Autor Thema: 2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa  (Gelesen 171 mal)

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Datum: 2009-06-27
Event: 23. Veitscher Grenzstaffellauf
Distanz: 56.000 km

Ersteller: Mischa

Offline Mischa

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #1 am: 27.06.2009, 00:00:00 »
13 Sekunden

Letzter Junisamstag - das heißt Veitsch. Im Laufe der Jahre ist der Alpinmarathon ist für mich zum Pflichttermin geworden. Heuer bin ich bereits zum 12. Mal über die volle Distanz angetreten, woraus sich als Ziel ergeben hat, das Dutzend voll zu machen.

In der Woche davor haben sich zwei Unsicherheitsfaktoren ergeben. Einmal alle betreffend das instabile und nasse Wetter, was auch eine verkürzte Strecke ohne Hochplateau denkbar erscheinen ließ. Erfreulicherweise haben sich die extremen Wetterereignisse nur anderswo abgespielt; am Samstag war es dann zwar schwül und feucht, aber nicht wirklich unangenehm. Aus gutinformierter Quelle habe ich gehört, daß es am Sonntag in der Gegend heftig geregnet hat, also Glück gehabt :D Zweitens war ich persönlich etwas verunsichert aufgrund zweier frühmorgendlicher Vorfälle - So alle paar Monate tritt bei mir ( und habe ich auch von anderen gehört ) ein Phänomen ein, daß unmittelbar beim Aufwachen ein Krampf im Fuß auftritt. Legt sich nach ein paar unangenehmen Sekunden, habe ich aber im extremsten Fall noch einige Tage lang gespürt. Jedenfalls war am Dienstag der rechte Fuß dran und am Mittwoch in der Früh wollte der linke gleichziehen :( War nicht sehr begeistert davon.

Nichtsdestodemtrotz war ich Samstag früh frohen Mutes vor Ort. Um 8 schon Viel Betrieb am Parkplatz. Im Anmeldezelt hat mich dann gleich ein alter Bekannter aufgehalten, der Alfred Frühwirt-  etwas besorgt, denn der Startläufer seiner Staffel war kurzfristig ausgefallen und der angedachte Ersatzmann ( Alfred Arocker vom LCW ) unauffindbar. Fünf Minuten später, als die vor mir in der Warteschlange befindlichen Heidi und Ulrich gerade serviciert wurden, ist er dann mit einem 3. Mann wieder aufgetaucht und ich wurde kurzerhand als Startläufer vepflichtet. Ich bin ja vor einigen Jahren auch schon einmal eingesprungen, damals war übrigens Harry, Alfred´s Sohn der 2. Läufer meiner Staffel. Unser 3. Mann heuer entpuppte sich dann als Günther Nolz und ich muß gestehen, daß ich den Namen unserer Staffel erst der Ergebnisliste entnommen habe. UNION Traismauer - na hoffentlich krieg ich da jetzt keine Schwierigkeiten mit dem NÖLV :D  

