Autor Thema: 2011-05-21 Rennsteiglauf Supermarathon - cbendl  (Gelesen 226 mal)

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2011-05-21 Rennsteiglauf Supermarathon - cbendl
« am: 21.05.2011, 00:00:00 »
Datum: 2011-05-21
Event: Rennsteiglauf Supermarathon
Distanz: 72.700 km

Ersteller: cbendl

Offline cbendl

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2011-05-21 Rennsteiglauf Supermarathon - cbendl
« Antwort #1 am: 21.05.2011, 00:00:00 »
Tränen, Schweiß und Haferschleim

Wie schon bei früheren Berichten wird auch dies lange Geschichte mit einer langen Vorgeschichte. Da kann man wohl nix machen, wer wissen will, wie es ausgeht, muss da eben durch. ;)
Schon beim Berlin Marathon 2008 (oder war es sogar 2007?) entdeckte ich auf der Messe den Stand des GutsMuths Rennsteiglaufs. Eine Broschüre „Europas größter Crosslauf“ weckte mein Interesse. Erster Eindruck war. „Verwirrend! So viele verschiedene Strecken! Was ist das eigentlich und was ist der Rennsteig überhaupt?“ Kurzes Nachfragen belehrte mich: ein Traditionslauf über einen sehr bedeutenden Höhenweg, irgendwo im Wald. Und es gibt einen Bewerb über viiieeele Kilometer ... Aha. Interessant.

Mai 2009: Die drei Forianer kaku, klemens und wi(e)nfried laufen den Rennsteiglauf-Supermarathon – mit großem Erfolg. Spannend, von dem Lauf habe och doch schon mal gehört, und jetzt startet da jemand, den ich kenne. Aha. Interessant.
So frage ich Karsten und Winfried aus, wie der Lauf so ist, wie man dafür trainiert, was man dafür mitbringen sollte und vor allem – welche Schuhe man trägt. ;) Neben allgemeinen Informationen bekomme ich von Karsten den „zarten“ Hinweis dass ich – ausgehend von meinen Marathonleistungen und einem ausgefeilten Zielzeit-Berechnungsmodell – dort Top-3-, eher aber sogar Siegchancen hätte. Aha. Interessant. Na ja ich würde schon gern – auch wenn eine hügelige, sanfte, nicht-felsige Bergauf-Bergab-Strecke nicht gerade das ist, was mir liegt.
Ende Oktober dann die unvermittelte Anfrage „Also Carola, was ist, startest du beim Rennsteiglauf?“ Wozu auch mehr Worte verlieren? ;) Nach kurzer Bedenkzeit stand es fest – ja, mach ich (eigentlich war es spätestens seit Ende September, als ich beim Berlin Marathon einen Rennsteiglauf-Sticker einkassiert und mir auf mein Arbeitsbuch geklebt hatte klar, was mein Unterbewusstsein will :)). Carola startet beim Rennsteiglauf und Martin kommt auch mit.
Nach der „Traumsaison“ 2009 läuft 2010 allerdings weit weniger freundlich an – und „Knieschmerzen“, die ich vier Tage vor dem VCM bekomme, stellen sich bald darauf als Meniskuseinriss heraus. Meine Energie geht nun dahin, meine Operation zu organisieren. Trotzdem, da Martin ganz gut in Form ist und ich einfach neugierig bin, wollen wir fahren. Mein Operationstermin ist schon sechs Tage nach dem Lauf, die Schmerzen sind nicht sooo schlimm, also kann ich nicht allzu viel kaputt machen. Und dank eleons Tape-Künsten ist an ein wenig Laufen zu denken. Jedenfalls geht es zu viert – Karsten, Klemens, Martin und ich – nach Eisenach. Ich rechne nicht wirklich damit, den Lauf zu schaffen. Aber die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es mir bei langen Läufen quer durch die Landschaft hilft, die Strecke zumindest zum Teil zu kennen.
So laufe ich, so weit mich meine Beine tragen, bis die Muskulatur endgültig verkrampft zumacht und schlage mich dann per Autostopp zum Ziel durch. Bei einer Finisherquote unserer Gruppe von 25% wird über den Rennsteiglauf 2010 zu Recht der Mantel des Schweigens gebreitet – aber ich konnte zumindest 27 Kilometer kennenlernen.
Aber 2011 wird ja alles anders! Da komme ich in Topform wieder und laufe um den Sieg mit! So weit der Plan …

Nach eineinhalb Monaten recht gutem Training kommen Mitte Jänner 2011 die Probleme. Schmerzen, Müdigkeit – mal besser, mal schlechter, mal sehr schlecht. :( Und es geht nicht weg … Immer wieder muss ich Trainingseinheiten kürzen oder auch ausfallen lassen. Ich komme gerade mal auf sieben lange Läufe zwischen 30 und 35 Kilometern. :( Halbmarathon konnte gerade noch finishen – von einer guten Zeit bin ich bei der Staatsmeisterschaft in Wels Ende März aber weit, weit entfernt.
Beim eigentlich großen Ziel dem Paris Marathon, bin ich stark verkühlt – die Form hätte aber wohl auch ohne Schnupfen nicht für eine wirklich gute Zeit gereicht, daher entscheide ich mich nach 14 Kilometern für einen „geordneten Ausstieg“ und hoffe auf ein besseres – zumindest schnupfenfreies – Rennen eine Woche später beim VCM. Dieser ist zwar besser – ich komme immerhin bis km 22,5, was für ein Erfolg!! :\ Aber meine Beine tragen mich nicht, schmerzen noch nach 15 Kilometern und knicken einige Male weg. Ich bin ja schon fast gar nicht mehr enttäuscht, weil ich mich schon an die Misserfolg gewöhnt habe. :( Jetzt ist Zeit für eine Pause: Fast eine Woche gar kein Laufen, dann geht es wieder. Aber immer noch schwach – nach einem Lauf war immer ein Tag Ruhe nötig. Immerhin, nachdem jetzt als mein 3. Highlight des Frühlings „nur mehr“ ein Ultralauf ansteht, musste ich mich mit keinem anstrengenden Tempotraining mehr herumschlagen.

