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« Letzter Beitrag von Anna am 07.05.2026, 14:58:39 »
Das war deutlich mehr als ein Marathon - eine sentimentale Rückbesinnung und ein großer Ausblick auf das, was wieder kommt, begleitet von fantastischen Eindrücken. Danke für den Bericht!
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« Letzter Beitrag von Ulrich am 06.05.2026, 16:09:03 »
ganz weit weg und doch auf der Strecke zuhause Rotorua, eine Stadt in Neuseeland. Nein, das ist nicht der passende Beginn. Vielleicht eher.. im Juli 1996 war ich das erste Mal in Rotorua im Rahmen eines Austauschprogramms namens „youth in action“. Wir fuhren damals (soweit ich mich erinnere) 1 Woche herum, mit anderen Worten rasten wir wohl in einem Bus durch die Attraktionen der Nord- und Südinsel) und waren dann bei einer Host-family im Großraum Auckland einquartiert. In meinem Fall in Papakura, einem kleinen Vorort… Aber ist das der passende Beginn?
Vielleicht, als ich mich entschlossen hatte… ja, das schaut gut aus, als ich mich entschlossen hatte, meine Ferse operieren zu lassen. Als meine Marathonserie nicht mehr ganz so fix schien und ich in den Wochen vor der OP bei jedem Schritt Schmerzen hatte, an Laufen war da so gut wie nicht zu denken. Nun und dann kam das Gespräch mit dem Doc des Sportambulatoriums, der mir davon erzählte, dass er schon Patienten gehabt hätte, die nach der selben OP wieder Marathons gelaufen wären. Ich blickte Heidi an und wir entschlossen sofort, die OP zu riskieren. Ein paar Wochen musste ich noch warten, dann war es soweit. Alles klappte bestens, wenige Tage drauf konnte ich wieder Radfahren, nach knappen 6 Wochen auch wieder laufen, oder zumindest damit beginnen. Langsam, erst 200 Meter, dann 500, dann einen Kilometer, dann 3 dann 5… Vorbereitung war es keine, doch dann (hierzu habe ich ja schon einen ausführlichen Bericht geschrieben…) die 47km im Rahmen des Rundumadum. Ich konnte es wieder, war wieder dabei. Irgendwann in dieser Zeit lud Heidi’s Forschungsinstitut zu einem Abend der offenen Tür. Ich unterhielt mich zu diesem Anlass mit Philipp, einem ihrer Kollegen, der mir von seinem Trip nach Neuseeland erzählte. Er hatte die Drehorte der „Herr der Ringe“ Trilogie besucht und erzählte, in einer für Forscher enthusiasmierten Art von der Reise. In der weiteren Folge sahen Heidi und ich uns auf Youtube das eine oder andere Video vom „Land der langen weißen Wolke“ an, unter anderem auch von Rotoruamarathon. Hier muss man dazu sagen, dass ich schon 2 Mal zuvor in NZ war und die Stadt Rotorua damals besonders ins Herz geschlossen hatte. Sie liegt an einer mit einem See gefüllten Vulkancaldera mit einem Umfang von (wie praktisch) 42 km. Eigentlich hatten wir ja schon zu meinem 50er überlegt, nach Neuseeland zu fliegen, doch damals im Jahre 2021 hatte die Welt andere Pläne, so entschlossen wir uns im November, uns für den Rotoruamarathon am 2.5.2026 anzumelden. In weiterer Folge plante ich, so gut ich konnte die Reise. Organisierte einen Mietwagen über einen Anbieter in NZ, fand jenes Hotel in Rotorua, in dem ich bereits vor 24 Jahren mit meinem Bruder beste Erfahrungen gemacht hatte (es lag darüber hinaus in unmittelbarer Nähe von Start/Ziel des Marathons) und reservierte eine Suite für uns. Die Wochen, Monate vergingen, die Weltgeschichte schien wieder ein wenig gegen uns zu arbeiten, als plötzlich durch den Iran-Krieg unser mit Emirates geplanter Flug von Wien nach Dubai und weiter nach Christchurch unsicher wurde. Glücklicherweise konnten wir sehr unkompliziert umbuchen und fanden uns schlussendlich in der Singapore Airlines wieder. (Eine weitere nette kleine Anekdote… Ich hatte mir vorgenommen, die Reisekosten durch neu aufzustellende Jobs und Projekte zu finanzieren, was recht gut gelang) Mitte April waren dann die Vorbereitungen abgeschlossen, die Versicherungen abgeschlossen, Rucksack und Tasche gepackt.. es war der 16.April, Tag es Abflugs.
