Autor Thema: 2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195  (Gelesen 252 mal)

Offline Berichte

  • Beiträge: 0
    • Profil anzeigen
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« am: 17.06.2017, 00:00:00 »
Datum: 2017-06-17
Event: Stelvio Marathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: wolferl42195

Offline wolferl42195

  • ***
  • Beiträge: 848
    • Profil anzeigen
    • http://wolferl42195.at
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #1 am: 17.06.2017, 00:00:00 »
Marathon dahoam

Eigentlich hat alles am ersten Jänner angefangen. Ich war krank und hatte Fieber. Mit einem wachen Auge habe ich die Nachricht gelesen "Neujahrstag-Aktion für den Stelvio Marathon". Mit den letzten Kräften habe ich mich angemeldet und da war es nun: das Ziel für 2017.

Mein Fitnessstatus zu diesem Zeitpunkt war knapp um den Nullpunkt und es waren nur noch 167 Tage Zeit. Nach mehr als einem halben Jahr Pause wegen dem Fersensporn
gab es nur eine Strategie: Gewicht muss runter. Somit war das Ziel im Jänner abnehmen und dann wieder ins Laufen kommen und das hoffentlich ohne Verletzung.

Begonnen habe ich das Training mit dem Kahlenberg, allerdings zu Beginn noch gehend, was während der Kur Anstrengung genug war.
Nach 5 Wochen waren 12 Kilo weg und das Lauftraining konnte beginnen. Vorerst nur flach. Erstes Zwischenziel war Anfang April der Marathon in Bratislava
um wieder einmal einen Marathon zu schaffen. Und es lief mit knapp 3:35 besser als gedacht.

Ab Ende März Anfang April habe ich auch mehr Hügel ins Training eingebaut, um zu Ostern in Südtirol dann erste Bergläufe zu machen. Der ersten Teil der Strecke des Stelvio Marathon ist fast flach und war zu Ostern gut zu laufen. Der wird sozusagen das Warm Up sein. Bis zum Halbmarathon wäre es auch schon gegangen. Alles weiter oben war noch eingeschneit. Daher mussten die Berge in der näheren Umgebung von unserem zweiten „dahoam“ herhalten (St. Martin bei Latsch und die Göflaner Alm). Normalerweise werden diese  hauptsächlich von Bikern eingenommen. Die Bergläufe gingen den Umständen entsprechend gut. Mit Laufen und Gehen waren knapp 1000 Höhenmeter kein Problem.

Das Training hat zu einem, für mich überraschend gutem, Salzburg Marathon geführt. In knapp 3:18 mit einem Negativsplit war es ein wirklich motivierendes Erlebnis.

Wie auch immer, in Wien Höhenmeter trainieren ist schwierig und für das Umland hat sich leider kaum Zeit gefunden. Um in Wien 1000 Höhenmeter zu schaffen muss man immer wieder runter und wieder rauf, aber auch das ging das eine oder andere Mal.

Der 17.Juni 2017 kam gnadenlos näher und so Stand ich am Start in Prad. Das Wetter war viel besser als erwartet. Im Tal schon warm im Ziel kühl.

Als Flachländer wollte ich es schaffen das Ziel mit erhobenen Haupt zu erreichen, alleine schon der Bilder wegen. Ich habe mich entschieden ohne Rucksack und zusätzlich Ausrüstung loszulaufen.

Startschuss um 8:30 Uhr. Es geht in die Aufwärmrunde. 16 Kilometer durch das obere Vinschgau. Die Gegend kenne ich schon vom Wandern und Radln. Also im gemütlichen Tempo Richtung Lichtenberg (sehr schöne Burg) und weiter nach Glurns (kleinste Stadt Italiens). Hier war ich noch vor zwei Wochen noch auf einen Kaffee, dafür war jetzt keine Zeit mehr.

Dann das eher langweilige Stück zurück nach Prad über dem Radweg. Kurz nach dem Abbiegen zum Prader Fischteich taucht das Panorama vor mir auf. Das Suldental mit Stilfs und dem Ortlermassiv. Gänsehaut. Das ist der Grund für den Lauf. Alle Läufer hat das Stilfersjoch und dieses einmalige Panorama angezogen.

Zurück nach Prad und jetzt beginnt der Lauf richtig. Die nächsten 5 km geht es nach Stilfs und der Teil ist Trailrunning pur. Zuerst noch Forststrasse dann durch den Wald in das Bergdorf. Die meisten beginnen schon zu gehen, ich „laufe" noch. Bei den steileren Stücken bin ich dann auch flott gegangen.

Beruhigend war immer wieder die Bergrettung zu sehen, weil der Weg nicht ganz ungefährlich war. In Stilfs hat dann der Ort gebebt. Super Stimmung zur Halbzeit
der Strecke bei allerdings erst knapp 500 Höhenmetern. Nach Stilfs ging es relativ steil nach Fragges, dafür baute sich immer größer die Kulisse um den Ortler auf.