So halbwegs komme ich wieder ins Laufen und der Knopf scheint sich – mit schön vorsichtigem Training – halbwegs aufzulösen. Zwei Wochen vor dem Rennsteiglauf gibt mir die Verbindung 25 km von Berlin mit 30 km am darauf folgendem Tag – beides im gemütlichen Tempo – die sich ziemlich gut anfühlt, Mut und auch der Rest der Woche verläuft gut, bis am Freitag ein „fastlanger“ Lauf auf einmal recht mühsam wird und mich zu Hause auf einmal Schüttelfrost und Schmerzen überall erwischen. Das Fieberthermometer zeigt auf einmal 38°C oder mehr, ich kann mich nicht einmal erinnern. Wie meistens hilft aber eine Nacht ordentlich schlafen und in der Früh bin ich schon wieder auf 37,0°C unten. Woher de Spuk kommt war nicht ganz klar, meine Vermutung war eine Blase an der Ferse, die sich entzunden hatte. Zumindest legten deren wenig freundliches Aussehen und die Tatsache dass ich am Freitag nach dem Lauf kaum gehen konnte die Vermutung nahe. Mit Leukichtan besserte es sich, aber eine Woche vor dem Rennen krank zu werden und solche Schmerzen im Fuß zu haben, dass man nicht einmal normal gehen kann, ist wenig vertrauenserweckend. Immerhin, die Genesung schreitet schnell voran, am Sonntag ist schon wieder kurzes laufen möglich, der Rest der Woche verläuft mit einem Vollmondlauf und einer weiteren Einheit – endlich! – unspektakulär. Auch das Gewicht ist nicht ganz so schlimm, schon nahe am grünen Bereich (auch wenn es wieder so sein würde wie im Vorjahr: Rennsteigfahrt, und ich bin die Dickste! :(), meine gesamte Verfassung schien dafür zu sprechen, dass eine Fahrt nach Eisenach zumindest nicht ganz sinnlos wäre.
„Spannend“ wird nur noch, dass Martin, nach einigen zuletzt sehr unerfreulichen Wochen beschließt, die vorsichtig zurückkehrende bessere Verfassung nicht zu gefährden und anstatt des Rennsteiglaufs lieber „gemütliches Training in Wien zu absolvieren. So wird die Gruppe, von der sich schon Tschitschi und ein Vereinskollege verabschieden mussten, weiter dezimiert und nur mehr vier treten die Reise an.

Am Freitag geht nach einem strengen Zeitplan los – der Reihen nach werden um 05:40, 05:55 und 06:05 Klemens, ich und Winfried von „Delegationsleiter“ Karsten eingesammelt. Mit kurzen Frühstücks-, Tank- und Pinkelstopps kommen wir am frühen Nachmittag in Eisenach an. Nach dem doch sehr anstrengenden Vormittag – schließlich haben wir über 720 Kilometer hinter uns gebracht – lege ich mich zunächst hin, danach geht es zur Startnummernausgabe – begleitet von einem ordentlichen Regenguss. Meine frühe Anmeldung (schließlich wusste ich ja schon vor dem Rennsteiglauf 2010, dass ich 2011 wieder starten wollen würde) bedeutet, dass ich die schöne Startnummer 14 trage – Klemens bezeichnet sie als „Elitenummer“. So ein dummer Scherz, das sagt man doch nicht zu jemandem mit so schlechter Verfassung! Kurz darauf kommt dann die entscheidende Frage, Karsten will es wissen: „Also, Carola, wie geht es dir eigentlich?“ Neiiiin, nicht so eine Frage!!!! „Na ja, geht so, ich glaube, ich kann laufen, es ist besser, als es vor einiger Zeit war.“ „Hauptsache schmerzfrei!“ „Na ja, nicht ganz, aber halbwegs schmerzfrei zumindest“. Meine Bedenken hinsichtlich der schlechten Vorbereitung mildert Karsten noch ein wenig mit dem Hinweis, dass er bei seinem Platz-2-Lauf auch lediglich ein normales Marathontraining vorzuweisen hatte. Immerhin ein gewisser Trost. Als Klemens schließlich die Parole ausgibt „Heuer erreichen wir alle das Ziel“ ist klar, dass es nun keine Alternative gibt. Klemens widerspricht man einfach nicht. ;) Nach der anstrengenden Startnummernabholung ist es wieder einmal Zeit sich hinzulegen. :)
Doch die letzte Trainingseinheit steht noch bevor, der traditionelle Lauf zur Wartburg – angenehmerweise wieder bei freundlichem Wetter. Am Weg dorthin schickt ein Souvenirverkäufer uns „Wahnsinnigen, die dem Herzinfarkt entgegenlaufen“ nette Wünsche hinterher. Neues Wissen über die Wartburg bringt der Lauf keine, der Reiseleiter war immer noch nicht besser vorbereitet als im Vorjahr ;) aber eine Erkenntnis: Die Brooks Launch, die im Flachen wirklich gut zu tragen sind, sind mir für Steigungen zu groß. Dort, wo ich auftreten würde, befindet sich ein leerer Schuh. Vielleicht sollte ich meine Laufschuhe doch ein wenig weniger übergroß kaufen? Also würden doch die alten Nike Marathoner die Schuhe der Wahl werden. Aber rechtfertigt meine Verfassung Wettkampfschuhe? Kann ich ihnen, mit denen ich den Frauenlauf gewonnen, das erste Mal Marathon Sub-3 und auch meine Marathonbestzeit gelaufen bin, das antun? Egal, wenigstens sind sie nicht zu groß und der Boden dürfte trocken genug sein.
Nach dem anstrengenden Abschlusstraining ist es wieder Zeit sich hinzulegen bis die letzte Herausforderung des Tages ansteht – die Kloßparty. Traditionell erfolgt beim Rennsteiglauf (nicht nur) Carbo-Loading mit Thüringer Klößen, dazu Gulasch und Rotkraut, sowie Köstritzer Bier. Letzteres spare ich mir, das sollte die Belohnung werden, wenn ich es am nächsten Tag wirklich bis ins Ziel schaffen würde. Anschließend heißt es nur mehr, alle Sachen für den nächsten Tag vorzubereiten – und dann möglichst schnell einzuschlafen, schließlich steht am nächsten Morgen Tagwache um 04:10 an.
Nach einer kurzen Nacht Frühstück um halb fünf – traditionelles Wettkampffrühstück: Schwarzer Tee, Honigsemmel und viel Wasser. Außer bei Klemens bleiben die liebevoll vorbereiteten Frühstückseier unberührt. Dazu gibt es eine plastische Schilderung von Karsten was geschehen würde, äße er eineinhalb Stunden vor einem Wettkampf ein Ei. :D Trotzdem liegt es aber sicher nicht daran, dass mir auf einmal schlecht wird. Was soll denn das? Mein bewährtes Frühstück habe ich doch immer vertragen! Aufregung? Wozu, ich hab’ doch eh keine Erwartungen, nur versuchen, irgendwie über die Distanz zu kommen! Anscheinend war ich aber doch aufgeregt, ich vergesse auch, mir den Plan der Versorgungs- und Getränkestellen auf den Arm zu malen. Zum Ausgleich dafür bin ich besonders ordentlich, sortiere noch alles, was ich in den Rucksack gepackt habe und räume auch gleich meine Geldbörse – mit Geld und dem wichtigsten: dem Suppen- und dem Biergutschein – in meine Tasche, die im Zimmer bleibt. Anfängernervosität.