Über Frankfurt nach Singapore, dann nach Christchurch, auf die Südinsel Neuseelands). Ach, wie ich es liebe, übernachtig funktionieren zu müssen, aber manchmal geht’s halt nicht anders.
Wir haben ja in Wien kein Auto, sind dank des Klimatickets und der diversen Carsharingmöglichkeiten nicht darauf angewiesen. Umso größer war meine Überraschung, als ich den Mitsubishi Outlander sah, der uns in Christchurch am Parkplatz des Mietwagenanbieters erwartete. Dieses Riesentrumm sollte ich nun fahren? Gut wenigstens hatten wir eine gewisse Knautschzone. Unser allererstes kleine Lauferl in Christchurch war weniger von sportlichem als botanischem Wert. Der botanische Garten lag unmittelbar neben unserem Hotel und bot sich mit all seinen Schönheiten zum belaufen ein. Von meinen vorherigen Aufenthalten kannte ich schon den Lake Tekapo als beschauliches Platzerl mit einer netten kleinen Kapelle. Ebenso findet sich in unmittelbarer Nähe der Kapelle ein Denkmal des Schäferhundes, der im Land der Schafe eine unverzichtbare Rolle einnimmt. Nun, was ich aber nicht am Plan hatte war einerseits das kalte Wetter, die Unmengen an chinesischen Touristen und die schlicht nicht vorhandene Dämmung unserer ersten Unterkunft. Egal, es wird noch besser. In der Hoffnung auf eine etwas komfortablere Bleibe fuhren wir nach Dunedin. Ein Hügel folgt hier dem nächsten, wobei die Architektur der Stadt durchaus sehr charmant ist. Wir freuten uns über ein weiches Bett, eine gute Heizung und schliefen nach dem Essen (für Heidi zu bald, aber ich war von der Fahrerei schlicht fertig) bald ein. Am Morgen grüßte uns zwar der Regen, doch wir wollten die Stadt in den Morgenstunden ein wenig erlaufen. Ein kleiner Hügellauf in einen Park erschloss uns zumindest einen kleinen Teil der Stimmung dieser reizvollen Stadt im Süden der Südinsel.
Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die südlichste Stadt Kiwilands, Bluff zu besuchen, hier auch zu laufen. Ein kurzes Berglauferl hinauf auf einen Aussichtspunkt, der uns den Rundblick über den Südpazifik und die schmale Landzunge, die Teile von Bluff ans restliche Neuseeland bindet ermöglichte war der Lohn. Nun auch.. dass ich die Tage drauf dann nur 2/3 fit war, ich hatte mich erkältet und fühlte auch den Stress, täglich über 300km in einem panzergleichen SUV auf der für uns falschen Seite zu fahren. Doch.. was war die Alternative? Wir hatten ein gewisses Zeitfenster, welches wir einhalten sollten, um rechtzeitig in Rotorua zu sein.
Eigentlich sollte ja der Milford Sound ein Highlight der Reise werden, doch 2 Punkte standen dem entgegen. Das Wetter sollte (wieder einmal) einen freien Blick auf die Fjordlandschaft verhindern und.. ich war schlicht erkältet, fühlte mich nicht gut. So beließen wir es bei einer Übernachtung in Te Anau und entschieden uns, etwas Stress aus der Reise zu nehmen, um den Marathon nicht zu gefährden. Wir planten auch nur noch von Tag zu Tag, wollten uns dort niederlassen, wo es uns gefiel und wo die Tageskilometer ansatzweise zum Plan passten. So landeten wir im kleinen Ort Omarama im Landesinneren. Die Fahrt über Queenstown und einen Pass fühlte sich zwar richtiggehend hochalpin an, doch mussten wir lachen als Heidi herausfand dass Omarama immer noch tiefer als Wolfsberg lag. Die Lage im neuseeländischen Nirgendwo ermöglichte jedenfalls einen wunderschönen Blick auf den Sternenhimmel, ja sogar die Milchstraße ließ sich in einem milchigen Band am Himmel erahnen. Gleich motivierte Heidi mich zum ersten „Milchstraßenlauf“.
