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berichte / Antw:2026-04-26 TCS London Marathon - cbendl
« Letzter Beitrag von cbendl am 26.04.2026, 22:08:56 »
Ich habe wieder einen Marathon geschafft! Aber es war ein hartes Stück Arbeit.
Die Vorbereitung war recht durchwachsen. Schon Ende Dezember / Anfang Jänner inkl. Silvesterlauf kränkelte ich. Ende Jänner ging die spezifische Vorbereitung los. Ich wollte beim 2. Lauf der VCM Winterlaufserie den 10 km Bewerb absolvieren. Zwei Tage davor zog ich mir irgendein Problem an der Lendenwirbelsäle zu, dass mich nur mit Schmerzen bewegen ließ. Am Sonntag war es zum Glück schon besser und ich konnte starten. Aber: Mit sehr schwachem Gefühl mühte ich mich in 40:19 ins Ziel – und am Abend hatte ich dann ordentlich Fieber. Mühsam ging es durch den Februar. Ein Start beim 2. Eisbärlauf stand an, 14 Kilometer waren am Plan. Diesmal kam wieder das Rückenproblem auf, aber am Samstag, noch knapper vor dem auf als im Jänner. Sonntag Früh fühlte ich mich noch ganz gut, aber beim Aufwärmen hatte ich einen brutalen Stich im Rücken. Da ich schon vor Ort war, wollte ich einen Start versuchen. Es funktionierte auch, aber mit großer Vorsicht. Kurven musste ich sehr sorgsam nehmen und den Kopf zur Uhr drehen war auch nicht drin, ich musste das Handgelenk mit der Uhr direkt vor die Augen heben. 14 Kilometer in 1:15:58 waren nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ende Februar / Anfang März ging sich aber knappe Woche Urlaub auf Mallorca aus. Kein Trainingslager, sondern mehr ausruhen von der übermäßigen Arbeitsbelastung der letzten vier Monate, aber natürlich auch Training. Das tat gut und es waren auch gute Läufe dabei.
Eine Woche später stand auch schon der 3. VCM Winterlauf an. Die ruhigen Tage im Urlaub davor zeigten ihre Wirkung, auf einmal ging es gut. Ich war lange auf Schnitt 4:00 unterwegs, bis ich nach 15,5 plötzliche starkes Seitenstechen bekam. Nicht wirklich verwunderlich, die Einheiten, die mich an den Halbmarathon heranführen hätten sollen, fielen ja durch diverse Pannen mehr oder weniger aus. Nach dem Seitenstechen kamen noch Periodenbeschwerden, aber der Halbmarathon war in 1:26:05 doch ein Lichtblick.
Die langen Läufe funktionierten auch einigermaßen. Einer fiel noch recht früh in der Saison nach Krankheit deutlich kürzer aus, einer wurde durch riesige Schneemengen eher zum Schneestapfen, aber ein paar weitere Läufe klappten. Nicht sensationell und ohne Großtaten, aber sie fanden immerhin statt.
Das Highlight in der Vorbereitung war der Feuerwehrlauf Ende März. Nach 13km in lockerem tempo ging es auf die 15 km Strecke, die ich in 1:00:14 in persönlicher Bestleistung gewann. An dem Tag klappte für mich alles wie am Schnürchen. Obwohl der Waldboden nach Regelfällen sehr rutschig war und heftiger Wind wehte, konnte ich wie auf Schienen laufen. Dieser Lauf stimmte mich zuversichtlich für London.
Auch zu Ostern am darauffolgenden Wochenende klappten sowohl schnelles wie auch langes Training gut, aber dann ging es bergab.
Der Plan für den Linz Marathon am Sonntag nach Ostern war, die erste Hälfte des Halbmarathons im Marathontempo, die zweite im Marathontempo zu laufen. Das scheiterte zunächst schon daran, dass der Halbmarathon ausgebucht war und ich nur mehr einen Startplatz für den Viertelmarathon bekam. Aber das geplante Training würde sich ja auch im Rahmen des Viertelmarathons simulieren lassen. Also vor dem Viertelmarathonstart den „Marathon-Teil“ und am Viertelmarathon Halbmarathonpace. Das wurden dann 10,56 km in 4:12 und 10,5 km in 4:11. In Linz ging an dem Tag gefühlt „nichts“. Ich war einfach müde, schlapp, erledigt. Am Abend endlich in Wien zurück (am Nachmittag stand noch die Siegerehrung der Wiener Marathon Landesmeisterschaften an, die ich vornahm), fühlte ich mich, als wäre ich schon den Marathon gelaufen.
