Autor Thema: 2012-12-16 Indoor Halb Marathon - tomml  (Gelesen 370 mal)

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2012-12-16 Indoor Halb Marathon - tomml
« am: 16.12.2012, 00:00:00 »
Datum: 2012-12-16
Event: Indoor Halb Marathon
Distanz: 21.097 km

Ersteller: tomml

Offline tomml

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2012-12-16 Indoor Halb Marathon - tomml
« Antwort #1 am: 16.12.2012, 00:00:00 »
Alles in Allem: Schön war's :-)

Als ich Anfang Oktober von diesem Event zum ersten Mal gelesen habe, musste ich nicht lange überlegen. Irgendwie schein ich ja einen Hang zum Außergewöhnlichen zu haben, weshalb sonst such ich mir ein Hobby, das daraus besteht ohne jeglichen Grund von A nach B zu laufen. Wenngleich die Intensität in welcher ich dieses gerade die letzten Monate – eher Quartale -  betrieben habe, sehr an der Titulierung „Hobby“ zweifeln lassen. Dennoch reizte mich die Idee. Ich wollte ja wieder mehr machen. Irgendwann. Wieso dieses „Irgendwann“ nicht bei einem ziemlich sinnlosen Event zelebrieren. Marathon in der Halle? Gibt’s was Blöderes? Aber zugegeben: Gefällt mir. Ein Ganzer, unmöglich! Aber ein Halber, nur so just for fun? Ah, wurscht! Dabei sein wollte ich schließlich auf jeden Fall. 65€ Startgebühr? Nicht gerade wenig, aber doch schon (viel) mehr Geld für (weit) Unnötigeres ausgegeben (Amazon lässt grüßen).

Schneller als gedacht, war es dann da, das Indoor-HM-Wochenende. Inmitten von Weihnachtsvorbereitungen und Unistress war natürlich viel, viel zu wenig Zeit für etwaiges Training geblieben. Dementsprechend drückte das schlechte Gewissen ziemlich auf die Vorfreude. Vor allem nachdem die vereinzelten Probeläufe die paar WE davor nicht wirklich vielversprechend auf mich wirkten. Muskelkater am Tag nach einem 7km Lauf? Puh, das kann ja was werden. Gibt’s noch ein geringeres Ziel das man sich setzen kann, als erhobenen Hauptes das Ziel zu erreichen? Die angepeilten „etwa 2 Stunden“ schon lange abgeschrieben…

Mehr genervt als freudig aufgeregt machte ich mich daher samstags auf zum Startnummern ausfassen. Dabei fiel mein Blick zu den Aufbauarbeiten welche gerade in Halle A durchgeführt wurden. Und obwohl ich da fast nur Absperrungen mit dem Raika-Giebel erblicken konnte, war sie plötzlich wieder da, die Motivation! Ich wollte am liebsten sofort wieder loslegen. Tja, einen Tag vor dem Wettkampf vom Trainingsehrgeiz gepackt zu werden, besser als gar nicht! Ließ es aber dennoch! Regeneration stand auf dem Programm! Weihnachtsmarkt hat gerufen!

Als ich am Sonntag kurz nach 9h abermals das Messeareal betrat, tat ich das mit gemischten Gefühlen. Hatte keinen Plan, wie ich das Rennen angehen wollte. Umziehen, Startnummer anlegen, gut ein Ritual das mir aus längst vergangener Zeit bekannt vorgekommen ist. Dennoch war da doch eine gewisse Lockerheit bei mir zu verspüren. Wenn man sich so gar nichts vornimmt, hat das schon etwas. Nicht zu wissen wie sein Körper auf eine Distanz länger als 7km reagiert, gleicht dieses Glücksgefühl zugegebenermaßen wieder mehr als aus. Aber jetzt nicht verkopfen, Stimmung genießen.

Beim Betreten der Halle A, war bereits der Viertelmarathon in vollem Gange. Ein Blick in die Gesichter einiger Teilnehmer: Sie schienen es zu genießen. Der Moderator erklärte gerade irgendwas essenzielles, während der Anblick der Halle bei mir für Gänsehaut sorgte. Als ich mich wenige Minuten später im Startbereich fand, kam schließlich auch bei mir Nervosität auf. Kann ich 21kms überhaupt noch bewältigen? Fragen über Fragen, also beschloss ich kurzerhand einfach die Viertelmarathonis anzufeuern. Lenkte mich, aber auch sie gut ab! Und immerhin ließen sich andere Leute aus dem Startblock dazu hinreißen das Selbe zu tun. Dann war er da: Starttröte, Los geht's.

