Autor Thema: 2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM  (Gelesen 130 mal)

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Datum: 2011-07-24
Event: 11. Königsschlösser-Romantikmarathon
Distanz: 42.195 km

Ersteller: StefanM

Offline StefanM

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #1 am: 24.07.2011, 00:00:00 »
Halbe Sau und volle Heizung

Der Königschlösser Romantik Marathon in Füssen ist einer der wenigen "normalen" Marathons um diese Jahreszeit und so entschlossen wir uns für ein Familienlaufwochenende im Allgäu. Die Anreise erfolgte mit der Bahn am Freitag Abend. Der erste Eindruck von Füssen war sehr touristisch, im Hotel wurden wir gleich mal englisch begrüßt. Trotzdem war es ab 23 Uhr kaum noch möglich ein offenes Lokal zu finden, entweder war alles auf Tagestouristen eingerichtet oder der übliche Füssen-Übernachtungsgast lag um diese Zeit schon längst mit Flanellpyjama im Bett.

Samstag Früh wollten wir erstmals das tun, weswegen die meisten kommen, nämlich Neuschwanstein besichtigen. Nach einer halben Stunde in der Warteschlange im Regen war ich zwar immer noch weit weg vom Ticketschalter, die nächste freie Führung war aber mittlerweile erst nach 17 Uhr verfügbar. So disponierten wir um und besichtigten das "Vorgängerschloss" Hohenschwangau, das ging etwas früher.

Danach machten wir uns auf zur Marathonmesse. Das Highlight im Startsackerl war ein Stück König Ludwig Bierkäse. Nachdem wir keinen dritten Läufer für den Staffelmarathon gefunden hatten, wollte Felix zumindest am Samstag Abend den 10 km Citylauf (3 Runden durch die Stadt mit etlichen Steigungen) laufen, zu dem er jetzt nachgemeldet wurde. Felix war dann zwar schneller als bei seinem ersten 10 km Wettkampf heuer in Retz, aber dennoch unzufrieden. Um diese "Schmach" auszumerzen wollte er gleich am nächsten Tag wieder starten.

Nun bin ich ja grundsätzlich der Letzte, der meine Kindern vom Laufen abhalten will, jetzt wagte ich aber schon leise einzuwenden, dass die Chancen für eine neue Bestzeit höher stünden, wenn er vor einem neuerlichen Antreten bei einem Wettkampf einmal ein bisschen mehr als nur die 50km im letzten halben Jahr trainieren würde. Aber sag einem 16-jährigen einmal was! Nun wurde auch bei Paula der Ehrgeiz geweckt: "Wenn der zwei Wettkämpfe hintereinander schafft, dann schaffe ich die 12 km in der Staffel auch." Und schon waren Conny, Felix und Paula für die Staffel nachgemeldet. Nun hatten wir schon fünf Stück Bierkäse.

Um 21:15 war dann die Siegehrung für den Citylauf und den ebenfalls am Vorabend des Marathons stattgefunden habenden Halbmarathon. Bis alle AK und Sonderwertungen durch waren dauerte es schon etwas. Um das Publikum im Festzelt bei Laune zu halten, gab es anschließend eine Tombola. Neben etlichen Pimperlpreisen wurde als Hauptpreis auch ein Mountainbike verlost, und so blieben wir bis zuletzt. Die Moderatoren gaben ihr Bestes in feinster Homeshopping Television Manier:
"Und Hannes, was hast du jetzt wieder für einen tollen Preis?"
"Ein Handtuch, eine Taschenlampe, einen Gutschein von der Tegelbergbahn und obendrauf eine Packung Orthomol."
"Ja Wahnsinn, so einen tollen Preis hast du da wieder zusammengestellt, den gewinnt die Nr. 4711 – ah die ist nicht mehr da, da müssen wir akkumulieren!"
"Na dann gibt’s oben drauf für den nächsten Gewinner noch ein Sechserpack Zötler-Bier!"
Irgendwann verstand ich so was wie "halbe Sau". Ein offensichtlich britischer Gast ersuchte die Nummer auf Englisch zu wiederholen, da er sich nicht sicher war, ob er der Gewinner sei.
"You realize, you won half a pig?"
Verständnislose Blicke.
"I will explain you later."
Um Halb 12 gingen wir ohne Mountainbike schlafen.