Hatte ich mich schon in der Vorwoche immer wieder kränklich gefühlt (mal der Bauch, mal der Kopf) wurde es in der Folgewoche nicht besser. Am Freitag Nachmittag fühlte ich mich richtig schlecht und die Vorstellung, mit meiner Mutter am Sonntag Marathon zu laufen, bereitete mir große Kopfzerbrechen. Ich hatte ihr nämlich versprochen, sie wieder beim VCM zu begleiten – Marathon oder Halbmarathon, ihre Entscheidung. Ich wollte nicht diejenige sein, die dem Marathon im Weg stehen würde. Sie hatte auch für dieses Jahr besser trainieren können und die Bedingungen versprachen besser zu werden als 2025 (das dachte ich mir zumindest noch am Freitag). Aber gleichzeitig konnte ich mir absolut nicht vorstellen, am Sonntag um die oder über fünf Stunden unterwegs zu sein. Am Samstag erübrigte sich die Frage: Ich hatte leichtes Fieber und konnte mich am Vormittag erstmal nur von Bett zu Couch und umgekehrt bewegen. Mit einer Blitzheilung (was bei mir zum Glück sehr oft der Fall ist) wäre eine Halbmarathonbegleitung eventuell vorstellbar – aber Marathon, egal in welcher Pace, einfach nur unvernünftig. Das klärte ich mit meiner Mutter, wir legten uns also auf den Halbmarathon fest. Entweder sie allein – beim Halbmarathon würde das schon gut funktionieren – oder, sollte ich am Sonntag wieder fit sein, zusammen. Die Nacht war nach einigen unruhigen, herumgewälzten Nächten endlich wieder normal ruhig und so fühlte ich mich zumindest fit genug zu starten.
Unterwegs zeigt sich: Es wäre kein Tag für Marathon gewesen. Es war sooo warm! Wir waren langsam unterwegs, aber es war schön. Ich wurde nicht wieder krank, aber müde war ich von dem Halbmarathon in 2:59:06 schon. Zum Vergleich: Unsere Marathonzeit im Vorjahr war 5:37:55 gewesen – ich werde nie mehr über das Wetter von 2025 jammern!
Nach einer stressigen, kurzen Woche, in der ich mich aber zu Glück weiter erholte, ging es am Freitag nach London. Die Wetterprognose war gut: Wolkig, maximal 19°C, nur leichter Wind und zwar von Osten, was bei der Strecke von Greenwich zu The Mall günstig war.
Ich war ohne Wehwehchen nach London gekommen, was schon ein Erfolg war. Aber müde! Ich schlief so viel wie schon lange nicht, trotzdem war mein lockerer Lauf am Samstag etwas matt. Vor Energie zu platzen schien ich nicht gerade.
Organisatorisch klappte alles ohne jegliche Probleme. Anreise, Startnummernabholung, Messe durchspazieren. Am Sonntag gab es früh genug Frühstück. Die Fahrtverbindung nach Blackheath klappte, in fand einen Platz zum Entspannen, Trinken und Essen und auf WC konnte ich auch oft genug. Da schienen sie gegenüber 2024 aufgestockt zu haben.
Nach dem Start begann es aber sehr bald, mühsam zu werden. Zwar war die Pace sehr gut, aber die ersten Kilometer ging es auch ständig – mal mehr, mal weniger – bergab. Nach dem langen Bergabstück war der erste kleine Anstieg schon sehr mühsam. Außerdem hatte ich großen Durst, obwohl ich vor dem Rennen viel getrunken hatte.
Noch war ich wunderbar auf Kurs für eine gute Zeit, aber die zweite Hälfte hatte ich härter, nämlich wellig, in Erinnerung, und es wurde immer wärmer. Wolken gab es außerdem auch nicht wirklich oder vernachlässigbar. Also einfach weiter. Spaß machte es nicht, das muss ich zugeben. Aber ich hatte einige Ziele, zumindest ein D- oder E-Ziel wollte ich doch erreichen:
Die Ziele waren:
·       < 2:52 – würde einen Startblock weiter vorne beim Valencia Halbmarahon bedeuten
·       Irgendwas um 2:55 herum
·       < 2:58:32 – Österreichischer Rekord W-50
·       < 3:00
·       Ca. 3:05 – was ich für ungefähr erforderlich schätze, um mich für die nächstjährige Abbott Majors Masters WM zu qualifizieren
·       Irgendwie ohne grobe Pannen finishen, und schneller als 2024 3:36:16