Während der ersten 100 Meter, nun meine Taktik. Nicht zu schnell, schauen dass ich bald eine Gruppe finde, an welche ich mich anhängen konnte und sehen wie lange ich es durchhalte. Noch war diese nicht da, ich wurde unentwegt überholt. Aber ich genoss es. Die Lockerheit war plötzlich wieder da. Probierte jeden Eindruck der sich mir bot, in mich einzusaugen. So gelang ich in Halle B, welche nicht weniger imposant auf mich wirkte. Rote Säulen bis zur Decke, das Restaurant trohnt wie ein UFO mitten drin. Viele Absperrungen, ein paar Weihnachtsbäume! Schön!

Obwohl die vielen Serpentinen auf mich kurzweiliger wirkten als gedacht, sagte mir die lange Gerade entlang des Glasganges doch sehr viel mehr zu. Aber hey, jetzt mal alles ganz genau anschauen. Links und rechts erblickte ich Leute, die anscheinend kontrollierten, dass ja jeder 8x an ihnen vorbei kam. Fand ich originell, in diese hochkonzentrierten Gesichter zu sehen. Langsam erreichen wir das Ende des Ganges. Vorher noch geblendet worden, vom Blitzlicht einer automatischen Kamera in Augenhöhe und als sich der Grüne Schleier wenige Sekunden später gelichtet hat, Blick auf die Verpflegung. Aha: Wasser, Orangen-Iso-irgendwas und Bananen. Sehr gut, aber jetzt schon zum Buffet rennen? Ich sollte ohnedies noch ein paar Mal vorbeikommen. Macht keiner, also ich auch nicht! Der Gang zurück und wieder in die Halle A, erste Runde fertig. 13 Minuten sagt die Uhr auf der Bühne, eigene hab ich ja keine dabei.

Auf in die zweite Runde. Während ich noch 13 Minuten mal 8 im Kopf rechne und kläglich daran scheitere, bemerke ich noch in Halle A, da laufen zwei Leute in meinem Tempo! Also häng ich mich an, es scheint als hätte ich meine Gruppe gefunden. Gedankenverloren lausche ich der Musik, höre über die Lautsprecher dem Moderator beim Palavern zu. Schaue mir die Weihnachtsbäume in Halle B an. Überlege was wohl in den Packerl welche darunter drapiert wurden drinnen sein könnte. Schaue beim Vorbeilaufen der Kontrolleure ob ich den für mich zuständigen erahnen kann. Nehme einige Schlucke Wasser, was mir erstmals in meinem Leben auch laufend gelingt. Laufe zurück. Sehe aus dem Fenster. Stelle fest es hat draußen leicht zu regnen begonnen. Die U-Bahn auf der Trasse herumfahren. Denke an alles, nur nicht daran, dass ich eigentlich einen Wettkampf bestreite. So geht es dahin.

In Runde 3 verlassen mich meine beiden Begleiter, werden langsamer. Also probiere ich zu jemanden aufzuschließen der einige zig Meter vor mir rennt. Und wieder genieß ich die stille Gesellschaft. Ich freu mich an den Anfeuerungen der Zuseher. Lache. Winke. Zeit vergeht. Nach Runde 4 fällt mein Blick wieder auf die Uhr bei der Bühne: Knapp 51 Minuten vorbei. Das mal 2 rechnen geht leicht. Und da ist es mir kurz ordentlich kalt den Buckel runter gelaufen. Wenn ich so weiter lauf, bin ich auf Kurs 2 Minuten über meiner Bestzeit. Wie kann das in meiner Verfassung möglich sein? Egal, ich renn weiter, bis ich nimmer kann. Derweil fühlt sich alles gut an, wenngleich ich schon merk, dass ich die Füße ein wenig spüre. Und wieder lass ich meinen Blick schweifen. Genieße die beiden Hallen und freu mich auf mein Rundenhighlight, den langen Gang.

In der vorletzten Runde, verlässt mich mein Mitläufer, biegt ab Richtung WC, also suche ich mir abermals neue Gesellschaft. Noch immer macht mein Körper das Tempo mit. Auch ohne Pulsmesser merke ich, dass es mir gut geht. Ich laufe nachwievor nicht am letzten Drücker. Finde immer noch genug Gelegenheit, dass ich Neuigkeiten an der Strecke entdecke. Wie die alten Plakate entlang des Ganges die Messeveranstaltungen aus den 30er, 40er und 50er-Jahren bewerben. Also in die letzte Runde eingebogen. Knapp 1:30h. Gibt’s denn sowas?

