Autor Thema: 2005-09-25 berlin marathon - Fredmann  (Gelesen 414 mal)

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2005-09-25 berlin marathon - Fredmann
« am: 25.09.2005, 00:00:00 »
Datum: 2005-09-25
Event: berlin marathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: Fredmann

Offline Fredmann

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2005-09-25 berlin marathon - Fredmann
« Antwort #1 am: 25.09.2005, 00:00:00 »
3:58  in   Berlin   2oo5


BERLIN  2oo5

[color="#ff0000"]Präambel[/color]
 
Dieser Bericht ist zu 70% nach der alten Rechtschreibung und zu 28% nach der neuen Rechtschreibung verfaßt.
 
„Am Anfang stand das Wort, und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt !“ habe ich mal in einem ehemaligen Bestseller gelesen.
Nun ja, das Wort dieses Berichtes ist schlicht und einfach : „Eigentlich !“
 
[color="#ff0000"]"Eigentlich"[/color]
 
Eigentlich wollte ich ja bei meiner Anmeldung zum Berlin-Marathon (  im nachfolgendem Text kurz „BM“ genannt )  ja nur eine Städtereise machen, gemütlich, sonst nix.
 
Eigentlich habe ich mir ursprünglich vorgenommen, beim BM  langsame Läufer, damit meinte ich so 4:30h bis 5:00h-Läufer, zu begleiten und in aller Gemütlichkeit ( ja, ja, Wortwiederholung )  die Stadt, die Strecke und vor allem: die Stimmung genießen, voll inhalieren, mich vom Rausch der Menschenmassen tragen lassen.
 
Eigentlich hätte ich ja für dieses Kalenderjahr schon beim Wien-Marathon vorgehabt, mein realistisches Lebensziel als Läufer : „Den Dreier in der persönlichen Marathonbestzeit vorne stehen zu haben “ zu erreichen und im Herbst in  Berlin nur mehr „durch-zu-joggen“.
 
Eigentlich habe ich schon beim Wien-Marathon meinem diesjährigen Betreuer & Begleiter Peter meine Startnummer für Berlin schon geschenkt, quasi als Dankeschön für Trainingsbetreuung und Rennbegleitung .
   
Eigentlich habe ich daher mangels Startnummer gar keinen Start mehr in Berlin vorgehabt. Wenn überhaupt, dann halt ohne Startnummer als Streckenabschnitts-Partner für den einen oder anderen Gurkerl-Läufer.
 
Eigentlich war immer klar, auch mir klar, dass ich im Ausland, in einer „fremden“ Stadt nicht auf die Idee kommen würde, wie in Wien 2oo4 und 2oo5 in die Untiefen meiner physischen und psychischen Belastbarkeit hinabzusteigen und einen jenseits jeder Vernunft liegenden Grenzgang an Ausbelastung zu riskieren, nicht wie ein Linkswalzertänzer auf dem schmalen Grat des Überlebens dahinzulaufen.
 
Eigentlich hätte ich....
Nun ja : Erstens kommt es anders, zweitens als man(n)(fred) denkt !
 
 
[color="#ff0000"]"Es war einmal..."[/color]
Alle meine  Gute-Nacht-Geschichten an meine Nachkommen ( ist schon etwas länger her das sie mir zugehört haben ) begannen mit einem „Es war einmal...“ .  Die Story zur Berlin-Reise beginnt schon Mitte Juni als mir Peter (HoPe) etwas zerknirscht und mit nicht sehr professionell nachgestelltem Dackelblick vorsichtig andeutete, dass er aus beruflichen Gründen höchstwahrscheinlich mein Geschenk, die Berlin-Startnummer, nicht annehmen wird können.  „Zu 90% nein!“, meinte er.  
Das war der Augenblick wo ich nach etlichen Wochen offizieller  Regeneration nach dem VCM, sprich absolutem nichts-tun, wieder ans laufen dachte, ...denken mußte.
 
[color="#ff0000"]"Einen hab`ich noch ! "[/color]
Als dann Ende Juni die fixe und hochoffizielle  „Rückgabe“ meiner Schenkung erfolgte war es klar:  „es ist soweit, einen hab‘ ich noch!“
Nach zwei Fehlversuchen habe ich doch noch in eine allerletzte Chance kann vielleicht  bei meinem sechsten und nun aller-aller-allerletzten Marathon meine persönliche Schallmauer von 4 Std. durchbrechen.
Wenige der Leser dieser Zeilen wird es überraschen, dass ich schon 20min nach Peter’s Absage ( nochmals ein Dankeschön )  ich schon meinen fixfertigen Trainingsplan umdatiert und ausgedruckt haben, ...und nach weiteren 10min ich auch schon die Termine für Laktat-Stufen- und Feldtest in der Südstadt vereinbart habe.
 
„Auf los geht’s los !“ , das Abenteuer Berlin-2oo5 konnte beginnen !
 
Betreffend Training zwischen VCM und BM bedarf es hier keiner gesonderten Ausführung, alles wie immer, bis auf den allerletzten Trainingslauf am Mittwoch vor dem Marathon-Sonntag.
 
Warum dieser so besonders gewesen sein soll ?
Nun ja, bei meinen ersten fünf Marathonstarts, wobei der erste aber mangels Vorvergleich  in Wirklichkeit ja nicht zählt, war der letzte Lauf, deeeer Mittwoch-Lauf eben immer ein kleiner Schritt zur Verunsicherung. Mal paßte das Feeling nicht, mal nicht der Puls zum Tempo, ein andermal konnte ich überhaupt kein konstantes Tempo halten, usw.
 
Diesmal aber war alles ganz anders !
Diesmal konnten wir, Manuela und ich ein perfektes Abschlußtraining verbuchen, exaktes Tempo mit max. +/- 2sec Abweichung,  perfekter Puls dazu, und, das kann ich zumindest für mich hier festschreiben, ich war affengeil auf den Marathon und 100% sicher: „Diesmal kann ich es schaffen ! “
 