Beim Aufbruch gegen 05:30 ist das Wetter schon angenehm warm – ich bin froh, einen Ultralauf durch’s Grüne und keinen Citymarathon vor mir zu haben. Bis zum Start geht es sich gerade aus, Klobesuch (inkl. Schlange-Stehen) zu absolvieren und einen knappen halben Kilometer aufzuwärmen. Nicht, dass so ein Lauf das komplette Programm inklusive Lauf-ABC und Steigerern brauchen würde (aber auch das sah man), aber meine steifen, wackligen Beine musste ich doch ein wenig locker bekommen. Im Startblock treffe ich noch meinen Vereinskollegen Christian und einen Bekannten, den ich beim Königschlösser Romantik Marathon 2009 kennen gelernt und beim gleichen Lauf sowie beim Frankfurt Marathon 2010 wieder getroffen habe. Erstaunlich, wie und wo man sich immer wieder über den Weg läuft. Karsten und Klemens vermute ich irgendwo ziemlich weit vorne, sehe sie aber nicht. Ich stehe mit Respektabstand deutlich weiter hinten und Winfried an meiner Seite. Für den Rennsteiglauf hatte er mir ja versprochen, mit mir gemeinsam den „Weg auf den Höh’n“ zu gehen, mich zu begleiten, je nach Bedarf anzutreiben oder zu bremsen, mir ein wenig über die Strecke zu erzählen und sich überhaupt um mich zu kümmern – denn schönsten Haferschleim würde er mir suchen!
Nach dem Startschuss (wer im Geiste mitlaufen will, findet Strecke und Höhenprofil hier: http://www.rennsteiglauf.de/inhalt/rennsteiglauf/strecken/download/karten/karte_supermarathon.pdf http://www.rennsteiglauf.de/inhalt/rennsteiglauf/strecken/download/super.pdf http://www.rennsteiglauf.de/index/rennsteiglauf/strecken/index_supermarathon.html) geht es zunächst noch sehr gedrängt gute 500 Meter durch das Zentrum von Eisenach. Das Laufen ist noch etwas verkrampft, aber bei 72,7 km spielen 0,5 km im Gedränge keine sooo große Rolle. ;) Trotzdem nehme ich auf der ersten Steigung, als das Feld noch recht kompakt und durch eine Serpentine auch recht gut überschaubar ist, eine Läuferin vor mir wahr, die ich von Vorjahr in Erinnerung hatte – auch da als sehr schnelle Starterin. Aber trotz des latenten Ehrgeizes, der sich einfach nicht umbringen lässt, lasse ich sie mal loslaufen. Bald geht es bergauf und dann kommt (laut Streckenprofil) ein 25 km langer Anstieg. Vom Vorjahr hatte ich diese aber durchaus von Flachstücken aufgelockert in Erinnerung. Und so empfinde ich es auch diesmal. Ich fühle mich für’s Erste einmal recht wohl. Trotzdem schreckte mich die Frage von Winfried „Also, was könntest du dir denn als Tempo vorstellen? Ca. 5:00 flach, 5:30 bergauf?“ Wir hatten diese Frage bisher angesichts meiner (Un-)form ja erfolgreich verdrängt. Antwort habe ich auch jetzt keine. „Keine Ahnung, mal schauen, sicher nicht schneller.“ Da bergauf ja nicht meine Stärke ist, bergauf Druck machen kann ich wirklich nur, wenn ich in sehr guter Form bin und die Stecke ja doch „ein wenig“ lang ist, will ich mir für’s Erste eher etwas Zeit lassen und ja nicht zu viel Energie am Anfang verpulvern. Daher beobachte ich die Läufer um mich nicht aus der Konkurrenz-Perspektive. Dennoch, als sich der Eisenacher „Reichsbrücken-Sprint“ (ja, auch dort gibt es das Phänomen) beruhigt hat, ertappte ich mich selbst dabei, einen Läufer nach dem anderen ins Visier zu nehmen und ein wenig „Jagd“ zu machen. Das stelle ich dann schnell wieder ab, obwohl es doch etwas unangenehm war, nicht einfach drauflos laufen zu können, doch recht bald gewöhne ich mich an das (langsame) Tempo.
Bald beginnen auch schon Zuschauer mit der Positionszählung: „Super, zweite Frau!“ und ein Läufer, den ich überhole meint „Wenn du so weitermachst wird das ein Spitzenplatz.“ Meiner Antwort „Ja, wenn ich es ins Ziel schaffe …“ hält er nur entgegen, dass er immer zwischen der Ersten und Zweiten ankommen würde. Na wenn das so wäre … Soll mir recht sein. Immerhin zeigt mir das, dass ich nicht arg zu schnell oder zu langsam unterwegs wäre – jetzt ging es also „nur mehr“ ;) darum auch so gut, wie die ersten zehn Kilometer verlaufen waren, ins Ziel zu kommen.
Nach nicht ganz 13 Kilometern sehe ich die Läuferin, die das hohe Anfangstempo eingeschlagen hatte vor mir – deutlich langsamer. Wieder erwacht der Jagdinstinkt, wieder muss ich mich beruhigen: Da sie ja ohnehin langsamer war, hätte es doch keinen Sinn, sie unbedingt in der nächsten halben Minute einholen zu wollen und mit einem sinnlosen Sprint Energie zu vergeuden, früher oder später müsste ich ja automatisch an sie rankommen. Auf einem Flachstück ist es dann auch sehr bald der Fall und genau bei Kilometer 13 kann ich sie, die schwer keuchte, überholen. Bald darauf als ich – wieder einmal – eine Steigung gehe (ich hatte ja immer noch gewaltigen Respekt vor der Distanz) holt sie mich wieder ein, aber bald darauf verschwindet sie endgültig aus meiner Seh- und Hörweite. Was die diese Läuferin, die klang wie beim Finish eines Zehners, eigentlich machte, war mir unklar. Sie kam dann in 8:25:45 ins Ziel.