Über Picton setzten wir mit der Fähre dann auf die Nordinsel über, wo wir in weiterer Folge in einem verschlafenen Örtchen namens Foxton Beach übernachteten. Endlich konnten wir hier auch mehr als nur 2 Kilometerchen laufen, immerhin bewegten wir uns hier fast 6 KM im Laufschritt über Sanddünen zum Strand.
Glücklicherweise hatten wir in den Wochen vor der Reise ein kurzes Video mit Reisetipps gesehen. Hier war vom Mount Taranaki die Rede gewesen, einem Vulkan, der offenbar überaus markant aus der Landschaft heraustechen sollte. Nun.. ja, das tut er auch. Wir übernachteten in der Ortschaft Stratford und fuhren 2 Mal in die Nähe des Vulkans. Die Mischung aus Regenwald, Frost, Schnee und einem sonst wohl kaum zu wiederholenden Blick auf dieses Naturkunstwerk war eine der vielen bleibenden besonderen Erinnerungen unserer Reise.
in einem netten und durchaus beschaulichem Ort namens Taumarunui , den wir über eine wundervolle uns recht anspruchsvolle Straße namens „forgotten highway“ erreichten, dann ein kleiner Schock. Ich entdeckte einen ca. flächengrößeren roten Fleck an meiner Hüfte, gerade dort, wo mich 2 Wochen zuvor eine Zecke erwischt hatte. Unsere sehr bemühten Gastgeber des „Inn at the Convent“ begleiteten uns ins nahegelegene Spital, wo ich sehr unkompliziert gleich ein Breitbandantibiotikum verschrieben bekam. Mit immer flauer werdendem Magen ging es dann weiter nach Taupo, hier fanden wir uns bald auf einem fantastischem Trailwalk wieder, der uns die Schönheiten der neuseeländischen Flora präsentierte. Am 30.4. dann kamen wir nach Wai-o-tapu. Nein, dieser Ort hat nichts mit Laufen zu tun, aber mit meinen Träumen. Ich weiß auch nicht wieso, doch diese Mischung aus Schwefel, allen daraus entstehenden Farben und einer einzigartigen Natur hat es mir schon 1996 angetan, so sehr, dass ich viele Jahre von ihr geträumt hatte. Hier war ich also wieder. Und dann das Princes Gate Hotel in Rotorua, wo ich schon im Winter reserviert hatte, das Hotel aus dem 19 Jahrhundert mit seinem eigenen Thermalpool. Hier einzuchecken war besonders, war ein Traum für mich. Und er wurde wahr. Wissend um die zu erwartenden Tagestemperaturen während des Marathons kauften wir schnell noch eine Laufkappe für Heidi und… in der Früh konnte es durchaus knackig frisch werden … Ärmlinge auch gleich dazu. Den Tag vor dem Marathon verbrachten wir mit Sightseeing im Redwoodforest und bei einer Einladung des in Rotorua heimischen Maori-Stammes, die die Marathonis zu einer Zeremonie geladen hatten. Dann beim Abendessen die unerfreuliche Überraschung… mein Magen wollte so gut wie kein Essen behalten, eine Serie von WC-Besuchen verschaffte meinen Carbos den Weg ins WC. Sollte ich so den Marathon laufen können, was wenn ich meine Verdauung nicht im Griff haben sollte? Was wenn? Grad bei diesem Lauf? Die Nacht verlief ruhig, der Morgen wiederum erleichterte mich wieder um einiges Gewicht. Irgendwie mischte sich ein bitteres Lächeln mit nicht unbeträchtlichem Frust. Ich scheixxx mich ja schon wieder so an, wie vor dem 24er Rundumadum. Und er wurde dann so genial. Was soll’ s wir starten natürlich, hoffe, es geht nicht in die Hose. Wenn ich die ersten 10 KM halbwegs überstehen sollte, dann wird’s schon gehen.