[color="#ff0000"]Anreise[/color]
Der Vorteil eines Starts im Ausland ist, dass man(fred) schon ab dem Augenblick des einpackens und „aus~dem~haus~gehen“ schon in Wettkampflaune ist und nicht mehr darauf achten muß, ob man nicht im allerletzten Augenblick von irgendeinen Angehöriger oder über-nahen Verwandten mit einem Schnupfen oder sonst was anstecken wird.. Oder gar in den eh schon übernervösen letzten 24 Std. vor dem Start mit irgendwas unangenehmen Privatem genervt wird, gleich so, als ob das die restlichen 363 Tage im Jahr nicht möglich gewesen wäre.
Nun ja, all diese Dinge habe ich hinter mir gelassen und mich dem Vor-Feeling vor dem Marathon schon ab der Fahrt zum Flughafen voll und ganz, und ganz ohne wenn und aber hingegeben.
Und so war es auch.  Ab dem Treffpunkt auf dem Flughafen mit dem „Rest“ der Samstag-Anreisenden war ich auch schon fast mitten im Marathon.
Uns alle hat eine so positive Vorfreude ergriffen, dass ich unwillkürlich immer wieder an die  so fröhlichen Gesichter meiner Kinder denken mußte als sie früher ( ja, ja : viel früher ) mit einer ungestümen Begeisterung auf die Abfahrt des Zuges zum Jungschar-Ferienlager  gewartet haben.  Mit einem Eltern-Wort : „positiv überdreht !“
 
[color="#ff0000"]Unterkunft  [/color]
Die nächste angenehme Überraschung:  Brigitte-Olga’s Stammunterkunft, Hotel Kurfürst.
Jö schau, Einzelzimmer riesig groß, weil  eh ein Double, und noch dazu gleich von Frühstücksraum um’s Eck .  Klasse !  
Fenster nach hinten in großem Innenhof, damit war auch meine Unterbringungs-Sorge vom Tisch und ich konnte getrost meine diesbezüglichen Erinnerungen ( ur-eng, ur-laut, konnte nicht schlafen )  an den Berlin-Marathon vor drei Jahren von meiner Bio-Festplatte löschen.
 
[color="#ff0000"]"Wir sind ein Team !"  [/color]
War schon beeindruckend unser Aus- und Aufmarsch im „modischen Schwarz“ (  © by ... ) am Samstag-Nachmittag zur Startnummernabholung.
Durfte mich als (Noch-) Gurkerl in die Reihen richtiger Läufer mischen! Mensch war ich stolz auch mitkommen zu dürfen !  

Unser „Auftritt“ beim VCM-Messestand war schon ungewöhnlich, dies aber im positivem Sinne gemeint.  Wie sonst käme ein Fremder auf die Idee, uns zu fotografieren ?   ...na ja, Japaner halt.
Dieser Augenblick war nur einer von vielen wo ich mich in unserer Runde so richtig wohl gefühlt habe. So sehr wir auch eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft sind, über die
Ausdauersport-Interessen hinaus haben sich doch schon viele Freundschaften entwickelt, manche loser, manche intensiver ( einige ganz intensiv ) , aber alle scheinbar vorbehaltlos gemeinschaftlich positiv ausgerichtet.

 
[color="#ff0000"]Die letzte Nacht  [/color]
Wie schon das letzte Lauftrainung am Mittwoch super war, hab‘  ich auch in der Nacht auf Sonntag bestens geschlafen.  Noch beim Frühstück sitzend habe ich mich selbst über mich gewundert dass ich im Gegensatz zur früheren Starts so aussergewöhnlich gut schlafen konnte und damit perfekt ausgeruht mich gefühlt habe, ...UND:  ich überhaupt nicht , ....noch immer nicht nervös war.

 
[color="#ff0000"]Startorganisation  [/color]
Im Gegensatz zur alten Berlin-Strecke mit alter Startzone war ich regelrecht fasziniert von der scheinbar perfekten und weitläufigen Anordnung des Start-/Zielgebietes.  
Nachdem wir für meinem Geschmack viel zu früh im Startgebiet eingetroffen sind, ich persönlich bin immer etwas „knapper“ dran, wollte aber auf keinen  Fall auf die Gruppendynamik der gemeinsamen Anreise zum Start verzichten,  habe ich mir doch tatsächlich die Zeit vertreiben mit ..., man soll es kaum glauben, mit anstellen bei den WC-Dosen.  Ich hatte schlicht und einfach nichts besseres zu tun.
 
[color="#ff0000"]Fehlstart  [/color]
Mich bei Manuela bei den Containern  mit den Worten „Wir treffen uns beim Eingang zum Startsektor „F“  zu verabschieden war an diesem Tag die absolut einzige Fehleinschätzung .
Je zwei „F“-Eingänge auf jeder Seite, somit 4 Eingänge insgesamt, mit demzufolge 25%  Manuela-Treffergenauigkeit  haben mich die letzten 20min vor dem Start sicherlich 2km im Kreis gehen lassen.  Nun ja, auch eine Form von warm-up.
Dass ich dann doch noch wenigen Minuten vor’m Start des ersten Blockes auf Manu und Markus gestoßen bin habe ich ehrlicherweise schon gar nicht mehr erwartet, war aber daher um so erfreulicher.
 
[color="#ff0000"]Start  [/color]
Nachdem ich auf die Startverzögerung für den 2.Block als gar nicht unangenehm empfunden haben und während der Wartezeit zwecks Ablenkung mich in einem Tag-Traum versenkt habe:  „...wie schauen bloß die 1000enden  weißen Luftballon wohl im Fernsehen aus einer Hubi-Perspektive aus, ...schaut meine Familie ARD ? , etc. ...“  habe ich vorsorgend meine Geheimsprücherl des Tages stumm vor mir hergesagt :  „ Der erste ist, und der letzte soll mein schönster Marathon sein !! “
Wie schon bei meinem ersten Berlin-Start war ich auch diesmal wieder davon fasziniert, dass der Start von vierzigtausend Läufern so problemlos und nahezu lautlos über die Bühne geht.
 
[color="#ff0000"]km 0-5  [/color]
Unmittelbar nach dem Start hat die Manu mit (un?)-typisch weiblichen Weit- und Überblick sofort geg‘nissen, dass auf den linken Fahrspuren viel mehr Platz zum Laufen ist.
Dadurch haben wir sofort in unserern „bis zur Vergasung“  eintrainierten  Schritt gefunden und sind die beiden ersten km  auf der Startgeraden fast exakt 5:40 gelaufen.

Aber schon kurz nach der Siegessäule ist mir plötzlich klar geworden, dass spätestens nach der ersten Kurve, also ab km 2,2 „Schluß mit lustig“ sein wird und die Fahrbahnbreite zum Laufen von 2x4 auf max. 2x2, wenn nicht auf 2x1 schrumpfen wird.
„No bravo!“ , so war es auch !
Ab der ersten Kurve war unser Startblock so dicht, sind wir so eng Läufer an Läufer gepickt, dass wir ununterbrochen Seitwärtsschritte einbauen mußten um nicht immer wieder einem Anderen auf die Fuße zu steigen.
Ab sofort waren wir Gegner !
Das schlimmste aber war, dass plötzlich das Tempo spürbar niedriger war. Nur Manu’s Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass wir auf km-3 letztendlich doch nur 6 sec. auf 5:46 verloren haben, ...und sie hat nicht immer „T‘schuldigung!“ gesagt als Sie sich Läufer um Läufer vorgekämpft hat.
Nur Ihrer „west-wiener“ Verbissenheit beim Überholen verdanken wir es, dass wir km 1-5 letztendlich doch noch in 0:28:18  geschafft haben wodurch wir in unserem laufend mitgeführtem Zeit-Sparbuch ein Plus von -2sec. auf Soll=0:28:20 eingetragen haben.
Ja, ja, man wird bescheiden.
 
