Autor Thema: 2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen  (Gelesen 243 mal)

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« am: 11.04.2010, 00:00:00 »
Datum: 2010-04-11
Event: Linz Marathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: Laufhäschen

Offline Laufhäschen

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #1 am: 11.04.2010, 00:00:00 »
Ein Marathon wo ich auch viel an Erfahrung gewonnen habe!

Ich war im Vorjahr als Begleitung/Zuschauer (bin in Salzburg gelaufen) für Michael beim Linz-Marathon dabei.
Michi war von der Organisation und von der Strecke so begeistert, ich ebenso als Zuschauer, das wir damals schon beschlossen haben, nächstes Jahr laufen wir statt dem VCM, in Linz. So war es dann auch.
 
Eine Woche lang habe ich den Wetterbericht verfolgt und gehofft das es wärmer wird. Mein Wetter ist warmes Wetter!
Jedoch, keine Aussicht darauf. Regen ist für mich der absolute Alptraum.
Am Samstag war kein Regen und ich fing nocheinmal zu hoffen an. Am Sonntag in der Früh, sofort zum Fenster - juhuuuuuu - es ist alles trocken.
Ich gehe mit unserem Hund raus und will wissen wie sich das Wetter anfühlt. Kalt, sehr kalt für mich zu kalt.
Anschließend geht es zum Frühstück. Dort treffe ich Tina und Bani. Da ich ja nur eine Semmel esse und einen Kaffe trinke, bin ich schnell fertig.
Zurück im Zimmer, schnappe ich mir unseren Koffer, der mit allen Variationen von Laufbekleidung gefüllt ist und die wahrscheinlichsten Kompinationen werden aufgelegt, der Rest bliebt im Koffer. Bin nocheinmal mit unserem Hund eine Runde ums Hotel gegangen, aber es war noch immer kalt jedoch auch noch immer trocken. Ich entschied mich dann für oben dünnes aber langes Shirt und kurze Hose. Das war ja auch die Empfehlung von Bani (im Forum). Da wir ja neben dem Start wohnten, gingen wir erst ca. 20 Minuten vor 9.00 Uhr weg. Ich zog mir einen dünnen Regenponcho drüber. Ein bischen Traben und ein wenig Unsicherheit, vielleicht doch kurzes Oberteil? Schluß jetzt. Bei keinem Marathon hatte ich so ein Trara um die Bekleidung.
Michi begleitet mich in meinen Startblock und wir verabschieden uns. Er geht ein Stückchen weiter nach hinten (3:15 - 3:30). Ich stellte mich neben der Tafel - Sammelstelle 2:59. Keiner war da. Doch - Tschitschi stand plötzlich da. Seine Überbekleidung - suuuuuuper. Ich suchte sein Stirnband, das er ja in die kreischende Menge werfen wollte. Es war nicht da. Tschitschi meinte, weil es nicht so kalt ist, hat er es nicht mit. Ich glaube es war die Angst, die Menge könnte nach mehr Bekleidungsstücke von ihm verlangen. Jetzt traffen wir auch Willy bzw. er fand uns. Es wird kurz geplaudert, alles Gute gewünscht und beide waren weg. Sammelstelle war noch immer leer. Ich ging ein Stückchen nach vorne und jetzt sah ich die zwei Luftballone mit 2:59. Ich habe meinen Pacemaker gefunden. Eine ganze Gruppe war schon um ihn versammelt. Dann ging alles sehr schnell, der Startschuß und es ging los. Martin (MT76) und Pipel (Peter) waren auch da. Es tut gut, Gesichter die man kennt in der Nähe zu haben. Es gibt absolut kein gedränge, man kann frei weg laufen - echt spitze!Ich hätte doch kurzarm nehmen sollen, es war mir warm und daher streckte ich die Ärmeln hoch und das Laibchen vorne auch. Wahrscheinlich lag es aber daran, das ich im Pulk laufe und rund um mich eine Menschenwand war. Der km 1 war in 4:04. Ich wusste es geht bergab und der erste Km ist immer zu schnell (das passiert also auch einem Profi, da bin ich aber beruhigt). Den km 2 sah ich nicht. Ich sah sonst aber auch nix als nur Asphalt, Füße und Rückenteile mit Popos. War ein bischen eingekeilt in der Gruppe. Irgendwie fühlte ich mich auch nicht wohl da drinnen. Es kam mir so vor, als würden einige glauben, das ich in der Liga bei ihnen falsch bin, obwohl noch zwei weiter Damen dabei waren. Vielleicht haben sie recht, vielleicht liege ich mit meinem Gefühl falsch. Zwei Km wieder nicht gesehen. Der Pacemaker sagt an, das eine Labestelle kommt. Mehr kriege ich hinten nicht mit. Ich laufe ein Stückchen nach vorne damit ich sehen kann, auf welcher Seite. Es dauert aber noch sehr lange, dann sah ich die Verpflegestelle rechts. Danach lasse ich Tempo nach und reihe mich wieder dahinter ein. Neben der Donau versuche ich immer dicht aufzuschließen um Windschatten zu haben. Die Kilometerzeiten waren 2x 4:13 dann 1x 4:19 und den nächsten 4:08. Bei Km 10 die nächste Versorgungsstelle und ich schnappe mir meine Flasche. Die schwinge ich unter den Arm und nehme mein Powergel. Ich drücke so fest drauf das mir diese klebrige Masse in voller Geschwindigkeit in den Mund gleitet und ich mich verschlucke. Kriege kurz keine Luft. Versuche mit Wasser gleich nach zu trinken. Ich dachte schon, jetzt muß ich stehen bleiben. Falle natürlich etwas zurück und versuche wieder