Nach der Labstation Fragges ging es im Wald nicht allzu steil weiter und es war wieder ein längeres Stück laufbar. Schritt für Schritt kam ich der Furkelhütte näher.
Eigentlich dachte ich dort ist mehr los. Es dürften sich nur ein paar mit dem Sessellift dort hin verirrt haben. Nach der Hütte ging es auf einem der schönsten Streckabschnitte Richtung dem höchsten Punkt des zweiten Teils. Auf über 2.400 Höhenmeter. Jetzt machten sich die fehlenden Höhenmeter im Training bemerkbar und auch die Höhe machte mir langsam zu schaffen. Auf dem Tacho waren jetzt über 32km, aber es fehlten noch knapp 600 Höhenmeter.

Bevor es zum Highlight der Stecke, der Passstraße, kam ging es über 500 Höhenmeter nach unten. Zuerst dachte ich mir fein, ein wenig ausruhen, aber da hatte ich die Rechnung ohne die Beine gemacht. Langsam kamen Krämpfe die auch bald wieder vorbei gingen. Nach über 30 Kilometer war hinunter laufen auch eine Sache der Konzentration. Also Tempo raus. Bis jetzt hatte ich die Passstraße nicht gesehen. Die Spannung war kaum mehr auszuhalten. Es ging runter und runter. Auf einmal taucht die Strasse auf. Zuerst nur eine Kehre dann der Rest. Mein Blick schweift die Strasse entlang und ich versuche ein Ende zu finden. Das war ganz oben. Ich war beim dritten Teil
angekommen. Die Stilfserjoch Straße. Auf mich warten jetzt 25 Kehren. Nach vier Stunden war ich also auf der Franzenhöhe, dem Einstiegspunkt in die  Straße beim Marathon.

Mein Plan war jetzt eine Kehre zu laufen und eine zu gehen. Außenstehende hätten die Veranstaltung sowieso nicht mehr als Laufevent erkannt. Also Kehre gelaufen, Kehre gegangen, Kehre gelaufen. Der Plan ging bis Kehre 20 mehr oder weniger auf. Danach machte sich die Höhe bemerkbar. Auch wenn ich wollte Laufen ging nur mehr ein paar Meter, dann wieder gehen und irgendwann war es nur mehr gehen.

Ich schraubte mich Kehre um Kehre nach oben. Etliche gingen an mir vorbei. Bei jeder Kehre durfte der Blick ins Tal nicht fehlen. Nächste Kehre und langsam erkenne ich das Ziel und Fans. Mit jedem Höhenmeter wird es deutlicher erkennbar. Am Boden steht noch 1 Kilometer. Eigentlich wollte ich den letzten Kilometer auf jeden Fall laufen. Die letzten 500m werde ich versuchen. Die letzten 200m sind es geworden, damit mich mein Fanclub auch laufend erlebt.

Geschafft. Mein erster Bergmarathon. Vor sechs Monaten hätte ich es kaum für möglich gehalten und jetzt stehe ich am Stilfser Joch. Das Mekka der Radler und Biker. Hier ist immer unruhig und kühl. Bis auf das Bier im Ziel, das war warm.
Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später. (Wilhelm Busch)

Offline marcon

  • *
  • Beiträge: 78
    • Profil anzeigen
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #2 am: 24.06.2017, 08:04:12 »
Danke, super Bericht. Klingt nach einem lohnenden Ziel für nächstes Jahr.

Offline JM

  • *****
  • Beiträge: 13.121
    • Profil anzeigen
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #3 am: 24.06.2017, 12:25:54 »
danke für den Bericht Wolfgang, damit kann ich mich mental ein wenig darauf einstimmen wenn ich mal dort mitlaufe. Muss ja traumhaft gewesen sein.
When your life flashes before your eyes, make sure you’ve got plenty to watch

Offline Ulrich

  • Forumsurgestein
  • ******
  • Beiträge: 9.561
    • Profil anzeigen
    • mediation-wanderer
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #4 am: 26.06.2017, 06:56:45 »
Danke für den Bericht ! Er erinnert mich sehr an den Zermatt -Marathon. Toll, wie Du Dich so punktgenau hinbekommen hast.
LG
Weil 42 die Antwort ist und 130 der Sinn

Offline Wolfgangrun

  • **
  • Beiträge: 133
    • Profil anzeigen
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #5 am: 27.06.2017, 09:41:08 »
Super Bericht! Der macht Gusto :-)!

Offline shiloh

  • ***
  • Beiträge: 571
    • Profil anzeigen
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #6 am: 30.06.2017, 15:34:24 »
Gratulation! Das Stilfser Joch, das ich zwei mal mit dem Rad gefahren bin, am Schluß eines Marathons...ganz spezielle Herausforderung. Schon arg, wer so was macht :-D
It`s good to have an end to journey toward, but it`s the journey that matters, in the end. (Ernest Hemingway)

Offline wolferl42195

  • ***
  • Beiträge: 848
    • Profil anzeigen
    • http://wolferl42195.at
2017-06-17 Stelvio Marathon - wolferl42195
« Antwort #7 am: 12.07.2017, 12:18:44 »
Danke :-)
Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später. (Wilhelm Busch)