[color="#ff0000"]km 5-10  [/color]
Wie schon ab km-2,2 habe ich in diesen 5er-Block  defakto absolut nichts von Berlin gesehen. Ich hatte genug Stress damit, in den dichten Massen hinter Manu wie eine Art Scheibenwischer hinterherzulaufen. Wie ein „Heckscheibenwischer“ bin ich immer links-rechts gelaufen, denn oft nachdem Manu sich durch eine teilweise mit Körpereinsatz geschaffen Lücke von Läufern durchgekämpft hat,  hat sich diese auch sofort wieder geschlossen.
Ich mußte  immer wieder „Umleitungen“ laufen um nicht Manu und Markus zu verlieren. Markus aber war noch ärmer dran.  Als „Nur-Begleitläufer“ ist er desöfteren noch größere Umwege gelaufen, zusätzlich zu den Zwischensprints um Manu ( und mich ? ) zu fotografieren.
Unser Zeitguthaben von -26sec. ( 0:27:54 ) geht voll auf das Konto von Manu’s Körpereinsatz, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz besonders bei den noch beidseitig angeordneten Versorgungsstationen beim km-6 und km-10.  Die auf diesen Abschnitten verlorenen Sekunden haben wir aber immer wieder eingebracht
Dass ich betreffend  Versorgung mit meinem Trinkgurt absolut unabhängig war, war die beste Entscheidung in meiner Vorbereitung. So konnte ich in Straßenmitte zwischen den Versorgungstischen doch so halbwegs gut durchlaufen.
Nicht so besonders gut ist es meinem Puls gegangen.  Dass zwischen Training und Wettkampf ein großer Unterschied ist weiß ja eh jeder, und auch ich habe es in meinen bisherigen Marathons gelernt.
Das der Puls mit Fortdauer der Laufes ansteigt erklärt sich ja auch mit irgendwie engerwerdenden Herzgefäßen, oder so ähnlich.
Aber daß ich im Training die 5:40er-Reisegeschwindigkeit immer mit Puls 147 bis 152 laufen kann, nun aber ab km-3 auf 161 laufe, ab km-6 auf 165 und seit km-9 um Puls 170 herumpendle, ...das sorgte mich doch schon ein klein wenig.
 
( Zur Erklärung:   Meine beiden Internisten, Sport- und Pensionisteninternist, haben mich aufgrund meines Vorlebens mit 30kg Übergewicht und 40 Zig./Tag samt Stress sowie zugehörigem Bluthochdruck  auf  Puls-170 „gedeckelt“ .   „Max. soviel und nicht weiter !“ haben beide unabhängig voneinander bei einer Ausbelastung bis Blutdruck 260/160 festgestellt. )
 
Mein Halbmarathon-Puls lag bisher zwischen 163 und 170.  Als wir dann den km-9  in 5:24 viel zu schnell unterwegs waren habe ich kurz angedacht, dass ich mich von M & M ,  Manuela und Markus doch verabschieden werden müsse um nicht zu sauer zu werden.
Aber während ich noch grüble, soll ich langsamer werden? , soll ich nicht? , muß ich? , kann ich doch? ...usw. kommt schon die nächste Versorgungsstation und da war mir klar:  Ich muß das Tempo von M & M mitgehen denn es kommen immer wieder Behinderungen und Engstellen, wo man gleich mal schnell 15-20 sec. verliert.
Und wer weis, vielleicht geht es auch mal bergauf !?
Also, bleibe ich dran.
 
[color="#ff0000"]km 10-15  [/color]
Unsere Reisegeschwindigkeit war mit 5:36, 5:37, 5:32, 5:33 ziemlich konstant und nur der Versorgungsposten bei km-15 hat uns unwesentlich gebremst.
0:27:57 , wieder 23sec auf unser Zeit-Sparbuch eingezahlt: Schritt für Schritt, nur nicht zu gierig werden und zu schnell laufen.
Na ja, wirklich viel schneller wäre bei den Massen eh kaum gegangen.  Möglicherweise waren auch deshalb so überaus viele Leute vor uns, weil ca. 50m vor uns einer der beiden Sub-4:00-Luftballone getrabt sind und sich unmittelbar hinter diesem extra viele Läufer eingereiht haben dürften.
Mein Verhältnis zu Manuela hat sich in diesem Streckenabschnitt aber  “leicht angespannt “ , im Klartext:: sie war nach meinem zweiten ( Manu behauptet noch immer: dritten ) mal auf die Ferse stiegen doch schon sehr stinke-sauer auf mich.  Zurückhaltung hin, *Autsch!* her, ich hab dann doch etwas mehr Abstand zu Ihr gehalten.  Ihr Gesichtsausdruck signalisierte unmißverständlich: „grr, wehe dir, wenn... !“
 
[color="#ff0000"]km 15-20  [/color]
Nach den engen Kurven auf dem Hermannplatz, wo ich mich für die falsche Seite zum herumlaufen um die Baustellenabsperrung entschlossen habe und damit gut 25m unnütz durch die Gegend gelaufen bin ( was ja nicht so schlimm wäre hätte ich nicht eine  Zwischenspint gebraucht um Manu & Markus wieder einzuholen ) ist auf der langen Gerade in Kreuzberg am km-16 endlich das Läuferfeld aufgelockerter geworden.
 
Kopf hoch !   Den optimalen Schritt abrollen, den Lauf genießen.  
uuaaaaaaaahhhh !
cool !
klasse !
super !
Es ist soweit !  Zum ersten Mal in diesem Lauf sehe ich Berlin !  Ups, da sind ja auch Zuschauer da !?  „Was es nicht alles gibt, ...hier in Berlin !“ sage ich zu mir selber. Und wie bestellt „hebe ich ab“.  Ich trabe urgemütlich vor mich hin, synchronisiere Atmung und Schritt perfekt, kann „es“ rollen lassen.  
Ja !
Heute !
Es geht, ...nein, es läuft !
Alles perfekt !
 