auf die Gruppe aufzulaufen. Ich fand heute keinen Rhythmus, meine Beine waren schwer, es war nicht mein Wetter, also was mache ich da eigentlich? Ich lief jedoch weiter mit der Gruppe und versuchte so gut es geht, sie nicht zu verlieren. Ich glaube bei ca. km 15 war es, wäre ich bei der Labestelle vorbei gerannt als mir Martin zurief: Eigenverpflegung! Ich lief zurück, schnappte meine Flasche und verlor den Anschluß. Jetzt lief ich frei und es war super. Die Gruppe war in Sichtweite, meine Kilometerzeiten waren trotzdem sehr exakt mit 4:14. Ich lief sehr einsam, da ja die starke Gruppe vorne weg war und viel dürfte hinter mir auch nicht los sein. Aber ich habe es genossen den freien Blick nach vorne, frei Atmen zu können und die Zuschauer waren wirklich sehr, sehr aufmerksam. Wenn man als Frau kommt hat man sicher den Vorteil mehr bejubelt und angefeuert zu werden als die Männer. Der Lauf war für mich bisher eigentlich eine Qual. Endlich ist Halbzeit und meine Uhr zeigt 1:29:xx. Ich bin noch dabei. Weis aber schon länger, klappen wird heute die sub 3 nicht. Der Abstand zu den Luftballonen 2:59 wird größer, meine Kilometerzeiten schlechter. Ich fühlte mich besser, eh klar, laufe ja auch langsamer. Fange an, den Zuschauern (dort wo welche waren) zu winken und die waren schnell zu begeistern. Mit ein paar Kindern habe ich abgeklatscht. Irgendwann kam Graupelschauer vom Himmel runter. Die Kilometer vergingen mir jetzt schneller. Vor mir sah ich Martin, er war jetzt auch von der Gruppe abgerissen. Bei ca. km 30 lief ich auf ihn auf und sagte nur komm, komm Martin, weiter. Und so war es auch, er lief mit mir mit. Ich spürte nach einiger Zeit, es geht ihm gut und er kann schneller laufen. Daher rief ich ihm jetzt zu, Martin lauf ruhig, super! Das tat er auch und ich freute mich, das es ihm so gut ging. Bei ca. km 35 ging es etwas bergauf und auf der anderen Seite liefen Läufer runter, da hörte ich meinen Namen und die Stimme kannte ich. Es war Heidi. Sie hatte noch eine sehr kräftige Stimme, das heißt es geht ihr gut. Ich drehte mich kurz um und grüßte zurück. Jetzt ist es nicht mehr weit. Vereinzelt überholte ich Läufer aus der Gruppe sub 3. Ich habe es richtig gemacht, rechtzeitig das Tempo raus genommen. Mein Ziel war nur mehr unter 3:05 zu schaffen. Monoton setzte ich wie schon seit vielen, vielen Kilometer einen Fuß vor den anderen. Bekam aber rund herum schon seit langer Zeit nicht wirklich mehr etwas mit. Es gab Regen einen zweiten Graupelschauer, der mir auf der Haut etwas weh tat, mir war kalt. Ich kann gar nicht mehr sagen, wann oder wo er war. Ich wollte nur mehr ins Ziel. Endlich die Tafel km 40. Jetzt waren auch mehr Zuschauer da, obwohl bei diesem Wetter, meine Hochachtung. Ich kam jetzt auf das Kopfsteinpflaster. Das war scheußlich zu laufen, aber ich wusste, jetzt ist es nicht mehr weit. Vorne sah ich eine Dame die Anfangs in unserer Gruppe mitgelaufen ist. Die wollte ich noch einholen. Das habe ich auch getan. Es war geschafft, ich bin mit 3:04:07 durchs Ziel gelaufen. Da sahen mich strahlende Gesichter an - Pipel und Martin. Wir gratulierten uns. Jetzt war es Zeit für mich, mir meine Belohnung zu beschaffen. Ich fragte eine Dame (Zuschauerin, die auf ihren Bruder wartete) und ich bekam sie. Meine Zigarette. Ich hatte Glück und ein Halbmarathonläufer stand da, der rauchte auch gerade eine Zigarette. Wir plauderten ein bischen. Eigentlich wollte ich im Ziel meine letzte Zigarette rauchen. Ich habe es mal verschoben aber werde sicher demnächst aufhören. Dann ging ich weiter und landete bei der Zielverpflegung. Ein Becher Cola und einen Platz auf dem Bankerl. Ein Läufer kam und gratulierte mir und sagte, er hätte nicht gedacht, das ich es schaffe. Die Regenponchos die wir im Ziel bekamen waren echt super, nicht so ein Plastilacken wie mein VCM. Jetzt kam Tschitschi und er sah sehr glücklich aus - kein Wunder - wer so toll läuft! Wir unterhalten uns und ich sagte gerade ich warte auf meinen Mann, war er auch schon da. Auch er strahlte über das ganze Gesicht. Danach machten wir uns rasch auf den Weg ins Hotel. Schade das das Wetter so schlecht war, gerne hätten wir im Ziel ein bischen gefeiert. Jetzt begann es voll zu schütten. Meine Fingerspitzen taten weh, mir war so kalt. Mir taten die Läufer leid, die jetzt noch laufen mussten. Im Hotel bei der Abreise traf ich Pipel, Andrea, Karoline, Stefan, Conny und Bani - man hätte eine Sonnenbrille gebraucht, weil das strahlen auf den Gesichtern, war so stark, als ob die Sonne selbst scheint. Michael und ich kommen sicher wieder nach Linz zum Marathon laufen.
Ich habe sehr viel Erfahrung aus Linz mitgenommen zB: Mental zu arbeiten, auch bei (für mich gesehen) schlechten Wetter einen Marathon zu laufen,..........
und und und ......... aber sonst wird der Bericht nie fertig!