Unmittelbar nach der 2ten Halle wollte ich mein Tempo forcieren. Jetzt nicht zu früh mit dem Bolzen beginnen. Plötzlich Zweifel: Was wenn ich mich verzählt habe, bei der Rundenanzahl. Sollte ich doch noch eine Sicherheitsrunde mit dranhängen? Egal, ich frag meinen Laufkollegen, auf welcher Runde er sich befindet. Er meinte: Wir sind auf der Letzten. Und weg war er. Er hatte eindeutig noch mehr Reserven, denn plötzlich war ich alleine. Noch einmal eine Kehrtwende bei der Verpflegung und dann mein Schlusssprint. Noch einmal den Gang genießen. Die Zuseher bei der letzten Kurve waren nun viel mehr geworden. Seit ein, zwei Runden gesellten sich nun auch die Marathonläufer dazu. Ich vernehme Durchhalteparolen! „Nimmer weit, gleich habt ihr’s“. Ich entgegne ein „Ich weiß, ich freu mich eh schon total!“ Ernte Gelächter. Bieg ein letztes Mal in die Halle A ein und überschreite mit Blick auf die Bühnenuhr die Ziellinie. 1:41:25.

Drei Minuten über Bestzeit aus einem wie es mir vorkommt anderen Leben. Gänsehaut! Tränen schießen mir in die Augen. Stolz! Nur worauf? So recht freuen kann ich mich nicht, als ich mich zur Garderobe bewege. Doch verzählt? Innerlich nochmal die Durchgangszeiten addiert. Nein, kommt hin. Oder doch nicht? Gewissheit nachdem ich via Handi die Pentek-Zeitnehmung abgefragt habe. Tatsächlich. Ein wunderbarer Tag. Mein Körper: Sehr tolerant, aber es sollte sich jetzt alles ändern.

Nachdem ich dort noch mit einem Bekannten geplaudert habe, hat es nicht lange gedauert und ich habe mitbekommen, dass im Läuferfeld bereits über die korrekte Länge des HM‘s spekuliert worden ist. 300m zuwenig. 800m zuwenig. 2kms zuwenig. Unmittelbar nach dem Start der Marathonis bin ich nach Hause gefahren.

Trotzdem höchst zufrieden. Ich hab erstmals seit fast 3 Jahren wieder einen Wettkampf aus purem Spaß heraus bestritten. Ohne dabei verkrampft gewesen zu sein oder mich einem selbst auferlegten Leistungsdruck hingegeben zu haben. Ich hab den gesamten Lauf genossen, wie schon lange nicht mehr. Die Stimmung war für Wiener Verhältnisse gigantisch, die Musik hat mich regelrecht beflügelt. Ich hab mich auch danach noch richtig gut gefühlt.

Sicherlich hat die falsche Streckenlänge einen fahlen Nachgeschmack, denn ich hab‘ für einen HM bezahlt, ich möchte auch einen dafür bekommen. Andererseits weiß ich, dass dieser Sonntag für mich persönlich richtungsweisend war. Ich hab gesehen, wieso ich mich früher für’s Laufen so begeistern konnte. Wie wenn ich eine alte verloren geglaubte Liebe plötzlich wiedertreffe hat es mich wieder erwischt. Ob 21,1kms oder 20,3kms. Sollte zwar nicht passieren, aber es gibt Schlimmeres. Vielleicht nicht als Wettlaufveranstalter, aber für mich persönlich ganz bestimmt.

Fazit: Auch wenn ich heute noch nicht genau weiß, ob ich nächstes Jahr wieder dabei bin, so hab ich mich noch am So für den VCM’13 angemeldet. Dafür werde ich allerdings mehr trainieren, ganz sicher! :-)

Offline heitzko

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2012-12-16 Indoor Halb Marathon - tomml
« Antwort #2 am: 18.12.2012, 14:06:03 »
ein super bericht und eine tolle leistung war das, ganz egal ob da jetzt 800 meter gefehlt haben. selbst 800 meter mehr hätten dir eine spitzenzeit beschert!

ich gratuliere zum "comeback" und wünsche viel spaß beim vcm training!


Online JM

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2012-12-16 Indoor Halb Marathon - tomml
« Antwort #3 am: 19.12.2012, 07:58:00 »
Hauptsache es hat Spaß gemacht, und das kann man eindeutig aus deinem Bericht herauslesen.
Und jetzt den Schwung mit ins neue Jahr nehmen !
When your life flashes before your eyes, make sure you’ve got plenty to watch

Offline Wolf

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2012-12-16 Indoor Halb Marathon - tomml
« Antwort #4 am: 21.01.2013, 19:36:05 »
gratuliere zur „wiedergefundenen liebe”, für dieses gefühl beneide ich dich. ein toller bericht!

LG Wolf
Der Tod holt dich nur einmal ein.