Was man zum Herbst in Neuseeland wissen sollte: in der Früh ist es frisch, weit frischer als die diversen Wetterapps behaupten. Es hatte nicht die avisierten 8 Grad, sondern frische 2. Bei Sonne, aber dennoch frisch. Nach ein paar sonnigen Minuten… dann der Start. Gleich bei der Startlinie zelebrieren einige Maori den Haka und grüßen uns, hey. Ich lauf beim Rotoruamarathon, ich bin dabei. Die ersten Kilometer laufen Heidi und ich noch gemeinsam, dann reiße ich ein wenig nach vorn ab und versuche, ich auf die Strecke einzustellen. Wir laufen aus Rotorua raus, durch Vororte, an der Hauptstraße entlang, am Gehsteig, am Highway entlang. Nein, nicht beim Highway, sondern am Highway unmittelbar neben den Autos, die zwar vorsichtig aber doch mit normaler Geschwindigkeit ohne wirkliche Absicherung an uns vorbei fahren. Der Asphalt fällt mir auch etwas interessant auf. Er wirkt wie grobes Schmirgelpapier, scheint irgendwie bei jedem Schritt ein wenig zu bremsen, aber was soll’s. Heute geht es nicht um Zeit, nicht einmal um den leichten Schritt, heute ist jener Marathon den ich irgendwann als eins der größten Highlights meiner Laufkarriere bezeichnen werde. Wenn ich durchkomme. Inzwischen bin ich irgendwo bei km 10 und mein Bauch macht keine Anstände sich zu melden. Sehr erfreulich. Ach ja, die Labestellen sind sicher auch eine Erwähnung wert. Hier ist Schmalhans Küchenmeister. An den meisten finden sich die üblichen Plastikbecher mit Wasser, an vielleicht 4 Stellen werden wir mit Iso gelabt, an 2 Stellen gibt es Cola und an einer den bekannten roten Bullen. Das war’s dann schon wieder. Willst was essen, BYO, bring your own. Gut dass ich 4 Gels eingesteckt habe. Nein, ich kann nicht allzu viel über die ersten 20 KM berichten, stellt Euch eine Strecke unmittelbar an einer Landstraße oder Autobahn vor, ohne Absperrungen und ihr habt den ersten Teil imaginiert.
Jener Part, der mich sehr emotional werden ließ war irgendwann nach 20 KM gekommen. Die ohnehin schon recht hügelige Strecke führte uns auf einen Hügel, der mit Farnbäumen, Palmen und dichtem Regenwald bewachsen war. Hier konnte ich nicht mehr laufen, nicht weil es die Beine nicht hergegeben hätten, sondern weil mit die Fotos wichtiger waren als die Lauferei. Auf einem Video, fange ich vor Freude fast du heulen an, so gerührt bin ich vom Glück diesen Moment erleben zu dürfen. Und wenn wir schon beim Glück sind...mein Bauch hält bisher. Was auch schon alleine deswegen positiv ist, weil es auf den ersten 15 KM keinerlei Erleichterungsmöglichkeiten gegeben hätte. Kleingarten reiht sich an der Strecke an Kleingarten, hier zur Rasendüngung beizutragen würde möglicherweise nicht als freundlicher Akt verstanden werden…. Nach 25 KM aber geht’s schnell und ich schlage mich in die Büsche. Gut, dass ich neben 4 Gels doch einen großen Vorrat an Papier dabei habe. Ich plaudere natürlich auch wieder mit meinen Streckenabschnittspartnern, lerne so einen Kollegen mit PB 2:32 kennen, der schon zum 31. Mal dabei ist und 68 Marathons zu Buche stehen hat. Ab KM 30 lege ich noch weniger Wert auf ein konstantes Tempo als zuvor (und da war es mir schon egal), was wohl dazu führt, dann mich so manche Kolleg*innen im Umfeld skeptisch beäugen. Laufe ich, dann bin ich oftmals in 5:20 unterwegs, dann gehe ich wieder. Aber es ist mir sowas von egal. Ich genieße den Tag ich juble in mich hinein, dass ich diesen Tag, diese Reise, diese wundervolle Marathonlauferei mit dem Marathon heute und hier krönen darf. 12, 10, 8 , die Kilometer schmelzen, mir geht’s ausgezeichnet, ich habe keinerlei Probleme, was ehrlich gesagt nach 2 Autowochen mit ca 3000 KM, einer Erkältung und einem antibiotikabedingten Durchfall nicht ausgemachte Sache war. Ich muss lachen, da bin ich in Neuseeland, also so weit von zuhause weg, wie nur irgendwie möglich und doch zuhause. Ich bin auf meiner Strecke, heute ist der Marathon wieder mein zuhause. Was für ein Gefühl. Noch 5, 4, wir laufen durch die Parkplätze von Einkaufszentren, dann durch eine Fußgängerzone, an unserem Hotel vorbei, noch ein Kilometer, ich filme die letzten 500 Meter mit, überhole noch 2 junge Männer und werde im Ziel vom Sprecher begrüßt. Ulrich Wanderer from Austria!