Offline StefanM

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #2 am: 16.04.2010, 08:48:03 »
Männer, die an der Spitze laufen bekommen schon auch viel Applaus, das Anfeuern hast du dir schon verdient! War spannend zu lesen, was dir so alles durch den Kopf gegangen ist.

Offline heitzko

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #3 am: 16.04.2010, 10:44:31 »
hut ab du hast wirklich ganz großartig durchgehalten und auch genau die richtigen entscheidungen getroffen. erfahrungen sammeln ist sowieso immer wertvoll und ich glaube es war muskulär nicht nur unanstrengend durch die kühle luft... da war es sicher besser rauszunehmen! habe mich jedenfalls sehr gefreut, dass wir uns getroffen haben :) besonders gut am bericht gefällt mir, dass du vielleicht schon bald die letzte zigarette rauchst ;)!!!

Offline Richy

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #4 am: 16.04.2010, 11:02:03 »
Super Lauf Regina! Gratulation zu PB. Die sub3 sind bei Dir nur mehr eine Frage des besseren Wetters :D Toll gemacht - Das mit der Zigarette - das würd ich aber noch nach sub3 verschieben ...

Offline pipel

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #5 am: 16.04.2010, 11:39:58 »
Toller Bericht Reginder und super gelaufen, die sub 3 holst du dir dann beim nächsten Mal, wenn das Wetter wieder besser zu dir passt. :) War schön dich im Pulk zu treffen.
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Offline pipel

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #6 am: 16.04.2010, 11:40:54 »
Ups, Regina muss das natürlich heißen, so sorry (wie komm ich auf Reginder? Schäm :oah:)
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Offline elisabeth

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #7 am: 16.04.2010, 13:11:08 »
Super Lauf Regina!! Wirst sehen, der 3 er fällt bestimmt bald!! Gratuliere zu deiner PB!

Offline Conny

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #8 am: 16.04.2010, 17:21:19 »
So wie du drauf bist, ist sub 3 wirklich nur eine Frage der Zeit - Glückwunsch zur PB! Du machst das echt toll! :)

Offline JM

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« Antwort #9 am: 17.04.2010, 06:30:53 »
Aufhören mir rauchen brauchst erst ab sub 3. Also bald einmal !
Grauliere zum erfolgreichen Lauf !
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Offline KITTY

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2010-04-11 Linz Marathon - Laufhäschen
« Antwort #10 am: 17.04.2010, 09:55:28 »
Unglaublich. Bei diesen Wetterkapriolen so eine tolle Zeit zu laufen und dann gleich einen Glimmstengel sich reinziehen....du bist wirklich unglaublich. Frage mich wie du das machst. Rauchen und soooo schnell. Gratuliere.
lg
peter