Beim Halbmarathon war ich in 1:26:07, davor gab es noch einen kleinen Crash auf der Tower Bridge. Ich setzte gerade an, einen Läufer links zu überholen, als der sich vor einem Fotografen in Pose war und die Arme ausbreitete. Sein linker Arm landete … in meinem Gesicht. Als ich seinen Arm wegstieß und ihn überholte, schimpfte er mir aufgebracht hinterher. Leute, die nur an ihre coolen Fotos denken und ihr Drumherum ignorieren, finde ich ähem -verzichtbar. Dort war es eng, es gab kaum Platz auszuweichen – was denkt der sich, sich urplötzlich so breit zu machen?
Beim Halbmarathon war mir schon klar, dass die zweite Hälfte nicht auch in 1:26:07 klappen würde, aber den Rekord hielt ich noch für machbar. Ich müsste ja „nur mehr“ die zweite Hälfte in 1:30 laufen.
Es wurde aber immer zäher. Ich trank viel, ich leerte mir viel Wasser über den Kopf, ich nahm mir oft zwei Wasserflaschen, ich nahm vier Gels. Wo es Schatten gab oder leicht bergab ging, wurde es besser, aber jedes Sonnenstück und jede Steigung waren einfach hart.
Da begann ich zu rechnen: Für „alle weiteren Kilometer in 5:00, und trotzdem noch sub-3“ ging es sich nicht aus, aber „alle weiteren Kilometer in 4:30“ war drin und klang machbar. Diese Rechnungen waren aber ziemlich schwierig, mein Hirn funktionierte nur mehr eingeschränkt. Außerdem standen entweder einige Meilenschilder ziemlich falsch – oder ich halluzinierte schon. Eine Meile in 3:49, die nächste dafür aber in 9:57 klang nicht so realistisch. Es gab auch Kilometertafeln bei jedem Kilometer. Da im Participant Guide aber stand, die Kilometerschilder würden nur alle fünf Kilometer stehen, hatte ich mich schon im Vorfeld entschieden, den Meilentafeln zu folgen und blieb dann auch dabei.
Irgendwann waren die Kringel und Schnörkel von Canary Wharf geschafft und es ging auf die lange mehr oder weniger Gerade in Richtung Ziel. The Highway, E Smitfield – mit Gegenverkehrsbereich derer, die gerade von der Tower Bridge kamen – dann weiter Tower Hill, Byward St., Lower Thames St. 37 Kilometer waren schon absolviert, aber die noch folgende Strecke erschien immer noch endlos weit. Ich erinnerte mich daran, wie gut mir der London Marathon vor zwei Jahren gefallen hatte. Verletzt und mit langen Gehstücken, aber doch viel besser als gedacht. Und vor allem in der zweiten Hälfte. Aber ich freute mich auf die tollen Fotos, die es hoffentlich geben würde. Die Pace war jetzt zwischen 4:21 und 4:30. Also noch im Bereich, der gut für 2.59:xx reichen würde, aber Einbruch dürfte es keinen mehr geben. Ich wollte schon nicht mehr – nur mehr gehen, oder noch besser, mich an den Streckenrand setzen.
Endlich kam die Abzweigung bei Houses of Parliament und dann Birdcage Walk am St. James Park entlang. Dort war es endlich schattig und durch den Park kühl und gefühlt ging es auch leicht bergab. Nur mehr 900, nur 700 Meter oder so. Markierungen, wie weit es noch war, sah ich nicht mehr, obwohl es diese bestimmt gab. Ein Mal rechts in die Spur Road, der Kreisverkehr vor dem Buckingham Palace. Noch sah ich das Ziel aber nicht. Wie weit war das nochmal? Nur mehr 100 oder eher 400 Meter? Ein zweites Mal rechts aus dem Kreisverkehr hinaus – und da sah ich ihn, den Zielbogen auf The Mall. Er war nicht mehr weit. Nochmal die Zähne zusammenbeißen, nochmal mit den Armen mitarbeiten.
2:59:17 und ich war im Ziel. Schwach, schwindlig, taumelnd.
Nicht ganz mein Wunschergebnis aber: Ein weiterer Majors Marathon unter drei Stunden geschafft. Eine harte Saison positiv abgeschlossen. Ich freute mich über mein Ergebnis, aber noch mehr freute ich mich, im Ziel zu sein.
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berichte / 2026-04-26 TCS London Marathon - cbendl
« Letzter Beitrag von Berichte am 26.04.2026, 22:08:39 »
Datum: 2026-04-26
Event: TCS London Marathon
Distanz: 42,195 km