Mit dem Böller um 9 geht es dann los, auf dem Einlaufkilometer im Ort unterhalte ich mich mit den Eigners und vorausschauend versprechen wir uns bereits Revanche in 2 Wochen in Wörschach - so oder so :D Gegen Ende des mir eigentlich ganz sympathischen Bergaufstücks zum Hochreiter beginnt meine sprunghafte
Streckenabschnittspartschaft mit Carola - bis zum ersten Wechsel am Eisnerkogel schaffe ich es sie viermal bergauf zu überholen und beim nächsten Flach- oder Bergabstück läßt sie mich wieder stehen ... Einen treueren SAP finde ich aber auch noch vor dem Hochreiter. Plötzlich ist ein blaues LCW-Trikot neben mir und ein Blick auf das "Lätzchen" sagt mir - 29, also ein AK-Kollege ( ich bin mit der Staffelnummer ja inkognito ), das muß der Alfred Arocker sein, der ja eigentlich mit der Nummer 196, die jetzt ich trage, unterwegs hätte sein können, hätte er sich beim Frühstück nicht so viel Zeit gelassen :D Wir plaudern ein bißchen, er ist zwar auch ein alter Hase, es ist aber der erste Ultra für ihn. Bis nach dem 1. Wechsel bleiben wir zusammen, insofern war ich ein würdiger Ersatz-Ersatzmann :)
Am Eisnerkogel schicke ich dann Alfred Frühwirt in die 2. Etappe und folge ihm dann etwas später etwas langsamer nach der ersten Mehlspeise des Tages. Bald darauf ein ungewöhnliches Ereignis; ein schwarzer Pfeil zischt vorbei - wie ich später feststelle, handelt es sich um Julius Musyoka Makau, der unter dem Vereinsnamen "Bushtrekkers Kenya" schon oft in Österreich gelaufen ist. Für die gesamte zweite Etappe sollte er flockige 1:07:19 brauchen. Nicht unflott. Trotz eines zweiten schwarzen Pfeils für die dritte Etappe sollte es aber knapp nicht zum Sieg bei der gemischten Staffel reichen, der Plechi hat´s für die Konkurrenz gerichtet, immerhin am 3. Gesamtplatz :D
Zurück auf die Strecke. Noch bevor es links hinauf Richtung Rotsohl geht, führt sie längere Zeit in gerader Linie auf einem wunderschönen Almweg dahin. Hier überholt mich ganz locker Marion Kapuscinski- eine Bergläuferin von internationalem Format. Dann passiert mir ein kleiner Lapsus. Ich weiß genau, daß die Abzweigung nach links auf einen schmalen Weg leicht zu übersehen ist. Etwa 100 m voraus am Almweg sind zwei Männer mit zwei großen freilaufenden Hunden, das lenkt mich ab und prompt passiert es. Glücklicherweise waren zwei knapp hinter mir, die besser aufgepaßt haben und mich zurückpfeifen. Etwas später werde ich dann überraschenderweise ein zweites Mal von Marion überholt. Klarer Fall - sie ist dort auch vom richtigen Weg abgekommen und hat Übermeter gemacht. An diesem kritischen Punkt gehört die Markierung/Absperrung verbessert ! Wobei Marion vielleicht eine Teilschuld bleibt, ich glaube mich zu erinnern, daß sie musikbegleitet unterwegs war und daher möglicherweise einen Zuruf überhört hat. Sie war trotzdem schnellste Dame am 2. Teilstück. Nach der Labe am Rotsohl nach rechts hinauf Richtung Teufelssteig. Auf diesem geht dann in doppeltem Sinne Carola wieder an mir vorbei - unsere nächste Begegnung ist Stunden später, als sie mich mit der Kamera knapp vor dem Ziel erwischt :D
Obwohl ich relativ gesehen sehr langsam hinaufsteige überhole ich dennoch zweimal denselben ungarischen Läufer. Er muß nämlich öfters stehen bleiben und warten bis seine Beinchen wieder wollen. Da beschleicht mich schon eine düstere Vorahnung. jedenfalls komme ich noch gut auf´s Plateau aber dann. Vielleicht 20 Meter am Weg zum Meranhaus habe ich hinter mir, da schießt mir plötzlich der Krampf ein und ich stehe. Vergeht natürlich wieder und ich kann weiter, aber ich weiß nur zu gut, daß ich jetzt am Limit bin. Ein unangenehmes Phänomen, daß mich in 12 Jahren jetzt schon zum dritten Mal erwischt :( Ich kann es mir nur so erklären, daß ich beim extremen Bergaufgehen wie am Teufelssteig falsch belaste sodaß manche Muskelgruppen überlastet werden und rebellieren.
Passieren tut´s dann immer bei Abwärtsschritten auf steinigem Untergrund. Nun ist also Vorsicht angesagt sonst fange ich mir noch eine Zerrung ein. Das Magnesium, das ich mir vorsorglich als Reaktion auf die Vorkommnisse in den Vortagen zugeführt habe, hat also nichts genutzt :( Ich trabe ab jetzt also sehr vorsichtig dahin und lasse mich von vielen überholen - auch beide Eigners, die diese meine Schwäche schon kennen, sind dabei. Die kritischsten Situationen jetzt sind just, wenn ich den Weg freimache und zur Seite trete um jemanden vorbeizulassen. Zweimal spüre ich dabei, daß es fast wieder losgeht. Aber auch mit kleinen Schritten kommt man weiter und langsam kehrt auch das Vertrauen wieder zurück und ich traue mich  stärker zu belasten. Ungut ist es am Ende des Plateaus über das Viehgatter zu steigen aber schließlich bin ich doch am Schotterweg herunter zur Klein-Veitsch Alm und dort kann man meine Fortbewegung wieder Laufen nennen :D

Ein zwei drei im Sauseschritt eilt die Zeit - nur ich eilte nicht mit. Das sub6-Ergebnis, das ich sicher nochdraufhabe, muß wieder mal auf nächstes Jahr verschoben werden :D Auf der dritten Etappe tut sich dann nicht mehr allzuviel. Die Schlammpassagen sind nicht so arg wie befürchtet, unangenehm ist, daß einmal der Weg durch gefallene Bäume verdeckt ist und gesucht werden muß, da sind wir aber grad zu viert und bald erfolgreich. Beim Übersteigen eines Baumes reiße ich dann leider wieder einen kurzen Krampf auf - das sollte aber gottseidank der letzte an diesem Tag bleiben. Wie jedes Jahr zweifelt man gegen Ende immer mehr am Höhenprofil, subjektiv geht es viel öfter hinauf als es sollte. Hilfreich bei einigen dieser gemeinen Anstiege ist die Bewölkung, da tun sie lang nicht so weh wie in der prallen Sonne. Und dort schaffe ich es auch wieder einige zu überholen. Das Netz der Labestationen ist gegen Ende ja sehr dicht gespannt und ich nütze das auch ordentlich aus :D Irgendwann biegt man dann endlich von einer breiten Forststraße in einen schmalen Weg nach links Richtung Mirlbauer. Dort gibt es die letzte Labe und es geht ein paar Kilometer schön gleichmäßig bergab. Wie jedes Jahr bewundere ich die blühenden Lupinen am Wegrand und kann auch ein recht solides Tempo halten. Interessanterweise heuer ganz einsam, ab Mirl bis ins Ziel war niemand voraus in Sicht, den man einholen versuchen hätte können und von hinten ist auch nichts nachgekommen :D Und schon bin ich im Ort und am doch recht mühsamen Schlußkilometer. Knapp vor dem Ziel werde ich dann von Carola abgeklickt und durch bin ich. Das Dutzend ist voll ! 6:38. Naja.

