, sondern ziemlich am anderen Ende der Strecke und damit in weitest möglicher Entfernung zum Partyvolk. Und hier war es wirklich deutlich ruhiger, auch wenn die Party aufgrund des Wetters heuer ohnehin weniger ausgelassen war als letztes Jahr. Die letzte Nacht verlief daher ohne besondere Vorkommnisse sehr entspannt.

--- Die letzten Stunden ---

Um 8 Uhr war Tagwache, länger hätte es ein gewisser nervöser Einzelläufer ohnehin nicht mehr im Bett ausgehalten, denn es musste ja noch die Infrastruktur (Gewand, Campingliegen, Computer, Musik – naja, bei letzterer konnten sich meine 5W-Boxen nicht ganz gegen die Umgebungslautstärke durchsetzen, aber sie haben so wie ich brav gekämpft ;)) aufgebaut werden. Von unserem Parkplatz zum Basislager war es Luftlinie ungefähr 1 Kilometer und auf den Straßen nicht wesentlich mehr. Leider kamen wir aber etwa 5 Minuten zu spät zum Checkpoint der Streckenabsperrung und wurden vom gerade eintreffenden Streckenposten daran gehindert, auf dem kürzestmöglichen Weg zu unserem Stellplatz zu fahren, sondern durften eine schöne Landschaftsrunde rund um das Gemeindegebiet von Irdning drehen. Nach 20 (anstelle von 3) Minuten trafen wir dann aber doch beim LC Erdpress ein und schlugen unser Lager auf.

Mittlerweile strahlte bereits die Sonne vom Himmel und sorgte für schon nicht mehr so angenehme Temperaturen. Aber wie sagte ich oft im Vorfeld: lieber heiß und sonnig, als kalt und Regen. Also jetzt nicht beschweren ;). So verbrachte ich meine Zeit, meine Gewandkisten (3 an der Zahl ;)) ebenso zu positionieren wie einen Kübel mit Schwämmen und Geschirrtüchern zur Kühlung und eine zum Verpflegungstisch umfunktionierte Plastiktonne. Danach stand der – ebenso wie im Vorjahr und daher durchaus bereits als traditionell zu bezeichnende – Weg zum Spar an, um mein zweites Frühstück/Mittagessen zu holen. Winfried war ebenfalls gerade eingetroffen und so machten wir uns beide auf zum Einkaufen. In meiner Nervosität und leichten Fahrigkeit nahm ich dabei intensiv Kontakt mit einem eisenharten Läuferstandbild auf. Der blaue Fleck eine Woche später lässt mich diese Erfahrung immer noch nicht vergessen ;) … Na bravo, da mache ich bzw. Gerald (bester Masseur von Welt) die letzten Wochen alles, um fit nach Irdning zu kommen und dann dieser (Rück-)Schlag drei Stunden vorm Start. Naja, so schlimm war es auch nicht, es würde mich schon nicht beeinträchtigen. Der nächste Tiefschlag folgte allerdings beim Erreichen des Spars – den Spar gab es nicht mehr. Kein Logo war zu sehen, die Türen waren geschlossen und hinter den Glasfenstern klebten Zettel mit „DANKE“ drauf. Hm, nun gut, so mussten wir ein Stück weiter zum Billa. Wenigstens der war da, hatte offen und ich bekam auch mein erprobtes Prä-Wettkampfessen – Topfenkornweckerl mit Traungold und Gurkerl. Gestärkt kehrte ich mit Winfried zum Basislager zurück, diesmal über einen anderen Weg möglichst weit vom eisenharten Läufer entfernt, man ist ja lernfähig :D. Es war mittlerweile richtig heiß und ich war richtig durstig, also ordentlich Wasser trinken. Beim Einklappen des Küchentischs im Wohnmobil das nächste Hoppala – ein Finger verharrte an einer Stelle, wo er besser nicht verharren sollte und AUUUUUUU, Finger eingezwickt. Na toll, wenn das so weiter geht, wird das wirklich nix mit einem Start. Aber gut, Finger ist nicht so schlimm, ich zum Laufen brauche ich ja vor allem meine Füße und die hatten noch nix abbekommen. Aber es wurde wirklich Zeit, dass es losgeht, weil auf der Strecke würden keine hinterhältigen Hindernisse stehen, da fühlte ich mich sicherer ;).