Ersteller: cbendl
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berichte / Antw:2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von Diana11 am 26.04.2026, 19:53:24 »
Herzlichen Glückwunsch zur PB! Unter den Umständen das Beste herausgeholt, mehr kannst du von dir nicht verlangen. Du kannst zu Recht stolz auf dich sein.
Danke für den ausführlichen und kurzweiligen Bericht, war eine Freude ihn zu lesen.
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berichte / Antw:2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von superzogi am 21.04.2026, 11:08:48 »
Herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit!

Und vielen Dank für deinen Bericht, den ich sehr genossen habe.
Das Forum lebt davon, dass es noch ein paar Wenige gibt, die sich dafür Zeit nehmen.
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berichte / Antw:2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von Anna am 20.04.2026, 18:19:28 »
Gratuliere zur Bestzeit! Unter den gegebenen Umständen hast du das Beste rausgeholt und vor allem auch gekämpft. Die nächste Chance auf sub 3:30 kommt bestimmt.
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berichte / Antw:2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von dogrun am 20.04.2026, 14:59:25 »
Schöner Bericht!

Bestzeit gelaufen, was will man mehr.
Es war einfach sehr warm, bzw. die Sonne ziemlich gnadenlos.


Gratuliere zur Bestzeit!
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berichte / Antw:2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von Barbara am 20.04.2026, 09:34:03 »
Danke für den sehr schön zu lesenden Bericht. Du kannst beides - laufen und schreiben - sehr gut.
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berichte / Antw:2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von Lemonhead1978 am 19.04.2026, 22:42:04 »
My hopes and expectations

Kein Rennbericht ist ohne Vorgeschichte komplett. Deswegen: zuerst mal die Vorgeschichte, bzw die VorgeschichteN, eine unmittelbare und eine längerfristige.


Vor dem Marathon

Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Nach dem LCC Herbstmarathon 2025 dauerte es nicht lange und der Vienna City Marathon 2026 war als nächstes großes Ziel auserkoren - nach dem missglückten Versuch 2021 hatte ich hier ohnehin noch sowas wie eine Rechnung offen. Wieder war meine Vorbereitung KI-geleitet, wobei ich als Zwischenziele die komplette VCM Winterlaufserie mitnahm. Ein 5er im Dezember, ein 10er im Jänner und ein Halbmarathon Anfang März. Macht grundsätzlich Sinn, denke ich. Unmittelbar vor den ersten beiden Läufen war ich krank und bei den Läufen selbst noch rekonvaleszent, insofern verliefen diese nicht optimal. Beim 5er war trotzdem eine PB drin, beim 10er war ich davon relativ weit weg (das war aber schon in den Tagen davor klar). Der Halbmarathon war super, mit deutlicher PB und einem Rennverlauf, der mich darin bestätigte, dass die Marathon-Vorbereitung wohl recht gut verlief.

Ansonsten kann ich rückblickend sagen, dass das Training im Großen und Ganzen gut geklappt hat, drei kleinere bis größere Infekte bremsten mich vorübergehend aus, aber das war im Winter eh zu erwarten und nachhaltige Schäden dürften sie keine hinterlassen haben. Jedenfalls konnte ich alle Einheiten gut bewältigen, dh ich konnte die jeweiligen Ziele immer (über-)erfüllen. Wobei, IMMER stimmt nicht ganz, ein einziges Mal bin ich gescheitert: Ein mental ohnehin schon grenzwertiger Long Run mit Endbeschleunigung am Laufband ist nämlich in die Hose gegangen (etwa acht Wochen vor dem VCM). An diesem Tag durfte ich lernen, dass der Wille genau gar nichts erzwingen kann, wenn der Körper zufällig gerade nicht bereit ist.

Und nun zu den letzten zwei Wochen vor dem VCM: Je näher der große Tag kam, umso mehr Fragen stellte ich mir bezüglich Schuhe, Verpflegung, Wasserflaschen, Wetter...das volle Programm eben. Das muss wohl so sein, es sei denn, man möchte die ganze Angelegenheit von Vornherein locker und easy peasy angehen. Etwa eine Woche vor dem Marathon waren aber sämtliche Fragen (soweit klärbar) geklärt.