Es geht weiter recht abwechslungsreich dahin, einmal überholen die einen, dann wieder wird rücküberholt. Ein Läufer läuft immer wieder vor und zurück und macht Fotos. Und das bei doch nicht sooo langsamen Tempo – das nötig mir Respekt ab. Den Bericht, der daraus entstand, findet man hier: http://www.laufkultur.de/homepage/content_2011/Rennsteig11_Start.html Auch er ruft mir zu, dass ich, wenn ich so weiterlaufe, gewinnen würde. Ja – wenn!!
Bei der ersten Labestation bei 17,7 km gibt es nicht nur den ersten Becher Haferschleim – (wie im Vorjahr war diese Labestation besonders liebevoll gestaltet und mehrere Sorten Schleim standen bereit – ich griff wieder ohne zu zögern zu „Heidelbeere“) sondern auch die erste Zwischenzeitnehmung. Und da bekomme ich es offiziell, was ich schon von Zuschauern mehrfach gehört hatte: Ich liege wirklich in Führung! Sehr schön, aber noch ist es weeeiiiit bis ins Ziel, also nur einfach brav weiterlaufen. Die Labestation mit meinem Haferschleim verlassend hörte ich noch, wie die zweite Frau angekündigt wurde – was mich nicht weiter überrascht, ich bin nun mal nicht allein unterwegs, war mir aber ziemlich sicher, dass es eine andere Teilnehmerin sein müsste als die, die ich vor einigen Kilometern überholt hatte.

Und so geht es weiter, immer auf und ab. Bald kommt die 20-km-Marke, überraschend schnell waren die ersten 20 Kilometer vergangen. Recht angenehm finde ich, dass zwar die ersten Kilometertafeln mit meiner GSP Anzeige sowas von überhaupt nicht übereinstimmte, die „Haupt-Marken“, alle fünf Kilometer (nur bis km 10 ist jeder Klometer markiert) jedoch sehr genau passen. Nicht, dass es an der Streckenlänge etwas ändern würde, aber ich finde es für die Orientierung recht angenehm. Bei km 25,5 ist der Inselsberg, zwar nicht der höchste Punkt, aber der massivste Anstieg der Strecke, erreicht. Hier wird mir bewusst, dass das die bisher längste Wettkampfstrecke war, die ich in diesem Jahr bisher geschafft habe. Ein seltsames Gefühl, dass, was in Wels, Paris und Wien nur Quälerei war, auf einmal eigentlich ganz leicht geht. Gleich danach geht es auch ganz ordentlich wieder bergab – auf 1,3 km 160 Meter Abstieg. Vom Vorjahr war mir dieser Abschnitt in schlimmster Erinnerung. Die Oberschenkelmuskulatur war schon komplett „zu“, ich konnte mich kaum mehr bewegen, und musste auf rutschigem Boden abwärts. Heuer ist das zum Glück nur mehr eine ferne Erinnerung. Zu steil und zu früh um bergab richtig Gas zu geben, aber es tut gut, es einfach sachte rollen zu lassen. Endlich, nach über einem Jahr, spüre ich mein gutes Bergablaufgefühl wieder! Ein wunderbares Gefühl, auch wenn ich Vorsicht walten lasse. Dennoch kommt von hinten von Winfried die Warnung, ich sollte es doch nicht übertreiben. Natürlich, Meister, selbstverständlich, nur sanft rollen lassen, Gas geben kann ich später immer noch – wenn ich kann. Wir finden uns also ohne Meinungsverschiedenheiten wieder, es sollte ja nur eine Warnung sein, und so geht es weiter den Inselsberg hinunter, bis zur „Grenzwiese“, der Labe, wo mein Lauf voriges Jahr endete. Bei dieser Labe, die direkt an einer Straße liegt, ist schon viel los, ich werde mit Anfeuerungsrufen in Empfang genommen: „Und da kommt die Carola aus Wien, sie führt bei uns auf der Grenzwiese und sieht noch gut aus. Wenn sie so weitermacht, ist sie auch die Erste im Ziel …“ Schon wieder jemand mit so voreiligen Prognosen! In all dem Trubel in es nicht so leicht den Überblick zu bewahren. Und es geschieht: Ich übersehe den Haferschleim, den ich zu diesem Zeitpunkt gerne gehabt hätte. Am Ende der aufgebauten Tische, bei dem ich mich befinde, gibt es Cola und Tee – aber keinen Schleim. Was ist nun mit „Ich suche dir immer den schönsten Haferschleim!“? Schwer geschockt frage ich eine Helferin, wo ich denn den Schleim finden würde – sie deutet ein paar Tische nach hinten. Was??? Das sind sicher drei bis vier Meter! Soll ich die wirklich zurücklaufen müssen? Hilfe! Wo steckt Winfried? Meine große Not nicht bemerkend ist er einfach weitergelaufen und nun schon ca. zwanzig Meter weiter. Es sieht also tatsächlich so aus, als müsste ich wirklich den weiten Weg alleine zurücklaufen – kostbare Sekunden und Kräfte würden draufgehen. Oje, wie soll das bloß enden?
Nach diesem Umweg nahm ich wieder Fahrt auf und wurde unter dem Beifall der Zuschauer von der Moderatorin weiter auf die Strecke geschickt. Im Weglaufen höre ich noch, wie die nächste Frau angekündigt wird – bereits mit größerem Abstand als noch neun Kilometer zuvor. Ich fühle mich ganz gut, aber beinahe zwei Drittel der Strecke liegen ja noch vor mir. Das Missgeschick bei der Labestation schafft immerhin ein Gesprächsthema für die nächsten Kilometer – lautstarkes Wehklagen und Überlegungen, welche grausamen Strafen sich so pflichtvergessene Begleiter verdient hätten. :D
Irgendwann nach 30 km melden sich meine Verdauung und meine Blase, die sich doch relativ lang als äußerst kooperativ erwiesen hatten. Was soll’s, die frühe Startzeit und der Haferschleim haben eben ihre Tücken und fordern ihren Tribut. Ganz ohne Stopp wird kaum jemand über die Distanz kommen und ich hatte schon – auf wesentlich kürzeren Läufen – wesentlich Schlimmeres erlebt, also suche ich mir eine geeignete Stelle und lege einen Boxenstopp ein. Natürlich denke ich immer wieder darüber nach was wohl passieren würde, wenn ich einen Einbruch hätte – den ich ja die ganze Zeit ein wenig fürchte, ich hatte ja kaum trainiert – oder „einfach so“ eine Läuferin von hinten auftauchen würde. Ich war mir einfach meiner Sache nicht sicher. Mein Plan wäre gewesen, am besten einfach mein Rennen weiterzulaufen – also mich weder anzuhängen noch zu resignieren. Es könnte ja immer noch sein, dass sich das Blatt wendet, auf der langen Distanz kann ja jeder die Energie ausgehen. Und selbst wenn e wirklich so wäre, das eine stärker wäre als ich, wäre es immer noch wert, um Platz Zwei zu kämpfen und nicht unmotiviert fertiglaufend womöglich nur Vierte zu werden.
Jedoch – es kommt nicht dazu. Bei der Labestation „Ebertswiese“ bei 37,4 km , die als die „Halbzeitmarke“ gilt, werde ich abermals freudig begrüßt: „Und hier kommt die Carola aus Österreich, sie ist zum ersten Mal hier bei uns [stimmt, bis zur Ebertswiese war ich im Vorjahr ja nicht gekommen], wir wünschen ihr alles Gute für die zweite Hälfte!“
Als ich den Beifall für die Zweite nur mehr ganz leise, schon aus deutlicher Entfernung höre denke ich mir erstmals „Das will ich heute gewinnen!“