Und ich fühle mich pudelwohl !   Auch Manuela und Martin, mit denen ich jetzt auf gleicher Höhe mit mir laufen kann, rollen scheinbar mühelos und nach der Hektik des Verkehrs nun auch  wie im Training einstudiert ökonomisch dahin, die Drängelei-km sind (vorläufig) vorbei.
Dazu paßt auch unser schnellster 5km-Block von 0:27:50, damit, ...ja ja, Insider wissen es schon: 30sec. auf das Zeitsparbuch!
 
[color="#ff0000"]Warum kann das sein ?  [/color]
Mir ging es sogar so gut, dass ich auch schon mal wieder klar und entspannt denken konnte, ...und auch rechnen konnte.  
Ein Beispiel gefällig ?
Wir sind ab km-2 bis km-15 ununterbrochen durch langsamere Läufergruppen durchgelaufen, haben daher 13km und 70min lang nur überholt.
Da wir mindestens alle 5sec eine Läuferreihe von sag‘ ma‘ mal 10Läufer nebeneinander überholt haben, haben wir in jeder  Minute 120 Läufer hinter uns gelassen, ...das erscheint mir auch subjektiv keinesfalls übertreiben.
Somit haben wir bis km-13 rund 8400 Läufer überholt, auch das erscheint mir subjektiv richtig.
Jetzt frag ich mich:
Wie kann es sein, dass sich in Berlin 2oo5 mindestens 8400 wie A........er benehmen und sich viel zu weit vorne anmelden und/oder einreihen??
Nebenbei :  Der absolut einzige, ich betone ausdrücklich: einzige negative Beigeschmack in Berlin !
 
[color="#ff0000"]km 20-25  [/color]
Ab km-20 war ich schon echt neugierig auf „meine/unsere“ Streckenposten.  Würden sie sich die Mühe gemacht haben und den 80cm-Luftballon tatsächlich ganz aufgeblasen und damit durch die Stadt gewandert sein ?   Funktioniert meine Teleskop-Stangen-Konstruktion ?  Obwohl der vereinbarte Treffpunkt erst nach der Kurve bei ca. km-20,8 sein sollte studiere ich im vorbeilaufen nahezu jeden Zuschauer auf der rechten Seite.  Es könnte ja sein..... !?
Als Vorbereitung habe ich dem Markus schon mein Notfall-Paket ( Packung Taschentücher mit 10-Euro-Schein ) aus meinem ersten Trinkgurt zum vorläufigen tragen in die Hand gedrückt ( schon klasse so ein Betreuer ! ) und den Gurt zum wechseln abgeschnallt. Damit war ich auf run-by für meinen Boxenstop, ...nein, Boxen-Vorbeilauf.
Den Luftballon, groß, rosa, 80cm-DM, ...den habe ich erst so rund 20m vorher gesehen. Ich habe mit allem berechnet, aber dass der Ballon in rund 5m ( Rudi+Teleskop+Luftballon-stehend , nicht hängend)  über der Fahrbahn schwebt,  doch nicht.  
In jedem Falle nicht gesehen haben mich meine Streckenposten. Mit einem fast gebrülltem  „wo ist mein Sackerl ?? “  habe ich den leeren Trinkgurt Rudi, Regine & Co vor die Füße geschmissen und ehe sie aus Ihrer Lethargie ( Zuschauer glotzt in eine bewegte Masse von tausenden Läufern )  erwacht sind war ich mit meinem vollen, 2. , vom Peter geliehenen Laufgurt auch schon wieder dahin.  
Ohne Zeitverlust, km-21 in 5:37, wodurch wir einen perfekten ersten HM in 1:58:10 geschafft haben. Perfekt lt. Run-book, nicht zu schnell, denn ein echtes Guthaben für die 2.Hälfte kann man sich eh nicht erlaufen, aber mit 1min+50sec doch ein beruhigendes Zeitpölsterchen. Marathon’is wissen ja, gegen Ende kann’s ja noch sehr „zach“ werden, da tun einige Sekunden im Reservefach schon gut.
Normalerweise habe ich unmittelbar nach der HM-Marke bis km-30 mehrere Motivationsdefizite. In Wien gehen mir immer diese km ab Fernwärme auf den S.... , keine Ahnung warum.  
Nun, in Berlin, in der Weisheit des erfahrenen Marathoni habe ich vorgebaut.
Mein Standartsprücherl „Der erste ist, und der letzte soll mein schönster Marathon sein !! “ habe ich immer wieder rosenkranzartig vor mir hergesagt. Zwischendurch immer wieder aufgelockert mit „Ich freu mich schon irre auch km-30, denn dann sind’s nur mehr 12km ins Ziel;   ...auf km-31, dann sind’s nur mehr 11-km ins Ziel,  ...usw. !“
Kaum zu glauben, das hat gewirkt !
Ich habe mich doch tatsächlich auf die km ab km-30 gefreut !  
Man stelle sich das vor !?
 
[color="#ff0000"]km 25-30  [/color]
Es tut sich was !
Nicht betreffend Tempo, 5:37-5:36-5:35-5:38 sind wir konstant unterwegs,  mit 0:28:12 immer noch unter der Soll-Linie von 0:28:20.
Auch nicht bezüglich Wetter, immer wieder sind Wolken am Himmel so dass ich mir auch von den Temperaturen kein Sorgen mache.
Nach dem Verpflegungsposten bei km-26  ist Markus nicht mehr aufgetaucht !  Erst am Abend erfahren wir, dass er trotz Marathon-PB von , ich glaube irgendwas mit 3h:20 bis 3h:30 war’s, unser Tempo nicht halten konnte und auch wegen zu wenig Trainings-km aufgeben mußte.
Schade !  Von nun an waren wir „nur“ mehr zu zweit.
Und auch das sollte sich bald ändern. Denn, nachdem die Manuela schon in etwas ab der HM-Marke etwas verkrampft „drein“gschaut“ hat und mir etwas unwirsch &  unmißverständlich einen Schwiegemarsch, ich korr.: Schweige-Run verordnet hat, ist sie so nach und nach damit rausgerückt, dass sie sich in der Magengegend nicht ganz wohl fühlt.
Mein Angebot zu Ablenkung, dass sie ja nichts reden braucht und schon gar nicht antworten soll ( der Traum eines jeden Mannes )  wenn ich quassle, hat sie mit einem „Ruhe!“ quittiert.  
Mit verbissenem Blick ( ja ja, dieeee Frau weiß was sie will ! )  und den Worten : „Scheiße, ich hab‘ nix mehr im Gurt !“ ist sie ohne eine Reaktion von mir abzuwarten  beim EP-km-28 zu den Versorgungstischen gelaufen, während ich auf der nun freien Straßenseite ziemlich ungehindert durch- & weitergelaufen bin.
Ich selbst war ja dank dem Wechsel-Trinkgurt und damit 2x5 Fläschchen unabhängig von den Versorgungseinheiten der Spezies der gemeinen Läufer.
 