Ein kleines Damoklesschwert schwebte noch über der erfolgreichen Bewältigung des Laufes, wieder in Form von bösen Viren. Mein Haushalt besteht nämlich ganz klassisch aus Mutter, Vater (ich), Kind, Kind, Hund. Beim letzten großen Familien-Infekt (etwa 5 Wochen vor dem Marathon) hatte sich meine ältere Tochter eingebildet, nicht mitmachen zu müssen und natürlich holte sie den Infekt am Wochenende vor dem Marathon nach... Ansteckungsgefahr im Haushalt, nicht gut. In der ganzen Rennwoche fühlte ich mich nicht wirklich krank, aber leicht angeschlagen, minimal verschnupft und ein Hauch von Halsweh. Hm, wirklich nicht gut, aber auf sowas hat man eben keinen Einfluss. Jedenfalls war das eine Erinnerung daran, dass ich gut auf mich schauen muss, viel schlafen, gut essen, ausreichend trinken, keinen Blödsinn machen.


Ziele und Wünsche

Bevor ich meinen Bericht am Rennwochenende fortsetze, sollte ich wohl etwas zu meinen Erwartungen sagen. Der Herbstmarathon war in Wahrheit eine Wundertüte, weil ich mir davor höchst unsicher war, was ich mir eigentlich erwarten oder erhoffen durfte. Im Vorfeld war relativ klar, dass ich mein ursprüngliches Ziel (unter 4 Stunden) eigentlich locker schaffen sollte und so war das dann auch - ich war nach 3:40:20 Stunden im Ziel.

Nun wollte ich es deutlich ambitionierter angehen. Das Training war auf sub 3:30 ausgelegt. Komfortabel, wenn möglich. Sämtliche Vorleistungen und die letzten Tests vor dem Marathon deuteten darauf hin, dass ich an einem guten Tag bei guten Bedingungen mein Ziel erreichen sollte, mit Potential in Richtung 3:25. Ich war einerseits optimistisch (weil „trust the process“), andererseits skeptisch (weil so viel schiefgehen kann), wollte es aber jedenfalls probieren - es sei denn, die Rahmenbedingungen würden dagegen sprechen (z.B. in Form von VCM-typischen 25 Grad) oder am Renntag würden mich irgendwelche körperlichen Einschränkungen plagen.

Und weil ein Marathon schwer kalkulierbar ist und diverse Tücken und Fallstricke lauern, soll man ein Marathon-Ziel ja quasi diversifizieren (auch aus Selbstschutz), deswegen nenne ich sub 3:30 mal mein A-Ziel. An einem ok-ishen, aber nicht wirklich guten Tag sollte eine PB, also sub 3:40, mein B-Ziel sein. Und wenn sich irgendwann zwischen 9:30 Uhr und 11:30 Uhr des 19. Aprils 2026 herausstellen sollte, dass auch das an diesem Tag außer Reichweite ist, hatte ich mir vorgenommen, jegliches Zeitziel über Bord zu werfen und zum Burgtheater longzujoggen - quasi Erlebnislauf statt Ergebnislauf.


Letzte Vorbereitungen

Ein paar Entscheidungen hinsichtlich des Ablaufes musste ich am Abend des Donnerstags noch treffen: Startnummer holen am Freitag oder Samstag? Eigenverpflegung abgeben oder nicht? Kleidersack gleich direkt bei der Messe abgeben oder doch erst am Sonntag? Letztlich lauteten die Antworten darauf Freitag, ja, Sonntag. Freitag, weil trotz des ohnehin recht stressigen Arbeitstages erhoffte ich mir davon einen ruhigeren Samstag, was zu einem ausgeruhteren Zustand am Sonntag führen sollte. Ja, weil ich lange hin und her überlegt hatte, wie ich das mit dem Trinken machen soll und letztlich dachte ich mir, dass ich das einfach mal ausprobieren würde (aus einer Flasche trinkt es sich jedenfalls komfortabler) - auf die Becher mit Wasser konnte ich ja sowieso zurückgreifen. Und Sonntag, weil ich dadurch am Startgelände noch etwas zu tun hatte und meine sieben Sachen einfacher dorthin transportieren konnte.