Kilometer um Kilometer vergehen, immer nach dem gleichen Schema: Bergauf gehe ich viel, das Feld zieht an mir vorbei, flach und bergab mache ich wieder Tempo. Irgendwann wundert sich niemand mehr, der Rhythmus hat sich eingespielt. Ein Läufer kommentiert mein Überholen mit „Da kommt der ‚grüne Floh‘ wieder.“ :) Kurze Unterhaltungen beim mehrmaligen Hin- und Rücküberholen mit einem Salzburger Läufer, den ich schon von anderen Läufen vom Sehen kannte, sorgen für wahrnehmbares österreichisches Idiom im Thüringer Wald.
Bei 42,2 km denke ich mir ich, dass es schade wäre, dass es hier keine Marathon-Zwischenzeitnehmung gab – so hätte ich dieses Jahr endlich ein Marathonergebnis stehen. Und immer noch kann ich – obwohl ich den Sieg sehr, sehr will, ihn mir nicht wirklich als real vorstellen. So freue ich mich über „Worst-Case-Berechnungen“ wie „Immerhin habe ich 30 / 35 Kilometer / die halbe Distanz / … geführt.“
Nach 47,7 km kann ich mit einem neuen „Rechenspiel“ beginnen, auf das ich mich schon länger gefreut habe: Wie bei einem 10000-m-Lauf die „Runden“ runterzählen: „Noch 25“, „Noch 24“, … Dass hier die Runden einen Kilometer und nicht 400 Meter lang sind, ist zu vernachlässigen. Bahnlauf als mentale Vorbereitung fürs Ultralaufen sollte man nicht unterschätzen! :)
Bei ca. 50 km treffe ich auf Christian – leider gehend. In diesem Moment habe ich schon keine Ahnung mehr, wo wir und befanden – Glück im Unglück: Nur wenige Kilometer vor dem „Granzadler“ wo es eine offizielle Ausstiegstelle mit Zeitnehmung und Transport zum Ziel gab.

Verdauung und Blase sind schon etwas weniger nett als am Anfang – nun gut, dann eben der nächste Boxenstopp, und bis auf weiteres den Haferschleim auslassen. Unvermittelt öffnet sich der Wald auf eine große freie Fläche: Der „Grenzadler“, den ich aus dem Vorjahr – frierend, auf den Weitertransport ins Ziel wartend – gut kannte. Bei der Verpflegungsstelle schnappe ich diesmal statt Haferschleim Gemüse-Getreide-Suppe und lächle der „Thüringer Hütte“, wo mich die Streckenposten, die nicht erlauben wollten, dass ich in kurz/kurz draußen stehend den Rennverlauf beobachte letztes Jahr „eingesperrt“ und mit Kaffee und Kuchen „bestochen“ hatten, im Vorbeilaufen zu – ziemlich glücklich, dass ich sie heuer nur von außen sehe. Topfen- und Mohnkuchen waren ja sehr gut, aber diesmal will ich lieber die Strecke „fressen“.
Abgesehen vom „schlimmen Faux-Pas“ ;) bei der Grenzwiese ist Winfrieds Begleitung von unschätzbarem Wert. Aus seiner reichen Ultralauf- und insbesondere Rennsteig-Erfahrung schöpfend kann er mir immer wieder wertvolle Tipps geben: „Jetzt kommt bald das „Rondell“, dort stehen viele Fotografen, also wisch dir den Haferschleim aus dem Gesicht“ :) Bevor uns aber jemand allerdings mangelnde Ernsthaftigkeit unterstellt – ich /wir war(en) eben in der glücklichen Lage, dass solche Themen die größten „Sorgen“ waren. Ich gönne es mir auch, einmal kurz zurückzubleiben, um den grünen Streifen in voller Pracht bewundern zu können. :)

