Autor Thema: 2010-09-12 ITU-WM - shiloh  (Gelesen 253 mal)

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2010-09-12 ITU-WM - shiloh
« am: 12.09.2010, 00:00:00 »
Datum: 2010-09-12
Event: ITU-WM
Distanz: 51.500 km

Ersteller: shiloh

Offline shiloh

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2010-09-12 ITU-WM - shiloh
« Antwort #1 am: 12.09.2010, 00:00:00 »
ITU-WM olympische Distanz Budapest 12.9.2010

Die Teilnahme an der ITU-Weltmeisterschaft in Budapest war schon lange ein Ziel von mir, egal unter welchen Umständen.
Die Gelegenheit wollte ich nützen, denn wann wäre es mir wieder möglich, so nahe eine Agegroup-WM bestreiten zu können.
Irgendwann im April hätte die Anmeldung fixiert sein sollen, aber seitens des ÖTRV hat sich dann doch alles bis in den August hinausgezogen.
Bei mir ist inzwischen ein Knochenmarksödem  in der rechten Ferse akut geworden und 2 bis 3 Wochen nach dem IM Kärnten sind die Schmerzen dann eskaliert und an Laufen war nicht mehr zu denken. Ein Rückzug von der WM wäre wahrscheinlich noch möglich gewesen, aber ich wollte  unbedingt nach Ungarn – wenn es schon kein sportlicher Höhepunkt werden sollte, dann wollte ich wenigstens ein paar nette Tage dort verbringen und Startplatz nahm ich ja auch niemandem weg.
Nach fast 20 Jahren Laufen mit Fersenaufsatz mit zu stark gedämpften bzw erhöhten Schuhen muß ich jetzt anscheinend die Zeche zahlen.
Nach 5 lauffreien Tagen im Juli hab` ich es dann mit den relativ leichten und flachen Brooks mit Mittelfußaufsatz probiert und statt mit ein paar hunder Meter zu beginnen, um die Muskulatur an die neue Bewegung zu gewöhnen, bin ich gleich mal die 4km-Runde gelaufen – 6 Tage danach konnte ich immer noch kaum gehen vor Schmerzen in den Wadeln, die Fersen waren aber geschont worden.
Die 6 Wochen bis Budapest sahen dann so aus: alle 3 bis 4 Tage 3 bis 5 km Laufen, konsequent mit mittigem Fußaufsatz, tlw. mit den leichten Laufschuhen und neuen Five Finger-Shoes – also alles andere als eine solide Vorbereitung, daneben ganz normal Schwimmen und Radfahren, und natürlich Massagen.
Der Dauermuskelkater in den Unterschenkeln ist dadurch wesentlich schwächer geworden.

Am 9. Sept. bin ich dann mit Martin vom ASV 2000, den Stockerauer Triathleten, ins nahe Budapest gedüst, zuerst gleich mal zur Startnummernabholung, dann ins Hotel Mercure, wo die österr. Delegation mit ca. 40 Agegroupern einquartiert war. Am Abend gab`s eine nette Eröffnungsfeier, dann das Briefing für uns Österreicher im Hotel.
Der Freitag empfing uns mit Regen, ich fuhr gleich mal mit den Öffis in eine ziemlich spartanisch gehaltene Schwimmhalle auf der Margareteninsel, dann wollte ich die  Budapester Badekultur kennenlernen und bin ins Kiraly-Thermalbad – ein unglaubliches Erlebnis. Dieses Bad ist eines von 2 Bädern, die noch von den Türken errichtet worden sind und wirkt, als wäre es erst vor 5 Minuten von Archäologen ausgegraben worden: ein Ort, völlig entrückt von Raum und Zeit, irgendwie desolat oder auch nicht, ein total archaisches Badevergnügen, 2000 Lichtjahre von Wellnessbequemlichkeiten anderer Thermen entfernt, unglaublich veraltet, morbid, charmant – ein Traum! Rohre und Armaturen mit Ablagerungen überhäuft, fast keine Brauseköpfe, sondern mehrheitlich nur die Rohre in den Duschen. Freitag war Männertag, d.h. keine Badebekleidung, man bekommt eine Art Leinenschurz, den man sich umbindet und der den vorderen Teil der Körpermitte theoretisch abdeckt.
Über dem achteckigen Hauptbecken eine Kuppel mit sechseckigen verglasten Öffnungen, die aber undicht waren, so daß es etwas hereinregnete und schwarze Streifen  von  Ablagerungen vom Regen wie Tränen an der Mauer herunterzogen.
Auch der Wandverputz hatte schon bessere Zeiten gesehen, ich vermute aber, daß man den Zustand des Bades bewußt so beläßt – es hat einfach ein faszinierendes Flair und mir hat es ziemlich gefallen dort, nicht zuletzt die angenehme Stille dort, unterbrochen nur von ein paar gedämpften Worten und dem Plätschern des Wassers.
Warme Bäder sind zwar nicht die beste Vorbereitung für einen Wettkampf, mir war`s aber egal und so bin ich am Samstag ins zweite, noch aus der türkischen Besatzung stammende Bad gegangen, das Rudas-Bad direkt an der Donau. Diesmal keine Geschlechter-Trennung, also eigene Badehose erlaubt. Wieder ein oktagonaler „Pool“ mit Kuppel drüber und sechseckigen, diesmal farbigen, Lichteinlässen. Das Bad scheint frisch restauriert zu sein, kein Vergleich zum Vortag, viel mehr Besucher, lauter, eine größere Anzahl von kleinen Becken unteschiedlicher Temperatur rund um das Hauptbecken gruppiert. Wie im Kiraly-Bad auch Dampfkammer und, ich nenn`s mal so, Biosauna.