Vor dem Start

Los ging es am Sonntag ganz unspektakulär und klassisch: Tagwache um 5 Uhr, erster Klogang, Frühstück (drei Toasts mit Marmelade, Kaffee, Wasser), ein bissl Frühstücksfernsehen, nochmal Laufgewand, Schuhe und Ausrüstung checken, Zähneputzen, zweiter Klogang, Laufgewand und die kurz vor dem Start zu spendende Überbekleidung anziehen. Um 7:20 Uhr sperrte ich schließlich die Haustür hinter mir zu. Mit dem 26a ging es nach Kagran und mit der U1 zur Alten Donau. Dort erfolgt meine finale Adjustierung, ich erledigte pflichtbewusst mein Aufwärmprogramm inkl Lauf-ABC und ähnlicher Scherze und brachte den dritten Klogang (der für die kommenden Stunden hoffentlich der letzte sein würde) hinter mich. Im Startbereich wollte ich mich mit zwei aktuellen und einem ehemaligen Arbeitskollegen treffen...einer entschied sich aber spontan, nicht zum vereinbarten Treffpunkt zu kommen, sondern woanders auf den Rest zu warten und einer wollte mit seiner Freundin gemeinsam  laufen, die aus einem anderen Startblock starten musste. Blieb also noch einer übrig, mit recht ähnlichen Zielen für diesen Lauf. Für mich war aber klar, dass ich das Rennen ab dem Startschuss alleine in Angriff nehmen würde. Ich wollte weder Rücksicht nehmen, noch mich in irgendeiner Form ziehen lassen (im Sinn von „ein bissi schneller als geplant“). Mein Körper, mein Training, mein Rennen.

Die Prognose in den Tagen vor dem VCM war ja, dass die Bedingungen recht gut sein würden. Der Moderator am Start meinte auch, dass diese quasi ideal wären. Aus Zuschauersicht mochte das ja stimmen, aber aus Läufersicht eher nicht, zumindest seh ich das so. Im Laufe des Rennens stieg die Temperatur ja von etwa 14 oder 15 Grad beim Start bis auf ca. 20 zu Mittag. Wesentlich problematischer war aber mMn der strahlende Sonnenschein. Aber ok, am Start konnte ich das alles ja noch gar nicht wissen. Gut war jedenfalls, dass der Wind eher keine Rolle spielen sollte. Meine Rennstrategie wollte ich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls wie geplant durchziehen und (vermeintlich) konservativ starten, die ersten 15 km nicht unter 4:55 min/km laufen, ab dem höchsten Punkt beim Westbahnhof dann etwas beschleunigen, aber die Pace jedenfalls höher als 4:50 min/km halten, auch wenn ich mich sehr gut fühlen sollte. Erst gegen Ende des zweiten Praterabschnittes, allerfrühestens ab dem Lusthaus, wollte ich mir eine Beschleunigung erlauben, wenn mein Körper eine solche grundsätzlich ermöglichen würde. Das alles aber natürlich mit dem großen Fragezeichen, wie ich den erwähnten kleinen Infekt „verdaut“ hatte.

Genug des Vorgeplänkels, Zeit für das Rennen selbst!


Von der Start- bis zur Ziellinie

Für den Block B (inklusive mir) ging es um 9:06 Uhr los, ein paar Minuten später überquerte ich die Startlinie. So ein bissl im Wiglwagl war ich dennoch, ob ich es nicht ein wenig gemütlicher angehen sollte, aber meine Playlist hatte gute Argumente. Genre-mäßig reicht diese, vor allem beim Sport, und noch vor allerem beim Laufen, von Rock bis Metal und exakt als ich die Startlinie überquerte, wurde mir „F*** it all, ignore the omens“ ins Ohr gebrüllt. Naja, ok, dann mach ich das eben so. Auf die Reichsbrücke rauf konnte ich recht schnell genau die richtige Pace aufnehmen. Auf den Puls hab ich kurz gelinst - naja, relativ früh relativ hoch, aber gut, es ging ja bergauf. Exakt bei km 5 hörte ich dann „If you really want it, the world is yours“...okeeee, ich habe es verstanden, heute ist keine Zeit für Vernunft.