Nach der Läuferbesprechnung ohne wesentliche Neuigkeiten, zog ich mich langsam um, legte mich noch für 5 Minuten hin. Wie mir auffiel seit 10 Uhr das erste Mal, dass ich nicht auf den Beinen war, aber irgendwie hatte mir die letzten Stunden die Ruhe gefehlt, mich hinzusetzen. Und dann ging es auch schon auf zum Start. Kurz beim Rundenzähler vorstellen, dann wieder in einem Zelt in Startnähe im Schatten Schutz gesucht, denn ich würde noch genug Zeit am Nachmittag in der Sonne verbringen. Pünktlich um 14h ging es dann endlich los, nach 238 Trainingstagen und 3.516,5 Trainingskilometern endlich die 24 Stunden der Wahrheit, was die Vorbereitung gebracht hatte.

--- Der Lauf ---

Ich reihte mich ziemlich weit hinten ein um ja nicht durch die Tempobolzerei der Megastaffeln, Viererstaffeln oder übermotivierten Einzelläufer mitgerissen zu werden – denn ich musste so rasch als möglich meinen langsamen Rhythmus finden und vor allem nicht zuviel Kraft am Anfang vergeuden. Denn die 24-Stundensieger werden in der Nacht gemacht, sagt man. Die schwächeren 24-Stundenresultate allerdings auch, wie man noch sehen wird.

Nun ist es auch Zeit, meine Ziele offen zu legen. Ich hatte mir für 2011 drei Ziele vorgenommen. Mindestziel 150km, Optimalziel 180km, Traumziel 200km. Nachdem man seine Träume leben soll, war die Marschtabelle auf 200km ausgelegt. 100km sollten nach 12 Stunden erreicht sein, mit dem Hintergedanken, dass bei einer schwächeren zweiten Hälfte immer noch 170 bis 180km resultieren könnten. Um die Muskulatur und Sehnen zeitweise zu entlasten und auch der Eintönigkeit des immer gleichen Rhythmus entgegen zu wirken, hatte ich mir einen Plan von 5 Runden mehrheitlich Laufen (mit ein wenig Gehpause) gefolgt von einer kompletten Gehrunde zurechtgelegt. In diesen Plan fand ich – wenn auch immer noch ein wenig zu schnell – recht rasch hinein und so verflogen die ersten Stunden. Nach zwei Runden waren auch die Selbstzweifel („wird das heuer etwas“, „warum?“) weg, ich war in meinem Element, es machte einfach riesig Spaß an den begeisterten Läufercamps vorbeizuziehen, ständig angefeuert zu werden und Runde für Runde abzuspulen. Ja, genau dafür hatte ich trainiert, dafür die vielen Kilometer im Schnee auf mich genommen. Ich entdeckte viele Bekannte vom letzten Jahr – „Fit in Leo“ war wieder dabei, heuer mit einer Infrastruktur, die dem offiziellen Showtruck mehr als Konkurrenz machte: Musik, Lichtorgel, Moderation, alles mit dabei und dazu mit Helge und Thomas zwei Freunde, die mich Runde für Runde anfeuerten, mich offenbar auch den anderen „Fit in Leos“ vorstellten und damit war auch in den Schlafpausen von Tom und Helge für Stimmung gesorgt, wenn ich bei „Fit in Leo“ vorbeikam. Auf der Hauptstraße saßen auf ca. halber Höhe der Gerade auch wieder die konditionsstarken „grauen Panther“, die mich von 14h bis tief in die Nacht und ab Sonntag frühmorgens Runde für Runde beklatschten. Unglaublich diese Begeisterung! Ich bin immer noch tief beeindruckt, wie man sich für „wildfremde“ Menschen so ins Zeug legen kann, weil probiert mal stundenlang anzufeuern und zu klatschen – das geht echt rein, die Hände tun weh, die Stimme wird rauh, und diese Gruppe hielt durch ohne Verschleißerscheinungen – RESPEKT!

