Autor Thema: 2023-11-04 WRU Ganze G'schicht - Ulrich  (Gelesen 1230 mal)

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2023-11-04 WRU Ganze G'schicht - Ulrich
« am: 06.11.2023, 09:37:57 »
Datum: 2023-11-04
Event: WRU Ganze G'schicht
Distanz: 130,000 km

Ersteller: Ulrich

Offline Ulrich

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Optimal ist es heuer nicht gelaufen. Ein paar Highlights waren sicherlich im Laufjahr vorhanden, die Veitsch und auch das Sightseeing im Rahmen des Pragmarathons. Aber das wars dann schon. 2023 hatte andere Highlights die außerhalb des Laufens zu finden waren.

Auch die Vorbereitung auf den heurigen Rundumadum war eher .... mau

Ich wollte sie bewusst easy angehen, weniger KM´s als 2022, mehr Alternativtraining etc., aber im Endeffekt gelangen die Läufe nicht so wirklich gut. Dann auch noch eine Infektion Ende September, die mir 2 Longjogs stahl, ich versuchte zwar, mir das alles schön zu reden, aber einfach war´s nicht. Ein Restzweifel sollte bleiben.

Die Wetterprognose schien ja absurd, Freitag langandauernder Regen, Samstag Sonne, Sonntag Regen. Also eigentlich optimal. Auch beim Checkin am Freitag lief alles toll, wir gaben unsere Dropbags ab (ich hatte den Plan, mir bei jeder Labe ein wenig Essen zu hinterlegen, um möglichst wenig schleppen zu müssen, und dann noch bei 2 Laben Wechselkleidung) und plauderten mit unseren Freunden. Ja, der Lauf hatte über die Jahre Freundschaften entstehen lassen, auch ein Grund weswegen ich ihn so mag.

Klar, in der Nacht auf Samstag konnte ich zwar etwas ruhen, autogenes Training half durchaus, aber.. .von Schlaf war kaum die Rede. Kennt man ja, das ist nichts Besonderes. Dennoch war ich am Samstag in der Früh halbwegs ausgeruht und ganz guter Dinge.

5:30 Start gemeinsam mit Heidi, wir laufen gemeinsam bis zur Nase, plaudern mit 2 Kollegen, die, wie sich später rausstellen sollte, die Organisatoren des www.holytrail.org sein sollten. Nette Burschen

Ab dem Leopoldsdorf trennen sich dann unsere Wege, ich versuche mein eigenes Tempo und komme durchaus locker, ohne Selbstzweifel und Probleme weiter. Nix tut weh, es kann ein toller Tag werden. Auch als ich das Radio einschalte, schallt mit Opus „Nanananana Life is Life“ ins Ohr. Ja, hey, so mag ich das.
Kahlenberg, Hermannskogel, alles easy, beim GrüßdiaGott-Wirt dann laufe ich gemeinsam mit einem älteren Kollegen, der ohne GPS-Uhr unterwegs ist, sich aber auf die Telefonanrufe und auch das Streckenbuch verlässt. Ich versuche, ihm, ein wenig zu helfen, bis wir beim Hameau angekommen sind und runter laufen. Toll, mir geht’s heut wirklich gut, alles locker. Und bald kann ich meine Reserven auffüllen, bald gibt es Essen. Allee runter, vorn sie Labe, ich freu mich auf…. HÄÄÄÄÄ? Wo ist mein Sackerl? Wo ist mein Essen? Auch die Mädls an der Labe können mir nicht weiterhelfen. In der Plastikkiste sind grad nur 2 Flaschln, nicht aber mein Papiersack mit den Iso.Flaschl und all den drangeklebten Gels und Riegel? Was soll der Schei…. ??? ? Haut´s Ihr mir grad den Lauf zamm?
OK; die beidem Mädls werden nix dafür können und zu viel ärgern kostet auch nur Energie. Ich packe also ein Donut, eine Banane und fülle meine Flaschen auf.

Im Hinterkopf war da ja noch ein Herzensprojekt. Ich laufe heute für einen Freud, dessen Vater eine sehr kostenaufwendige Behandlung braucht. Einige Freunde haben sich bereit erklärt, meine Kilometer zu vergolden, indem sie Beiträge leisten. Also sollte ich doch weiter. Zumindest zur nächsten Labe. Alle 10 KM´s sind wertvoll.

Also ändere ich meine Taktik. Nix mit locker. Ab sofort regiert die Sparflamme, damit ich irgendwie noch zum Gütenbachtor, oder gar nach Liesing komme. Alles gehen, was nicht flach ist, dabei Essen, was ich in die Finger bekomme, als derzeit Banane und Donut. Der Gatsch bei der Marswiese ist nicht einmal so schlimm, ich stapfe mampfend und fluchend hinauf. Ach, eigentlich habe ich mit dem Lauf gerade abgeschlossen, ich will einfach nur noch zum Gütenbachtor, da gibt es dann doch was zum Essen. Eine Freundin, Emmi hilft mir mit Cola und einer halben Banane knapp nach Hütteldorf, wo ich mir auch ein Red Bull in einem Verkaufsstand in der Wartehalle leiste. Komisch, das alles hilft aber nicht.