In weiterer Folge kann ich mich eigentlich nicht beschweren - es lief gut...aber immer mit ein paar Zweifeln im Hinterkopf: es war zu warm, das konnte ich nicht wegfantasieren und so locker wie erhofft war ich nicht unterwegs. Ich freute mich aber darüber, dass das mit der Eigenverpflegung scheinbar echt funktioniert hat (ich ließ 0,75-Liter-Flaschen mit Wasser bei km 10, 20 und 30 platzieren). Die erste Flasche hab ich so ziemlich komplett ausgetrunken im Laufe von 2 bis 3 km, das war im Endeffekt genau so wie geplant. Bei der Oper dann sowas wie ein kleiner Turning Point, nicht nur geografisch. Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Playlist nämlich „Starlight“ von Muse in petto und der Refrain motivierte mich ungemein - deswegen auch der Titel dieses Berichts. Gleichzeitig wurde es kurz schattig und ich nahm ganz leichten, kühlenden Wind wahr, Gänsehaut am ganzen Körper. Erstmals, und auf ein paar Teilnahmen an verschiedenen Bewerben beim VCM kann ich ja mittlerweile doch schon zurückblicken, war die Wienzeile kein Graus, es lief wie am Schnürchen, Schlossallee rauf, beim Technisches Museum vorbei und schon ging es die Mahü rauf und dann runter. Auf diesem Abschnitt habe ich oft gelächelt, viele Kinderhände abgeklatscht und mich über die zahlreichen Plakate gefreut (mein Favorit: „Ist das ein Gel in deiner Tasche oder freust du dich, mich zu sehen?“).

Irgendwann war ich bei der Abzweigung zum Halbmarathon-Ziel und danach wurde es mental für mich ein wenig schwieriger. Von dort bis zum Prater ist die Strecke (zumindest für mich) am unattraktivsten, die Zuschauerdichte wird geringer, es wird halt ein wenig zäh. Und an diesem Tag musste man durchgehend in der prallen Sonne laufen. Wir sind also nun bei km 25 und es macht wohl Sinn, ein paar Worte zu meiner Performance bis zu diesem Punkt zu verlieren. Insgesamt war ich voll im Plan, die meisten km waren irgendwann zwischen 4:55 und 4:58 min erledigt, ein paar waren schneller (aber nie unter 4:50), ein paar waren langsamer (vor allem, wenn sie Verpflegungsstellen beinhalteten). Bei der offiziellen Halbmarathon-Marke war ich zwar knapp über meinem Soll, aber so wirklich verstehe ich das nach wie vor nicht, weil ich kann mich da an keine Tempo-Reduktion erinnern und bei km 25 war ich wieder voll drin bzw. ganz knapp dran, vorhergesagte Zeit zu diesem Zeitpunkt: 3:30:01. Großen Polster konnte ich mir aber zu keinem Zeitpunkt erlaufen - im besten Fall einen Polsterbezug. Naja, ab dem Lusthaus wollte ich ja beschleunigen...

So langsam kickte aber die Realität ein. Die „Hitze“ wurde so langsam aber sicher zu einem großen Faktor, das war einfach nicht mehr unter den Teppich zu kehren. Die km-Zeiten wurden nun um ein paar Sekunden langsamer, es wurde zunehmend schwierig unter 5 min/km zu bleiben. Am Anfang der PHA überholte mich eine blonde Dame und im Nachhinein lief mir mit ihr mein A-Ziel davon. Ich versuchte kurz dran zu bleiben, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass mir das nun nicht mehr möglich war. Große Hoffnung schöpfte ich aber aus dem Umstand, dass ich bald meine dritte Wasserflasche bekommen würde und dass ich nur mehr wenige Minuten bis zum Treffpunkt mit meiner Familie vor mir hatte. Schade schade Marmelade. Die Flasche war nicht da. Mental war das richtig schwierig, weil ich war zu 100% darauf eingestellt, dass ich bei km 30 ausgiebig und effektiv trinken können würde. Nichtsdestotrotz bekam ich von meinen Töchtern und meiner Frau drei Kraftbussis, über die ich mich sehr freute.

Spätestens ab dem Stadion hatte sich mein A-Ziel erledigt. Meine km-Zeiten nun knapp über 5:10 min und es war nicht abzusehen, dass ich diesen Trend irgendwie umdrehen können würde. Ab dem Lusthaus ging es weiter bergab, nun über 5:20 min pro km und bald über 5:30. Auf der Schüttelstraße war es richtig hart. Es war sehr schwer nicht zu stehenzubleiben, aber ich hatte die Befürchtung, dass ich dann nicht mehr anlaufen können würde. Mein langsamster km war dann der 38. (knapp unter 5:50), aber hier blieb ich tatsächlich ein paar Sekunden stehen, um mich bei einer der zusätzlichen Wasserstellen abzukühlen. Danach konnte ich mich irgendwie überwinden, doch wieder ein wenig schneller zu laufen. Entlang der Vorderen Zollamtsstraße erblickte ich mein zweites Lieblingsschild: „Umdrehen wär jetzt deppat“ - ich war für jeden Anlass für einen kleinen Lacher dankbar, weil aus intrinsischer Motivation war ich wirklich nicht mehr imstande dazu.