Weiter die Strecke entlang kam das Lager von der dertriathlon.com sowie Fürstenfeld – auch hier 24 Stunden lang Musik vom Feinsten, tanzende Groupies (ebenfalls nahezu 24 Stunden lang), Stimmung pur! Hinten auf der Gegengerade war’s heuer etwas ruhiger, aber vis-a-vis der Kläranlage hatte Familie Nickel ihr Basislager – mit ebenfalls Weltmusik 24-Stunden durch und jedes Mal einer Anfeuerung, wenn ich vorbei kam. Dann kurz wieder ein bisschen ein ruhigerer Streckenabschnitt und dann ging’s auch schon zum schönen neuen Kreisverkehr und am Rundenzähler-Container vorbei. Letzterer zwar mit häufig wechselnder Besetzung, aber dafür umso lauterer Stimmung. Am Radweg dann bei Start- und Ziel vorbei und zur Labestation. Hier war dann immer eine Gehpause angesagt um – solange es ging, aber dazu später mehr – in Ruhe zu essen. Dann wieder zurück bei den Läuferlagern Laufschritt aufnehmen (man(n) will ja sportlich wirken) und vorbei am Lager der „Freunde des Laufsports“ (Uschi: vielen Dank für Deine Begleitung auf den letzten Runden und der ganzen Truppe fürs ebenfalls unermüdliche Anfeuern Runde für Runde), vorbei beim Lager von Helmut, der leider aufgrund eines Sonnenstichs sein Einzelabenteuer frühzeitig beenden musste und dann zum Basislager der Orange Power vom LC Erdpress, wo Trommel, Tuba, Trompete und vieles mehr für Stimmung sorgte und ich frenetisch angefeuert wurde. Und wo meine Rundenzeiten am Computer protokolliert wurden – ein harter Job, welcher stundenlang von Birgit für sowohl mich als auch die Megastaffel gemacht wurde – vielen Dank! Unglaublich auch diese Leistung fast über die gesamten 24 Stunden die Zeitnehmung zu machen. Ich muss ja sagen, ich war von der Anfeuerung teilweise überfordert, weil überall orange   links, rechts, vorne, hinten, wo man hinsah, nur orange und alle schrien, klatschten, prosteten mir zu, waren einfach nur begeistert, da konnte man gar nicht stehen bleiben, sondern musste einfach nur weiter, weiter, weiter, nächste Runde einsammeln. Und natürlich standen hier auch Carola und Winfried, fragten mich, ob ich etwas bräuchte, sorgten für Nachschub bei den Powerbarriegeln und Energy Gels, holten Nudeln und Suppe für mich, hielten mein Kühlwasser im Kübel immer frisch, versorgten mich mit frischem Gewand und – aber auch dazu später mehr – mit aktuellen Renninformationen. Ich hatte also alles, was ich brauchte, musste nur noch laufen.