Funfact… ich bin um 40 Sek schneller als im Dezember auf Lanzarote, da habe ich für etwas „Ernsthaftes“ noch Luft nach oben.
Gleich im Ziel drehe ich um und mache ich auf den Weg, Heidi entgegen zu kommen. Ich bin nicht einmal sonderlich müde, da kann ich ja auch gleich wieder auf die Strecke. Etwas über einen Kilometer und eine kurze Schattenpause später blitzt schon ihre neu erstandene grellgelbe Laufkappe auf, Heidi hat sich eines Farmers angenommen, der heute seinen ersten Marathon bestreitet und ihn sicher ins Ziel begleitet. Ich hatte den Traum, nach der OP wieder schmerzfrei zu laufen und es wurde der Rotoruamarathon draus. Was für ein geiles Leben
Und jetzt…. Da ich diesen Bereich gerade über dem australischen Outback in einer beengten Maschine der Singapore Airlines tippe… ist es doch einfach.. jetzt geht’s dann weiter.
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« Letzter Beitrag von Berichte am 06.05.2026, 16:06:59 »
Datum: 2026-05-02 Event: Rotorua Marathon Distanz: 42,195 km Ersteller: Ulrich
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« Letzter Beitrag von cbendl am 26.04.2026, 22:08:56 »
Ich habe wieder einen Marathon geschafft! Aber es war ein hartes Stück Arbeit. Die Vorbereitung war recht durchwachsen. Schon Ende Dezember / Anfang Jänner inkl. Silvesterlauf kränkelte ich. Ende Jänner ging die spezifische Vorbereitung los. Ich wollte beim 2. Lauf der VCM Winterlaufserie den 10 km Bewerb absolvieren. Zwei Tage davor zog ich mir irgendein Problem an der Lendenwirbelsäle zu, dass mich nur mit Schmerzen bewegen ließ. Am Sonntag war es zum Glück schon besser und ich konnte starten. Aber: Mit sehr schwachem Gefühl mühte ich mich in 40:19 ins Ziel – und am Abend hatte ich dann ordentlich Fieber. Mühsam ging es durch den Februar. Ein Start beim 2. Eisbärlauf stand an, 14 Kilometer waren am Plan. Diesmal kam wieder das Rückenproblem auf, aber am Samstag, noch knapper vor dem auf als im Jänner. Sonntag Früh fühlte ich mich noch ganz gut, aber beim Aufwärmen hatte ich einen brutalen Stich im Rücken. Da ich schon vor Ort war, wollte ich einen Start versuchen. Es funktionierte auch, aber mit großer Vorsicht. Kurven musste ich sehr sorgsam nehmen und den Kopf zur Uhr drehen war auch nicht drin, ich musste das Handgelenk mit der Uhr direkt vor die Augen heben. 14 Kilometer in 1:15:58 waren nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ende Februar / Anfang März ging sich aber knappe Woche Urlaub auf Mallorca aus. Kein Trainingslager, sondern mehr ausruhen von der übermäßigen Arbeitsbelastung der letzten vier Monate, aber natürlich auch Training. Das tat gut und es waren auch gute Läufe dabei. Eine Woche später stand auch schon der 3. VCM Winterlauf an. Die ruhigen Tage im Urlaub davor zeigten ihre Wirkung, auf einmal ging es gut. Ich war lange auf Schnitt 4:00 unterwegs, bis ich nach 15,5 plötzliche starkes Seitenstechen bekam. Nicht wirklich verwunderlich, die Einheiten, die mich an den Halbmarathon heranführen hätten sollen, fielen ja durch diverse Pannen mehr oder weniger aus. Nach dem Seitenstechen kamen noch Periodenbeschwerden, aber der Halbmarathon war in 1:26:05 doch ein Lichtblick. Die langen Läufe funktionierten auch einigermaßen. Einer fiel noch recht früh in der Saison nach Krankheit deutlich kürzer aus, einer wurde durch riesige Schneemengen eher zum Schneestapfen, aber ein paar weitere Läufe klappten. Nicht sensationell und ohne