Weit war es nun ja nicht mehr. Der Spalier wurde enger, viele Leute feuerten die LäuferInnen (und damit auch mich) frenetisch an, Zielgerade! Erstmals seit ca. 41,5 km wechselte ich das Datenblatt meiner Uhr, um Gesamtzeit und Puls zu sehen. Also eine PB würde es werden, sollte ich nicht stolpern oder plötzlich von Krämpfen geplagt werden. Und weil ich halt ein großer Bub bin, musste ich auch noch einen Zielsprint einlegen...ich kann halt nicht anders. Das ging überraschend gut und nach 3:37:07 war ich im Ziel.


Resümee

Also, B-Ziel erreicht, am A-Ziel deutlich gescheitert. Aber! Ich habe ja durchaus ein kleines Problem damit, das Wort „Stolz“ zu verwenden, wenn es um mich selbst geht, aber ich bin tatsächlich ziemlich stolz auf mich, dass ich mich mehr als eine Stunde lang gequält und nicht der Versuchung nachgegeben habe, zu gehen, mich kurz ins Gras zu setzen, oder einfach auf diesen ganzen Blödsinn zu pfeifen.

Ein paar Stunden später habe ich mir natürlich meine Splits und auch meinen Herzfrequenz-Verlauf angeschaut. Also das war mMn ein ziemlich geglückter Tanz auf der Rasierklinge. Meine durchschnittliche HF über mehr als 3 1/2 Stunden betrug 167 bpm, was ich als knapp unter oder an der Schwelle interpretiere. Mehr geht nicht, da kann ich mir genau nix vorwerfen. Wäre es bei 10 Grad weniger schneller gegangen? Ich weiß es natürlich nicht, aber ich gehe ehrlich gesagt davon aus.


Learnings

Wie eingangs irgendwo mal erwähnt: sub 3:30 sehr realistisch bei guter Tagesform und guten Bedingungen. Die Tagesform war vielleicht nicht optimal, aber voll ok, die Bedingungen halt nicht. Ich habe tatsächlich einen Sonnenbrand heimgebracht, das sagt wohl alles. Aber suboptimale Bedingungen sind zu akzeptieren und diese Einstellung sollte ich mir, glaube ich, auch für zukünftige Versuche über diese Distanz bewahren.

Das mit der Eigenverpflegung habe ich als sehr positiv empfunden. Warum auch immer, nimmt dieses Angebot so gut wie niemand in Anspruch (die Tischerl waren wirklich klein und trotzdem standen da nur ein paar Flaschen herum, als ich bei den jeweiligen Verpflegungspunkten ankam) und die Flaschen bei km 10 und km 20 zu finden hat mich ungefähr eine Sekunde gekostet. Dass meine dritte Flasche nicht da war...ja, das war ein ziemlicher Dämpfer. Ich erspähte eine Flasche, die meiner recht ähnlich sah, aber natürlich nahm ich diese nicht, weil wissen konnte ich ja nicht, dass sich jemand „vergriffen“ hatte...und ich wusste auch nicht, was da drinnen war. Insofern würde ich in Zukunft einfach wsl mehr Flaschen platzieren, also auch bei 15, 25 und 35 km, damit eine fehlende Flasche kein Drama ist.


Letzte Worte

Ich bereue nichts und würde alles wieder so machen. Und ich bleibe dabei: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon... ;-)
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berichte / 2026-04-19 Vienna City Marathon - Lemonhead1978
« Letzter Beitrag von Berichte am 19.04.2026, 22:34:40 »
Datum: 2026-04-19
Event: Vienna City Marathon
Distanz: 42,195 km

Ersteller: Lemonhead1978
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vielleicht hat ja jemand noch Freude damit, ich jedenfalls nicht

350 Seiten Greif
300+ Seiten Joe Friel

gegen Mannerschnitten, Gummibären etc. zu tauschen
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