So vergingen die ersten Stunden, nach 5h35 hatte ich die ersten 50 Kilometer abgespult, lag also 25 Minuten vor meiner Marschtabelle, aber es fühlte sich gut an, und vieles vom Vorsprung auf den Plan kam aus den Gehrunden, die ich um 2 bis 4 Minuten schneller absolvierte als geplant. Die Laufrunden waren annähernd im geplanten Tempo. Dieses Tempo hielt ich weiter bis 75 Kilometer oder knapp 9 Stunden. Es war jetzt bereits 23 Uhr und die Nacht brach an, es wurde kühler, wenn auch nicht wirklich kühl, dafür hatte die intensive Sonneneinstrahlung tagsüber gesorgt, alles war aufgeheizt. Eigentlich sollte jetzt meine Zeit kommen, denn laufen im Dunkeln mag ich, kühlere Temperaturen ebenso. Und schließlich hatte ich diesen Nachtlauf ja auch im Urlaub von 2 Uhr morgens bis zum Frühstück in der Hotelanlage geübt, denn die Sieger eines 24-Stundenlaufs werden in der Nacht gemacht – naja, dann werde ich wohl kein Sieger sein, denn es kündigte sich leider auch ein erstes Schwächegefühl in Form von deutlich spürbarem Hunger an. Die Versorgung mit meiner Lieblingsmahlzeit vom letzten Jahr – in Suppe eingelegte Salzkartoffel – klappte heuer nämlich gar nicht nach Wunsch. Die Kartoffeln waren leider, wie auch viele Mitläufer bestätigten, von selten grauslicher Qualität, schmeckten wie Gummi und zogen sich wie Käsebällchen. Daher konnte ich nur sehr wenige dieser Delikatessen zu mir nehmen. Es blieben mir Banane, Müsliriegel (die „normalen“ von Kornland), Isodrinks von Peeroton und meine Eigenverpflegung mit Powerbarriegeln, Energy Gels und Isostar. Alles ganz gut, aber leider alles auch sehr süß. Und nach vielen Stunden Genuss spielte leider weder mein Appetit noch mein Magen mehr mit bei der Nahrungsaufnahme – es ekelte mir mittlerweile vor allem, was nur irgendwie nach süß schmeckte. So konnte ich nach knapp 11 Stunden die rettende Gehrunde in Runde 42 kaum mehr erwarten und freute mich auf ein bisschen Erholung. Die Laufrunden 43 und 44 waren dann schon eine Qual, weil der Körper sich nur mehr leer und energielos anfühlte, und nachdem ich ohnehin einen Vorsprung auf meine Marschtabelle hatte, beschloss ich, Runde 45 und damit die 100 Kilometer gehend zu feiern, in der Hoffnung, dass es danach wieder laufen würde. In den nachfolgenden Gehrunden versuchte ich doch wieder, Essbares zu mir zu nehmen um den nun deutlich vorhandenen Hungerast zu bekämpfen. Einziges Resultat war jedoch, dass der Magen kaum etwas bei sich behalten wollte und die Erfahrung, dass ein Besuch in einer unbeleuchteten Mobiltoilette zur Herausforderung wird, wenn man doch schon etwas angeschlagen ist. Somit beschloss ich, die Nahrungs- und auch Getränkeaufnahme (denn auch die resultierte in den eben erwähnten Problemen) weitgehend einzustellen und mal eine Nachtwanderung einzulegen. Aufgrund des schwachen Zustands war auch an Laufen leider nicht mehr zu denken, denn der Laufschritt war so unrund, dass ich infolge der Fehlbelastungen um meine Sehnen fürchtete. Und wenn ich mit den Sehnen Probleme bekommen sollte, dann wäre dies mehr oder weniger das Ende des „Laufs“ so wie im Vorjahr.