[color="#ff0000"]km 30-35  [/color]
Sehr gut erinnern kann ich mich noch an den Augenblick, als kurz nach km-32 auf meiner Uhr schon drei Stunden Laufzeit angezeigt wurden,  ...da war er, er, der Dreier !
Ich träumte ein wenig. Die Spitzenläufer, die Schwarzen, sind schon geduscht und massiert, unsere schnellen in der Truppe müßten auch gleich im Ziel sein.  Dann korrigiere ich mich: Nein, die sind schon im Ziel, wenn Sie sind ja viel früher gestartet. Und ich ?  Ich hab‘ auf nur mehr eine knappe Stunde. Pfff !  Noch eine fast ganze Stunde !?  Werden wir den 3er schaffen ?
Upss, von wegen:  „WIR“
Wo bleibt sie blos ?
So ein Mist !  Ich war mir ganz sicher, dass mich Manu bald wieder einholen würde. Nach 5:36 und 5:33 für km-29 und km-30 bin ich noch nicht so nervös geworden.
Wo bleibt Sie ?
Doch schlimmere Magenkrämpfe ?
Immer wieder hab‘ ich mich während  umgedreht, was auch die Erklärung sein dürfte, dass ich unbewußt langsamer geworden bin und die km-31 bis 33 „nur“ mehr in 5:41, 5:40, 5:39 gelaufen bin.
Ja, eh perfektes Tempo bei Soll-5:40, aber doch spürbar langsamer als die ersten 30km.
Ich habe mir echt sorgen gemacht.
Hätte ich zu den Versorgungstischen mitlaufen sollen ?
Obwohl wir uns in Wien via PN’s und auch beim gemeinsamen Abschluß-Mittwochlauf zig-mal gegenseitig versichert haben, dass jeder von uns sein Tempo laufen muß und egal was passiert auf keinen Fall auf den anderen Rücksicht nimmt habe ich dennoch begonnen mir Vorwürfe zu machen.
Ich habe mich in diesem Augenblick gar nicht wohl in meiner Haut gefühlt.  Der Manu wegen, und auch bei mir ist der Puls ab km-23 auf 172 bis 175 gestiegen, ...oh je, ob daaaaas gut geht. ?
   
Ja !
Die Sonne geht auf !
Bildlich gesprochen, weil irgendwo zwischen km-33 und km-34 war Manu plötzlich wieder neben mir !
Mit einem sicherlich die ganze Allee erschütterndem Knall ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.
Sie lebt !
Und wie Sie lebt !  
Ich hatte echt Mühe Ihr nun zu folgen !
   
Interessanterweise verhalten sich hier die  subjektiven Eindrücke indirekt proportional zu den Zeiten auf der Uhr. Bei km-34 und 35  dürfte ich mich wohl etwas zu sehr entspannt haben:  Mit 5:49 und 5:50 waren wir deutlich unterm Soll-Tempo.
Mit den Worten: „Das darf uns nicht mehr öfter passieren, sonst geht sich’s mit Sub-4:00 nicht aus!“ wollte Manu mich noch einmal motivieren.
Aber, irgendwie, der Puls schon auf 176, war bei mir eine km-Zeit unter 5:40 nicht mehr drinnen.
Im Gegensatz zu den beiden Wien-Sub-4:oo-Versuchen habe ich mich in den Füßen aber absolut nicht schlecht gefühlt, war überhaupt nicht müde.  Scheinbar hat mich nur der zu hohe Puls etwas gedämpft.
   
[color="#ff0000"]km 35-40  [/color]
Im Kopf war ich wie gelähmt, denn ich habe auch die Orientierung verloren. Schon bei km-34 habe ich in meinem Delirium den Luftballon vom zweiten Streckenposten-Punkt gesucht !?
Man stelle sich das vor, ich habe doch tatsächlich vergessen, das der 2.STPP nicht bei km-34, sondern erst bei km-36 ist ! Keine Spur mehr von klar denken, ein echter Grenzgang eben !
Nachdem auch bei km-35 noch immer nicht der rosa Ballon zu sehen war habe ich die beiden leeren Trinkfläschchen , die ich schon fast zwei km in der Hand zwecks Rückgabe beim STP gehalten haben einfach an den Straßenrand geworfen.  Ich wollte sie einfach nicht mehr tragen, ich wollte nicht länger warten.
Endlich bei km-36 der Ballon !   Im Vorbeilaufen habe ich etwas ungeschickt unserem Cityrunner, der gerade inmitten unserer Streckenposten mit scheinbar einem Problem‘chen gestanden ist, auf die Schulter geklopft.
Leider haben wir die km-37 und km-38-Schilder nicht gesehen, warum auch immer, wodurch wir betreffend Tempo etwas Orientierungslos waren.
Nun ja, ist ja nichts besonderes dass km-37, 38, 39 schon zäher und zäher werden, aber gewußt hätte ich trotzdem gerne alle km um abschätzen zu können wie wir in der Gesamtzeit liegen.
Gott sein Dank habe ich bei km-39 noch soviel Rest an Hirnschmalz aufbringen können um die Zeit durch drei zu Teilen und doch noch 5:51 /km zu berechnen.
„Das geht sich aus!“, ...  „wir liegen gut in der Zeit !“ waren nun Manuelas Worte beim km-39.
( Anm.: Übrigens idente Worte wie bei meinen Versuchen bei km-8 u. 9, sowie km-19  ~ welche mit 5:28 u. 5:24 unsere schnellsten km waren ~ die Manuela etwas zu bremsen  )
 
An dieser Stelle muß ich mit dem Geständnis herausrücken, dass ich ohne Manu’s  Wiederkehr bei km 33/34 ziemlich sicher das Tempo nicht so schön halten hätte können und ich auch wahrscheinlich wegen meines Pulses von 176-178 wahrscheinlich ( und vielleicht auch vernünftigerweise )  soviel langsamer geworden wäre, dass sich Sub-4:00  möglicherweise nicht ausgegangenen wäre.
Manu hat mich bis km-40 echt gezogen, ich schulde Ihr ein Leben lang Dankbarkeit dafür. Verbunden mit der stillen Bewunderung, dass ich noch nie in meinem Leben jemanden kennengelernt haben, weder Männlein noch Weiblein, der so hart und verbissen sich durchkämpft.  
 