Obwohl die Stecke ab dem Granzadler nur mehr 18 km lang ist, dauern die nächsten acht Kilometer gefühlsmäßig recht lange. Nach ca. 60 km denke ich mir erstmals „Jetzt hätte ich ganz gern, dass das Ziel langsam näher kommt“ und „So ein Ultralauf ist schon lang, ich weiß nicht, ob ich das wieder machen will.“ Da durften es auch mal Traubenzucker und ein halbes Gel sein. Zur Ablenkung denke ich diesmal daran, wie es wohl Karsten und Klemens, die bald das Ziel erstürmen müssten, wohl geht. Erfreulich ist nun, dass ich das Streckenprofil so in Erinnerung habe, dass wir nur mehr einen markanter Anstieg, den zum höchsten Punkt der Strecke, dem „Großen Beerberg“ (bei ca. 62 km) vor uns haben – dieser ist auch recht bald erreicht und weniger unangenehm als gedacht (so dass ich einen offensichtlich sehr rennsteigerfahrenen Läufer fragte, ob es des denn wirklich schon gewesen sei) und ab diesem Zeitpunkt geht es hauptsächlich bergab. Nie besonders steil, jetzt kann man Tempo machen, juhu! Immer wieder gibt es hier weniger „kinderwagentaugliche“ Wege, dort über Steine und Wurzeln zu springen machte Spaß und wirkt der Monotonie entgegen jetzt ist es nicht mehr weit, jetzt kann ich die Beine von der Leine lassen. Dennoch, als ich bei der letzten Labestation (bei der einige Läufer begeistert zum Bier greifen, das es dort gibt, ich aber bei meinem „Lieblingsgetränk“, das mich von Anfang an begleitet hat –Tee-Cola-Mix – bleibe), einige Schritte langsam ging bemerke ich doch, dass die Beine etwas steif sind. Sobald ich die Becher aber weggeworfen habe, läuft es wieder recht munter. Für Spannung sorgt auch deutliches Donnrgrollen und erste Regentropfen. Wie würde sich das noch weiter entwickeln? Die Steigungen gehe ich allerdings trotzdem zum Teil – und komme mir wieder unendlich langsam vor. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass es für die meisten gegen Ende etwas zäh würde, sorge ich mich doch ständig, das jetzt! jetzt! jetzt aber wirklich! eine Läuferin mit vollem Speed hinter mir auftauchen und mich stehen lassen würde. Die Steigungen sind aber immer kurz und da ich im Flachen „rasante“ ;) 4:50 und bergab „mörderische“ ;) 4:19 lief, fühle ich mich doch einigermaßen sicher.
Ohne dass wir es extra vereinbart hatten, lässt mir Winfried, der sonst immer unmittelbar neben mir läuft, bergab freie Bahn und hielt deutlichen Abstand zu mir, so dass ich immer die sichere Linie suchen konnte und bei eventuellen Stolperern genügend Spielraum hatte – was sich. als ein Läufer kurz vor mir einen Purzelbaum hinlegt, als weise Vorsichtsmaßnahme herausstellt. Wie man Begleitung auf einem solchen Lauf macht lässt sich schwer planen, zu viel Unvorhergesehenes kann passieren Jedoch: Es klappt wunderbar (bis auf die kleine Panne … ;)). Immer wieder bekomme ich Vorschau auf die kommenden Streckenabschnitte. Ob das alles genau so stimmte, wusste ich zwar nicht, aber es gestaltete das Laufen kurzweiliger und immer wenn mir „crossige“ Stücke in Aussicht gestellt wurden, half mir die Vorfreude über die „faden“ Stücke hinweg – und wieder war ein Kilometer absolviert. :)
Ein solcher netter Punkt ist der, wo die Strecke der 17-km-Famlienwanderung auf die Supermarathonstrecke einmündet. Ab nun ging es unter lautem Beifall der Wanderer weiter. Das hilft wieder über ein kleines Ärgernis hinweg: Bis km 60 gab es ja eine sehr angenehme Übereinstimmung zwischen den Kilometertafeln und meiner GPS-Anzeige. Beim 60. Kilometer  beträgt die Abweichung auf einmal eineinhalb Minuten, bei 70 schon über drei Minunten. So kurz vor Schluss ist es einfach richtig unangenehm nicht zu wissen, wie weit es noch ist. [Anmerkung der Redaktion: Im Ziel zeigt meine Messung 73,7 km und auch Hinweise anderer Läufer lassen den Schluss zu, dass die Strecke durchaus ca. einen Kilometer länger sein könnte. Spekulationen über falsche Höhenangaben, die sich auf Garmin-Messungen berufen, halte ich jedoch für eher zweifelhaft. Egal, Rennsteig lässt sich sowieso nur mit Rennsteig vergleichen, und da ist die Strecke ja immer fast gleich und ob Schnit 5:27 oder 5:23 ist auch relativ wurscht.] Und schließlich ist es soweit, die letzte Steigung ist erreicht. Bei jedem Lauf ein sehr wichtiger Punkt! Dieser Anstieg nervt zwar etwas, lieber will ich bergab „sausen“, aber muss eben auch absolviert werden, mittlerweile in ziemlichem Regen, der für den nötigen Anreiz sorg, die ganze Sache bald hinter sich zu bringen. Ich habe dabei Glück, ein Läufer vor mir, er auch langsam zum Endspurt ansetzt, räumt mir die Wanderer, die auf den nun anstehenden schmalen Wegen etwas im Weg sind, aus der Bahn und bald ist es soweit: Die Zielwiese, die sich mit Bratwurstgeruch schon länger angekündigt hat, liegt vor mir. Zirka 200 Meter geht es leicht bergab, gerade perfekt, um es laufen zu lassen. Ich werde von viel Beifall und – zum ersten Mal in meinem Leben – von Salutschüssen begrüßt. Ich kann es nicht glaube und leider gehen diese letzten Meter viel zu schnell vorbei. Ich bin im Ziel! Als Erste! Ein par Tränen (im gegensatz zu den letzten Monaten sind es allerdings Freudntränen) mischen sich in den nun dicht herunterprasselnden Regen. Der erste Dank gehörte natürlich meinem Begleiter – nicht nur über 72,7 km sondern viele Monate. Unmittelbar hinter der Ziellinie stürzen sich Fotografen und Journalisten auf mich, es ist kaum zu glauben. Ich fühle mich großartig. Die Anwesenheit der vielen, die es wissen müssten nütze ich gleich für die entscheidende Frage: „Wer hat bei den Männern gesiegt?“ „Ein Österreicher, irgendwie mit ‚K‘ …“ Na mehr braucht es nicht – Doppelsieg unserer Truppe! :) Nur schade, dass es keinen mehrfache ex aequo Siege gibt.
Gleich drauf bewegt sich etwas im Zielraum: Karsten hat gehört, wie meine Zielankunft angekündigt wird und stürmt mir entgegenn. Wie fallen einander rum den Hals und er rammt mir freundschaftlich sein Knie in den rechten Oberschenkel. Bis zu diesem Moment hatte mir ja noch nichts wehgetan. ;)
Ich bekomme noch Anweisung, um 13:00 bei der Siegerpräsentation zu erscheinen, danach geht es auf die Tribüne, zu den ersten Interviews. Wieder zurück im Zielraum geht es mit Interviews weiter – ich kann nicht sagen, dass ich das unangenehm fand. :) Trotz mittlerweile sehr starkem Regen ist mir auch nicht kalt, es ist mir dann aber doch recht angenehm, endlich entlassen zu werden. Langsam verabschiedet sich mein Kreislauf und ich sehe nur mehr sehr verschwommen und benebelt. Winfried bietet sich netterweise an, mir meinen Gewandsack zu holen, wahrend ich bei den Getränken – unter dem 10 Zentimeter breiten Zeltvordach vor dem Regen nur minimal geschützt warte und – zur Abwechslung – Tee und Cola, diesmal aber getrennt trinke. Irgendwie schaffen wir es leider, einander zu verfehlen. Nachdem der Akku meiner Uhr auch recht bald nach dem Ziel leer war, weiß ich nicht mal die Uhrzeit sondern muss immer wieder andere Leute fragen. Irgendwann verlasse ich den Zielraum doch, um mich auf die Suche nach der Siegerpräsentation zu machen. Ich finde mich bei einer Bühne wieder – nur finden dort leider nur die Siegerehrungen der Kinderläufe statt. Mehrmals irre ich über das Zielgelände, das ich schon im Vorjahr etwas unübersichtlich gefunden hatte, immer noch nur sehr verschwommen sehend hin und her. Immerhin treffe ich Christian und sehe, dass er mehr oder weniger wohlbehalten nach Schmiedefeld gekommen ist Endlich treffe ich einen leicht verzweifelten Winfried (besser gesagt er trifft mich, weil ich sehe immer noch kaum etwas), der so wie ich durchs Zielgelände geirrt war – nur offenbar gegengleich. Er dirigiert mich ins Zelt der Ehrengäste wo ich mit Beifall begrüßt wurde. Als letzte zu kommen hat ja doch auch seien positiven Seiten. :) Wieder Interviews, Klemens, ich (mittlerweile frierend und zitternd aber trotzdem glücklich) und die anderen Sieger werden beglückwünscht und alle sind neugierig, was uns Österreicher zum Rennsteiglauf geführt hat. Ganz klar, die „Deutschen Entwicklungshelfer“, die so vom Rennsteiglauf geschwärmt haben. :D Ob diese Erklärung wirklich für alle nachvollziehbar war, weiß ich nicht, jedenfalls wurde der Wunsch geäußert, dass nächstes Jahr 1000 Österreicher starten sollten. Es folgt die Siegerehrung mit Blumen, Rotkäppchen Sekt und Badetuch (!!) und dann war der offizielle Teil beendet – und, was ich mir ja als Belohnung für nach dem Lauf aufgehoben hatte, folgte: Ein Köstritzer – und ein zweites, und, damit sie nicht so allein bleiben, auch Thüringer Bratwürste und viiiieeeeeel Kuchen, schließlich will ich ja ein guter Gast sein. :)
Später entdeckt ich, dass meine Geldbörse nicht da ist. Auf der Suche, wo ich sie ausgestreut haben könnte, komme ich noch zufällig bei der Altersklassen-Siegerehrung vorbei, sammle da nochmals Preise ein und dann geht es auf den Rückweg. Dem Busfahrer muss ich klarmachen, dass ich weder Fahrt-Gutschein noch Geld bei mir habe, aber totzdem gern nach Eisenach fahren würde – er lässt sich erweichen. Und ich bin froh, dass der zunächst anstrengende und dann turbulente Tag langsam zu einem gemütlichen Ende kommt …
Zur Statistik:
Ergebnisse Supermarathon:
1   Bendl-Tschiedel, Carola
AUT   Wien   06:36:11
2   Iseler, Judith
GER   Mühlingen   06:46:21
3   Braun, Marion
GER   Simmerath   06:49:03