So schossen mir die Gedanken ans Vorjahr durch den Kopf – „Nein, nicht schon wieder nach 100 Kilometer eingehen“. Aber wenigstens hatte ich heuer einen großen Vorteil gegenüber 2010. Ich hatte die 100 Kilometer absolviert und ich hatte noch keine wirklichen Schmerzen, das heißt ich konnte immer noch flott um die Strecke herum wandern. Und wie hatte ich mir schon voriges Jahr ausgerechnet, wenn man 24 Stunden in einem Tempo von 10 Minuten pro Kilometer geht, so kommt man auch auf 144 Kilometer. Wenn ich daher bis zum Ende wandernd durchhalten würde, sind jedenfalls die 150 Kilometer Mindestziel drinnen und damit schon eine schöne Verbesserung meiner Vorjahresleistung.
So wanderte ich durchs mittlerweile doch etwas stillere Irdning. Die meisten Staffelläufer legten jetzt zwischen 2h und 5h nachts ihre Schlafpausen ein, entsprechend leiser wurden auch die Musikanlagen gedreht um diesen Läufern doch etwas Schlaf zu ermöglichen. Ich zog also meine Kreise, beobachtete, wie ich nach und nach vom nach 12 Stunden erkämpften 6. Gesamtrang bei den Männern nach hinten zurückfiel (schlussendlich wurde es der 10. Männergesamtrang), kämpfte gegen die Müdigkeit und den Wunsch, einfach nur ins Bett im Wohnmobil zu klettern und mich auszuschlafen. Aber nach jeder Runde dachte ich mir, jawohl, wieder eine Runde geschafft und es geht ja, aufgegeben wird erst, wenn ich mich nicht mehr rühren kann, und Schmerzen hatte ich nach wie vor nicht wirklich – zumindest keine, die eine Aufgabe rechtfertigen würden.

Langsam verging die Zeit. Eine interessante Erfahrung: die Zeit vergeht beim Gehen viel langsamer, als wenn man dazwischen laufen kann ;). Aber irgendwann war es dann doch 5 Uhr morgens und es begann zu dämmern. Irdning erwachte langsam wieder, die Anfeuerungsstationen wurden besetzt, es kam Stimmung auf. Und ich hoffte, dass das Sonnenlicht die Müdigkeit und den Schlafenswunsch vertreiben würde. Dies passierte leider nicht, einziger Effekt des Sonnenlichts war, dass es wieder kräftig warm wurde. Gar nicht gut für meinen Kreislauf, da meine Flüssigkeitszufuhr nach wie vor nur auf sehr niedrigem Niveau erfolgte. Der Wunsch, mich hinzulegen wurde auch immer größer und größer. Aber einfach so hinlegen, das geht ja gar nicht. Wenn schon, dann wenigstens mit Nebeneffekt. Also beschloss ich gegen 8h45 dem Rat von Carola zu folgen und mich kurz massieren zu lassen. Ich hatte Glück, es war gerade wenig los und so wurde ich gleich von zwei Masseuren parallel versorgt und meine Beinmuskulatur mal ordentlich durchgewalkt. Ahhhhhh, das tat gut. Einerseits die Auflockerung der Muskulatur, andererseits auch das Liegen und die Erholung für den Kreislauf. Herrlich!!!!! Nach 20 Minuten war ich wieder fit und – naja, einigermaßen – munter und es ging zurück auf die Strecke. Mittlerweile erfuhr ich von Carola und Winfried, dass ich die Führung in meiner Altersklasse innehatte. Das motivierte natürlich neben der lockeren Muskulatur enorm und so legte ich gleich mal meine zweit- und drittschnellste Gehrunde in diesen 24 Stunden hin. Keine gute Idee, denn so wirklich frisch war ich doch nicht mehr und die Strafe folgte auf den Fuß, nach zwei Runden war der Erholungseffekt der Massage wieder weg und ich wieder ziemlich erledigt. Die Hitze setzte mir zu, ich wollte wieder nicht mehr wirklich weiter. So gab ich Carola und Winfried ein Rechenrätsel auf: wie lange muss ich noch gehen, damit mich der zweite in der Altersklasse nicht mehr einholen kann. Eine verwegene Rechnung 5 (sic!) Stunden vor Rennende. Entsprechend ernüchternd auch die Antwort meiner Betreuer: bis um 12h solltest du schon durchhalten und den Vorsprung halten, dann sollte es sich ausgehen. Na toll, d.h. noch drei Stunden im Kreis gehen, ich kann doch nicht mehr, ich will nicht mehr, aber Schmerzen sind noch keine da, also nach wie vor kein wirklicher Grund zum Aufgeben. Also nächste Runde in Angriff nehmen. So ging das dahin, mein Vorsprung blieb konstant, auch die hinter mir Platzierten konnten wohl mehrheitlich nur mehr gehen. Um 12 Uhr wurde mir die Hitze wieder zu viel und ich beschloss, noch einmal bei der Massage einzukehren, um meine Muskulatur lockern zu lassen und damit hoffentlich auch die Regeneration – schließlich war’s ja nach der Massage in 1,5 Stunden schon vorbei mit dem Lauf – zu verkürzen. Gedacht, getan und nach der Massage wieder raus auf die Strecke. Erleichtert wurde die Entscheidung zur Massage natürlich auch dadurch, dass ich knapp vor 12h meine 150 Kilometer feiern durfte, ich hatte also trotz aller Schwierigkeiten zumindest mein Mindestziel erreicht bzw. dieses klug gewählt :D!