Ich hingegen konnte die Hauserschluchten ab km-36 nicht mehr sehen !  Linkskurve, dann nach rechts, wieder links wieder rechts, ....Mist, warum geht nix mehr weiter !?
Die Sonne brennt nun ziemlich runter.
Mein für km-40 gedachtes Fläschchen kippe ich schon durstig ( !) bei km-38 runter.  Bei km-40 muß mein Fläschchen für den Zielsprint dran glauben, ....Durst !
Für 35-40 haben wir 0:29:13 gebraucht, somit 53sec. unseres Guthabens „verbraten“ .  Nun ja, schon gut, das der Marathon kurz nach km-42 zu Ende ist, oder ?
 
[color="#ff0000"]km 40+  [/color]
Nein, nicht schon wieder !
Wie schon heuer  in Wien im Prater bei km-32 laufe ich schon wieder auf ein blaues Shirt mit „LCC-Wienerwaldsee“ auf !   Er geht !
Ich klopfe Michi auf die Schulter :  „komm mit !“ ,  stammle ich mit ausgetrocknetem Mund , „komm mit mit uns! “.
Während Michi wieder neben uns läuft, scheinbar lustlos, aber doch, sagt er plötzlich : „macht’s euch nix draus wenn’s mit Sub-4 nix wird, ...das nächste mal habt’s die nächste  Chance !“
Ich bin verwirrt, entsetzt, ...wie gelähmt !
Auch Manu’s Worte : „wir sind exakt auf 4:oo-Kurs !“  haben mich nicht wirklich beruhigt.
Habe ich mich verrechnet ?
Falsche Tabelle ?
Nur Michi’s Worte: „naja, seit’s vielleicht soviel weiter hinten als wir gestartet ?“ haben eine mögliche und brauchbare Erklärung geboten, ...und schon war Michi wieder weg, hinter uns, hat sich aufgegeben und ist wieder langsamer geworden.
 
Hm, was tun ?
Plötzlich höre ich Michi schreien:  „Fredmann, hol‘ dir den Dreier ! ...hol‘ dir den Dreier !“  ...immer wieder, schon mit der Entfernung leiser werdend:  „...hol dir den Dreier ! “
 
Nun war ich hellwach und klar im Kopf, als ob ich die letzten Stunden geschlafen hätte und nun der Wecker geläutet hat.
Ich fummle am Taschentuchpackerl, an welchem auch die km-Laufzeit-Tabelle geklebt war herum, es will nicht aus dem Trinkgurt, hängt am Gummi.
Eh wurscht, denk ich mir, ich kann so oder so eh nichts dran ändern!  Hier und jetzt,....bin ich jetzt da!
Ich beschließe : zu rennen!   Mobilisiere alle Kräfte !   Stelle mit entzücken fest dass ich überhaupt nicht müde bin.  Die Füße gehorchen mir ! Ich werde schneller !  Scheinbar fährt jetzt alles was das Gehirn an Botenstoffen zu bieten hat in meine Beine !  
Als ich merke, dass ich mit den Armen wie wild „rudere“ um Tempo zu machen, melden sich die Schultern mit leichten Schmerzen.
„Schei... drauf, jetzt oder nie !“  und fuchtle noch wilder mit den Armen, schiebe an was geht.
„Schritt aufdehnen , Peter ( mein Tempomacher für schnelle Trainingseinheiten )  läuft neben mir!“ sage ich still zu mir !
 
Ups  !
Von wegen : „neben mir“ , ...wo ist Manu ?
Pfau !  Zum ersten mal in diesem Marathon ( von der befristeten Trennung mal abgesehen ) ist sie nicht vor, sondern schräg hinter mir !?
Ungläubig starrt sie mich an, ihre Augen schreien es förmlich heraus: „warum läufst du wie wahnsinnig !?“
Aber sie hält  die 5:28 auf km-42 mit !    ...und dann auch die umgerechnet 5:09 beim Zielsprint auf die letzten 195m ab Brandenburger Tor bis zur Ziellinie.
 
Nur beim Brandenburger Tor merke ich, dass Sie kurz zögert.   „Nein, noch 200m !“ schreie ich zu ihr.  
Kaum zu glauben, jetzt ist Berlin absolut perfekt organisiert, aber die verfrühte „Tor-Schwelle“ wie früher in Wien durch die Fußgängerbrücke beim Rathaus, wo nicht gerade wenige Läufer an den Grenzen Ihrer Kräfte glaubten sie seien schon im Ziel und den Lauf abstellten, diese „Tor-Schwelle“ gibt es auch in Berlin !
Zwar mit dem Brandenburger Tor schon ein ganz besonderes Tor, aber eine große Beschilderung „noch 195m bis zum Ziel“ hätte nicht nur der Manuela gutgetan.
 
Egal !
Wir haben alles gegeben, und bei 3:58:44 die Uhr auf der Ziellinie gestoppt !

Ich wische mit den Schweiß aus den Augen und starre ungläubig auf meine Uhr.    
Ja !      
Der 33333333333333er,  er ist davor !          
Und nicht 59, sondern sogar 58 dahinter !        
Ich bin paff, und nicht zu stolz um zuzugeben, dass sich in diesem Augenblick der Schweiß in/um die Augen sich mit Tränen vermischt haben.
 
[color="#ff0000"]3:38[/color]
3:58
3:58
3:58
Ich kann es nicht fassen !
Am liebsten hätt‘ ich vor Freude Manuela abgebusselt und gedrückt. Aber Gott sei Dank für sie sind in diesem Augenblick doch noch ihre weiblichen Instinkte soweit intakt geblieben, dass nur ein Busserl auf die Wange d‘raus geworden ist und ein förmlicher Handschlag zur Gratulation.

 
[color="#ff0000"]Zielversorgung  [/color]
Perfekt, wie (fast) alles in Berlin !   Meine größte Sorge war nun, dass ich mich überwinde und nicht stehen bleibe und mein Kreislauf ( Greis-Lauf ? )  zusammensackt.   Ich war aber so high, dass das (vorlaufig) kein Problem war.  Die Versorgungs-Strecke war eh so endlos, dass man alleine um zum Ausgang zu kommen eh noch ~ schätze mal ~ mind. 1km an die Versorgungstische vorbeimarschieren mußte und nicht stehenbleiben konnte.
Auch im Ziel hat sich Manu als treusorgende Begleiterin sehr um mich gekümmert und mich von allen Tischen, damit ich beim anstellen ja nicht stehenbleiben muß, mitversorgt.
 
[color="#ff0000"]Ausgang  [/color]
Ich möchte in diesem Bericht aber nach dem so euphorischen Zieleinlauf auch nicht drauf verzichten zu erwähnen, dass ich auch bei meinem sechsten und letzten Marathon wie schon die beiden Läufe der letzten Jahre durch den Läuferstau beim Ausgang, bzw. in Berlin nun bei der Endstelle des schmalen Ausgangkorridors,  stehen bleiben mußte und in diesem Moment wieder mein Kreislauf „zusammengegangen“ ist.
Manu hat aber nicht lange mit mir `rumgefackelt und mich gleich ins Rot-Kreuz-Zelt verfrachtet.
 