Großtaten, aber sie fanden immerhin statt. Das Highlight in der Vorbereitung war der Feuerwehrlauf Ende März. Nach 13km in lockerem tempo ging es auf die 15 km Strecke, die ich in 1:00:14 in persönlicher Bestleistung gewann. An dem Tag klappte für mich alles wie am Schnürchen. Obwohl der Waldboden nach Regelfällen sehr rutschig war und heftiger Wind wehte, konnte ich wie auf Schienen laufen. Dieser Lauf stimmte mich zuversichtlich für London. Auch zu Ostern am darauffolgenden Wochenende klappten sowohl schnelles wie auch langes Training gut, aber dann ging es bergab. Der Plan für den Linz Marathon am Sonntag nach Ostern war, die erste Hälfte des Halbmarathons im Marathontempo, die zweite im Marathontempo zu laufen. Das scheiterte zunächst schon daran, dass der Halbmarathon ausgebucht war und ich nur mehr einen Startplatz für den Viertelmarathon bekam. Aber das geplante Training würde sich ja auch im Rahmen des Viertelmarathons simulieren lassen. Also vor dem Viertelmarathonstart den „Marathon-Teil“ und am Viertelmarathon Halbmarathonpace. Das wurden dann 10,56 km in 4:12 und 10,5 km in 4:11. In Linz ging an dem Tag gefühlt „nichts“. Ich war einfach müde, schlapp, erledigt. Am Abend endlich in Wien zurück (am Nachmittag stand noch die Siegerehrung der Wiener Marathon Landesmeisterschaften an, die ich vornahm), fühlte ich mich, als wäre ich schon den Marathon gelaufen. Hatte ich mich schon in der Vorwoche immer wieder kränklich gefühlt (mal der Bauch, mal der Kopf) wurde es in der Folgewoche nicht besser. Am Freitag Nachmittag fühlte ich mich richtig schlecht und die Vorstellung, mit meiner Mutter am Sonntag Marathon zu laufen, bereitete mir große Kopfzerbrechen. Ich hatte ihr nämlich versprochen, sie wieder beim VCM zu begleiten – Marathon oder Halbmarathon, ihre Entscheidung. Ich wollte nicht diejenige sein, die dem Marathon im Weg stehen würde. Sie hatte auch für dieses Jahr besser trainieren können und die Bedingungen versprachen besser zu werden als 2025 (das dachte ich mir zumindest noch am Freitag). Aber gleichzeitig konnte ich mir absolut nicht vorstellen, am Sonntag um die oder über fünf Stunden unterwegs zu sein. Am Samstag erübrigte sich die Frage: Ich hatte leichtes Fieber und konnte mich am Vormittag erstmal nur von Bett zu Couch und umgekehrt bewegen. Mit einer Blitzheilung (was bei mir zum Glück sehr oft der Fall ist) wäre eine Halbmarathonbegleitung eventuell vorstellbar – aber Marathon, egal in welcher Pace, einfach nur unvernünftig. Das klärte ich mit meiner Mutter, wir legten uns also auf den Halbmarathon fest. Entweder sie allein – beim Halbmarathon würde das schon gut funktionieren – oder, sollte ich am Sonntag wieder fit sein, zusammen. Die Nacht war nach einigen unruhigen, herumgewälzten Nächten endlich wieder normal ruhig und so fühlte ich mich zumindest fit genug zu starten. Unterwegs zeigt sich: Es wäre kein Tag für Marathon gewesen. Es war sooo warm! Wir waren langsam unterwegs, aber es war schön. Ich wurde nicht wieder krank, aber müde war ich von dem Halbmarathon in 2:59:06 schon. Zum Vergleich: Unsere Marathonzeit im Vorjahr war 5:37:55 gewesen – ich werde nie mehr über das Wetter von 2025 jammern! Nach einer stressigen, kurzen Woche, in der ich mich aber zu Glück weiter erholte, ging es am Freitag nach London. Die Wetterprognose war gut: Wolkig, maximal 19°C, nur leichter Wind und zwar von Osten, was bei der Strecke von Greenwich zu The Mall günstig