Nach der Massage drehte ich meine letzten drei Runden, nun abwechselnd in Begleitung von Carola und Uschi, ausgesprochen angenehm diese Abwechslung und die Rundenzeiten wurden gleich wieder flotter.
Leider hatte ich jetzt etwas den Überblick verloren, wie viele Kilometer ich denn nun schon genau hatte, jedenfalls über 150, aber ob 156 oder 158 oder 159 wusste ich nicht. Nachdem es im letzten Jahr beim Restmetervermessen eher lange gedauert hatte, ich nicht im äußersten Eck der Strecke und damit am weitesten vom Basislager entfernt den Lauf beenden wollte, beschloss ich, mein 24-Stundenabenteuer beim Lager von „Fit in Leo“ zu beenden. So suchte ich mir 5 Minuten vor Ablauf der Zeit ein nettes Plätzchen, schaute noch den vorbeiziehenden Megastaffeln zu und wartete auf die Sirene, die das Ende des Laufs verkünden würde.

Tja, eine in der Endabrechnung ärgerliche Entscheidung, denn ich erreichte 159,36124 Kilometer – und diese 700 fehlenden Meter auf die symbolischen 160 Kilometer hätte ich in den 5 Minuten auch noch zusammengebracht.
Wie auch immer, der Lauf war nun vorbei und ich konnte mich endlich hinlegen, worauf ich mich ja schon stundenlang gefreut hatte – aber was war das? Hinlegen, Müdigkeit, nein, jetzt, wo’s vorbei war drehte der Körper wieder auf und wollte alles nur nicht hinlegen. Na gut, dann fange ich halt an, die Wartezeit auf die Altersklassensiegerehrung mit Abbauarbeiten und Einsammeln meiner Infrastruktur zu verbringen. Eh gar nicht so leicht, weil etwas desorientiert war ich aufgrund des Schlafentzugs ja schon, aber schön langsam ging es ja. Einige Konzentrationsschwächen (Was wollte ich jetzt gerade mit dem Ding in meiner Hand machen? Was mache ich jetzt als nächstes?) förderten die aktive Erholung in Form einiger unnütz zurückgelegter Meter beim Basislager. Und so verging die Zeit bis zur Altersklassensiegerehrung im Fluge und ich kam beinahe zu spät. Zumindest hörte ich aus dem Zelt schon, wie die ersten Platzierten aufgerufen wurden und legte so eine Art Laufschritt ein, um ja nicht zu spät zu kommen. Weil so wie ich letztes Jahr gar nicht aufs Altersklassen-Stockerl wollte, weil ich mit meiner Leistung unzufrieden war, so sehr wollte ich heuer schon zur Ehrung, weil ich zwar immer noch nicht so viele Kilometer gemacht hatte, wie wohl angesichts meines Trainings drinnen sein hätten sollen, aber dennoch nie aufgegeben hatte und damit schon einen gewissen Stolz für die 159,36124 Kilometer empfinde. Aber alles kein Problem, ich kam ohnehin rechtzeitig zur Siegerehrung und konnte meine Trophäe in Empfang nehmen.