Um halb 2 in der Nacht ritt ein Pferd durch unser Hotelzimmer. Ich kann es leider nicht anders beschreiben, ein abartig lautes rhythmisches Geklappere riss uns aus dem Schlaf. Zuerst dachten wir, wir hätten vielleicht den Wecker am Handy irgendwie falsch eingestellt, fanden aber den Schuldigen bald in Form des Heizkörpers im Bad. Aufgrund der niedrigen Temperaturen wurde auch im Sommer geheizt. Offensichtlich hatte sich nun eine größere Luftblase in unserem Heizkörper verfangen und ließ diesen mit unverminderter Wucht an der Wand rütteln. Schlaftrunken konnte ich das Problem lösen, indem ich das Ventil voll aufdrehte. Nach einer Stunde begann das ganze von vorne. Witziger Weise beruhigte sich der Heizkörper im Bad, nachdem ich auch den Heizkörper neben dem Bett voll aufdrehte. Nun war es zwar wieder leise, aber dafür heiß. Ich möchte hier anmerken, dass wir schon in einem frisch renovierten 4-Stern-Hotel abgestiegen waren.

Um 5:30 läutete nun wirklich der Wecker. Der Start des Marathons war um 7:30 angesetzt, um der sommerlichen Hitze entgehen zu können, etwas was heuer nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Das Wetter war weiter kalt und regnerisch. Aufgrund des Marathons, wurde das Frühstück zwar schon um 7 gerichtet, dass war mir aber doch ein wenig zu spät für meine Marathonrituale. So hatte ich mir am Vortag eine mitgebrachte Thermoskanne mit Kaffe befüllen lassen, den wir jetzt schlürften. Um 7:15 gingen wir vom Hotel zum nahen Start.

Ich hatte mir nicht wirklich etwas für den Lauf vorgenommen. Erstens war es eher ein Landschaftslauf als ein flotter Stadtmarathon, zweitens verunsicherte mich wie immer eine leichte Verkühlung und drittens bin ich aus dem Alter raus, wo ich mir noch was beweisen muss. Ich dachte mir, lauf mal locker weg und schaun ma mal, dann sehn wir schon. Nach Banis Rat in Linz voriges Jahr stellt ich mich wieder vor dem 3:45-Pacer auf. Nach ca. 500 m lockeren Laufens wurde ich vom 3:45-Pacer überholt. Also wohl nicht mein Tag heute. Bei der 1-km-Marke schaute ich auf die Uhr und stellte fest, dass ich mit 4:30 unterwegs war. Also irgendwas stimmte da nicht. Ich lief einfach weiter und genoss die Landschaft.

Der Königsschlösser Romantik Marathon trägt seinen Namen nicht zu unrecht. Großteil läuft man durch schöne Landschaft auf unbefestigten Wegen. Durch den Regen der letzten Tage war der Boden tief und voller Lacken. Ein Teil der Läufer entschied sich für das rhythmusbrechende Lackenspringen, der andere für das fußaufweichende Durchlaufen. Der erste Teil führte mich um den Hopfensee, so hatte ich gleich auch eine Seenumrundung ;). Es ging alles viel zu locker, irgendwann lief ich wieder auf den 3:45-Pulk auf und überholte ihn. Nach 15km kam ich an der ersten Staffelwechselzone vorbei und konnte Felix winken. Danach wurden die Splits doch etwas langsamer. Für eine PB hätte ich jetzt weiter Druck machen müssen, das fand ich aber für heute unangebracht. Ich nahm etwas Tempo raus und fühlte mich wieder wohl.