war. Ich war ohne Wehwehchen nach London gekommen, was schon ein Erfolg war. Aber müde! Ich schlief so viel wie schon lange nicht, trotzdem war mein lockerer Lauf am Samstag etwas matt. Vor Energie zu platzen schien ich nicht gerade. Organisatorisch klappte alles ohne jegliche Probleme. Anreise, Startnummernabholung, Messe durchspazieren. Am Sonntag gab es früh genug Frühstück. Die Fahrtverbindung nach Blackheath klappte, in fand einen Platz zum Entspannen, Trinken und Essen und auf WC konnte ich auch oft genug. Da schienen sie gegenüber 2024 aufgestockt zu haben. Nach dem Start begann es aber sehr bald, mühsam zu werden. Zwar war die Pace sehr gut, aber die ersten Kilometer ging es auch ständig – mal mehr, mal weniger – bergab. Nach dem langen Bergabstück war der erste kleine Anstieg schon sehr mühsam. Außerdem hatte ich großen Durst, obwohl ich vor dem Rennen viel getrunken hatte. Noch war ich wunderbar auf Kurs für eine gute Zeit, aber die zweite Hälfte hatte ich härter, nämlich wellig, in Erinnerung, und es wurde immer wärmer. Wolken gab es außerdem auch nicht wirklich oder vernachlässigbar. Also einfach weiter. Spaß machte es nicht, das muss ich zugeben. Aber ich hatte einige Ziele, zumindest ein D- oder E-Ziel wollte ich doch erreichen: Die Ziele waren: · < 2:52 – würde einen Startblock weiter vorne beim Valencia Halbmarahon bedeuten · Irgendwas um 2:55 herum · < 2:58:32 – Österreichischer Rekord W-50 · < 3:00 · Ca. 3:05 – was ich für ungefähr erforderlich schätze, um mich für die nächstjährige Abbott Majors Masters WM zu qualifizieren · Irgendwie ohne grobe Pannen finishen, und schneller als 2024 3:36:16 Beim Halbmarathon war ich in 1:26:07, davor gab es noch einen kleinen Crash auf der Tower Bridge. Ich setzte gerade an, einen Läufer links zu überholen, als der sich vor einem Fotografen in Pose war und die Arme ausbreitete. Sein linker Arm landete … in meinem Gesicht. Als ich seinen Arm wegstieß und ihn überholte, schimpfte er mir aufgebracht hinterher. Leute, die nur an ihre coolen Fotos denken und ihr Drumherum ignorieren, finde ich ähem -verzichtbar. Dort war es eng, es gab kaum Platz auszuweichen – was denkt der sich, sich urplötzlich so breit zu machen? Beim Halbmarathon war mir schon klar, dass die zweite Hälfte nicht auch in 1:26:07 klappen würde, aber den Rekord hielt ich noch für machbar. Ich müsste ja „nur mehr“ die zweite Hälfte in 1:30 laufen. Es wurde aber immer zäher. Ich trank viel, ich leerte mir viel Wasser über den Kopf, ich nahm mir oft zwei Wasserflaschen, ich nahm vier Gels. Wo es Schatten gab oder leicht bergab ging, wurde es besser, aber jedes Sonnenstück und jede Steigung waren einfach hart. Da begann ich zu rechnen: Für „alle weiteren Kilometer in 5:00, und trotzdem noch sub-3“ ging es sich nicht aus, aber „alle weiteren Kilometer in 4:30“ war drin und klang machbar. Diese Rechnungen waren aber ziemlich schwierig, mein Hirn funktionierte nur mehr eingeschränkt. Außerdem standen entweder einige Meilenschilder ziemlich falsch – oder ich halluzinierte schon. Eine Meile in 3:49, die nächste dafür aber in 9:57 klang nicht so realistisch. Es gab auch Kilometertafeln bei jedem Kilometer. Da im Participant Guide aber stand, die Kilometerschilder würden nur alle fünf Kilometer stehen, hatte ich mich schon im Vorfeld entschieden, den Meilentafeln zu folgen und blieb dann auch dabei. Irgendwann waren die Kringel und Schnörkel von Canary Wharf geschafft