--- Epilog ---

Und hatte ich noch während des Laufs und der Siegerehrung angekündigt, dass ich nächstes Jahr sicherlich nur an aber nicht auf der Strecke in Irdning dabei sein würde, so begannen die ersten Überlegungen zu Verbesserungsmaßnahmen für 2012 schon während der Heimfahrt und Montag früh war die Entscheidung getroffen, auch 2012 sicherlich wieder am Start der 24-Stunden zu stehen.
In den folgenden Tagen wurde diese Entscheidung noch durch die Rückmeldung vieler meiner Sponsoren, die meine Kilometer übrigens in einen ganz tollen Spendenbetrag von über EUR 3.100,- verwandelt haben – VIELEN DANK! -, bekräftigt, welche sich auch schon nach der Spendenaktion 2012 erkundigt haben.
Erleichtert wird mir diese Entscheidung weiters durch meinen Körper, der abgesehen von leichten Muskelverspannungen keine Anzeichen nachhaltiger Probleme wie Beinhaut- oder Sehnenentzündung zeigt. Nach ein bisschen Regeneration sollte ich also bald wieder ins Training für die Herbstsaison einsteigen können, wo dann hoffentlich ein schneller Marathon am Programm steht – allerdings leider sicherlich nicht mit der tollen und familiären Atmosphäre des 24-Stundenlaufs, wo ein kleiner Haufen Verrückter ganz super zusammenhält und sich gegenseitig zu Bestleistungen treibt.

In diesem Sinne: es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut! Wir sehen uns in Irdning 2012!

--- Ende und Anfang für 2012 ---
“If u can't fly then run, if u can't run then walk, if u can't walk then crawl, but whatever u do u have to keep moving forward.” - Martin Luther King Jr.Blog: http://martin24h.blogspot.com
Spendenseite: http://martin24h.jimdo.com

Offline Don Tango

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #2 am: 20.07.2011, 08:46:55 »
ganz herzliche gratualtion. eine wahnsinnsleistung.

ein paar tipps hätte ich da damit du nächstes jahr etwas näher an dein optimum kommst (oder drüber)

- 8 monate gezielte vorbereitung halte ich viel zu lang.
5 monate reichen hier sicher vollkommen und man läuft nicht gefahr den körper zu "eintönig" zu schulen. im winter wäre eine kombination mit fremdreizen sicher produktiv und auch im sinne der mentalen komponente (trainings- und wetterkoller) ein mehrwert. also alles einbauen was möglicherweise spass macht. von ergo über !langlaufen! bis schitouren, krafttraining, yoga, tauchen etc...
diese zeit ist für die ganzheitliche athletik gedacht.
- lange kombiblöcke in den letzten 2 monaten.
ich bin auch kein freund von überlangen laufblöcken. trotzdem ist es für dein vorhaben zwingend notwendig wirklich anständige stoffwechseleinheiten zu trainieren. weiters den körper auf die muskuläre ermüdung zu trimmen. und das regelmässig. um den stütz zu schonen sind hier kombiblöcke ideal. und zwar lauf-rad-lauf (oder lauf-skates-lauf). hier kommt man auf trainings jenseits der 7h, die für den körper bei weitem nicht so schädigend sind wie ein 70km lauf, aber dennoch den stoffwechsel gleich und den muskulären anspruch nahezu ident stimulieren. gelenke u. co werden halt geschont. 1,5-3-1,5 als basis umfang sind schon sehr gut. weitere steigerung um den zwischenblock beliebig. mehr als 3h laufen in kombination sind sicher nicht nötig.
- doppeldecker-einheiten
um hier einen optimalen effekt zu erzielen solltest du eher lang auf "kurz" folgen lassen. also 25 dann 30. die "kurze" auch mit intensitäten ausschmücken, dass du beim 30er schon muskulär leicht vorermüdet startest. hier gehts natürlich nicht um intervalltraining oder andere drills sondern z.b. um einen hügeligen lauf, eine endbeschleunigung auf T-pace oder ein 10k fahrtenspiel.
- ernährung im rennen
gels sind bei gemächlichen tempo eher kontraproduktiv und haben somit einen enormen einfluss auf den fettstoffwechsel.  durch die massiven insulinschwankungen wirst du mehr oder weniger in den zuckerstoffwechsel gezwungen. das selbe gilt für cola. hast du einmal angefangen gibts kein zurück u. du darfst keine minute zu spät nachschmeissen.
anfangs lieber bei grossteilig langkettigen (fett- und eiweisshaltig ist hier auch kein fehler) bleiben und erst wenn die grobe panitis kommt auf gels umsteigen. im training also mit speisen simulieren die diese ansprüche erfüllen , die dir vor allem schmecken und nicht zu ungeplanten sitzungen samt magenkrämpfen führen. stell dir vor du kriegst bei jeder runde eine palatschinke (bei wärens aber nur 50% vollkornmehl der rest normal). essen soviel und was man will. zumindest wär das für mich die einzige motiviation so lang zu laufen. :D