Damit das hier kein ausschließlicher Bericht über 2 wirklich sensationelle Bäder wird, bin ich nach 3 Stunden wieder raus, zurück ins Hotel, Sachen holen und mit dem Rad 5 Km hinunter in den Startbereich zum Einchecken, am Heimweg noch die letzten 2 Runden der Herren-Elite bei der Kettenbrücke beobachtet, da war der Giglmayer noch auf Platz 20.
Sonntag war Agegrouper-Tag, Martin hatte um 7h05 Start, ich 50 Minuten später – also frühes Aufstehen.
Mit der Straßenbahn Richtung Start, die letzten 2km dienen zum Einlaufen. Zum Glück regnet es nicht mehr, wir schwimmen aber in einer Art Donauhafen, eher ein Freizeitgelände mit direkter Verbindung zum Fluß und die Temperatur soll knapp unter 15 Grad liegen. In so kaltem Wasser bin ich noch nie geschwommen. Zum Glück habe ich meinen Neo mit dabei, denn leere Hundekotsackerl, die ich mir beim eisigen und verregneten  IM in Zürich 2008 in meiner Verzweiflung beim Radfahren unters nasse Trikot stecken mußte, hab ich hier keine gesehen :-)
Das Schwimmen ist wie immer mühsam, im Neo bring` ich einfach nix zusammen; wenig bemüht erreiche ich in 29 min den Ausstieg und bin froh, nicht Letzter zu sein.
Über 2000 Starter aus 5 Kontinenten bedingen weite Wege in der WZ, der Wiesenboden ist vom Regen total durchweicht.
Die flache Radstrecke besteht aus 3 Runden, vor allem lange Gerade mit 3 180 Grad-Wenden. Inzwischen kommt die Sonne heraus, die leider nur 35km absolviere ich eher gemächlich in 59min.
Einem langen Wechsel – 3min15 – folgt das große Fragezeichen, das Laufen.
Schluß mit der Gemütlichkeit, ich geh`s gleich forsch an und laufe im „neuen“ Laufstil los. Das Feld ist schon etwas langgezogen, so daß ich wenige Läufer vor mir sehe und überhole.
Der Kurs führt entlang der Donau 5km stromaufwärts bis zur Kettenbrücke, dann eine Runde auf`s linke Ufer zum Zielbereich, wieder zurück auf`s rechte Ufer und dann ein drittes mal über die Brücke ins Ziel. Ob ich am Schluß noch immer mit zentralem Fußaufsatz laufe, weiß ich nicht mehr. Fersen und Wadeln verhalten sich ruhig, allerdings spüre ich den Trainingsrückstand in den Oberschenkeln. Die letzten KM sind recht mühsam und ich kann das Anfangstempo nicht mehr halten.
Mit 38,39 für die 10km bin ich aber unter diesen Umständen dennoch zufrieden und ich bin weit vom letzten  Platz in meiner AK entfernt.

Nach 2h13 (allerdings kürzerer Radsplit) hab`ich es geschafft, Sonne und gute Stimmung im Ziel.
Mit Schiffen werden die Teilnehmer zum Start und zum Auschecken der Räder gebracht. Hier war klar zum Sehen, wie schön Budapest ist und welcher Vorteil es im Gegensatz zu Wien hat, daß die Donau direkt durch die Stadt fließt und nicht nur an der Peripherie vorbei.
Ja – es hat sich ausgezahlt, das Wagnis einzugehen, ich bin noch immer ganz begeistert von der Stadt und vom Rennen.
Die ganze Veranstaltung war bestens organisiert, sowohl für uns Rotweißrote vom ÖTRV als auch von der ITU und den ungarischen Verantwortlichen.
Ich sollte mal den (Halb)marathon dort enger ins Auge fassen und ein paar Tage anhängen...
Harald Helleport, tri-team.at
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Offline pinguin

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2010-09-12 ITU-WM - shiloh
« Antwort #2 am: 03.10.2010, 20:30:30 »
GRATULIERE - so ein schöner Bericht und so ein schöner Wettkampf!

Offline heitzko

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2010-09-12 ITU-WM - shiloh
« Antwort #3 am: 03.10.2010, 20:49:56 »
danke für den schönen bericht! manchmal gilt: wer wagt, gewinnt :). ich hoffe, dass die bein-probleme trotzdem der vergangenheit angehören! es klingt jedenfalls verlockend einmal so ein historisches bad zu besuchen :)!