1   Huemer, Klemens   AUT   Wien   05:29:53
2   Lynas, Matthew   GER   Erfurt   05:32:33
3   Philipp, Anton   GER   Weitnau-Rechtis   05:43:21
7   Kühne, Karsten   AUT [sic!]   Wien   05:53:24
64   Strallhofer, Winfried   AUT   Wien   06:36:12

Teilnehmerstatistik:
Strecke   Meldungen   gestartet   finished   Not finished
Supermarathon   2242   2054   1950   29
SM-Aussteiger (54,7 km)      75   
Marathon   3084   2845   2804   41
Halbmarathon   6704   5910   5883   27
Handbiker   6   6   6   0
Juniorcross   1017   875   875   0
Specialcross   398   374   374   0
Summe Läufe   13451   12064   11967   97
17-km-Wanderung   1380   1325   1325   0
17-km Nordic Walking   665   621   620   1
35-km Nordic Walking   327   303   300   3
50-km Nordic Walking   92   82   78   4
Summe Wandern   2464   2331   2323   8
Summe   15.915   14.395   14.290   105

Und als Entscheidungshilfe für die 1000 Österreicher, die 2012 starten wollen: Der Lauf ist sicher empfehlenswert. Er lebt weniger von einer wunderschönen Landschaft – obwohl die Streckenführung durchaus auch gut ist – als vielmehr von einzigartigen Stimmung, die sich durch die Veranstalter, Teilnehmer und Zuschauer ergibt.
hippocampus abdominalis

Offline heitzko

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2011-05-21 Rennsteiglauf Supermarathon - cbendl
« Antwort #2 am: 24.06.2011, 18:39:09 »
so geschafft, ich bin durch :). ich freue mich sehr, dass du bei all den nicht so tollen vorzeichen (mit so etwas kenne ich mich wirklich aus :D) einen so genialen lauf hinlegen konntest. ganz großartig!!! auch wenn dich dein begleiter soooooo vernachlässigt hat, bei der einen labestation :D (musst noch darüber nachdenken wie du ihn gebührend bestrafen kannst :D). gibt es dort ein zeitlimit? als brav protestantin sollte ich dort vielleicht auch einmal mitlaufen ;).

Offline helga

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2011-05-21 Rennsteiglauf Supermarathon - cbendl
« Antwort #3 am: 24.06.2011, 19:38:26 »
Danke für diesen sehr langen aber sehr interessanten Bericht, es ist dir sehr gut gelungen, beides, diese anspruchsvolle Laufdistanz sowie dein Bericht darüber.
Gratuliere dir recht herzlich=)
und was mich besonders freut ist, dass eine Österreichische "Speedmaus";)     den deutschen Girls was vorgelegt hat:D
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Offline Richy

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« Antwort #4 am: 24.06.2011, 22:06:28 »
Irgendwas ist bei den Ultras immer mühsam – entweder der Lauf selbst oder die Länge des Berichts ;)

Im Ernst – toll gemacht. Sowohl Lauf als auch den extrtem informativen Bericht. Starke Sache – dass du im Fall des Fertiglaufens vorne dabei bist – war mir ja auch klar – ganz vorne – war dann doch eine sehr angenehme Überraschung.
Gegenüber anderen Ultra – Veranstaltungen im Hamsterrad (Rundenlauf) scheint der Lauf doch etwas zu sein, was man in Erwägung ziehen könnte. Da auch das Wetter recht lange mitgespielt hat, liest sich das doch anders als die Biel 2011 Berichte.
Wegen dem Alter und Ultralauf habe ich mich ja bereits geäußert, oder? :D

Offline wi(e)nfried

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« Antwort #5 am: 25.06.2011, 06:46:50 »
Sehr schöner Bericht, nur scheint mir, dass du von den drei im Titel erwähnten Punkten fast nur einen abgearbeitet hast. Trotzdem liest es sich so, als wäre man dabeigewesen. ;-)
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Offline JM

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« Antwort #6 am: 25.06.2011, 11:02:26 »
Der Bericht war doch ganz kurzweilig, hat zuerst ein wenig bedrohlich ausgeschaut. Aber das ist wohl wie mit dem Lauf selber. Vielleicht bin ich nächstes Jahr einer der 1000 Österreichern die starten werden - du ist schuld. Obwohl, stimmt, ich bin ja kein Österreicher :D - schuld bist du trotzdem ;)
Haferschleim ist eine meiner Lieblingsspeisen, da kümmere ich mich lieber selber drum und verlasse mich auf niemanden. :D Obwohl so eine Begleitung ansonsten sicher schon Gold wert ist.
Auf jeden Fall ein ganz starker Lauf von dir, auch wenn ich die deine schlechte Form (Daumen nach unten im km-Spiel) nicht ganz abkaufe :) Obwohl - es ist halt alles relativ. Bei hochzeigendem Daumen würdest du wohl das Rennen noch vor Clemens gewinnen. Bin gespannt ob DU auch noch mal dort mitläufst.... Titel gehören ja verteidigt !
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Offline dogrun

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« Antwort #7 am: 25.06.2011, 13:28:41 »
Super Lauf und toller Bericht, bin echt beeindruckt!
Gratulation hier nochmals!
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Offline Tschitschi

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« Antwort #8 am: 25.06.2011, 20:02:27 »
wow!
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Offline Tschitschi

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« Antwort #9 am: 25.06.2011, 20:04:16 »
Aja, und der Lauf: nächstes Jahr wird er mir nicht mehr entgehen
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Offline cbendl

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« Antwort #10 am: 25.06.2011, 22:07:35 »
Wer meinen Bericht geschafft hat, braucht sich auch vor 73 km nicht fürchten. :D
hippocampus abdominalis

Offline MT76

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2011-05-21 Rennsteiglauf Supermarathon - cbendl
« Antwort #11 am: 25.06.2011, 23:22:13 »
und wer lesen will, wie sich der Lauf anfühlt, wenn es einem nicht so gut geht ... mein Bericht vom Rennsteiglauf 2010 ist jetzt auch online. Geschrieben hab ich ihn eh schon vor einem Jahr, aber nachdem 2011 wohl 2010 rehabilitiert hat, sehe ich ...
Zitat

Bei einer Finisherquote unserer Gruppe von 25% wird über den Rennsteiglauf 2010 zur Recht der Mantel des Schweigens gebreitet

als aufgehoben ;)
“If u can't fly then run, if u can't run then walk, if u can't walk then crawl, but whatever u do u have to keep moving forward.” - Martin Luther King Jr.Blog: http://martin24h.blogspot.com
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Offline boenald

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« Antwort #12 am: 15.07.2011, 09:02:59 »
Komm erst jetzt zum Lesen und bin beeindruckt - was für ein Rennen!! Mich persönlich schreckt die Aussicht auf Haferschleim ja eher ab, kaum etwas, was ich grauslicher find, aber es gibt ja sicher Alternativen ;)
Paragraph eins: jedem sein´s.

Offline cbendl

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« Antwort #13 am: 19.07.2011, 15:13:51 »
@ Boenald: Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann gibt es für dich doch das Bach-Argument, dass dich zum Rennsteig locken sollte. :)
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