[color="#ff0000"]Versorgung  [/color]
Auf der Pritsche liegend, die Glukose-Infusion langsam im mich reintröpfelnd war ich so wahnsinnig glücklich & erleichtert zugleich,  dass sich immer wieder leise Anfälle von einem Lächeln übers ganze Gesicht mit Ergüssen aus den Tränendrüsen abgewechselt haben.
Auch soll nicht unerwähnt bleiben, dass nach dieser Infusion ich wieder wie neu mich gefühlt haben, frisch und froh, ...natürlich nur subjektiv.
Aus dem Rot-Kreuz-Zelt kommend ( war übrigens kostenlos, ist beim Startgeld mit dabei ) bin ich zuerst eine kleine Runde vor`m  Zelt marschiert und haben dann todesmutig es gewagt :  ich bin stehengeblieben, weitergegangen, wieder stehengeblieben, ...nix ist mehr passiert !
„Ich Trottel !“ , sagte ich zu mir, wenn ich gewußt hätte wie klasse so eine Infusion wirkt, hätte ich mich in Wien nicht stundenlang gequält.
   
[color="#ff0000"]Die Wiese  [/color]
Der Anblick von zig-tausenden von Finishern, welche es sich auf der Wiese vor Reichstags-Gebäude bequem gemacht haben, werde ich ebenso nicht vergessen.  Dank Infu konnte ich sogar auch die Sonne geniesen. So hab‘ ich mich nach der Start-Sackerl-Abholung auf meine Addidas-Folie gesetzt, das Handy ausgepackt und meiner Familie in Wien „ENTWARNUNG“ gegeben :  „Mir geht’s gut, alles bestens!“
 
[color="#ff0000"]Meiner Tochter...  [/color]
muß ich noch einen eigenen Absatz widmen. Sie sagte: „ Mama, WIR haben es geschafft !  Papa ist unter vier Stunden gelaufen !“
Ich denke das bedarf keiner weiteren Erläuterung !
Ach ja, einen hab‘ ich noch:  Ihr SMS mit der förmlichen Gratulation:  „super papa :) ich bin ganz stolz auf dich ! ich hoffe du hast dein großes ziel erreicht u kannst jetzt genüsslich alt werden!  bis morgen bussi sandra “
...noch heute, ziemlich genau ein Monat nach dem Marathon,  wo ich diese Zeilen hier tippe, ist mir klar, dass ich dieses SMS nie löschen werde.
 
[color="#ff0000"]Familientreffpunkt  [/color]
Nach Erledigung aller Telefonate und Weiterversendung des Ergebnis-SMS‘s an alle möglichen Bekannte habe ich nach kurzem Verweilen auf der Wiese dann doch beschlossen zum Familientreffpunkt  zu marschieren, könnte ja sein, dass noch jemand da ist.  So war es auch !
Außer den ganz Superschnellen unserer Truppe waren die meisten noch da.  Ich hab‘ mich in die Reihen der „Meinigen“ gemischt  und war irre froh und glücklich, bei diesem Berlinerlebnis mit dabei sein zu dürfen.
 
Wie schon einleitend erwähnt:  Eigentlich war’s mein letzter Marathon,   ....eigentlich !

Wien / Berlin, im Sept./Okt. 2oo5



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[color="#0000FF"]Von: Ulrich[/color]
Erhalten: 22.10.2005 11:00  
manfred, das ist einer der allerbesten berichte, die ich je gelesen habe!
 
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[color="#0000FF"]Von: elisabeth1234[/color]
Erhalten: 22.10.2005 11:24  
habe noch nie einen so tollen marathonbericht gelesen!!!!
danke dir!!! das war eine echte freude deine schilderungen zu lesen, vom anfang bis zum ende!!! gespickt mit lustigen und rührenden einzeilheiten!!!! die sms von deiner tochter gefällt mir besonders gut!!!!
lg
und danke nochmals, dass wir an deinem, diesem letzten marathon :-))), teilhaben durften!
aber...sag niemals nie...:-)))
 
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[color="#0000FF"]Von: elisabeth1234[/color]
Erhalten: 22.10.2005 13:08  
MICH auf jeden fall!!
und wie man sieht auch luxemburger!!!
und die anderen sicher auch!
für mich der tollste laufbericht!! ehrlich! habe sogar günther abschnitte vorgelese, so beeindruckt war ich.
gut gefallen hat mir auch der absatz:\\\\\\\"anreise??\\\\\\\", mit den 363 tagen im jahr...wo probl. auch gelöst werden können...aber nein..immer vorm m :-))
echt toll manfred
 
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[color="#0000FF"]Von: Ulrich[/color]
Erhalten: 22.10.2005 22:57  
ich muß und darf mich nocheinmal wiederholen. noch nie hat mich ein laufbericht den ich hier gelesen habe, so begeistert.
wobei, deinen habe ich auch erst so richtig durchgelesen, als ich in der U4 gesessen bin. alles zuvor war nur ein kurzes überfliegen.
du hast da wirklich was tolles reingestellt, einen bericht, der unsere faszination so richtig nachvollziehbar macht.
bravo bravo bravo.
 
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[color="#0000FF"]Von: Heinz.P[/color]
Erhalten: 23.10.2005 11:10  
Servus Manfred !
Hast einen super Bericht geschrieben . Ich danke Dir dafür , so konnte ich in \\\\\\\'EUREN\\\\\\\' Berichten im Gedanken auch mitlaufen und mitfühlen .
Ich hoffe , Du läufst auch noch andere Marathons und verbesserst ohne Stress deine PB .
So alt bist ja doch noch nicht :-))
Lg Heinz .

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[color="#0000FF"]kasl 22.10.2005 11:10[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
HUT AB VOR DER LEISTUNG und dem tollen Bericht!! Berlin wurde wieder einmal \\\\\\\"durchlaufen\\\\\\\",
DANKE
Ka

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[color="#0000FF"]elisabeth1234 22.10.2005 11:18[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Manfred!!!!
Ein super, toller Bericht! Danke!!

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[color="#0000FF"]Luxemburger 22.10.2005 11:32[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    

Einfach nur GROSSARTIG dein Bericht. Danke.
Bin sehr beeindruckt ! (von deiner Leistung, deinem Bericht und von deiner Tochter)

LG
Jean-Marie

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[color="#0000FF"]elisabeth1234 22.10.2005 11:37[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Luxemburger]    
du hast die richtigen worte gewählt um das auszudrücken, was auch ich empfand als ich manfreds bericht las :-))))


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[color="#0000FF"]R.Roland 22.10.2005 13:50[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    

Toller Bericht! wie lange hast den daran geschrieben? :-)
Gratuliere nochmals! ....