Meine beiden Staffelkollegen erwarten mich und ich höre, daß wir in der >150-Klasse den dritten Platz um lumpige 13 Sekunden verpaßt haben. Ein bissi ärgerlich, aber schließlich wußte ich in der Früh ja noch gar nichts von meinem Staffelstart und die Kollegen haben´s auch nicht tragisch genommen - die ungarischen Konkurrenten waren eben schneller ! Schnell vergeht die Zeit bis zur Siegerehrung, man hat ja viel zu tun: Planschen im Hallenbad, für das leibliche Wohl sorgen, erste Analysen des Rennens mit diversen Bekannten, ein kurzer Plausch mit dem Chef, Studium der Ergebnislisten, .... Die Siegerehrung selbst ist immer interessant - einige Gesichter mehr, denen man Namen zuordnen kann. Abschluß die traditionelle Verlosung - ein bißchen zu langatmig für meinen Geschmack - erfolgreich habe ich mich bei den kleineren Preisen nicht ziehen lassen und doch wieder dabei versagt es Thomas gleichzutun und den Hauptpreis zu gewinnen :D Dieses Mountainbike ist an Günther gegangen, unseren 3. Mann in der Staffel - offenbar ein echter Glückspilz, heuer hat er auch schon 3x Reisen gewonnen - da paßt es irgendwie als Ausgleich, daß er genau 13 Sekunden zu langsam war :D

Die Veitsch bleibt mein Lieblingslauf !
Words of Wisdom:
Stiegen Steigen statt Aufzug Fahren

( @ MR-2002 )

Offline cbendl

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #2 am: 30.06.2009, 22:42:24 »
Freut mich, dass es trotz des harten Laufs dir anscheinend gefallen hat. Die Stelle auf der 2. Etappe, die du übesehen hast, war, glaube ich, die gleiche, bei der auch ich zurückepfiffen werden musste.
Für das nächste Antreten könnten wir ja gemeinsam trainieren, dass hällt die SAPschaft vielleicht länger.
hippocampus abdominalis

Offline heitzko

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #3 am: 01.07.2009, 10:00:16 »
ein schöner bericht mischa! ich finde die veitsch auch wirklich genial, macht auch im walking-tempo spass :). das einzige das zu bemängeln war.... dass DU NICHT DAS MOUNTAINBIKE GEWONNEN HAST! da wir jetzt wissen wo du es gut einsetzen kannst, ist das doppelt schade ;)

Offline boenald

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #4 am: 01.07.2009, 12:59:07 »
also, das klingt streckenweise wirklich ziemlich hart. dass die veitsch (dennoch) dein lieblingslauf ist, ist unüberlesbar. schön ist das! schön langsam werd ich neugierig, schau ma mal... ;)
find ich übrigens sehr ok, dass du - 13 sekunden mehr oder weniger - das dasein als "tragischer held" (:D) auch nicht so tragisch nimmst.
Paragraph eins: jedem sein´s.

Offline StefanM

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #5 am: 01.07.2009, 16:58:21 »
Freut mich für dich, dass du trotz Krämpfen noch so viel Spaß haben konntest!

Offline Ulrich

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #6 am: 02.07.2009, 06:42:43 »
Es ist wirklich toll die Strecke auch aus Deiner Sicht nocheinmal gedanklich zu laufen!
Weil 42 die Antwort ist

Offline JM

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #7 am: 05.07.2009, 18:14:06 »
schöner Bericht. Macht auch mich neugierig (wieder einmal).
Vielleicht lasse ich mich ja mit boeanld zusammen zu einem Erstlingslauf überzeugen. Deinen Teil der Überzeugungsarbeit hast du ja hiermit getan ! :)
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Offline Richy

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2009-06-27 23. Veitscher Grenzstaffellauf - Mischa
« Antwort #8 am: 06.07.2009, 13:16:22 »
Da ist ja noch einer dazugekommen ... ein Bericht.
Sehr informativ - Ich hoffe, ich schlage mir den Gedanken, dass selbst auch mal zu machen, schnell wieder aus dem Kopf.

Und sowas ist dein Lieblingslauf????