Nun ging es wieder zurück nach Füssen und am Foggensee entlang wieder aus der Stadt hinaus. Der aufgestaute Lech dehnt sich hier weit aus, es nieselte leicht, es kam etwas Wind auf und ich fühlte mich fast wie an der Nordsee. Bei km 25 nahm ich ein erstes Gel, ich hoffte, dass ich mit meinen kalten Fingern noch den Beutel aufreißen konnte. Dann freute ich mich schon auf die nächste Staffelwechselzone bei km 30. Paula war schon etwas ausgefroren. Ich konnte mir die Zeit nehmen ein paar Worte zu wechseln und in Ruhe das zweite Gel und Wasser zu mir zu nehmen.

Nun überholte ich schon die ersten Geher. Wir kamen an einen der schönsten Stücke der Strecke mit freiem Blick auf die Königsschlösser. Nach einer Passage über eine sumpfige Wiese ging es noch um den Schwanensee herum. Hier waren Alphornbläser aufgestellt. Durch die wunderbare Akustik konnte ich sie auf der ganzen Seenrunde hören. Bei km 38 nahm ich das letzte Gel und näherte mich wieder Füssen. Ich freute mich daran, immer noch schön rund laufen zu können. Kurz vor dem Ziel feuerte mich Conny an, die ihren Teil schon erledigt hatte und wieder geduscht zurück an der Strecke war. Kurz nach 3:46 aber noch vor dem 3:45-Pacer kam ich ins Ziel. Zu seiner Entschuldigung kann ich vielleicht sagen, dass er mittlerweile alle seine Schützlinge verloren hatte und beim Versuch, die letzten zu retten, wahrscheinlich zu viel Zeit verloren hatte.

Ich ging mich schnell duschen und kam rechtzeitig zum Zieleinlauf der Kinder wieder zurück. Felix hatte Paula im Ziel abgewartet und beide liefen gemeinsam mit einer Österreichfahne ins Ziel. Bei der Tombola nach der Marathon Siegerehrung gewannen wir diesmal auch was, allerdings wenig Spektakuläres, u.a. eine Wassermelone, Bananen (Moderator: "Jetzt gibt’s Bananen, ich fühle mich nach 1990 zurück versetzt."), das unvermeidliche Orthomol und unseren sechsten König Ludwig Bierkäse. Am Montag ging’s mit Zwischenstopp im München wieder zurück, wo ich mir im Hofbräuhaus die Belohnung für mein Lauftraining der letzten Monate abholte.

Offline susu

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #2 am: 27.07.2011, 10:45:23 »
Brav seid´s g´wesen! Lob an Paula & Felix. Danke für den netten Bericht.

Offline chribi

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #3 am: 27.07.2011, 11:02:12 »
danke für den netten bericht, schade dass das wetter nicht so besonders war. habts den bierkäse schon aufgegessen ????

Offline Richy

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #4 am: 27.07.2011, 22:31:47 »
Köstlich :)
Schade dass es so feucht war. Bei trockenem Wetter ist der Marathon echt super. Aber alleine die Vorgeschichte war es schon wert, darüber zu berichten.
Flott warst zusätzlich noch. Und schöner Zieleinlauf der Kinder. So gehört das.

Offline KITTY

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #5 am: 28.07.2011, 20:09:21 »
Du hättest den Marathon nicht besser beschreiben können. Mir war er auch zu nass und der Wind am Forgensee hätte auch nicht sein müssen. Gratuliere zum Durchhalten. :)
lg
peter

Offline Don Tango

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #6 am: 01.08.2011, 10:16:36 »
Bis auf den Käse und die Heizung hört sich das doch empfehlenswert an :D


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Offline boenald

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #7 am: 02.08.2011, 11:05:32 »
höchstes niveau, köstlicher bericht!!  toller familienausflug!
Paragraph eins: jedem sein´s.

Offline helga

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2011-07-24 11. Königsschlösser-Romantikmarathon - StefanM
« Antwort #8 am: 08.08.2011, 19:25:10 »
Ich hab an euch gedacht, war zu der Zeit gerade am Weg zum Gardasee unterwegs, das Wetter war grauslich. Toll,  wie ihr das Unternehmen gemanagt habts. Ich gratuliere euch !!!!!!!!!!!!!!!
Der Weg, auf dem Sie Ihre Ziele erreichen, ist genauso individuell, wie Sie selbst. (Klaus Weiland)