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Offline shiloh

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #3 am: 20.07.2011, 15:46:00 »
mit so viel Gehen fast 160km ist schon eine sehrsehr starke Leistung.
Mit Deiner professionellen Einstellung und Vorbereitung und der Begeisterung, die auch aus dem Bericht spricht, sollte auf jeden Fall noch ein großer Sprung drinnen sein. Ideal auch, daß deine Beine diese Belastungen so gut verkraften - bei mir war`s leider nicht so.
It`s good to have an end to journey toward, but it`s the journey that matters, in the end. (Ernest Hemingway)

Offline Tschitschi

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #4 am: 20.07.2011, 20:53:50 »
Danke Martin für den Bericht!
Habe, hoffe ich, Einiges davon gelernt, und auch vom dazugehörigen Kommentar von Christoph.
Und ausser Lernen: Staunen mit welcher konsequenz du dein Training durchgezogen hast, das Rennen gemeistert hast und deine Frau dir gesucht hast:)
Hut ab, Verneigung vor deiner Willensstärke!
und... da bin ich bei shiloh.... da ist noch einiges drin!!
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Offline Richy

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #5 am: 22.07.2011, 21:31:25 »
Wie Du das mit dem Training über einen derart langen Zeitraum aushältst, ist mir ein Rätsel. Aber man muss sowieso aus einem anderen Holz geschnitzt sein, wenn man einen 24 Stunden Lauf (In Bewegung sein) angeht.
Der Bericht ist extrem informativ – zeigt vom planerischen Aufwand u.v.m. – Danke dafür.
Das Du 2012 das ganze noch mal (durch-)machen willst – ist wohl nur für jene verständlich - die das schon mal gemacht haben - freundlich ausgedrückt ...
Meine Schätzung hast übrigens bei weitem übertroffen :-)

Offline uschi61

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #6 am: 22.07.2011, 21:40:38 »
gratuliere zu deinem tollen lauf und dem sehr informativen und spannenden bericht.
ich habe mich gleich nachdem ich die endergebnisse gelesen habe sehr (über mich) geärgert, dass ich dich nicht noch die paar meter zum 160. weiter begleitet habe. aber ich wusste leider keine aktuellen zurückgelegten entfernungen.
es war mir aber auf jeden fall ein vergnügen und eine ehre dich zu begleiten und anzufeuren. und übrigens: ich bin nächstes jahr sicher auch wieder dabei - also falls du etwas brauchst...
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Offline StefanM

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2011-07-09 24-Stundenlauf - MT76
« Antwort #7 am: 27.07.2011, 12:26:30 »
Tiefe Bewunderung und vollen Respekt für dein Durchhaltevermögen im Training und im Lauf!

Offline Pizzipeter

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« Antwort #8 am: 28.11.2011, 15:26:52 »
Ich kann dazu nur sagen - wow!!!
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