und es ging auf die lange mehr oder weniger Gerade in Richtung Ziel. The Highway, E Smitfield – mit Gegenverkehrsbereich derer, die gerade von der Tower Bridge kamen – dann weiter Tower Hill, Byward St., Lower Thames St. 37 Kilometer waren schon absolviert, aber die noch folgende Strecke erschien immer noch endlos weit. Ich erinnerte mich daran, wie gut mir der London Marathon vor zwei Jahren gefallen hatte. Verletzt und mit langen Gehstücken, aber doch viel besser als gedacht. Und vor allem in der zweiten Hälfte. Aber ich freute mich auf die tollen Fotos, die es hoffentlich geben würde. Die Pace war jetzt zwischen 4:21 und 4:30. Also noch im Bereich, der gut für 2.59:xx reichen würde, aber Einbruch dürfte es keinen mehr geben. Ich wollte schon nicht mehr – nur mehr gehen, oder noch besser, mich an den Streckenrand setzen. Endlich kam die Abzweigung bei Houses of Parliament und dann Birdcage Walk am St. James Park entlang. Dort war es endlich schattig und durch den Park kühl und gefühlt ging es auch leicht bergab. Nur mehr 900, nur 700 Meter oder so. Markierungen, wie weit es noch war, sah ich nicht mehr, obwohl es diese bestimmt gab. Ein Mal rechts in die Spur Road, der Kreisverkehr vor dem Buckingham Palace. Noch sah ich das Ziel aber nicht. Wie weit war das nochmal? Nur mehr 100 oder eher 400 Meter? Ein zweites Mal rechts aus dem Kreisverkehr hinaus – und da sah ich ihn, den Zielbogen auf The Mall. Er war nicht mehr weit. Nochmal die Zähne zusammenbeißen, nochmal mit den Armen mitarbeiten. 2:59:17 und ich war im Ziel. Schwach, schwindlig, taumelnd. Nicht ganz mein Wunschergebnis aber: Ein weiterer Majors Marathon unter drei Stunden geschafft. Eine harte Saison positiv abgeschlossen. Ich freute mich über mein Ergebnis, aber noch mehr freute ich mich, im Ziel zu sein.
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« Letzter Beitrag von Berichte am 26.04.2026, 22:08:39 »
Datum: 2026-04-26 Event: TCS London MarathonDistanz: 42,195 km Ersteller: cbendl
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« Letzter Beitrag von Diana11 am 26.04.2026, 19:53:24 »
Herzlichen Glückwunsch zur PB! Unter den Umständen das Beste herausgeholt, mehr kannst du von dir nicht verlangen. Du kannst zu Recht stolz auf dich sein. Danke für den ausführlichen und kurzweiligen Bericht, war eine Freude ihn zu lesen.
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« Letzter Beitrag von superzogi am 21.04.2026, 11:08:48 »
Herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit!
Und vielen Dank für deinen Bericht, den ich sehr genossen habe. Das Forum lebt davon, dass es noch ein paar Wenige gibt, die sich dafür Zeit nehmen.
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« Letzter Beitrag von Anna am 20.04.2026, 18:19:28 »
Gratuliere zur Bestzeit! Unter den gegebenen Umständen hast du das Beste rausgeholt und vor allem auch gekämpft. Die nächste Chance auf sub 3:30 kommt bestimmt.
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« Letzter Beitrag von dogrun am 20.04.2026, 14:59:25 »
Schöner Bericht!
Bestzeit gelaufen, was will man mehr. Es war einfach sehr warm, bzw. die Sonne ziemlich gnadenlos.
Gratuliere zur Bestzeit!
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« Letzter Beitrag von Barbara am 20.04.2026, 09:34:03 »
Danke für den sehr schön zu lesenden Bericht. Du kannst beides - laufen und schreiben - sehr gut.
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