1040 Wien

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[color="#0000FF"]Helga 22.10.2005 17:38[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
hallo fredmann,
also dein bericht ist spannender als ein krimi,
als \\\\\\\"noch keinen marathon gelaufen\\\\\\\"- läuferin bin ich derart hingerissen von euren berichten, dass ich dieses erlebnis einen marathon zu laufen schon kaum erwarten kann.
es ist ein herrlicher zeitvertreib eure berichte hier im forum zu lesen, freue mich schon auf den nächsten.
lg helga

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[color="#0000FF"]J1961 22.10.2005 19:07[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Wow super Bericht ! Nein lauter super Marathonberichte !
Euer Talent zu schreiben und mich auszudrücken hätte ich gerne
Vielen Dank und liebe Grüße Isa

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[color="#0000FF"]wolf310 22.10.2005 19:34[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Also der Bericht hat es in sich! Fantastisch geschrieben, man fiebert mit, schafft er es, oder schafft er es nicht!? Natürlich ein happy-end - Gratulation zu dem tollen Ergebnis, zum tollen Bericht, Gratulation an Deine Familie, die es MIT Dir geschafft hat!
LG W

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[color="#0000FF"]bani 22.10.2005 19:54[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Manfred, ich bin grad mit dir gelaufen, hab geweint und gelacht. unglaublich dieser bericht dein spruch sensationell .... Der erste ist, und der letzte soll mein schönster Marathon sein !! “..... das wird bei mir auch mal kommen, das berührt mich sehr.
dein gefühle bei km32 kann ich voll mitgehn, da fährt es einem kalt über den rücken, das fährt ein .......als kurz nach km-32 auf meiner Uhr schon drei Stunden Laufzeit angezeigt wurden, ...da war er, er, der Dreier !....... puuaaaaa
super fand ich auch .....Die Sonne geht auf !
Bildlich gesprochen, weil irgendwo zwischen km-33 und km-34 war Manu plötzlich wieder neben mir !
Mit einem sicherlich die ganze Allee erschütterndem Knall ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.
Sie lebt !
Und wie Sie lebt !
Ich hatte echt Mühe Ihr nun zu folgen !...... da hab ich dann lachen müssen *gg* und wie sie lebt *gg* ja, die erleichterung spürt man deutlich aus deinem bericht .
und diese worte sollte sich manu aufschreiben, man weiß nie, wann man es braucht *ggg*........ich schulde Ihr ein Leben lang Dankbarkeit dafür........
bei km 40 hattet ihr ein ähnliches erlebnis wie ich bei km 36 und heinz. als ihr schon von hinten das gehört habt vom michi......Plötzlich höre ich Michi schreien: „Fredmann, hol‘ dir den dreier ! ...hol‘ dir den dreier !“ ...immer wieder, schon mit der Entfernung leiser werdend: „...hol dir den Dreier ! “
wau, das muß man erleben um zu wissen wie das einfährt und es ist eingefahren bei euch. sensationell. ich sage es immer wieder, es können 3 millionen leute am rand stehn und es ist scheiß egal, den richtigen speed geben dir leute die dich kennen und man spürt, daß sie es einem wünschen und an einem glauben. michi sensationell
super diese worte......„Schei... drauf, jetzt oder nie !“ und fuchtle noch wilder mit den Armen, schiebe an was geht.
„Schritt aufdehnen , Peter ( mein Tempomacher für schnelle Trainingseinheiten ) läuft neben mir!“ sage ich still zu mir !
Ja !.......jaaaaa rennn du schaffst es, am liebsten würd ich dich jetzt noch anfeuern, unglaublich mitreißend. wau ich zittere.
alle die gefühle hab ich bei deinem bericht nochmal durchlebt und es lässt sich schwer in worte fassen...........Der 33333333333333er, er ist davor !
Und nicht 59, sondern sogar 58 dahinter !
Ich bin paff, und nicht zu stolz um zuzugeben, dass sich in diesem Augenblick der Schweiß in/um die Augen sich mit Tränen vermischt haben..........
also manfred, ich muß mich entschuldigen deinen bericht zerrissen zu haben, hab aber nur versucht die für mich mitreißensten teile nochmal durch zu kaun. danke dir für den bericht, der für mich wie ein neuer lauf durch berlin war und es wurde eine schallmauer durchbrochen. gewaltig
nur die trennung zwichen der schnellen truppe und wie du es nennst deines gleichen will ich nicht gelten lassen. WIR gehören ZUSAMMEN. Schade finde ich, daß es dein letzter marathon war. zur zeit ist es aber in mode, den rücktritt vom rücktritt. wir wäre das??? WIR würden uns freuen manfred
*lg* bani

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[color="#0000FF"]Tintschi 22.10.2005 20:15[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Wahnsinns Leistung! Und echt super toller Bericht!!! Ich bin begeistert :-))))
lg Tina

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[color="#0000FF"]Resi 22.10.2005 22:41[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: R.Roland]    
Fredman ist ein Multitalent, sehr schöner Bericht, danke
lg resi

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[color="#0000FF"]mihi69 23.10.2005 15:36[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Für mich persönlich -ich hoffe ich trete niemandem zu nahe- der emotionalste und beste Bericht. Gratuliere Fredman zu beiden Leistungen.
Lg
Michi

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[color="#0000FF"]Ulrich 23.10.2005 15:48[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: mihi69]    
du schreibst genau das, was ich auch empfinde. es ist jeder bericht einzigartig, so wie auch jeder marathon einzig ist. und ein jeder bericht sticht hervor. dieser halt besonders.
 
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[color="#0000FF"]Manuela 23.10.2005 19:25[/color]
Re: Berlin: die 4 Std sind geknackt <> Fredmann [re: Fredmann]    
Wow Manfred! Ich such gerade hektisch nach einem Powerbar-Gel, schließlich bin ich gerade noch mal meinen Marathon gelaufen *schwitz*!
Danke für den wirklich wunderbaren Bericht, ich bin schwer gerührt und werde diesen Bericht in meine \\\\\\\"Lauf-Schatzkiste\\\\\\\" geben!
Freu mich jetzt schon auf Klagenfurt 2008 ;-)))
Alles Liebe
Manuela

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Antw:2005-09-25 berlin marathon - Fredmann
« Antwort #2 am: 28.11.2019, 22:57:55 »
3:58  in   Berlin   2oo5
     
die gekürzte zusammenfassung gibt bei :       
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https://www.drsl.de/berichte/ber_bericht.php?id=1418
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