Den Dreihufeisenberg schaffe ich mit Ach und Weh, ein falscher Schritt sorgt für eine leichte Zerrung in der Kniekehle, aber, das geht vorbei. Selbst auf den Flachstücken zwischen den Anstiegen kann ich kaum laufen, oder will ich nicht? Meine heißgeliebte Schotterstraße, ok, hier komme ich in den Laufschritt, aber alles ist nur ein Abklatsch dessen, was ich kenne. Wut? Traurigkeit? Ach egal, ich hab einmal den Spruch gelesen, „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende“ Also dann… muss Heidi halt 2024 noch einmal ran und ihren 10 Rundumadum in Folge finishen. Denn so höre ich nicht auf.
Ich hoffe ja, dass sie sich nicht beeinflussen lässt und ebenfalls aussteigt. Ich überlege ja ganz kurz, ob ich mit ihr laufen soll, ob wir wie schon 2018 und 22 gemeinsam…? Nein, denn jedes Mal haben wir uns dann gegenseitig gebremst und haben nachher drüber gelacht. OK nicht immer nur gelacht…. Weswegen wir uns  auch letztes Jahr vereinbart haben, dass wir nicht mehr gemeinsam laufen. Unsere Ehe, unsere Beziehung ist wichtiger, als der letzte Versuch, noch einen Lauf gerade zu biegen, der schon verloren ist.
Ich rufe bei der Hotline an, gebe meinen Abbruch bekannt, Bernhard habe ich bereits informiert, auch Ahmad muss ich erklären, dass ich ihn bei KM 100 nicht treffen werde. Dagmar ist seit längerem vom Verlauf informiert auch die wäre in weiterer Folge wieder ein Fixpunkt gewesen... nun so kann sie sich auf Heidi konzentieren.


Ich gehe durch den Pappelteichpark, schleppe mich runter nach Kalksburg, dort dann einfach weiter zum Traildog. Bei einer Suppe will ich auf Heidi warten und sie noch anfeuern, ich warte etwas und gehe ihr dann noch entgegen. Sie schaut einfach sehr locker und stark aus, Bravo!

Bei Liesing steige ich dann in die S3 ein.

Ich fühle mich zwar wie ein geprügelter Hund (wenngleich mit Vergleichswerte fehlen) aber… nein, kein ABER… ist so.

3. Halbzeit:

Als ich dann in der Nacht noch in den Zielbereich komme, um Heidi entgegen zu kommen und sie im Ziel zu feiern erlebe ich eine Überraschung. Mein Dropbag liegt vor Frechheit grinsend (zumindest empfinde ich es so) seelenruhig in der schwarzen Kiste? Spinn ich??? Was soll denn das? Ein Gespräch mit der Organisation ergibt, dass ich wahrscheinlich schlicht einen Fehler gemacht habe. Echt jetzt? Das lässt meine Laune ja noch bis 2 Grad Kelvin sinken. Bin ich echt so ein Trottel?

Ein wenig später plaudere ich mit einem Kollegen… auch sein (und wie ich später erfahre auch jener seiner Frau) Dropbag war erst wieder im Ziel aufgetaucht. Also…. Doch keine Einbildung. Einfach nur ein Schaaas.

Als Heidi dann in der Bisamberggegend auftaucht macht sie es spannend. Scheinbar ist sie noch gut unterwegs und schluckt nach und nach so gut wie jede/n die/er ihren Weg kreuzt. Beim Legendstracking ist es gut zu beobachten, wie sie aufschließt und scheinbar keine Gnade walten lässt. Auch Florian, der gute Geist der Zielankunftshalle bewundert und kommentiert ihr Finish.
Als sie dann schon im Startgelände ist, komme ich ihr entgegen. Heuer ist es einfach nur Ihr Lauf, das 9. Mal in Folge. Bravo Ehefrau!Danke auch Euch, die Ihr helft, selbst bei meinem Abbruch ein wenig Geld für die gute Sache zu sammeln! DANKE
Weil 42 die Antwort ist und 130 der Sinn

Offline Pizzipeter

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Antw:2023-11-04 WRU Ganze G'schicht - Ulrich
« Antwort #2 am: 06.11.2023, 16:59:50 »
Danke für deinen ehrlichen Bericht 😊👍


Schade, dass das Malheur mit dem Dropbag passiert ist.
Die Unterstützung ist dir auf jeden Fall gewiss 👌😊
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Offline Ulrich

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Antw:2023-11-04 WRU Ganze G'schicht - Ulrich
« Antwort #3 am: 06.11.2023, 17:43:09 »
...
Die Unterstützung ist dir auf jeden Fall gewiss 👌😊
Und wenn der Lauf nur dafür gut war, ist der Tag ein Erfolg!
Weil 42 die Antwort ist und 130 der Sinn

Offline Naturhexerl

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Antw:2023-11-04 WRU Ganze G'schicht - Ulrich
« Antwort #4 am: 06.11.2023, 18:49:03 »
Danke für's Teilhaben lassen auch wenn es heuer nicht so ein Genuss für dich war.
Herzliche Gratulation an Heidi! Was für eine Leistung  :welle2:
"Du gewinnst an Stärke, Mut und Selbstvertrauen durch jede Erfahrung bei der du der Gefahr wirklich ins Gesicht siehst. Du musst das tun, wovon du denkst, dass du es nicht tun kannst." - Eleanor Roosevelt

 

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